Kuala Lumpur, MYS – Von Ratten und Affen

Ein Bekannter sagte mir, Kuala Lumpur sei wie Singapur, nur viel günstiger…. Ich kann es nicht beurteilen, da ich Singapur nicht kenne und auch nicht beabsichtige, dort hin zu reisen – zu teuer!? Sicherlich ist Singapur gehobener, auf jeden Fall viel sauberer, was man so hört und eben halt luxuriöser, man nennt es ja nicht umsonst die Schweiz Asiens. Davon kann ich in Kuala Lumpur nicht wirklich viel entdecken. Vielleicht müsste man sagen, Kuala Lumpur ist wie Singapur, nur günstiger, schmutziger und noch weniger schweizerisch…. wenn sie hier auch auf das Prädikat „swiss“ stehen. Immerhin eine multikulti Gesellschaft haben sie hier auch und das noch viel offensichtlicher als in der Schweiz (nach meinem Empfinden). Was mich zudem ein wenig an Zürich erinnert hat, sind die vielen Baustellen! Kuala Lumpur scheint eine einzige riesig grosse Baustelle zu sein! Ständig braucht es Fantasie und Durchhaltevermögen, wenn man seinen Weg finden will und so manche Sehenswürdigkeit ist auch gerade in Renovation. So ist es nicht immer einfach, sich zu orientieren, die Bushaltestelle zu finden, die gerade versetzt liegt oder den Eingang, der momentan durch einen provisorischen ersetzt wurde.

Noble Appartementhäuser schiessen hier nur so aus dem Boden

Eine Monsterbaustelle zwischen KLCC und Bukit Bintang (Touriviertel)

Eine der zig Baustellen für die Erweiterung der LRT (U-Bahn)

Zu Beginn habe ich KL als extrem schmutzige Stadt kennengelernt, was sicherlich auch meinem ersten „Wohnort“ geschuldet ist (Chinatown); und vor allem als eine Stadt voller Ratten. Noch nie habe ich so oft und so viele Ratten gesehen wie hier. Eine wollte mich sogar anknabbern! Kein Scherz, wobei ich  zugeben muss, dass ich das beissende Vieh nicht wirklich gesehen habe, dass es eine Ratte war, ist von daher nur eine Annahme, doch was sollte es sonst gewesen sein. Zudem hatte ich kurz davor noch eine gesehen, meine Füsse waren dann aber zu sehr im Dunkeln und wer rechnet schon mit so etwas? Abgesehen vom ersten Schreck ist nichts weiter passiert, der „Biss“ hat nicht einmal Spuren hinterlassen. Zum Glück, ich war nicht sonderlich scharf darauf, mich schon wieder mit asiatischen Ärzten oder Spitälern auseinanderzusetzen.

Bei diesen Massen wäre es ein Leichtes gewesen, die Ratten zu fotografieren, nicht selten hätte ich auch mehr als eine oder zwei aufs gleiche Foto gebracht. Doch aus vermutlich nachvollziehbaren Gründen habe ich das gelassen – wer will denn Fotos von Ratten….? Ab und zu verirren sich die Viecher auch an Orte, an die sie definitiv nicht hingehören, wie bspw. die Lobby des Hotels oder die Toilette eines Restaurants, was schnell – wenn auch nicht immer gerechtfertigt – zu einem schmuddeligen Eindruck führt. Man darf hier wohl von einer Rattenplage sprechen, was auch kein Wunder ist, liegen die Abfälle doch grösstenteils einfach auf dem Boden. Nicht so, wie am Morgen nach dem Zürifäscht überall verteilt, sondern zusammengehäuft an Strassenecken oder in der Nähe von Strassenständen, aber halt auf dem Boden und nicht in Containern. Solche habe ich hier auch noch keine gesehen, komischerweise. Es gibt öffentliche Abfallkübel, jedoch zu wenige und je nach Ort werden diese auch regelmässig geleert, nicht aber in Chinatown, dort sind sie meist schon im Laufe des Nachmittags überfüllt, die Leerung bzw. Räumung erfolgt jedoch erst am frühen Morgen darauf und so liegt der Abfall halt stundenlang auf dem Boden herum – ein wahres Fest für die Nagetierchen.

Viel später entdeckt und interessanterweise in einer eher noblen Gegend, auf dem Weg zu meinem Hotel, gibt es eine Art „Homeless-Camp“. Tagsüber ist nichts zu erkennen, aber nachts „hausieren“ da ganze Familien und ich meine jetzt Menschen. Aber wo wir beim Thema Ratten sind, von denen gibt es hier ebenfalls viele. Man kann auch zusehen, wie sie teilweise über die schlafenden Menschen flitzen. In KL, wie auch an anderen Orten in Asien, sieht man beinahe überall vereinzelte Homeless, die in irgendeiner geschützten Ecke schlafen, grad die gedeckten Trottoirs in Malaysia bieten sich hierfür quasi direkt an. Doch diese Anballung ist wirklich aussergewöhnlich, wie ein kleiner „Slum-Ausschnitt“. Und es verwundert doch sehr, dass sich dieser „little Slum“ ausgerechnet zwischen modernen und edlen Geschäftshäusern und 4-⭐️Hotels ausgebreitet hat. Mein Hotel hat denn auch mit entsprechenden Gäste-Reviews zu kämpfen und ich mag auch nicht so recht daran glauben, dass die noblen Firmen hier (u. a. eine weltweit bekannte Beratungs- und Revisisionsgesellschaft – ausgerechnet!) auf Wohltätigkeit machen. Wäre entsprechend interessant zu wissen, welche Gründe hinter dieser Situation stehen.

Man hat das Gefühl, man sieht direkt in die Wohnungen dieser Menschen, die essen da auf dem Boden, sitzen zusammen und diskutieren, die Kinder spielen, zu späterer Stunde wird geschlafen…. grad eben so wie wir zu Hause, nur der TV fehlt (und die 4 Wände), Musik gibt es jedoch. Und es sind wirklich viele für die doch eher kleine Fläche. Sobald es dunkel wird, beginnen sie sich anzusammeln. Wenn ich dann am Mittag dort vorbeigehe, ist jedoch nichts mehr zu sehen, abgesehen von ein paar dünnen Matten, die teilweise bei den verschlossenen Eingängen (der Gebäude) hinter die Sicherheitsgitter gezwängt sind.

An einem Abend auf meinem Rückweg zum Hotel, so gegen 22 Uhr, war die besagte kleine Fläche komplett überfüllt mit Massen an Menschen, als ob es etwas gratis geben würde. Und tatsächlich, bei näherem Hinsehen konnte ich diverse Zahnarztstühle und Menschen mit Mundschutz erkennen. Die Situation erinnerte mich an eine Doku, die ich im Zusammenhang mit Obamacare zu den USA gesehen habe. Dort finden ähnliche Anlässe in Turnhallen statt, wo Ärzte aller Spezialisierungen aus Wohltätigkeit Patienten gratis behandeln, weil sich diese keine ärztliche Behandlung leisten können. Ich weiss es natürlich nicht genau, aber in Anbetracht der vielen Menschen an diesem Homeless-Platz nehme ich an, dass es sich dort um eine ähnliche Veranstaltung gehandelt hat. Ob es wohl derartige „Veranstaltungen“ in der Schweiz auch bald gibt, wenn sich der Normalbürger die Krankenkassenprämien nicht mehr leisten kann?

Eine scheinbar spezielle Eigenart von Malaysia sind die gedeckten Trottoirs. Entgegen anderer asiatischer Orte sind sie schon einmal nur selten mit Mopeds vollgestellt, was daran liegen mag, dass es von denen hier gar nicht (mehr?) so viele gibt. Man merkt an Vielem, dass die Malayen wirtschaftlich besser stehen als andere asiatische Länder, die Mopeds, welche vermehrt durch Autos ersetzt wurden, sind eines dieser Merkmale. Um aber auf die Trottoirs zurückzukommen, sie machen sehr oft den Eindruck eines Fortsatzes der angrenzenden Gebäude oder vielleicht müsste man sagen, beinahe alle Gebäude sind von einer Art Atrium-Allee umgeben. Ganz zu Beginn war ich mir nicht einmal sicher, ob es sich hierbei um öffentliche Wege handelt….? Das hat den Vorteil, dass man bei Regen oft geschützt ist. Andererseits sind die Böden dort meist mit Platten belegt, die sehr rutschig werden, wenn sie nass sind (was sie bei den Massen an Regen hier trotz Dach werden). So auch bereits auf Penang erlebt.

Ein freistehendes Trottoirdach (mit integrierter Bushaltestelle ?)

Und die moderne Fassung davon (ohne Bushaltestelle ?)

Sowie die genannten „Alleen“ um die Gebäude, hier in modern

und alt – meist gibt es hier auch noch ein anschliessendes ungedecktes Trottoir, daher auch meine Ungewissheit, ob der gedeckte Teil auch öffentlich ist

Neu und inklusive Windpropeller, weil es ja so heiss ist in Kuala Lumpur….

Eine erstaunlich gute Sache hier sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Zu Beginn sind sie etwas schwierig zu „entwirren“, weil sie so einige verschiedene Arten davon haben und jede einzelen besitzt auch noch verschiedene Namen (so nennt sich bspw. die red-line LRT gleichzeitig auch nach deren Endstation). Neben Bus und Zug, wie wir sie kennen, existieren auch eine Monorail-Bahn, die Komuter-Züge und die U-Bahn (auch LRT genannt), die allerdings nur selten unterirdisch verläuft und es hat ebenfalls ein Weilchen gedauert, bis ich herausgefunden hatte, dass mit dem Public Transport of Klang Valley die Stadt Kuala Lumpur (und ihre Aglos) gemeint sind…. Und wie auch in Bangkok könnten sich unsere Verkehrsbetriebe bei den hiesigen Ticketautomaten noch ein paar Scheiben abschneiden! Das Beste aber ist, die scheinen nie überfüllt zu sein! War es in Bangkok nicht gar so lustig, mit Gepäck in den ÖV unterwegs zu sein, war das hier bis anhin noch nie ein Problem!

Es gibt zudem einen Gratisbus. Eigentlich gedacht für die Touristen, wird er natürlich auch von den Einheimischen rege benutzt und der war doch des öfteren ziemlich voll gestopft. Für Busse gilt das noch oft. Es kommt mir auch so vor, als ob die Einheimischen (noch?) stark auf die Busse fixiert sind und die U-Bahn eher für Expats und Touristen erstellt wurde. Einige Strecken sind auch noch im Bau (ein Grund für die Baustelle „Kuala Lumpur“), möglicherweise gibt es die U-Bahn also noch gar nicht so lange und die Einheimischen haben sich noch nicht darauf umgestellt oder aber sie gehen einfach sehr ungern zu Fuss (die Distanzen zwischen den Bushaltestellen sind geringer als diejenigen zwischen den Bahnhöfen…. dafür ist die U-Bahn unabhängig vom Verkehrschaos).

