Kamala (Phuket), THA – Familienanschluss

Nach etwa 2w Kuala Lumpur – welches voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt Erwähnung finden soll – bin ich Ende April zurück nach Thailand. Ich hatte von Beginn weg nicht ausgeschlossen, gewisse Länder mehrfach zu besuchen, dass ich aber an den genau gleichen Ort zurückkehren würde, hat mich selber überrascht und hätte ich im Voraus, noch zu Hause, wohl eher verneint. Dass es nun doch so gekommen ist, liegt vor allem daran, dass ich mich bei meinem ersten Besuch so gut mit der Hotelchefin verstanden hatte und wir über die Monate in Kontakt geblieben sind. Ich wollte die Familie noch einmal besuchen und war vor allem auch der Tatsache nicht abgeneigt, für einmal keinen Neustart vor mir zu haben.

Ich bin also zurück an den Ort, an dem ich vor einigen Monaten gestartet bin und bereits während der Fahrt vom Flughafen zum Hotel habe ich realisiert, dass so eine 1:1 Rückkehr auch etwas Spannendes haben kann. Man hat einen ganz anderen Blick für die Umgebung! Beim letzten Mal war ich nicht nur das erste Mal in Phuket, sondern auch das erste Mal in Thailand und es war auch gleichzeitig noch der Start meiner grossen Reise. Vermutlich etwas viel Anfang, um noch für anderes offen zu sein als das eigene Gefühlsleben. Und obwohl ich mich bis heute nicht an den Linksverkehr gewöhnen konnte, war diese Fahrt nun doch ansonsten ein wenig wie Heimkommen. Einerseits hat das Thailändische, nach so vielen Wochen Thailand, einiges an Exotik eingebüsst und es wirkt nicht mehr alles komplett fremd und neu. Andererseits haben die kurvigen Strassen und die hügelige Landschaft von Phuket tatsächlich etwas Vertrautes, wenn es auch bei den schweizerischen Passstrassen nicht mehr derart grün ist wie hier.? Kommt dazu, dass ich ja nun auch wusste, wohin ich ging, was mich erwartete.

 
Die Fahrt durch die kleineren Beachorte hat etwas von einem Besuch in den Universal Studios (vor etwa 30j), als würde man durch Filmkulissen fahren. Es war beinahe grotesk, dass die Häuser hinter den Fassaden noch weiter gegangen sind…. Weshalb genau in mir diese Erinnerung aufkam, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht weil die Gebäude hier so etwas Unwirkliches haben? Die vielen Farben, die oft schmalen Häuschen, die sich aneinanderreihen, meist auch nicht sonderlich hoch, das hat alles irgendwie etwas von überdimensionalen Puppenhäusern. Allgemein wurde ich oft an Amerika erinnert. Diese riesigen Werbeplakate an den Highways, die manchmal völlig im Nirgendwo stehen wie die Windräder zur Stromerzeugung in Europa. Andererseits die kleinen, einstöckigen Dinerkabäuschen à la Wendy’s oder Pancake Houses und wie sie alle heissen. Zwar beherbergen sie hier andere Lokale, sehen aber genau so aus. Nicht zu vergessen, die bis unter die Schmerzgrenze heruntergekühlten Gebäude. Doch bevor nun der Eindruck entsteht, ich sei hier in einem schweizerisch angehauchten Disneyland gelandet oder hätte eine solch verblendete Wahrnehmung: das Thailändische überwiegt natürlich schon! Angefangen bei der Schrift, über die gesamte Bauweise, auch im Tiefbaubereich, das klinisch Reine, das man hier eigentlich nirgends findet, den Massen an unbequemen Plastikstühlen, dem Streetfood, der unseren Lebensmittelkontrolleuren niemals Stand halten könnte, den Shops und Läden, die in überwiegender Anzahl so unheimlich klein und entsprechend vollgestopft sind, der fehlende Luxus, der bei uns zum Alltag gehört, bis hin zu den Menschen.