Neben den beinahe allgegenwärtigen Ratten, finden sich an strategisch cleveren Plätzen auch Horden von Affen – man findet tatsächlich Gemeinsamkeiten zu den Menschen, denn auch die Affen sind gierig und auf Effizienz aus. Das ist mir bereits in Indien und in Kambodscha aufgefallen, sie halten sich nicht selten bei Sehenswürdigkeiten auf, da wo viele Menschen mit Geld sind, die die Affen nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern eine wahre Freude an ihnen haben und sie nur allzu gerne füttern und fotografieren. In Kambodscha waren selbst die Tuk Tuk-Fahrer darauf getrimmt und haben immer brav angehalten, wenn sich irgendwo (grösstenteils in Ankor Wat) eine Affenfamilie tummelte. In Malaysia sind sie mir erstmals in den Batu Caves begegnet. Ein Ort, an den sie auch hinpassen. Es handelt sich dabei um Kalksteinhöhlen, die mehrere Hindu-Tempel beherbergen. Sie liegen etwa 15km nördlich von Kuala Lumpur.

Bereits nach dem Verlassen des Bahnhofs Batu Caves erblickt man die riesige grüne Statue, die quasi den Anfang der Batu Caves bestimmt. Der Weg bis zum grossen Platz vor den 273 Treppenstufen, die zu den Höhlen hinaufführen, ist gesäumt von hohen Kalksteinfelsen, an denen die Affen herumturnen und zu deren Füssen ein erster Hindu-Tempel liegt, gefolgt von einem kleinen Zoo. Anschliessend öffnet sich der grosse Platz, mehr oder weniger bevölkert von Menschen und Tauben. Dieser ist umzäunt von einem weiteren Hindu-Tempel, der Treppe zu den Höhlen, Car-Parkplätzen und anschliessenden Strassen sowie an der 4. Seite ein paar Restaurants und den üblichen Ständen mit Souvenirs.

Ein Grossteil der gesamten Anlage ist frei zugänglich, wie es Tempel (im Gegensatz zu westlichen Kirchen) nun mal sind. Zum Schutz von Flora und Fauna dürfen die weniger hohen, sich aber über 2km erstreckenden Dark Caves nur mit Guide (und gegen Bezahlung) begangen werden. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Höhlen, wie man sich solche auch vorstellt, dunkel, feucht und voller seltener Tierarten, die allerdings nicht wirklich von mir gesehen werden mussten. Ich war nicht drin. Ich hab’s nicht so mit Hindu-Tempel und noch feuchter und müffliger musste nicht sein. Die eigentlichen Batu Caves sind ein paar wenige, aber riesige Höhlen, die allerdings nicht vollkommen geschlossen sind. Die auf den Fotos erkennbaren Lampen sind wohl hauptsächlich für nachts gedacht, denn es fällt genug Tageslicht in die Höhlen. Des weiteren führen mehrere Treppen durch diese Höhlen, so dass man auch von oberhalb derselben einen nennenswerten Ausblick hat. Am Meisten imponiert aber natürlich der Blick abgewendet von den Höhlen, am oberen Ende der 273 Stufen, von wo man über die ganze Gegend um die Caves herum blicken kann.

Welcome to Batu Caves…

Der Tempel unterhalb der Höhlen, auf dem Weg zwischen Bahnhof und Treppenaufgang

Danach folgt der Zoo

Man könnte fast meinen, es gibt mehr Fische als Wasser…. Neben den Affen und den Tauben auf dem Platz noch so eine Hordenansammlung an Tieren….

Und schliesslich der Aufgang zu den Höhlen, davor ein riesiger Platz, den es wohl vor allem am Thaipusam-Festival braucht, wenn Massen an gläubigen Hindus und Zuschauern die Batu Caves bevölkern (zum Thaipusam-Festival siehe späterer Bericht)

Links neben der Treppe der grosse Hindu-Tempel

Der Tempel von aussen

Schliesslich die Treppe mit den 273 Sufen, besetzt von Affenhorden

Innerhalb der Höhlen….

Treppe rauf, Treppe runter, Treppe rauf…. durch die verschiedenen Höhlen, die zwischendurch auch nach oben offen sind

Kleiner Tempel innerhalb der Höhle

Der Ausblick vom Eingang der Haupthöhle

Und der erwähnte grosse Platz

Der meines Erachtens grösste Hindu-Tempel hier, unterhalb der Höhlen, neben dem grossen Platz, diesmal Einblicke zum Inneren des Tempels

Auf dem Dach des Tempels

Wie schon in Little India auf Penang oder auch später in KL fühlt man sich hier in den Batu Caves nach Indien versetzt, nur schon der Geruch in diesen Tempeln…. eine ganz eigene Mischung, die meine Nase nicht sonderlich mag. Die Tempel hier sind allerdings anders als in Indien. Vielleicht liegt es daran, dass diese hier moderner sind oder vielleicht ist es auch der malayische Einfluss? Sie wirken jedenfalls eher wie eine Mischung aus buddhistischen und indischen Hindu-Tempeln.

Und schliesslich die Affen. Das müssen eine Menge „Familien“ gewesen sein, sie waren überall, riesige Horden und teilweise ziemlich frech. Die liessen sich nicht füttern, die fütterten sich selber….

Hier auf dem Weg zu den Dark Caves

Mutter und Kind

Eine weitere Affenansammlung findet sich auf dem Weg zum KL Tower – eine willkommene Pause des Aufstiegs (der KL Tower steht auf einem Hügel mitten in der Stadt)

Die Anlehnung an Steinbecks Romantitel ist bewusst, wenn auch nicht inhaltlich gedacht, obwohl man sich hier in Asien in gewissen Bereichen manchmal um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt fühlt (so gibt es bspw. so einige Parallelen zur Depression der 30er-Jahre in den USA….) und gerade die Tempel sicherlich ein passendes Symbol für die Suche oder den Traum der Menschen nach dem/vom Glück darstellen. Und auch wenn der Inhalt des Romans zeitlos ist und uns in seinen Grundzügen auch heute noch überall begegnet, so kam mir die Idee zum Titel doch in erster Linie einfach aufgrund der ständigen Konfrontation mit den genannten Tierchen. Und mir gefiel die Aussage, die sich durch den Austausch der Substantive ergibt, wobei jedem selber überlassen sei,  welche Interpretation er/sie daraus zieht….?

 

George Town (Penang), MYS – Ökologie, Religion und Fakelaki

Malaysia hat mich zu einem Starbucks-Stammgast werden lassen. Das liegt hauptsächlich an KL’s Chinatown und einer Täuschung. Die „Restaurants“ in Chinatown/KL bieten kein free wifi und so bin ich bereits dort oft auf Starbucks ausgewichen. In George Town angekommen, hab‘ ich’s wohl einfach blöd getroffen, als meine ersten 3 Gaststätten-Versuche die Frage nach free wifi ebenfalls verneinten. Ich kam zum Schluss, dass dies in Malaysia offenbar nicht so verbreitet sei. Mittlerweile weiss ich, dass das nicht unbedingt korrekt ist, doch ich habe mich an Starbucks gewöhnt, der Kaffee ist hier immer gut, die Preise – man staune als Schweizer! – günstig, wifi meist recht passabel und sie haben Aussensitzplätze, die ich der „freezing world inside“ eindeutig vorziehe. Überraschenderweise recht schnell hat sich mein Gesicht hier durchgesetzt, was dazu führte, dass meine Bestellung bereits aufgegeben wurde, wenn ich erst im Anmarsch war. Nicht selten stand mein Latte Venti schon abholbereit, bevor ich überhaupt dazu gekommen war zu bezahlen! ?

Die Malayen scheinen sich von der Erfindung der A/C noch nicht erholt zu haben – jedenfalls übertreiben sie es nach europäischem Empfinden masslos. Nur schon das Vorbeigehen in einigen Metern Abstand an einer Mall, deren Tür sich gerade geöffnet hat, lässt die Schweisstropfen kristallisieren! Vermutlich eine ähnliche Erfahrung, wie wenn man in Dubai eine der Skifahr-Hallen betritt… Ein deutscher Austauschstudent hat mir erzählt, dass er für die Uni immer einen Pullover dabei hatte. Er sei allerdings der Einzige gewesen! Es ist uns beiden unverständlich, dass die Malayen sich in dieser Kälte wohlfühlen. Genauso, wie es ihnen unverständlich ist, dass ich lieber draussen sitze. Sie stöhnen immer über die unerträgliche Hitze und fragen mich im Laufe meines Restaurant-Aufenthalts mehrfach, ob ich nicht doch lieber drinnen sitzen wolle. Dabei ist es gar nicht wirklich heiss, solange man nicht gerade in der prallen Sonne herumsteht! Mich zumindest nerven sogar die Wind-Ventilatoren, die auch draussen unermüdlich zum Einsatz kommen. Aus meiner Sicht auch so etwas, wo man schmerzfrei und leicht eine Menge Energie sparen könnte. Zugegebenermassen sollten wir damit allerdings zuerst bei uns anfangen, bevor wir der 2. und 3. Welt diesbezüglich Vorschriften machen! Dennoch ärgert es mich hier in Asien immer wieder masslos, wenn ein Auto (oder sogar ein Moped und hier fehlt mir das Verständnis definitiv) minutenlang einsam und allein, sprich ohne Insassen auf weiter Flur, vor sich hin motorlet. Ich nehme an, dies ist auch der Klimaanlage geschuldet, die Kühlung soll ja nicht unterbrochen werden (was bei einem Moped allerdings keine Begründung sein kann). Ich finde das nicht nur masslos übertrieben, sondern vor allem auch ziemlich nervig. Diese Beschallung ist nun wirklich nicht gerade Musik in meinen Ohren. Da kann ich doch sogar einen gewissen Sinn an den Benzinsteuern erkennen!

Malaysias Staatsreligion ist der Islam, was für mich soweit nichts Neues war. Dass hierzu allerdings quasi ein Zwang (oder ein Geburtsrecht, je nach Sichtweise) besteht, hat mich doch überrascht und vor allem auch irritiert…..:

Bis weit in die 1970er Jahre galten viele muslimische Malaien als liberal. Mit der Dakwah, einer islamischen Erweckungsbewegung, setzte jedoch eine Islamisierungswelle ein (ausgelöst durch verschiedene ethnische und soziale Konflikte), so dass Malaysia heute orthodox-islamisch ist. Die Malaien, die 50,4 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind praktisch alle Muslime. 