Grosse Wiedersehensfreude bei meiner Ankunft im Hotel und ich erhielt das exklusivere Zimmer, obwohl ich im Voraus den Preis heruntergehandelt hatte – Gott, war mir das unangenehm! Zumal ich doch gar keine Küche benötige. Auch wurde ich recht schnell ins „Familienleben“ eingebunden. Schon am 2. Abend wurde ich gefragt, ob ich mitkommen wolle, als das Ehepaar irgendwo essen ging. Da hatte ich noch abgelehnt. Am nächsten Abend sagte ich jedoch zu, nichtahnend, dass die ganze Familie sich zum Geburtstag der ältesten Tochter treffen würde…. Wir waren in einem wunderschönen, edlen Restaurant oberhalb von Phuket Town mit tollem Ausblick über die Stadt und ich durfte zum Schluss nicht mal bezahlen. Schon wieder unangenehm! Dieser Familientrubel mit aber eigentlich fremden Menschen ist nicht so meins und dann auch noch eingeladen zu werden – fällt mir schwer, das anzunehmen bei Menschen, die ich kaum kenne, besonders, wenn ich nicht abschätzen kann, von was für einem „Wert“ wir sprechen. Auch habe ich mich die ganze Zeit gefragt, ob die Tochter, die Geburtstag hatte, es so toll fand, dass ich dabei war. Sie hatte mich ja schliesslich nicht eingeladen und ich weiss nicht, was ich dazu sagen würde, wenn meine Eltern zu meinem Geburtstagsessen irgend eine Fremde mitbringen würden…. Zu viele Gedanken? Vermutlich!

Ausblick vom Restaurant

Ein Denkmal mit Aussichtsplatform zwischen Restaurant und Parkplatz

Bei meiner Ankunft war es recht ruhig im Hotel, doch gab es noch weitere Gäste. Das änderte sich relativ rasch und nur wenige Tage später teilte man mir auch mit, dass das Hotel nun eigentlich geschlossen sei für die kommenden 3-4w wegen der anstehenden Hochzeit der Tochter. Und so gestaltete sich mein Aufenthalt letztlich recht anders als beim ersten Mal. Insbesondere auch, weil meine Bekannte kurz darauf erkrankte und eine lange Odysse an Spitalaufenthalten folgte, erst in Phuket, später in einer doch relativ weit entfernten Provinz Thailands. Und weil ein Grossteil der Familie ständig bei ihr war bzw mit ihr ging, war ich effektiv die meiste Zeit komplett allein in dieser Hotelanlage. Man muss sich das einmal vorstellen, man ist ein Hotelgast und niemand sonst ist da, keine Angestellten, keine anderen Gäste und auch um das Hotel herum gab es eigentlich nichts als Wohnbarracken von „Burma-people“, die von den Thais mit Argwohn betrachtet werden und einen sehr schlechten Ruf haben – ob dieser gerechtfertigt ist, weiss ich nicht. Vermutlich hält es sich ja wie überall, ein schlechtes Beispiel und gleich werden alle in einen Topf geworfen.

Als ich einst auf dem Heimweg war von Patong und dies zu Fuss als es schon dunkel war, weil ich mich von den Taxifahrern nicht abzocken lassen wollte (die Preise wurden immer höher, je näher ich dem Hotel kam ?, hätte wohl beim ersten einschlagen sollen), traf ich nach 2/3 des Weges noch einmal auf einen „Taxistand“ und die wollten mich schliesslich partout nicht allein weiter ziehen lassen. Sie meinten, es sei viel zu gefährlich in der Dunkelheit bei dem Verkehr (es stimmt, dass auf dieser Strasse manchmal sehr risikofreudig gefahren wird) und überall würden Burma-People herumschleichen und denen könne man nicht trauen. Es hat sich dann zwar letztlich herausgestellt, dass die Taxifahrer vom falschen Hotel ausgegangen waren, doch muss ich auch zugeben, dass das letzte Stück meines Weges tatsächlich unbeleuchtet und ohne Fussweg neben der Strasse gewesen wäre. Es war also wahrscheinlich richtig, dass ich mich letztlich zur Taxifahrt überreden liess. Einer der Fahrer ist mir auch massiv mit dem Preis entgegengekommen – gemäss einem seiner Kollegen, weil er so besorgt um mich sei? Tja, wer weiss, das war alles noch, als sie von einem weiter entfernten Hotel ausgegangen waren. Wer da nun letztlich den besseren Deal gemacht hat, bleibt für mich offen. ?

Der Aufenthalt allein im Hotel hat mir gut gefallen, aus meiner Sicht lässt es sich so wohl fühlen, man ist komplett frei. Wären da nicht die ständigen Zweifel gewesen, ob ich nicht vielleicht doch abreisen und die Familie so entlasten sollte. Das gab der perfekten Situation leider einen Dämpfer. Doch sie wollten von Abreiseplänen partout nichts hören und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das wirklich war, was sie wollten oder ob das eine kulturelle Anstand-Sache war. Wie verhält es sich denn nun genau mit dieser thailändischen Kultur der Gastfreundschaft? Wäre es einfach unhöflich gewesen, mich wegzuschicken? Hätte ich doch gehen sollen? Oder bin ich nun wirklich Teil der Familie?

Ein Kreisel, für einmal nicht im typischen Thailand-Stil – typisch Patong bzw typisch Phuket

Strand entlang der Strasse (Ausläufer der Patong-Beach)

Bei all meinen Zweifeln scheint mir letztlich mein Einzelaufenthalt ein Zeichen, dass ich tatsächlich irgendwie als Familienmitglied gesehen wurde. So richtig wohl gefühlt habe ich mich mit diesem Familienanschluss allerdings nicht. Aus meiner Sicht war das irgendwie wischiwaschi, denn die Kommunikation war nicht gerade einfach (unser aller englisch ist nur mässig) und nach so kurzer Zeit kennt man sich doch auch gar nicht. Zudem fühlte ich eine gewisse Verpflichtung und genau das wollte ich ja auf meiner Reise vermeiden! So kam ich denn dort auch irgendwie nicht mehr weg. Unter anderem auch, weil ich bereits bei meiner Ankunft preisgegeben hatte, dass ich noch keine weiteren Pläne hätte und aufgrund der ganzen Umstände, die ich eben aufgezählt hatte, fehlte mir ein wenig der Mut, hinzustehen und zu propagieren „ich will euch jetzt verlassen!“. Manchmal wäre ich zwar wirklich am liebsten einfach geflohen, doch selbst das wäre gar nicht so einfach gewesen, nachdem ich fast die meiste Zeit allein in der Hotelanlage war. Grad klammheimlich davonstehlen wollte ich mich auch nicht.

A propos allein, ich weiss nicht recht, inwiefern die „Spitalbetreuung“ in Zusammenhang mit den hiesigen Spitälern und inwiefern in Zusammenhang mit der thailändischen Kultur stand. Ich war auch einen Nachmittag zu Besuch im Krankenhaus und dieses machte mir nicht den Eindruck, als wäre es notwendig, dass immer jemand von der Familie beim Patienten ist. Obwohl es in Asien nicht unüblich ist, dass die Betreuung und Verpflegung der Patienten durch Angehörige erfolgt, wirkte dieses Spital recht luxuriös, den unsrigen nicht so weit entfernt. Dennoch war ein Grossteil der Familie immer bei der Kranken im Spital. Nun sind die Asiaten ja bekanntlich ungern allein (so viele Beispiele habe ich nun schon gehört, dass sie nicht allein schlafen können!), es wäre also möglich, dass es gar nichts mit dem Spital zu tun hat, sondern einfach mit der Verbundenheit. Oder vielleicht auch mit der Sorge um die Patientin. Ich glaube nämlich, dass bis heute nicht so ganz klar ist, was sie eigentlich hat (das wusste ich jedoch damals noch nicht). Wie auch immer, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Für mich war es faszinierend, wie da quasi die halbe Familie im Krankenhaus mit eingezogen ist.

Nun denn, ich blieb also länger als gedacht und damit rückte auch die Hochzeit der Tochter immer näher. Ich hatte eigentlich nicht mehr hier sein wollen, wenn es so weit war…. Doch dann begannen die „Umbauten“ auf dem Hotelareal für die Hochzeit, wodurch ich realisierte, dass zumindest ein Teil davon auf dem Hotelgelände stattfand. Dadurch wurde schliesslich auch klar, dass ich wohl nicht um die Teilnahme an der Hochzeit herumkommen würde. Das liegt nun hinter mir und doch kann ich kaum etwas dazu sagen, denn wirklich viel gesehen habe ich nicht. Nachdem ich mich morgens kurz vor halb 9 unters Volk mischte, hiess es, dass der Start verschoben wurde und man hat mich erst einmal zum Frühstück geschickt. Die Schwester des Brautvaters hat sich da meiner angenommen und mich mit Essen versorgt, was zwar sehr nett aber nicht unbedingt ideal war, da ich so früh morgens noch gar nicht hungrig war. Als es dann los ging, haben sich alle Richtung Wohnhaus (eine ziemlich grosse, 3stöckige Villa) verschoben und einige, ich glaube Familienmitglieder der Braut, haben eine Art Spalier gebildet, durch den der Bräutigam gehen musste, wobei er immer wieder Couverts abgegeben hat, schätzungsweise eine symbolische Geste für das „Freikaufen“ der Braut. Was genau passiert ist, als er auf die Braut traf, habe ich nicht gesehen, da ich da noch auf einem anderen Stock war. Danach war das Brautpaar in einem Raum und all die vielen Gäste standen überall herum und gingen nacheinander in diesen Raum. Was dort drin genau stattgefunden hat, entzieht sich jedoch ebenfalls meiner Kenntnis. Vielleicht eine Art Segensgebung oder Glückwünsche überbringen. Einige sind mit kleinen Geschenken wieder hinaus gekommen, weshalb ich mich fragte, ob das nun der Zeitpunkt ist, an dem die Geschenke ans Brautpaar übergeben werden. Das hat sich später jedoch als falsch herausgestellt, denn diese wurden offenbar erst am Abend eingeworfen (sind ja nur Couverts mit Geld, dafür gibt es eine Box, wie eine Urne). Anschliessend gab es eine Art Zeremonie, bei welcher das Brautpaar an einem speziellen Tisch, eine Art Altar vielleich, sass und von verschiedenen Personen nennen wir es mal gesegnet wurde (Wasser und Blumen waren da im Spiel). Es war jedoch kein Mönch da (in Kambodscha gehört der dazu). Das Brautpaar trug am Morgen traditionelle Kleidung (am Abend trug die Braut ein weisses Brautkleid, wie wir es auch kennen). Anschliessend folgte der obligate Fototermin. Jeder musste mit dem Brautpaar einzeln aufs Foto, sogar ich. Dabei scheint die Gestik sehr wichtig zu sein (Daumen noch, Victory-Zeichen und weitere Gesten, die für mich eher asiatischen Charakter hatten). Danach ging es zum Mittagessen. Der erste Teil war damit vorbei. Am Abend sollte es in Phuket Town weitergehen. Diesen habe ich aufgrund eines Missverständnisses verpasst. Ich weiss daher nicht, ob es da auch noch einmal traditionelle Zeremonien gab oder eher wie bei uns „nur“ essen und Party (das kenne ich von Fotos und Filmen einer kambodschanischen Hochzeit).