Nach der Verfassung des Landes sind alle ethnischen Malaien von Geburt an automatisch Muslime. Sie können keine Andersgläubigen heiraten. Ein Abfall vom Islam wird höchst ungern gesehen und ist in der Praxis nur schwer möglich. Hierzu ist zunächst ein „Borang Keluar Islam“ (Formular zum Austritt aus dem Islam) auszufüllen. Anschließend muss circa zwei Jahre bewiesen werden, dass man nicht doch noch zum Islam bekehrt werden kann, beispielsweise in „Umerziehungszentren“, wo Austrittswillige festgehalten werden. Letztlich muss ein Sharia-Gericht über den Austritt entscheiden – die in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit besteht nur theoretisch. [Wikipedia]

Deshalb gibt es auch keine schwulen Malayen…. Schwulsein ist im Islam bekanntlich nicht möglich (in Malaysia auch strafbar) und konvertieren geht auch nicht…. saublöde Pattsituation – habe dazu eine Biographie gelesen. Der arme Mann hat es mit Konvertieren versucht und ist letztlich aus seiner Heimat geflohen.

Penang ist zwar mehrheitlich chinesisch, dennoch habe ich den Muezzin hier zum ersten Mal wahrgenommen. Dabei habe ich überrascht festgestellt, dass diese nicht immer das Gleiche erzählen. Nicht, dass ich auch nur ein Wort davon verstanden hätte, aber es fällt auf, dass die Länge der Gebete sehr unterschiedlich ausfällt und damit meine ich nicht zu unterschiedlichen Tageszeiten, sondern unterschiedliche Moscheen. Neben einem der Starbucks findet sich auch eine Moschee. Wann immer sich dieser Muezzin hier meldete, es dauerte keine 5min und es war wieder still. Erst habe ich mich gefragt, ob das damit zusammenhängt, dass gleich neben dieser Moschee eine Art Marktplatz liegt, der so ab abends um 17 Uhr, wenn die Stände langsam öffnen, laut beschallt wird mit meist westlicher Musik. Doch auch wenn die Musiklautsprecher tagsüber ruhig sind, bleibt das Gebet kurz. Nebenbei erwähnt, eine wirklich kuriose Kombination, wenn der Muezzin zusammen mit Abba oder Take That spricht. Vom Hotel her hörte ich jedoch einen anderen Muezzin (zumindest kam’s von einer anderen Moschee) und das dauerte doch einiges länger. Würde mich echt interessieren, was die Unterschiede sind und worin sie sich begründen.

4-spurig und komplett leer…. (ausser in der Rushhour), ein bis zwei Spuren werden daher meist als Parkplatz für Busse genutzt


Das liebe Geld – wo auf der Welt dreht sich nicht alles darum? Vielleicht bei einigen noch ziemlich abgeschotteten indigenen Völkern…. Doch bei denen war ich ja nicht und so ist es auch nicht überraschend, dass das zentrale Thema auch auf meinen Reisen in vielen möglichen Formen zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zu Zuhause fand ich Korruption nicht nur in den Zeitungen (zwischen den Zeilen) und in der Logik des gesunden Menschenverstandes, also quasi unterschwellig, im Geheimen und versteckt, sondern auch offen und direkt, ich sass quasi in der ersten Reihe und durfte zusehen, ja sogar miterleben.

Einst bei einem Einkauf in einem Minimarkt. Ich war nicht das erste Mal da, bis anhin gab es jedoch nichts Ausserordentliches zu berichten. Doch das sollte sich ändern. Die Kassiererin begann, meine Waren auf der Kasse einzutippen, hörte jedoch plötzlich damit auf, nahm den Taschenrechner zur Hand und hielt mir diesen schliesslich hin, um mir anzudeuten, dass ich den Betrag gemäss Taschenrechner-Display zu bezahlen hätte, welcher natürlich nicht mit dem Betrag auf der Kasse übereinstimmte. Zuerst war ich ziemlich verwirrt, konnte ich mich doch bis anhin am Betrag an der Kasse orientieren, wofür brauchte es denn jetzt plötzlich einen Taschenrechner? Natürlich hatte ich registriert, dass sie nicht alles getippt hatte und der Betrag auf der Kasse damit nicht stimmte, doch die Logik dieser Vorgehensweise ging mir erst einmal komplett ab. Bis der 20er schliesslich fiel! ? Ob die Kassiererin nun aber den Eigentümer des Ladens betrogen hatte oder sie zur Familie gehörte und hier der Staat betrogen wurde oder es letztlich nur um eine Inventarkorrektur ging, weiss ich natürlich nicht. Ganz sauber war die Sache vermutlich nicht. Im Hinblick auf die Korruption der Regierung (im grossen Stil – ich habe auch malayische (Internet-)Zeitungen gelesen) und die Behandlung der (chinesischen) Minderheiten durch den Staat, konnte ich die Situation aber ganz gut mit meinem Gewissen vereinbaren und habe mit einem Schmunzeln den gewünschten Betrag bezahlt.

Weniger schmunzelnd, eher mit Empörung habe ich einen staatlichen „Kontrollbesuch“ in meinem Hotel  zur Kenntnis genommen. Ich war gerade an der Reception und plauderte ein wenig mit der Angestellten, als 2 komplett verhüllte (naja, fast, das Gesicht war frei) Damen eintrafen. Die Kleidung tut natürlich nichts zur Sache, liess mich allerdings darauf schliessen, dass es zwei malayische (da eben muslimische) Frauen waren. Sie sprachen kurz mit meiner Gesprächspartnerin auf Bahasa, was ich natürlich nicht verstand und gingen danach in den Lift. Die Receptionistin erklärte mir darauf, dass die beiden von einer staatlichen Behörde seien und das Hotel kontrollieren würden. Dann nahm sie zwei kleine Couverts zur Hand, in der Grösse von Geldscheinen und zu meinem Amusement wunderschön verziert – am liebsten hätte ich diese fotografiert! – und gab mir zu verstehen, dass die zwei Staatsangestellten hierfür vorbeigekommen seien. Die Kontrolle dauerte denn auch nicht lange, keine 5min und die zwei standen wieder an der Reception. Wechselten noch ein paar Worte mit der Receptionistin, nahmen die beiden Couverts entgegen, nickten mir freundlich zu und waren wieder weg.

Zelebrierung Fakelaki! Hatte ich das nun also auch einmal erlebt. Am meisten fasziniert hat mich ja, dass da nichts Verstecktes war, keine Scham, keine Heimlichkeiten, das lief ab, wie das Normalste der Welt, ganz selbstbewusst und in vollster Selbstverständlichkeit. Ich unterstelle, dass hierbei auch die Einstellung zur Minderheit mit hineinspielt. Die Chinesen sind in Malaysia ja nur Menschen 2. Klasse, geduldet und haben dankbar dafür zu sein, dass sie ihre Geschäfte in Penang so erfolgreich betreiben können, da ist es nur recht, wenn die Privilegierten davon auch etwas abbekommen. Allerdings weiss ich natürlich nicht, wie es in malayischen Hotels abläuft. Ich weiss noch nicht einmal, ob es solche überhaupt gibt. Die Receptionistin hat nur über die chinesischen Betriebe gesprochen und es war viel Emotion in diesem Gespräch enthalten. Dieser (bei Westlern) noch weit verbreitete Glaube des friedlichen Mit- und Nebeneinanders der Kulturen in Malaysia ist nicht mehr wirklich. Vermutlich geht es hier eher um eine verhasste Abhängigkeit. Was wäre die Schweiz ohne die Ausländer, die die Arbeiten erledigen, die der Schweizer nicht (mehr) tun will? Wo wäre Malaysia ohne die arbeitswütigen Chinesen und ohne deren Investitionen? „Alle Menschen sind gleich“ dürfte in der Malayischen Verfassung nicht verbürgt sein oder dann ist sie ebenso theoretisch wie die Religionsfreiheit.

Ich liess mir natürlich noch weitere Details zur Behördenkontrolle erläutern und erfuhr, dass der Kontrollgang per Mail angekündigt wird. Die Mail beinhaltet auch gleich den erwarteten „Fakilaki-Betrag“, damit es auch ja keine Missverständnisse gibt (diese Schriftlichkeit hat mich doch überrascht). Was ich nicht verstanden habe, ist, wieviele solcher Kontrollen es pro Jahr gibt und ob es unterschiedliche Behörden gibt, die kontrollieren. Auch habe ich nicht nach dem Betrag gefragt, der abgeliefert werden muss.

Ausblick bei Nacht

 

Du kennst mich nicht, aber Du warst in mir drin!

An dieser Schlagzeile bin ich kürzlich hängen geblieben – irgendetwas stimmt doch an diesem Satz nicht…..! So bin ich auf ein reales Ereignis gestossen, dass es eigentlich in der Realität gar nicht geben dürfte!

Es wäre wünschenswert, dass Du, die/der Du das jetzt liest, die Geschichte bereits kennst – jeder sollte davon gehört haben! Junger, weisser Mann, erfolgreicher Sportler, Stanford Student vergewaltigt eine junge, ebenfalls weisse und infolge Komasaufens bewusstlose Frau. Er wird erwischt und letztlich sogar verurteilt. Es ist schlimm genug, dass solche Dinge passieren, noch schlimmer ist, wie unsere Gesellschaft damit umgeht und schlichtweg skandalös und absolut inakzeptabel sind der Umgang mit der Situation und das Gebaren des Angeklagten, dessen Vater und Verteidiger und schliesslich vor allem die unverschämt milde Strafe! Zum ersten Mal empfinde ich es als sinnvoll, dieses amerikanische System, das Sexualverbrecher in einem öffentlichen und für jeden zugänglichen Register festhält (und letztlich so manchen Sexualverbrecher zum Opfer von Selbstjustiz besorgter Bürger werden lässt – dies befürworte ich hingegen nicht) – lebenslang gebrandmarkt ist in diesem Fall wenigstens etwas!

Offenbar war es dem Opfer erlaubt, nach der Urteilsverkündung eine Erklärung abzugeben. Diese Erklärung sollte Pflichtstoff werden an sämtlichen Schulen, jeder sollte diese gelesen haben!!! Sie zeigt gut verständlich und halbwegs nachvollziehbar, was in einem Vergewaltigungsopfer vorgeht und welchen Kampf diese Opfer gezwungen werden zu führen und dürfte damit helfen, das unbedingt notwendige Umdenken unserer Gesellschaft endlich voranzutreiben (wenn wir unsere Jugend eben entsprechend lehren).

Deshalb lies das, wenn Du es noch nicht getan hast!! (Und ja, dies ist ein Befehl)

Die Erklärung im Original:

https://www.buzzfeed.com/katiejmbaker/heres-the-powerful-letter-the-stanford-victim-read-to-her-ra?utm_term=.pakdzVQbv#.uxjy8WGMV

oder in deutscher Übersetzung:

https://www.buzzfeed.com/katiejmbaker/hier-ist-der-bewegende-brief-den-die-in-stanford-missbraucht?utm_term=.yb0zbAGve#.slJNzeKVn

 

 

Was wohl in den Tätern dieses Falles vorgegangen ist, während sie dieser Erklärung lauschen mussten? Haben sie überhaupt zugehört oder feige „auf Durchzug“ gestellt? Haben sie sich gewunden und unwohl gefühlt während dieses langen Monologs? Hatten sie wenigstens den Anstand, sich zu schämen? Sind sie sich insgeheim ihrer Schuld bewusst und gestehen sich diese wenigstens sich selber gegenüber ein? Vermutlich nicht!