 

Kamala-Beach, für einmal auch mit einer ziemlich imposanten See, die aber leider auf den Fotos nicht wirklich zur Geltung kommt….

Nebenbei, in Kambodscha ist es üblich, dass das Brautpaar, speziell die Braut, bis zu 10 verschiedene Kleider hat für die Hochzeit und diese entsprechend im Laufe des Hochzeitsfestes immer wieder wechselt. In Thailand scheint das aber nicht mehr der Fall zu sein (war früher auch so, wie man mir erzählte). Macht ja auch Sinn, in meinen Augen sind das nur unnötige Kosten und ein verdammter Stress für das Brautpaar, speziell die Braut. Denn muss er nur das Jacket wechseln, ist es bei ihr das gesamte Kleid. Doch in Kambodscha zeugt es wohl noch von Wohlstand, wenn die Braut möglichst Kleider in sämtlichen Farben vorweisen kann. Mein Bekannter in Kambodscha erzählte mir, dass seine Frau eigentlich 7 Hochzeitskleider gehabt hätte, es dann aber nur geschafft hat, 5 davon an der Hochzeit anzuziehen…. Was für eine Verschwendung an Geld und sie ist nun auch noch unglücklich darüber, dass sie nicht alle Kleider tragen konnte!

Nach dem Mittagessen bzw bereits währenddessen, haben sich viele der Gäste umgezogen, es wurde merklich légèrer (wobei lange nicht alle Gäste „hübsch“ angezogen waren, vermutlich betraf das nur die engere Familie). Ich habe mich darauf in mein Zimmer zurückgezogen, um mich vom frühen Aufstehen zu erholen und bin auch prompt eingeschlafen. Als ich wieder hervorkam, war niemand mehr da. Und ich war froh, dass ich die Hochzeit somit hinter mir hatte. ? Ich bin einfach kein Freund von solchen Feiern, egal in welcher Kultur.

Nach der Hochzeit blieb mir noch eine Woche bis zum Ablauf meines Visums und ich entschied, in dieser nichts mehr zu ändern. Es wäre wahrscheinlich auch schwierig geworden. Das Brautpaar war abgereist in die Heimatprovinz des Bräutigams, wo die Hochzeitsfeierlichkeiten weiter gingen und der Rest der Familie war ebenfalls ein paar tausend km entfernt im Spital. So hatte ich mir mein Alleinsein quasi hart erkämpft und konnte nun ernten.?

Während meines Aufenthalt ergab es sich, dass ich auch einmal an einer Schlangenrettung teilnehmen durfte.? Ich habe nicht verstanden, wo genau die Schlange aufgefunden und in einen Sack verstaut worden war. Da jedoch viele Thais Schlange als Delikatesse ansehen, wollte man die Schlange irgendwo im Nirgendwo freilassen, um so ihren vorzeitigen Tod via Kochtopf zu vermeiden. Wir sind denn auch ziemlich lange rumgekurvt, bis meine Begleiter zufrieden waren mit dem Platz. Von da sind wir auch noch ein gutes Stück zu Fuss weiter gegangen bis zu dem kleinen Wasserfall auf dem Bild unten. Als die Schlange frei gelassen wurde, bewegte sie sich jedoch nicht mehr und es war ziemlich schnell klar, dass sie die Rettungsaktion leider nicht überlebt hatte. Womöglich war sie ja bereits beim Einfangen dem Tode geweiht oder sie war im Sack erstickt. Schade! Es wäre gut gemeint gewesen. Mir hat diese Aktion recht imponiert und natürlich war es auch spannend für mich. Noch faszinierender wäre es gewesen, die Schlange nach der Freilassung in der freien Wildbahn beobachten zu können…. Sollte wohl nicht sein.

Grosser „Gecko“ – die Bildqualität ist scheisse (wundere mich ja bis heute, warum die Kameraqualität des iphons immer so gerühmt wird – vermutlich hätte ich das Fotografieren mit dem Nokia vor 10j ausprobieren müssen, um das zu verstehen…), aber die Bilder gehören hier einfach her


Ganz zum Schluss, für die letzten 1-2d, waren dann alle wieder zurück, sogar die Patientin war endlich (vorübergehend) entlassen worden und so endete mein Aufenthalt quasi, wie er begonnen hatte, im Kreis der gesamten Familie, wieder bekocht und bemuttert. Ein spezieller Monat in Kamala war vergangen und ich war letztlich gar nicht so unglücklich darüber, dass es Zeit war zu gehen.

Chiang Mai, THA – Tempel-Schnappschüsse

Wat Buppharam

In Thailand und auch auf Penang (Malaysia) gibt es noch weitere Tempel, die diesen Namen tragen, was vermutlich an der Bedeutung des Namens (östlicher Tempel) liegt.

Wat Buppharam ist eng verbunden mit dem früheren Königshaus von Chiang Mai. Er wurde 1497 durch König Phra Mueang Kaeo begründet und an der Stelle eines früheren Palastes von dessen Urgroßvater, König Tilokarat, errichtet. Als 1561 die Burmesen die Stadt einnahmen, wurden Mönche der Mon im Tempel angesiedelt. Daher ist der Tempel auch als „Wat Mon“ bekannt. Im 19. Jahrhundert veranlassten die Prinzen von Chiang Mai, unterstützt durch die Bevölkerung der Stadt, die Restaurierung des Tempels. [Wikipedia]

Der Tempel liegt nahe des Tha Phae Gates, etwas ausserhalb der Altstadt. Er soll angeblich die weltweit grösste Buddha-Statue aus Teak beherbergen.

 


Grosse „Dhamma-Halle“, die in ihrer Architektur aussergewöhnlich ist für thailändische Tempel; sie ist auch relativ jung, wurde 1996 fertig gestellt

Eingang zum Tempelgelände


Malerei an der Decke

Der weltweit grösste (?) Teak-Buddha

Dachstock der Dhamma-Halle

Blick von der Dhamma-Halle

Treppe der Dhamma-Halle

vor der Dhamma-Halle

 

Schnappschüsse verschiedener Tempel

 







 

Wat Chedi Luang

Der Wat Chedi Luang liegt im Zentrum von Chiang Mai’s Altstadt. Ursprünglich standen hier drei Tempel, der Wat Chedi Luang war einer davon und hat offensichtlich bis heute überdauert.

Der Wat Chedi Luang wurde im 14. Jahrhundert begonnen, als König Saen Mueang Ma hier die Asche seines Vaters aufbewahren wollte. Nach zehn Jahren Bautätigkeit blieben die Gebäude jedoch unvollendet. Erst als der König selbst starb, führte seine Witwe den Bau fort. Wahrscheinlich aufgrund von Statikproblemen vollendete König Tilokaratcha die Anlage erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Bauwerk war damals 82 Meter hoch und hatte einen Durchmesser an der Basis von 54 Metern, somit war es seinerzeit das höchste Gebäude von Lan Na (ehemaliges Königreich in Nord-Thailand).

1468 wurde der Smaragd-Buddha in der nach Osten gerichteten Nische aufgestellt. Nach einem Erdbeben im Jahr 1545 brach die Struktur der obersten 30 Meter zusammen. Kurz darauf, 1551, verbrachte man den Smaragd-Buddha nach Luang Prabang, Nordlaos. (Dieser Smaragd-Buddha steht heute in Bangkok im Wat Phra Kaeo, Tempel auf dem Gelände des Grand Palace; Anmerkung von mir)

In den frühen 1990er Jahren wurde der Chedi mit Hilfe der UNESCO und der Regierung von Japan rekonstruiert. Das Ergebnis war etwas umstritten, da die neuen Elemente in zentralem Thai-Stil gehalten sind und nicht im typischen Lanna-Stil. Zur 600-Jahresfeier des Chedi im Jahr 1995 wurde eine Kopie des Smaragd-Buddha aus schwarzer Jade in der östlichen Nische aufgestellt. Diese Ikone wird offiziell Phra Phut Chaloem Sirirat, von den Einheimischen aber kurz Phra Yok genannt. [Wikipedia]

 

Immer diese Diskriminierung….!