Das Schreiben des Vaters an den Richter zeigt ziemlich deutlich, dass er die Schuld allein dem Opfer gibt, nicht seinem Sohn, der nun gezeichnet ist für sein Leben (der arme Kerl!) und schon gar nicht seiner Erziehung. Der Sohn, der so hart gekämpft hat für seine Träume, die nun alle zunichte gemacht wurden, der nun keinen Appetit mehr hat und seine Lebensfreude verloren hat – wenn das mal nicht genug Strafe ist für 20min Action. Was muss die Frau auch so ein Theater machen wegen eines kleinen unbedachten einmaligen Fehlers in unzurechnungsfähigem Zustand!

Was mag in Turners Anwalt vorgegangen sein? Jeder hat ein Anrecht auf die beste Verteidigung (auch wenn das manchmal wirklich schade ist), doch würde jeder Anwalt dies zu erreichen versuchen, indem er das Opfer diskreditiert und versucht, aus dem Opfer einen Täter zu machen? Ist ein solches Vorgehen wirklich akzeptabel und gerechtfertigt mit dem Wohl des eigenen Mandanten? Ich habe da so meine Mühe damit. Diese (amerikanischen) Verteidigungsstrategien sind schlichtweg unter aller Sau und menschenunwürdig! Mag sein, dass dies zu subjektiv ist, mag sein, dass ich es anders empfinden würde, wenn der Opferanwalt den Täter ebenso behandelt hat, doch grundsätzlich versuche ich dem Prinzip des Anstands und des gegenseitigen Respekts zu folgen. Daher bin ich überzeugt, dass auch eine gute Verteidigung möglich wäre, wenn sie auf diesen Grundsätzen aufgebaut wäre.

Und schliesslich die Frage, was im Richter vorgegangen ist, der dieses unerklärlich milde Urteil gesprochen hat? Hatte er am Ende ein schlechtes Gewissen? Hat er realisiert, dass er sich zu einseitig hat beeinflussen lassen? Oder hat auch er sich über das Opfer und ihre Rede geärgert und diese als nicht zu rechtfertigende Frechheit empfunden? Nebenbei, seine Rechtfertigung für die milde Strafe basiert offenbar auf dem Schreiben einer Freundin des Täters – was tut es denn zur Sache, dass der Täter nicht das sprichwörtliche Monster ist? Wenn ein Mensch einen Mord begeht, lassen wir ihn dann mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, weil er von seinen Freunden geliebt wird? Zudem gibt es bei Totschlag oder Mord manchmal Umstände, bei denen man die Tat verstehen kann (wenn bspw. ein Vergewaltigungsopfer seinen Peiniger umbringt, nachdem dieser straffrei davongekommen ist….) – ich wüsste nicht, dass man das bei Vergewaltigung auch sagen könnte, hierfür gibt es nach meinem Ermessen schlichtweg nie einen Grund und somit auch keine mildernden Umstände!

Sie alle sind an den Pranger zu stellen: Brock Turner, Dan Turner, der Anwalt und Aaron Persky! Sie alle sollten lebenslang als Vergewaltiger registriert werden, für jeden zugänglich. Der eine hat’s getan (dazu gibt es ein Urteil), die anderen haben im übertragenen Sinne nachgedoppelt – das ist die Sichtweise und das Empfinden, welche in unserer Gesellschaft verbreitet und in den von ihr gesetzten Regeln zum Ausdruck kommen sollten!

 

Ich bin überrascht, wie fair und verhältnismässig rational diese Erklärung abgefasst ist. Das ist kein selbstbemitleidendes Gejammer, keine Aneinanderreihung von trotzigen Anklagen (obwohl beides verständlich wäre) und davor ziehe ich den Hut! Sie ist lang, sehr, sehr, sehr lang, die Wiederholungen beinahe unerträglich – ein Versuch, dem Angeklagten zu vermitteln, dass er nicht für zu viel Alkoholkonsum schuldig gesprochen wurde sondern für Vergewaltigung. Es fällt schwer nachzuvollziehen, dass er, dass irgendjemand noch immer nicht begreift! Doch genau davon muss man ausgehen, wenn man das Verhalten dieser Täter betrachtet, wenn man deren Reaktionen (auf das Urteil) liest und schlimmer noch, wenn man die Kommentare zu den diversen Artikeln liest, welche momentan in diesem Zusammenhang in den Medien erscheinen! („Gut verständlich“ (meine Beschreibung der Erklärung des Opfers) trifft es damit wohl doch nicht so ganz…..) Vermeintlich ganz normale Menschen, zumindest keine von der Geschichte entlarvten Diktatoren oder von Psychiatern diagnostizierte Soziopathen hinterfragen das Opfer, stellen sich mehr oder weniger deutlich auf die Seite des Vaters und/oder des Täters, verharmlosen die Tat!! Wenn man bedenkt, dass jede 5. Frau einmal in ihrem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs wird, überraschen diese Reaktionen, dieses Denken allerdings nicht mehr. Irgendwer muss diese Übergriffe ja begehen. Jede 5. Frau!!! Und die (deutsche) Justiz bringt es sogar fertig, ein Vergewaltigungsopfer letztlich als Täterin anzuklagen! Was für ein Spiegel unserer Gesellschaft!!!

 
Wenn das Opfer zu einer Rekordbusse von €24’000 verurteilt wird….:

http://www.stern.de/lifestyle/leute/gina-lisa-lohfink–chronik-einer-angekuendigten-schaendung-6888744.html

 

Oder wenn die Elternliebe als Rechtfertigung angeführt wird….:

Einer der Kommentatoren meinte lapidar, dass es doch normal sei, dass Eltern ihren Kindern beistehen würden und man dem Vater keinen Vorwurf machen könne – natürlich sollen Eltern ihren Kindern beistehen! Dagegen ist nichts einzuwenden. Die Frage ist doch aber wie! Darf man es als Elternliebe abtun, wenn sie den Sohn darin bestärken, er hätte nichts Falsches getan, er sei das Opfer, das in jugendlichem Leichtsinn einen Fehler begangen hat, wenn dieser eine Frau vergewaltigt hat? Gehört nicht zu einer guten Erziehung, seinen Sprösslingen beizubringen, was richtig und was falsch ist und dass man die Verantwortung übernehmen muss, wenn man einen Fehler gemacht hat? (Wir wollen nicht vergessen, dass die Schuld des Täters in diesem Fall bewiesen wurde, das war kein Indizienfall!)

Und immer wieder die Mitschuld des Opfers…..:

In einem weiteren Kommentar (stellvertretend für viele, die in diese Richtung zielen) wurde doch tatsächlich gefragt, ob die Komasauferei des Opfers, die schliesslich zu dessen Bewusstlosigkeit führte, nicht als Beihilfe eingestuft werden müsse??! Was um alles in der Welt ist denn das für eine verdrehte Denkweise? Sex ist nun einmal nur „legal“, wenn er in beiderseitigem Einverständnis stattfindet und wie bitte schön soll eine bewusstlose Person ihr Einverständnis kundtun? So einfach ist das! Da gibt es kein Meinen oder Interpretieren, ohne ein klares Ja läuft nichts, punkt! Wer etwas Anderes behauptet, hat’s noch immer nicht verstanden.

Quelle: Youtube

Es war nirgendwo Thema und bei der ausführlichen Standardprozedur an Untersuchungen, die (in den USA) nach einer Vergewaltigung durchgeführt wird, darf man wohl davon ausgehen, dass das Blut des Opfers auch auf K.O.-Tropfen untersucht worden ist und das Resultat negativ war. Doch hat uns unser kleiner Schweizer Politfall (wenn ich mich korrekt erinnere, ging es um eine grüne Politikerin und einen SVP-Mann, beide aus dem Kanton Zug) gelehrt, dass K.O.-Tropfen nicht allzu lange im Blut nachgewiesen werden können. Wer weiss also, wie stark selbstverschuldet die Bewusstlosigkeit und das Blackout des Opfers wirklich waren? Allein unser Wissen, dass diese missbräuchliche Verwendung von „medizinischen Hilfsmitteln“ in diesem Zusammenhang vorkommen kann, sollte uns demütige Zurückhaltung üben lassen mit solchen „Beihilfsbeschuldigungen“!

Wenn das Opfer nicht „mit dabei“ ist

Ich habe vor einiger Zeit einen Bericht über Vergewaltigungsopfer nach Verabreichung von K.O.-Tropfen gesehen und zusammen nun mit der Erklärung des Brock Turner-Opfers fühlt es sich an, als würden mir die Fingernägel ge- und gleichzeitig die Haut abgezogen, beim Versuch nachzuempfinden, wie es sein muss, wenn man im Geiste absolut keine Erinnerung an ein schlimmes Erlebnis hat, wenn sich nur der Körper daran erinnert. Wir sind es nicht gewohnt, etwas ohne Verstand zu erfassen. Nun auf brutalste Weise zu lernen, die Signale des Körpers zu verstehen, muss alles noch viel schlimmer und schwieriger machen! Versucht das einmal nachzuempfinden! Gerade der Umstand der Bewusstlosigkeit des Opfers müsste eigentlich dazu führen, dass die Strafe höher als im Durchschnitt ausfällt. Denn die Qual des Opfers ist dadurch massiv grösser, die Verarbeitung und damit die Heilung werden merklich erschwert! Muss ich das hier wirklich erwähnen? Offenbar schon, konnte ich nämlich bei den Kommentaren auch die Frage lesen, wie denn ein Richter etwas bestrafen solle, an das sich das Opfer gar nicht erinnern könne – ganz nach dem Motto, was du nicht weisst, macht dich doch auch nicht heiss? Stell Dir mal vor, Du wachst auf und hast einen zerschundenen Körper und keine Ahnung, warum! Ups, da wird mich wohl gestern jemand verprügelt haben, doch was soll’s, war ja quasi nicht mit dabei….!

Ganz zu schweigen davon, dass dieser Umstand den Täter auch nach der Tat, insbesondere beim Prozess, wiederum in eine Machtposition bringt. Bei einer Vergewaltigung geht es nicht wirklich um Sex, es geht um Machtausübung, und es kann nur als unerhörter Affront empfunden werden, dass das Machtverhältnis zwischen Täter und Opfer über die Tat hinaus bestehen bleibt! „Well, we’ll let Brock fill it in“ …… (Zitat aus der Erklärung des Opfers)

 

Aus den Kommentaren zu genanntem Artikel geht auch hervor, dass sich einige Männer offenbar angegriffen gefühlt haben, von wegen, man würde ihnen unterstellen, weil sie Männer seien, könnten sie sich nicht in das Opfer hineinfühlen und deren Qualen nicht nachvollziehen. Dazu möchte ich anfügen: ich bin eine Frau, eine nicht vergewaltigte Frau und ich konnte es nicht! Bzw. ich kann es vermutlich immer noch nicht wirklich. Die Erklärung des Opfers geht durch Mark und Bein und vermittelt ein ungefähres Bild des Gefühlszustands eines solchen Opfers, aber ich bin sicher, das wahre Ausmass eines solchen Erlebnisses können wir alle, die wir so etwas – zum Glück! – nie erleben mussten, nicht wirklich nachvollziehen, nicht nacherleben oder uns nicht hineinfühlen! Gerade deshalb müsste es eigentlich an den Opfern sein, das gesetzliche Strafmass für derartige Verbrechen im Grundsatz festzulegen (und nicht am Gesetzgeber, sprich den Volksvertretern, die sowieso noch nicht verstanden haben, was die genaue Bedeutung von Volksvertreter eigentlich meint). Auf jeden Fall müsste die Mindeststrafe für sexuelle Gewalttaten viel höher liegen, um ein reales Bild der Schwere dieser Straftat zu vermitteln und um der Tatsache gerecht zu werden, dass eine Vergewaltigung noch nicht vorbei ist, wenn sie vorbei ist. Nicht selten müssen sich Vergewaltigungsopfer immer wieder rechtfertigen, sich demütigen lassen und vor allem müssen sie die Tat immer und immer wieder durchleben, bei der Befragung, beim Prozess, aufgrund der Medien.

Vergewaltigung – ein Kavaliersdelikt!

Schon so oft habe ich mich geärgert über die verhängten Strafen im Zusammenhang mit Vergewaltigung. Denn dieser Fall ist wahrlich kein Einzelfall und scheint mir gerade in der Schweiz beinahe Normalzustand (auch ohne dass der Vater des Täters dem Richter einen Brief schreibt – unsere Richter kriegen das auch ganz alleine hin). Tatsächlich sitzt ein verurteilter Sexualverbrecher in den USA durchschnittlich 11j. Gemäss einer im TA (online-Artikel „Härtere Strafen für Sexualdelikte“ vom 13.10.2014) zitierten Studie liegen in der Schweiz die durchschnittlichen Strafen (für die Jahre 2000 bis 2009) für Vergewaltigung bei 1’179d, für sexuelle Nötigung gar nur bei 876d. Kein Wunder, wird eine Vergewaltigung als Kavaliersdelikt wahrgenommen.

Da wird einem immer vermittelt, dass die Unversehrtheit von Leib und Leben in unserer Gesellschaft so einen hohen Stellenwert hat! Wie kann es dann sein, dass eine Körperverletzung in Verbindung mit einer lebenslänglichen seelischen Verletzung, ein solch tiefer Einschnitt in ein Leben, der vielleicht nicht immer mit Vorsatz (im gesetzgeberischen Sinn), aber doch immer mit menschenverachtender Brutalität und Machtausübung einhergeht, dass ein derartiges Verbrechen so milde und schwach geahndet wird? Weil das Opfer selbst Schuld ist!

Ich glaube….ich muss daran glauben, dass die überwiegende Mehrheit unserer Gesellschaft nicht bewusst so denkt, doch sind wir ganz, ganz tief geprägt von einem uralten Denken: „Bis vor wenigen Jahren galt eine vergewaltigte Frau als „geschändet“, also mit Schande behaftet. Der Makel der Tat wurde auf das Opfer übertragen, das fortan als „beschmutzt“ galt, als im Wert geminderte, beschädigte Ware, als „Schande“.“ (Zitat Stern-online-Artikel „Die Chronik einer Schändung“ vom 8.06.2016) Auf dem Papier mag das heute nicht mehr gelten, unser Denken und Empfinden sind aber nach wie vor davon beeinflusst. So ist es eine Tatsache, dass sich die meisten Vergewaltigungsopfer schämen und sich nicht selten selber die Schuld geben dafür, dass sie vergewaltigt wurden. Und genauso tun es alle anderen auch….!

 

Noch heute wird den Frauen vermittelt, dass sie sich nicht zu freizügig kleiden sollen, weil sie ansonsten Gefahr laufen könnten, einen Mann zu sehr zu reizen. Noch heute wird einer Frau ihr Verhalten zur Last gelegt, wenn sie bspw. mit ihrem späteren Peiniger geflirtet oder ihn „angemacht“ hat. Der arme Mann, der so triebgesteuert ist, dass er sich nicht beherrschen kann – wollt Ihr wirklich, dass man ein solches Bild von Euch hat? Und die Frau, sie ist die böse Verführerin, die angeklagte Eva, die die Menschheit aus dem Paradies geworfen hat – wieso gibt eigentlich niemand Adam die Schuld dafür, dass er zu schwach war zu widerstehen? Wieso gilt Verführung als Verbrechen oder zumindest als Entschuldigung für ein solches? Weil Männer nicht damit umgehen können, dass sie dagegen nicht ankommen, ausgenommen mit brachialer Gewalt? Oder entstammt das auch wieder so einem mittelalterlichen Kirchendogma, wonach der Mensch, das einfache Volk kein Genuss, kein Hochgefühl, keine Freude kennen darf (sie könnten ja ansonsten nicht mehr gehorchen)? Was tun die sexuellen Reize und die Verführungskünste eines Opfers überhaupt zur Sache, wo es doch eigentlich um Machtdemonstration geht?

Ich bin mir bewusst, dass es auch männliche Vergewaltigungsopfer gibt, sie sind allerdings stark in der Minderheit. Zudem gehe ich davon aus, dass auch diese meist Opfer von männlichen Tätern sind, allein aufgrund der Tatsache, dass es für eine Frau aus physischen Gründen recht schwierig ist, einen Mann zu vergewaltigen. Doch selbst das kommt offenbar vor. Mit den Hintergründen solcher Taten habe ich mich jedoch zu wenig befasst, um mich an dieser Stelle dazu äussern zu können. So mögen die Motive und „Entschuldigungen“ von Täterinnen evt. anderswo liegen, die Konsequenzen für die Opfer bleiben jedoch immer die gleichen. Diese Anklage schliesst daher alle Täter mit ein, vor allem aber gilt sie der Gesellschaft!

 
Um den Bürgern klar zu machen, dass Autofahren in angetrunkenem Zustand kein Kavaliersdelikt ist, wurden die Promillegrenze herabgesetzt und die Strafen verschärft. Es wird Zeit, dass man diese Massnahmen auch bei sexueller Gewalt umsetzt! Denn nichts Anderes vermitteln diese milden Strafen, als dass die begangene Tat gar nicht so schlimm war – was für ein Hohn! Kommt dazu, dass es in vielen Fällen zu keiner Verurteilung kommt, weil oft die Beweise fehlen oder ungenügend sind und Aussage gegen Aussage steht. In dubio pro reo! Eigentlich ein Grundsatz, den ich unterstütze. Doch wenn man gegen Jahrhunderte überdauerte Einstellungen ankämpfen muss, wird es wahrscheinlich Zeit, diesen Grundsatz etwas anzupassen. Grad wo das Opfer oft zum Täter gemacht wird – sind wir doch zur Abwechslung im Zweifel auf der Seite des „Opfer-Täters“. Wieso nicht im Grundsatz lieber einen unschuldig verurteilten Vergewaltiger als ein ungesühntes Vergewaltigungsopfer? Natürlich würde auch das zu Ungerechtigkeiten führen. Natürlich würde das so manchem Racheengel ein Werkzeug in die Hand legen gegen den verhassten Ex-Partner oder den Angehimmelten, der einem verschmäht hat. Natürlich würde es das! So what? All die Opfer der vergangenen Jahrzehnte oder Jahrhunderte, die nicht zu ihrem Recht gekommen sind, die gedemütigt, ausgegrenzt, gequält oder gar noch bestraft wurden, haben wir ja auch hingenommen…. Und das Gesetz ist bekanntlich nicht gerecht, genau wie das Leben auch nicht und manchmal trifft es halt die Falschen, nur sollten es zukünftig für einmal die anderen Falschen sein….!

 

In dubio pro reo! Und damit geht der Oscar für die beste Hauptdarstellerin an…. Luana?

http://www.watson.ch/Schweiz/Best%20of%20watson/472999060-«Er-ist-unschuldig-»-–-wie-Luanas-Traum-von-der-Freiheit-vor-dem-Aargauer-Obergericht-jäh-platzte

 

Siem Reap, KHM – Alltag

Beinahe 8w habe ich letztlich in Siem Reap verbracht und dabei hat sich so etwas wie Alltag à la Zuhause ergeben. Nun ja, ein sehr komfortabler Alltag, musste ich mich doch nicht um einen Haushalt kümmern, das Reinigen übernahmen die Zimmermädchen, das Kochen die Restaurants, das Waschen der Laundryservice…. Da kann man nicht meckern! Ich konnte also den ganzen lieben langen Tag tun, was mir beliebte, bis auf die kleine Einschränkung bei der Beweglichkeit. Meine üblichen Märsche und Spaziergänge musste ich so natürlich streichen und ich konnte mich auch nicht dazu überwinden, meine Füsse durch Tuk Tuks zu ersetzen. Mich irgendwo ziellos herumfahren zu lassen, entspricht mir irgendwie nicht. Dank der unterschiedlichen Kliniken, den Besuchen der Tempel und einer späteren Bekanntschaft habe ich dennoch ein klein wenig von Siem Reap gesehen.


  

Insbesondere in meinem ersten Monat habe ich meine Zeit hauptsächlich lesend oder schreibend in meinem Lieblingslokal verbracht und zwischendurch mit Plaudereien mit dem Personal. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kommunikation mit Handy keine Marotte der heutigen Jugend ist. Während dieser Zeit sass ich eigentlich immer allein an einem Tisch und war entsprechend mit mir selber beschäftigt. Dass ich dabei mein Handy oder Tablet ständig in den Fingern hatte, scheint mir nicht abwegig (denn ich wollte ja schreiben oder lesen und meine Bücher sind auch in meinem Handy), dass dies jedoch auch bei all meinen Tischnachbarn zutraf, die mindestens zu zweit am Tisch sassen, fand ich doch eher bedenklich. Früher konnte man viele Paare beobachten, die sich die ganze Zeit anschwiegen. Die sind praktisch verschwunden oder sagen wir, es fällt nicht mehr so auf. Denn schweigen tun sie nach wie vor, aber dabei starren sie auf ein Display und erwecken damit zumindest den Anschein, sie wären einfach beschäftigt und könnten daher nicht mit ihrem Gegenüber sprechen…. Wer weiss, womöglich nehmen die Scheidungen Dank Handys ja zukünftig wieder ab, weil das sich gegenseitige Anschweigen „verschwindet“ und man sich so wieder besser vormachen kann, es wäre alles in Ordnung? So gesehen ist das womöglich keine so schlechte Entwicklung?, zumindest will ich mir kein Urteil dazu anmassen, aber der Blick „in die Runde“ im Restaurant hat mich doch etwas schockiert…. Da geht man zusammen in die Ferien und kommuniziert lieber mit dem Handy (oder via wie die Teenies?) als mit seinem Gegenüber? Ok, Ihr habt gewonnen, vermutlich ist es doch mutig, allein auf Reisen zu gehen!