Der Riesen-Chedi

Die Kopie des Smaragd-Buddha (theoretisch, man kann sie ja kaum sehen…. Zumindest dies hat sie auf jeden Fall mit dem Original gemeinsam)






 

Wat Phra That Doi Suthep

Wat Phra That Doi Suthep ist das Wahrzeichen Chiang Mais und liegt etwa 15 km westlich vom Stadtzentrum, in den Hängen des Bergs Doi Suthep. Besonders bekannt ist die vergoldetete Chedi, die eine Reliquie des Buddha enthalten soll. Die Tempelanlage selbst erreicht man über eine langgezogene Treppe, deren Geländer mit Schlangen verziert sind.

Um die Gründung des Wat Doi Suthep ranken sich Legenden. Eine besagt, dass im Jahr 1371 der Mönch Sumana aus Sukhothai eine Reliquie des Buddha mitbrachte, die im Wat Suan Dok in der dortigen Chedi verwahrt werden sollte. Jedoch teilte sich plötzlich die Reliquie. Es erschien nicht verheissungsvoll, nun beide Teile dort aufzubewahren. Also befestigte man den zweiten Teil auf dem Rücken eines Weißen Elefanten, der danach frei gelassen wurde. Der Elefant steuerte direkt den Berg Doi Suthep an, und nach einer dreitägigen Wanderung, auf der er dreimal Rast machte, gelangte er an einen Felsvorsprung, unter dem der Einsiedler Wasuthep lebte. Dort trompetete der Elefant dreimal, kniete nieder und verendete. So gab es keinen Zweifel, dass hier der Platz sei, einen Tempel zu bauen, um die Reliquie zu verwahren.

Zuerst wurde eine 7 Meter hohe Chedi erbaut, in dessen Innern die Reliquie platziert wurde. In der Regierungszeit von König Muang Kaeo wurde die Chedi 1525 auf eine Höhe von 16 Metern vergrößert und erhielt ihre heutige oktogonale Form mit einem Durchmesser am Sockel von 12 Metern. Eine Straße wurde erst 1935 zum Tempel gebaut. Dies geschah auf Initiative des berühmten Mönchs Khru Ba Srivichai. [Wikipedia]

 

Ankunftsort

Willkommen!

Die Treppe mit den 200 Stufen

Der weisse Elefant aus der Legende


Die goldene Chedi




Eine Kopie des weissen Elefanten…?

 

Chiang Mai, THA – Frieden auf Erden

Ich hatte mich so wunderbar an Bangkok gewöhnt, dass ich mich fast nicht mehr aufraffen konnte, nach Chiang Mai weiterzuziehen, überlegte gar, Chiang Mai ganz zu streichen, was ein Fehler gewesen wäre. Chiang Mai ist toll! In meinem Reiseführer steht, Chiang Mai wirke auf aus Bangkok kommende Reisende sehr beschaulich – wie wahr! Wie ein kleines Nest kommt es einem vor, dabei ist es die grösste und wirtschaftlich wichtigste Stadt von Thailands Norden.

Wassergraben entlang der Stadtmauer

Es mag überraschend klingen, doch die Stadt hat mich auch an mein geliebtes Avignon erinnert. Natürlich nicht vom Optischen her, man weiss schon, dass man in Thailand ist. Doch auch Avignon ist riesig, als Tourist, der man sich jedoch nur im beschaulichen Altstädtchen Avignons aufhält, bekommt man davon gar nichts mit. Auch in Chiang Mai ist die, ebenfalls mit einer (wieder aufgebauten) Stadtmauer umgebene Altstadt der Anziehungspunkt für die Touristen. In dieser fühlt man sich geschützt und „eingepackt“, kann sich gut zu Fuss bewegen und auch alles Wichtige erreichen. Ausserdem scheint diese (Alt-)stadt überproportional voll an Tempeln (in gewisser Weise doch auch ein Pendant zur Papststadt ?), was vermutlich ein Trugschluss ist. Habe zumindest nirgendwo etwas in diese Richtung gelesen und liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich mir vorgenommen hatte, dieses Mal jeden Tempel zu besichtigen, an dem ich vorbei komme. Dieses Vorhaben habe ich denn auch irgendwann aufgegeben, es waren einfach zu viele und irgendwann mag man auch keine Tempel mehr sehen….

Tha Phae Gate – Touristenattraktion und Zusammenkunft der bekannten globalen Restaurantketten (Mc Donald’s, Starbucks….)