Angkor hat die höchste Tempeldichte und Siem Reap vermutlich die höchste Hoteldichte…. Es ist unglaublich, wieviele Hotels, Guesthouses und Hostels sich in diesem kleinen Ort tummeln. Mir ist das zu Beginn nicht so aufgefallen, aber ich glaube, es gibt da kaum eine Strasse, in der man keine Übernachtungsmöglichkeit finden würde. Wenn man an einen Ort gehen kann, ohne sich im Voraus um ein Hotel zu kümmern, dann ist es Siem Reap! Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Übernachtungspreise extrem günstig sind. Ansonsten ist Siem Reap – ganz dem Tourismus verschrien – eher teurer als andere Orte in Kambodscha. Selber sagen kann ich es nur von Phnom Penh und annehmen darf ich es wohl von sonstigen Orten, die mit Tourismus nichts oder kaum etwas am Hut haben. Gehört habe ich es von anderen Tourismusorten, insbesondere den Strandgegenden. Doch mit guten Beziehungen zu Einheimischen liesse es sich auch in Siem Reap sehr günstig leben.

 
  
  

Ziemlich zum Beginn meiner Siem Reap-Zeit stellte ich nach dem Aufwachen fest, dass sich die A/C nicht aktivieren liess. Ein Griff nach dem Lichtschalter liess mich schliesslich schlussfolgern, dass wohl der Strom ausgefallen war. Das kann es ja in diesen Ländern geben….. Und ich nächtigte nicht in einem der teuren Hotels, wo man von einem eigenen Generator ausgehen könnte. Ist ja auch nicht unbedingt ein Problem, sofern die Akkus geladen sind und der Stromausfall nicht ewig dauert. Als ich dann jedoch unter die Dusche wollte, musste ich feststellen, dass es auch kein Wasser gab…. Das war schon weniger angenehm. Es ist echt nicht toll, sein Heim ungeduscht zu verlassen! Aber immerhin, ohne Strom keine A/C und ohne A/C dürften wohl alle verschwitzt sein… Denn kaum hatte ich das Zimmer verlassen und meinen Hotelstaff begrüsst, liess man mich auch schon wissen, dass an diesem Tag GANZ SIEM REAP weder Strom noch Wasser hatte. Da wurde offenbar irgendetwas umgestellt und dafür wurde einfach mal kurzerhand der Strom abgestellt und das Wasser gekappt…. und das mitten in der Highseason. Etwas gewöhnungsbedürftig, zumindest für uns Westler…. Aber wie gesagt, sassen ja alle im gleichen Boot. Ich nahm es in erster Linie mit Humor. Und mein Receptionist hatte Recht, da diejenigen, die an dieser Umstellung gearbeitet haben, offenbar rechtzeitig in den Feierabend wollten, kamen Strom und Wasser sogar etwas eher als angekündigt, kurz vor 17 Uhr zurück.

Und à propos Strom, einige Tage später, nachts so gegen 2 oder 3 Uhr, sass ich auf dem Balkon, räuchelte gemütlich ein Zigarettchen und genoss die kühlere Nachtluft, als es plötzlich einen enormen, wirklich enorm lauten Knall gab und sofort die gesamte Strasse stockdunkel wurde, was die sprühenden Funken bei einem der grösseren und edleren Gebäude in der Nachbarschaft (irgend so eine Art Karaoke-Schuppen für die reicheren Asiaten) noch viel besser zur Geltung brachte, ein richtiges kleines Feuerwerk! Ich dachte schon, die hätten wohl etwas zu stark auf ihren Feierabend gedrängt und irgendetwas nicht ganz sauber abgeschlossen…. Aber es dauerte keine Minute, da war der Strom wieder da. Naja, bis auf das besagte Gebäude. Da hatte es wohl einen gewaltigen Kurzschluss gegeben. Und erstaunlicherweise waren auch die Generatoren  dieses Luxusschuppens betroffen (oder sie haben keine?), denn dieses Gebäude blieb bis auf weiteres stockdunkel. Muss recht unangenehm gewesen sein für dessen Gäste, vermute ich mal. Aus meiner Perspektive war es ganz unterhaltsam (wie gesagt, Feuerwerk).

Mit Ausnahme einer (? – habe zumindest keine weitere gesehen) Hauptstrasse sind die Strassen hier furchtbar eng (und nicht selten nicht mal asphaltiert). So gab es hier öfters Stau als im grossen Phnom Penh, denn 2 Autos kommen schlichtweg nicht aneinander vorbei, was immer sofort zu einem kleinen Rückstau auf beiden Seiten führte, der sich jedoch meist auch sehr schnell wieder auflöste. Denn stand mal alles, konnten die beiden Autos aneinander vorbeizirkeln und waren sie aneinander vorbei, kam schnell alles wieder ins Rollen. Für Fussgänger ist diese Enge allerdings recht unangenehm. Trottoirs gibt es nur wenige – immerhin, hier sind sie normalerweise nicht vollgestellt, wenn’s denn welche gibt – und am Strassenrand fährt das meiste nur mit milimeter-Abstand an einem vorbei. Zum ersten Mal hier in Asien habe ich mich diesbezüglich des öfteren recht unwohl gefühlt. Erfreulicherweise haben sie es hier weniger mit dieser lästigen Huperei, dafür erschrickt man regelmässig, wenn plötzlich wieder irgendetwas wie aus dem Nichts von hinten kommend an einem  vorbeisaust. Wahrscheinlich war ich diesbezüglich auch empfindlicher, da ich ja allgemein nicht so sicher auf den Füssen stand. Jedenfalls hängt diese Erinnerung noch immer unangenehm nach.

Um den 8. Februar herum war dann Chinese New Year. Da die Kambodschaner ihr eigenes haben (im April), hatte ich nicht erwartet, dass dies ein Thema sein würde. Hatte ich meinen Vietnam-Aufenthalt doch extra darum herum geplant (denn es ist auch das Vietnamesische Neujahr, genannt TET), um solchen Festivitäten auszuweichen, hatte es mich nun doch erwischt. Allerdings konnte ich dem Ganzen letztlich doch ganz gut aus dem Weg gehen und habe eigentlich gar nicht so viel davon mitbekommen, abgesehen davon, dass die Stadt plötzlich voller Chinesen war. Denn die haben offenbar 10d Ferien zu diesem Fest. Ich weiss schon…. Fremde Kulturen und so, sollte man sich ansehen, aber ehrlich, ich hatte einfach keine Lust auf derartigen Trubel. Davon abgesehen war ich doch längst im 2016 angekommen…. immerhin habe ich gelernt, dass es offenbar mehr Neujahrfeiern gibt, als ich gewusst hatte! Das thailändische kommt nämlich auch noch…. Wobei ich mich damit noch nicht so stark auseinandergesetzt habe. Möglicherweise fällt es mit dem kambodschanischen zusammen?

Zwei (chinesische) Kältewellen habe ich in Siem Reap durchgestanden! ? Da erreichten mich aus der Schweiz ständig Nachrichten, von wegen, es sei viel zu warm und der Winter wolle so gar nicht kommen und mir sind fast die Füsse abgefroren! Klimawandel? Gemäss Donald Trump ja nur Geschwätz. Ich weiss, er ist’s nicht wert, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt, aber es sieht so langsam danach aus, als würden wir darum nicht herumkommen. Und nachdem ein europäisches Land nach dem anderen die Populisten in den Himmel hebt und mit tragisch vielen Wählerstimmen beschenkt, müssen wir uns wohl eingestehen, dass die Zeiten, in denen wir die Amerikaner für ihre Dummheit belächelt haben, vorbei sind. Wollen wir dabei aber den kleinen Lichtblick nicht vergessen. Angefangen bei der hohen Stimmbeteiligung vom 28. Februar, die mir endlich bestätigt hat, was ich schon lange behauptet habe: die Mehrheit der Schweizer ist nicht dumm, nur frevlerisch faul und soweit es das Autofahren anbelangt, unverschämt bequem – von wegen Sicherheit! Was für ein scheinheiliges Argument! Wer ausser den ferienhungrigen Europäern und den Transportunternehmen braucht denn einen Strassentunnel durch den Gotthard, wo wir doch demnächst diesen bombastischen Zugtunnel haben? Schweizer, Ihr seid bescheuert. Jammert über die Kosten der vielen Flüchtlinge und werft Mia. aus dem Fenster, damit ihr die Emmissionen von ganz Europa tragen dürft, gratuliere!! Aber ist ja nichts Neues, dass wir das Thema Umweltschutz der nächsten Generation überlassen. Und damit hätte ich den Kreis eigentlich geschlossen, muss aber doch noch erwähnen, dass der 2. Lichtblick vom 28. der Oscar für den männlichen Hauptdarsteller war – endlich! ? Ach so, ja und das DSI-Ergebnis natürlich, wobei ich das eigentlich nicht anders erwartet hatte. Allerdings habe ich erst im März – und das mit einem ziemlich starken Lachanfall – festgestellt, dass die ja gar nicht durchsetzen sollte, wovon ich die ganze Zeit ausgegangen war…..!!? Naja, bin ja hier schon etwas in der Pampa bezüglich schweizer Politik, das Abstimmungscouvert hat mich natürlich nie erreicht und in den Medien war immer nur die Rede vom Durchsetzen und gar nicht so genau, was denn eigentlich durchzusetzen sei und welche SVP-Initiative ist denn ständig Thema? Natürlich die mit der begrenzten Einwanderung und die Schwierigkeit mit den Bilateralen….diese Ausschaffungssache hatte ich gar nicht mehr auf dem Radar! Wär ja auch kein Thema mehr, wenn wir die bösen Ausländer erst gar nicht mehr reinlassen würden…?

 

Kältewelle ist natürlich ein grosses Wort. Es war nicht kalt im schweizerischen Wintersinne, aber es wurde nachts zeitweilen ganz schön kühl und auf jeden Fall kühler, als man hier darauf eingestellt wäre. So während ein, zwei Nächten hätte ich nichts dagegen gehabt, ein wenig heizen zu können. Und ich war ganz froh, als mein Fuss wieder in die Sneakers passte, kalte Füsse sind einfach etwas Unangenehmes!

Zu Beginn meines letzten Drittels in Siem Reap machte schliesslich die Nachricht eines grusligen Mordfalles die Runde. Offenbar war in einem Hotelzimmer eine Frau ohne Kopf aufgefunden worden…. Ich glaube, die meisten Touristen haben davon nichts mitbekommen, aber unter den Kambodschanern war es ein heisses Thema. Ich habe Fotos gesehen, bin aber bis heute nicht überzeugt, dass das Ganze wirklich wahr ist. Googeln hat zumindest nichts ergeben. Was allerdings nicht unbedingt etwas heissen muss. Was interessiert sich die westliche Welt schon für so etwas, so lange es nicht eine westliche Touristin war? Und die Khmer-Nachrichten kann ich natürlich nicht lesen. Auffallend war auch, dass mich die Security-Leute von Hotels auf meinem nächtlichen Heimweg plötzlich ständig gefragt haben, wo ich hin müsse und wie weit es noch sei. Da dies neu war – und ich war ja nun doch schon eine Weile da und diesen Weg etliche Male nach Hause gegangen – lässt sich daraus wohl deuten, dass viele Einheimische der Meinung waren, dass dieser Vorfall Realität sei. Ich weiss es nicht. Es wäre zumindest  nicht der erste solche Fall in dieser Gegend (und damit meine ich einen grösseren Umkreis als nur gerade Siem Reap, länderübergreiffend).

 

  

Schliesslich sollte ich der Pubstreet wohl auch noch ein paar Zeilen widmen, ist sie doch neben den Tempeln DER Touristenmagnet in Siem Reap. Mein Fall war sie nicht so. Nachmittags geht’s, aber nachts ist es einfach nur laut. Wie es der Name sagt, reiht sich eine Bar (oder eben Pub) an die nächste und davor, am Strassenrand, stehen nachmittags die kleinen rollenden Wägelchen, die einem Fruchtdrinks mixen und die nachts von den Wagen mit den starken Alkoholika abgelöst werden. In etwa vermutlich vergleichbar mit den Ausgangsmeilen in den Touristenorten am Mittelmeer, nur das Meer fehlt. Dafür haben sie hier die Bettler, was jetzt nicht zynisch gemeint ist. Im Gegensatz zu Phnom Penh findet man hier nur wenige und eben eigentlich fast nur in der Pubstreet. Wie mir eine alte „Siem Reap-Häsin“ erzählt hat, war das vor ein paar Jahren noch ganz anders. Doch diese Bettler bzw. die ganzen armen Kambodschaner sind irgendwie aus Siem Reap verschwunden und keiner der Westler weiss, wo sie geblieben sind. Offensichtlich wurden sie umgesiedelt  und vermutungsweise so weit weg, dass sich der Weg nach Siem Reap nicht mehr lohnt.

Dabei kommt mir eine Erinnerung an einen jungen Mann ohne Beine und ohne Unterarme (die Vermienung der Khmer Rouge lässt grüssen), der an einer Ecke höckelte, an der wir vorbei gingen. Dieser Kambodschaner hat uns gegrüsst und hatte dabei ein derartiges Strahlen im Gesicht, dass wir nach 5min umgedreht sind, um ihm eine kleine Spende zu geben. Diese unglaubliche Freude, die dieser junge Mann ausgestrahlt hat, hat uns derart beeindruckt, dass es uns noch eine Weile beschäftigt hat. Wer von uns wäre wohl bei diesem Schicksal so lebensfroh? Ich hätte ihn zu gerne fotografiert, um diesen Augenblick festzuhalten. Allerdings bezweifle ich, dass ich ihm hätte klar machen können, weshalb ich dieses Foto wollte. Womöglich hätte es ihn auch so nicht gestört, aber es erschien mir dann doch nicht richtig, einen Krüpel zu fotografieren….und bei meinen Fotografierkünsten wäre es vielleicht auch gar nicht richtig rübergekommen. Diese strahlenden Augen kann ich noch immer vor mir sehen, wirklich unglaublich beeindruckend! Wie in Vietnam gibt es auch in Kambodscha viele solch versehrte Menschen. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Kambodscha in den Vietnam-Krieg hineingezogen worden war. Es gibt auch in diesem Land Agent Orange-Opfer. Noch schlimmer sind jedoch die Auswirkungen der Khmer Rouge, welche viele Bereiche des Landes vermient haben (bspw. auch das Tempel-Gelände von Angkor musste zuerst einmal von Mienen frei geräumt werden). Heute verstehe ich eine Princess Diana oder eine Angelina Jolie, die sich so stark machen/gemacht haben, für die Mienenräumung und entsprechende Verbote. Mienen sind eine derart heimtückische und miese Kriegswaffe, die leider bis weit in die Friedenszeiten nachwirken…. Ich weiss nicht, aber ich glaube, den wenigsten Kriegsparteien geht es darum, für die Khmer Rouge war es aber gerade das Ziel, das Khmer-Volk noch möglichst lange zu schädigen und zu dezimieren. Und damit bin ich von einer ausserordentlichen Freude wieder zu einem deprimierenden Thema abgeschwenkt…. Das war eigentlich nicht mein Ziel. Beenden wir diesen Absatz mit der Erinnerung an die strahlenden Augen und diese unglaubliche Lebensfreude…..

Es heisst, dass die Strasse, in der ich gewohnt und meist auch gelebt habe, die zukünftige Pubstreet sein soll. Einige clevere (?) Investoren bauen darauf und so finden sich eben auch in der noch engen Sok San Rd bereits das eine oder andere Touristen-Ungetüm, sprich riesige Lokale im westlichen Stil. Kurz vor meiner Abreise hat die Polizei sämtliche Namensschilder der Lokale am Strassenrand entfernen „lassen“ – was vorerst einmal zu mehr Dunkelheit und damit nicht gerade zu mehr Komfort geführt hat (diese Schilder sind alle beleuchtet und zu 98% dienen sie gleichzeitig einer Bierwerbung, es hat denn auch eine Weile gedauert, bis ich diese auch als Namensschilder erkannt hatte). Dies weil die Strasse verbreitert werden soll. Mögen also zutreffen, diese Zukunftsvoraussagen oder lässt einfach darauf schliessen, dass die potenten Investoren genug geschmiert haben. Schade, mir hat es ganz gut gefallen, wie es war. Die Strasse bietet alles, was man braucht, Unterkünfte, Restaurants, Läden für den täglichen Bedarf, diverse kleine Streetfood-Stände und vor allem dennoch viel Ruhe. Sollte es denn einst so trubelig zu und her gehen, wie in der heutigen Pubstreet, werde ich wohl „umsiedeln“ und mir ein neues Plätzchen suchen müssen.

Neben den üblichen Katzen, Hunden, Geckos und Moskitos, welche alle in Massen vertreten sind, habe ich auch überraschend viele Frösche angetroffen in Siem Reap. Wobei ich erwähnen sollte, dass ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich Frösche sind oder allenfalls eine andere derartige Spezies, denn sie waren nicht grün, sondern braun, aber von der Grösse her und abgesehen von der Farbe sahen sie aus wie das, was wir Frosch nennen. Es schien ein wenig, als hätte jedes Lokal und jedes Hotel seinen eigenen „Hausfrosch“. Allerdings waren sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt und ob es denn immer wieder der gleiche Frosch war, weiss ich natürlich auch nicht. Doch fast immer, wenn ich irgendwo sass und mich umgeschaut habe, konnte ich am Boden einen entdecken. Und dabei waren eigentlich gar keine Gewässer in der Nähe – also vielleicht doch keine Frösche? Wie auch immer, erstaunlich mutige kleine Kerle sind sie jedenfalls. Habe ich es doch noch nie erlebt, dass ein Frosch oder froschähnliches Wesen um meine Füsse herum gejumpt ist.

In der zweiten Hälfte meines Aufenthalts in Siem Reap hatte ich derart viele Kontakte geknüpft, dass ich kaum noch alleine an meinem Tisch sass. So manches Mal war das gewollt, allerdings nicht immer. Dabei kam ich in den Clinch, auf mein Lieblingslokal oder aufs Alleinsein zu verzichten. Das ist wohl der Nachteil, wenn man zum Stammgast wird in einem Lokal, das noch weitere Stammgäste hat, die einem jedoch nicht besonders zusagen. Sich da zu separieren, ohne zu brüskieren, ist gar nicht so einfach. Dadurch habe ich eine Weile lang ganz schön viel oder zumindest nach meinem Geschmack zu viel Zeit verschwendet. Letzlich war es jedoch eine gute Schulung. Menschen, die nicht zuhören können oder nur hören, was sie hören wollen, muss man vermutlich einfach mal brüskieren, wenn man etwas erreichen will. Jedenfalls habe ich es gegen das Ende hin auch wieder hingekriegt, in meinem Lokal Zeit mit mir selber zu verbringen.

 

Phnom Penh, KHM – Erinnerungsfetzen

Es ist mittlerweile so viel passiert – ich war ein klein wenig abgelenkt die letzten Tage – dass ich mich an die Tage in PP kaum noch erinnern kann. Mal sehen, ob beim Schreiben die Erinnerungen zurückkommen.


Central-Market – gibt es in jeder kambodschanischen Stadt

In der Zwischenzeit ist die Geschichte des Landes wieder in den Hintergrund gerückt – es wird einfach alles „normal“ mit der Zeit – doch ich weiss, dass die Tage in PP stark geprägt waren davon und deren Auswirkungen. So muss ich bestimmt riesige Kulleraugen bekommen haben, als mir eines Abends in einer Nebenstrasse ein Porsche, ein Mercedes und ein Range Rover (mehr oder weniger hintereinander) entgegengefahren sind – später hat mir ein anderer Tourist erzählt, dass er sogar einem Rolls Royce begegnet ist. Nicht unbedingt die Automarken, die man hier erwarten würde. Wie so oft findet man neben der erbärmlichsten Armut auch den unverschämtesten Reichtum. Aufgrund der Strasse habe ich beschlossen, dass die Eigentümer dieser Autos wohl die Zuhälter der dort beschäftigten Damen waren.?  Möglicherweise waren es auch deren Kunden. Ich habe die Sache nicht weiter verfolgt.

Konnte ich mich in Indien problemlos von der Armut und dem Leid distanzieren, fällt mir das in Kambodscha viel schwerer. Zwar fühle ich mich weder diesem Land noch diesem Volk sonderlich verbunden, dennoch tun sie mir unheimlich leid. Vermutlich hängt das vor allem damit zusammen, dass ich mich in gewisser Weise mitschuldig fühle an diesem Elend. Nicht persönlich – zumindest nicht, dass ich wüsste – doch wird mir immer mehr bewusst, was unsere Lebensweise, unsere Wirtschaft und unsere Politik im Rest der Welt verbockt. Eigentlich weiss ich das ja bereits seit der Kantizeit, als man uns beigebracht hat, wie die 1. Welt die 3. ausnutzt. Doch je mehr man sich damit auseinandersetzt und je mehr man auch wirklich sieht bzw. sehen will, je mehr Zusammenhänge man erkennt, desto mehr wird einem auch klar, wie sehr man selber daran mitbeteiligt ist, auch wenn man es gar nicht will oder bewusst tut. Und nun ärgern wir uns auch noch über die Flüchtlinge, dabei haben wir uns das selber zuzuschreiben. Irgendwann kommt alles auf einem zurück…. Ja, sie werden an unserem Reichtum knabbern, aber den haben wir sowieso gestohlen!