Die Stadtmauer oder was davon wieder aufgebaut wurde


Ich glaube, jeder, mit dem ich über Chiang Mai gesprochen oder den ich dort angetroffen habe, erzählte, dass er länger in Chiang Mai geblieben ist als ursprünglich geplant (und so mancher hat sich gleich für immer niedergelassen ?). Das sagt doch eigentlich schon alles! Auch ich wäre länger geblieben, wäre nicht Songkran vor der Tür gestanden. Songkran, das buddhistische Neujahr auf Thailändisch, das insbesondere in Chiang Mai und Bangkok sehr feuchtfröhlich gefeiert wird. Wobei feuchtfröhlich an dieser Stelle nichts mit Alkohol am Hut hat. Ursprünglich ging es wohl um die rituelle Reinigung, aus der die Thais jedoch mittlerweile eine Wasserschlacht gemacht haben und dabei nur zu gerne die Touristen ins Visier nehmen. Und ich als Wasserscheue habe dabei nichts zu suchen! Daher habe ich von einer Verlängerung meines Aufenthalts abgesehen und war nur eine gute Woche dort. Für die meisten wäre das schon ein verlängerter Aufenthalt, für mich jedoch ist es ein recht kurzer Stopp. Dennoch habe ich verhältnismässig viel gesehen. Davon zu berichten, wirkt auf mich nun allerdings wie die x-te Wiederholung: ich bin kreuz und quer durch die Stadt spaziert und habe mir eine Menge Tempel angesehen – alles schon einmal dagewesen. Auch wenn es sich eigentlich nicht nach Wiederholung angefühlt hat, nicht einmal bei den Tempeln, obwohl man deren Konzept dann doch irgendwann durchschaut hat ?, die Worte zur Beschreibung sind doch die gleichen und das beginnt sogar mich zu langweilen. Deshalb sei an dieser Stelle nur vermerkt: ich bin wieder einmal viel durch die Stadt spaziert und habe dabei so manchen Tempel angeschaut….?

Abgesehen von Spaziergängen durch die Stadt, habe ich auch einen Tagesausflug gemacht, ebenfalls zu einem Tempel ?, dem Wat Phrathat Doi Suthep, einem der bedeutendsten Tempel Nordthailands. Dieser liegt am Hang des 1676m hohen Doi Suthep, etwas ausserhalb der Stadt und bietet – zumindest theoretisch – auch einen wunderbaren Blick über Chiang Mai und dessen Umgebung. Das ging aber leider ein wenig in die Hose. Es war zu dunstig und die Sicht stark eingeschränkt. Der Tempel für sich hat sich jedoch allemal gelohnt. Das Gelände ist enorm gross. Ähnlich dem Golden Mount gilt es erst einmal, eine Menge Treppenstufen zu erklimmen (es gäbe zwar auch eine kleine Bergbahn, doch so alt oder so bequem sind wir dann doch noch nicht!). Oben angekommen kann man sich gut und gerne mindestens eine Stunde mit Besichtigen beschäftigen, wenn man alles sehen will. Trotz der einmal mehr vielen Touristen bin ich länger geblieben, irgendwo auf einem Bänklein sitzend, die Menschen beobachtend oder einfach ein wenig vor mich hinträumend.

Die theoretisch phänomenale Aussicht vom Doi Suthep….

Neben Tempeln und Museen wirbt der Tourismus in dieser Gegend vor allem für Trekkingtouren in eines der angrenzenden Valleys (teilweise geht’s dabei auch in einen Nationalpark) oder für Begegnungen mit Elefanten. Diese reichen vom simplen Elefantenreiten über das Waschen und Versorgen der Elefanten bis hin zu Mahout-Kursen. Der Mahout ist derjenige, der die Tiere trainiert und ausbildet (bspw. für die Arbeit in der Holzverarbeitung), der beim Elefantenreiten vorne auf dessen Nacken sitzt (während die Touristen hinten auf dem gesattelten Rücken sitzen) und dem Elefanten die Befehle erteilt durch Bewegungen und Zurufe. Gerne wäre ich auch in ein Elefantencamp gegangen. Doch es gibt in diesem Bereich viel Massenabfertigung und lange nicht immer werden die „Touristenshows“ artgerecht umgesetzt. Hierfür den richtigen Ort zu finden, hätte mehr Zeit beansprucht, weshalb ich davon abgesehen habe. Sind wir nicht so egoistisch, den Elefanten zuliebe.

Wie bereits angedeutet haben sich auch in Chiang Mai viele Westler niedergelassen. Viele der Restaurants oder Hotels werden von Europäern geführt. Die angebotene Küche ist denn auch ausserordentlich vielfältig und beinhaltet nicht nur die übliche asiatische Küche von indisch über einheimisch bis hin zu japanisch oder chinesisch mit dem standardmässigen „western food“ für Touristen. Neben dem deutschen Biergarten steht ein französisches Bistro, etwas weiter wird american BBQ angeboten, genauso wie spanische, türkische, mexikanische oder italienische Küche. Dieses multikulti Volk gibt der Stadt sicherlich ein internationales Flair, welches man jedoch nicht wirklich bewusst wahr nimmt, die Stadt wirkt thailändisch durch und durch…. Womöglich ist es ja das, was es ausmacht, dass sich das Leben in Chiang Mai so leicht anfühlt, das unbewusst Vertraute in der Fremde? Jeder kann ein Stück Heimat finden, wenn er will.