Natürlich versuchen auch die Tuk Tuk-Fahrer hier, einem übers Ohr zu hauen und fordern immer einen zu hohen Preis. In meinem „schuldbegründeten Mitleid“ habe ich daher angefangen, sie auf einen anständigen Preis herunterzuhandeln, um ihnen dann aber letztlich doch den Betrag zu geben, den sie zuerst (bzw. als zweites) gefordert haben – das bringt uns jeweils beide zum Schmunzeln, den Fahrer und mich. Einmal habe ich mich aber doch geärgert. Ich sass an der Flusspromenade als ein Mann ohne Beine in seinem Rollstuhl dahergefahren kam, mir ein Schild unter die Nase gehalten hat, worauf in diversen Sprachen erklärt war, dass er für eine NGO arbeite, dass er nicht betteln, sondern sein Geld ehrlich verdienen wolle und daher Bücher verkaufe. Er hatte sogar deutsche Bücher dabei und eines davon machte einen interessanten Eindruck. Er wollte $15 dafür, was ich selbst für schweizerische Verhältnisse etwas viel fand. Aber was weiss ich schon, wie man in Kambodscha zu deutschen Büchern kommt und es war ja für eine gute Sache. Also habe ich eingeschlagen und das Buch gekauft, um mich kurz darauf zu fragen, wie ich nur auf die Idee kommen konnte, mir ein Buch zu kaufen – Bücher bedeuten Gewicht! Das Buch entpuppte sich als super spannend und ich hatte es in einem Zug durchgelesen. Zwei Tage später hat mich der gleiche Kerl wieder angesprochen und als ich ihm klar zu machen versuchte, dass ich ihm bereits ein Buch abgekauft hatte, meinte er zum Schluss: „Give me $2!“ – so viel zum nicht-Betteln! Ich habe diesen Rollstuhlfahrer danach noch oft gesehen, abgekauft habe ich ihm jedoch nichts mehr. Das Buch habe ich schweren Herzens in PP zurückgelassen. Ungern werfe ich Bücher weg, aber das Gewicht des Gepäcks geht hier über alles.

Ein ungelöstes Rätsel bleibt mir mein Frühstückscafé. Abgesehen von der Bedienung war ich dort praktisch immer das einzige weibliche Wesen. Die Klientel bestand ansonsten aus älteren westlichen Herren, selten in Begleitung einer jungen Kambodschanerin (selbstverständlich sind das auch weibliche Wesen, doch sie waren effektiv selten mit dabei und Touristinnen habe ich dort keine gesehen). Ich habe bis zum Schluss nicht herausgefunden, was dort genau vorging, dass sich diese Gruppe derart gehortet hat. Eine solch einseitige Verteilung der Gäste ist mir an keinem anderen Ort aufgefallen oder anders gesagt, es war wirklich auffallend. In dieser Gegend hatte es praktisch nur Touristen-Lokale, die waren ansonsten aber immer kunterbunt durchmischt, was die Gäste anbelangt. Ich habe mich dort dennoch pudelwohl gefühlt, weil ihr Angebot meinen Wünschen entsprach, die Preise verhältnismässig günstig waren für diese Gegend und wifi super gut war, was in PP eher Seltenheitswert hat. Zudem wurde ich nie angequatscht von den anderen Gästen – schätzungsweise passte ich nicht so ganz in deren Beuteschema, was mir ja nur Recht war.

Natürlich war ich auch hier wieder kreuz und quer in der Stadt unterwegs und wie immer meist zu Fuss. Dabei musste ich so oft schmunzeln über mein Getorkel – was mittlerweile eine ganz andere Bedeutung erlangt hat, doch dazu später bei Siem Reap. Die Strassen und Gehwege sind hier alles andere als eben. Nicht selten haben sie einfach Löcher, oft sind sie aber auch einfach uneben konstruiert. Ich war aber nicht bereit, beim Gehen auf meine Füsse zu schauen, sondern wollte natürlich sehen, was um mich herum so alles zu betrachten ist. Und deshalb bin ich ganz oft „herumgestürchelt“. Ich hätte wohl wissen sollen, dass sich das irgendwann rächt, bis dahin fand ich es einfach nur amüsant.

Vor dem Palast findet sich ein riesiger Platz, der autofrei resp. frei von sämtlichen motorisierten Vehikeln ist (wirklich eine Rarität!) und weil daran die Flusspromenade anschliesst, ist dieser Platz ein Tauben-Paradies. Dort finden sich definitiv mehr Tauben als Menschen, obwohl es auch davon viele hat. Es kommt einem vor wie ein riesiger Picknickplatz. Viele Familien sitzen dort zusammen und ruhen oder essen oder beides. Natürlich hat es auch ganz viele Verkäufer dort, die von Essen über Spielzeug bis zu Touristensouvenirs allen möglichen Ramsch loszuwerden versuchen. Und alle finden es total lustig – für mich nicht nachvollziehbar, was daran so lustig sein soll – wenn die Tauben durch einen Knall aufgeschreckt werden und in einem enormen dunklen Schwarm davonschwirren, um sich 5m weiter wieder niederzulassen. Jedes Mal wenn ich über diesen Platz gegangen bin bzw. gehen musste, habe ich darum gebetet (ja, ernsthaft), dass keine Taube ihre Hinterlassenschaft genau über mir niederlässt! Und sie haben mich erhört – hätte mir grad noch gefehlt, wenn ich deswegen noch öfter hätte waschen müssen!

Mittlerweile bin ich schon ziemlich gut darin, die Menschen aufgrund ihres Akzents einordnen oder zuordnen zu können. Und so war ich nicht sonderlich überrascht, als sich der Chef in einem der Restaurants tatsächlich als Schweizer entpuppt hat. Er war der erste von noch einigen weiteren ausgewanderten Westlern, die ich hier traf. Das war auch das erste Mal seit längerem, dass ich wieder einmal meine Sprache hörte und sprechen konnte. Das Speziellste für mich war aber, dass er mir auch gleich noch einen Job angeboten hat. Da war ich dann doch ziemlich perplex. So ein Angebot hat in meinem Leben gerade gar keinen Platz. Dennoch hat es mich eine Weile beschäftigt. Nicht, dass ich ernsthaft über dieses Angebot nachgedacht hätte, denn ein Leben mit diesem Gehalt wäre auch in Kambodscha nicht wirklich möglich (gewisse Jobs sind offenbar auf der ganzen Welt verschissen bezahlt). Aber es hat mich daran erinnert, dass ich mir von dieser „Reise“ ja auch ein paar Antworten erhoffe. Keine Ahnung, ob mir diese auch einfach so zufliegen werden, doch bezüglich Arbeit war ich schon immer ein Glückskind, wieso also nicht? Zumindest weiss ich jetzt, dass es in Kambodscha sehr einfach ist, ein Arbeitsvisum zu bekommen – scheint, die haben hier keine SVP!?

Auch etwas überraschend war die Erkenntnis, dass viele Tuk Tuk-Fahrer in ihren Tuk Tuks „wohnen“. Geht man zu später Stunde durch die Strassen von Phnom Penh, sieht man in vielen Tuk Tuks Hängematten aufgespannt, in welchen die Fahrer schlafen. Wie sie das genau handhaben (Badezimmer oder fliessend Wasser haben die Tuk Tuks nicht), weiss ich nicht, es wäre mir unangenehm gewesen, einen Fahrer darauf anzusprechen. In Siem Reap ist mir das bis jetzt nicht aufgefallen. Da findet man dafür abends oft Tuk Tuks ohne Moped. Die Kabäuschen werden einfach am Strassenrand abgestellt, vermutungsweise, wenn der Fahrer beschlossen hat, Feierabend zu machen und sich quasi privat mit seinem Moped fortzubewegen.

Entgegen meinem ersten Eindruck hat mir Phnom Penh letztlich sehr gut gefallen. Nach dem hektischen HCMC wirkt die Stadt richtig friedlich. Die nervtötende Huperei ist hier kaum existent, der Verkehr allgemein nicht so überbordend wie in anderen (asiatischen) Städten. Mit der grosszügigen Flusspromenade findet sich ein beinahe erholsamer Ort mit viel Raum und Weite und damit Luft. Selbst die vielen, vielen Bettler sind im Normalfall zurückhaltender und vor allem viel weniger hartnäckig als in Indien. Ein schlichtes Nein genügt meist und sie ziehen weiter. Das Personal im Tourismusbereich erinnert an Ha Noi oder Hue, herzlich, aufmerksam, sehr bemüht und zuvorkommend, nur selten aufdringlich. Selbst die Tuk Tuk-Fahrer reagieren auf ein „Nein Danke“ oft mit einem Lachen und ebenfalls einem Dank. Sie stehen ÜBERALL und jeder quatscht dich an, manch einer versucht, dich in ein Gespräch zu verwickeln, natürlich in der Hoffnung, früher oder später einen Deal herauszuholen. Angenehm überrascht konnte ich aber selbst dabei zur Kenntnis nehmen, dass die Reaktionen auf eine Absage meist normal und anständig waren. Bis anhin gingen meine Erfahrungen eher in eine andere Richtung, hatte man sich auf ein Gespräch eingelassen, war dieses schwierig zu beenden.


Trotz Armut und Schmutz bietet die Stadt sehr viel Schönes. Viele Luxusvillen der französischen Besatzer stehen noch und bieten zusammen mit den neuen Geschäftshäusern (vor allem von Banken) ein imposantes Bild. Mehrere grosszügige Boulevards (ebenfalls Überbleibsel aus der französischen Besatzungszeit) und Parkflächen (wenn auch mit wenig Rasen – sie gestalten sich eher wie die heutige 6ilüti-Wiese) geben Raum und damit Erholung von der manchmal erdrückenden Enge der meisten Strassen. Die diversen Wats beeindrucken mit ihren detaillierten Verzierungen. Phnom Penh soll vor den Khmer Rouge eine blühende, reiche Stadt gewesen sein, eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Asiens. Das könnte sie wieder werden. Dem kambodschanischen Volk würde ich das wünschen, mir als Tourist weniger.


  

Was übrigens immer wieder für Aufsehen sorgt, ist einerseits meine ipad-Tastatur. So etwas scheint den meisten Menschen in Asien noch nicht untergekommen zu sein – vermutlich kein gutes Zeichen im Hinblick auf den Fall, sie könnte kaputt gehen. Ich bezweifle, dass ich hier zu einem Ersatz kommen würde! Und andererseits meine Schreiberei. Jeder der Kellner oder Angestellten meines Hotels fragt mich früher oder später, was ich denn da ständig schreiben würde, ob ich arbeite – wie gerne würde ich dazu ja sagen!?