Die Entscheidung, hier zu leben, kann ich gut nachvollziehen. Würde ich nach Thailand auswandern, wäre Chiang Mai sicherlich einer der Orte, den ich hierfür in Betracht ziehen würde. Leider fehlt das Meer, aber ganz alles kann man bekanntlich nie haben….? und davon abgesehen besitzt dieser Ort einen enorm hohen Wohlfühlcharakter! Es herrscht eine wunderbare Athmosphäre, zumindest in der Altstadt. Abgesehen vom Gewusel an den Nachtmärkten ist es ungemein friedlich und recht ruhig. Der alte Stadtkern ist nicht autofrei, dennoch gibt es nur entlang der Stadtmauern wirklich viel Verkehr. Man kann sich beinahe wie in einer riesigen Fussgängerzone bewegen. Und nicht zu vergessen die Tiere! Von meinem Balkon aus konnte ich eine Menge Vögel und vor allem Eichhörnchen beobachten. Dabei haben es mir besonders dieselbigen angetan. Ich erinnere mich noch, wie ich vor etwa 3j ein Eichhörnchen im Dietiker Wald entdeckt hatte und dabei realisierte, dass ich seit Jahren keines mehr gesehen hatte und hier in Chiang Mai sind sie nur so um meinen Balkon herumgewuselt. Ich liebe diese kleinen Kerlchen, frech und unheimlich flink und einfach süss anzuschauen. ? Und dann ist da natürlich die Schönheit und nicht selten auch die wohltuende Ruhe der Tempel, kleine Kraftorte in einer ansonsten schon beruhigenden Stadt!


Etwas Speziell doch aus meiner Sicht enttäuschend war der Baan Phor Liang Meuns-Terrakottagarten. Beschrieben als „offener, üppig begrünter Showroom eines Geschäfts mit Kopien alter Terrakottafiguren lädt er zum Rundgang zwischen zahlreichen Gottheiten, Buddhastatuen und Reliefs ein.“ Das ist ja auch nicht falsch, allerdings ist es ein minipipi-Rundgang und das Wort zahlreich erhält hier eine neue Bedeutung…. Auch scheint mir der Ort nicht für den Zweck der Betrachtung gemacht (womöglich hatte der Showroom gerade Pause?), da er an einigen Stellen ziemlich unordentlich, fast ein wenig „müllartig“ daherkommt, wenn Reliefs, Töpfe und halbe Figuren einfach zu einem Haufen in einer Ecke zusammengestellt wurden. Wegen des Sightseeings lohnt dieser Ort folglich nicht. Als ruhige Oase zum Lernen, Lesen oder Schreiben eignet er sich schon besser. Diesbezüglich könnte er beinahe ein Insidertipp sein, denn viele Besucher waren nicht vor Ort. Ruhig ist es also und grün auf jeden Fall auch. Mit den richtigen Erwartungen wird man auch hier nicht enttäuscht.

Der Eingang

Rückseite des Eingangs / Ausgang

Das wäre dann der Rundgang (mehr als dieses Bild einfängt, gibt es nicht herumzugehen)

Das Chaos

Noch mehr Chaos

Speziell und daher erwähnenswert sind die Transportmittel. Die allgegenwärtigen Tuk Tuks finden sich auch hier, doch Taxis gibt es praktisch keine, diese werden ersetzt von den Songthaew. Man kann sie nutzen wie Taxis, teilweise haben sie jedoch auch fixe Strecken und fahren erst los, wenn sie voll sind. Innerhalb der Altstadt sind sie meistens rot, ausserhalb und je nach Himmelsrichtung sind sie grün, gelb, weiss, blau oder orange. 10 Personen lassen sich nach westlichen Vorstellungen reinquetschen, Einheimische schaffen jedoch bestimmt auch mehr Fahrgäste.

Songthaew

Wirklich Spektakuläres ist in Chiang Mai nicht vorgefallen. Ich war ja auch nicht sehr lange da. In Erinnerung geblieben sind mir effektiv „nur“ die ausserordentliche Wohlfühlstimmung und die Eichhörnchen!?

Etwas ungeschickt von mir war, dass ich die Begleitumstände von Songkran zu lange nicht erkannt hatte. So waren die Reisemöglichkeiten bereits ziemlich erschöpft, als ich mich damit befasst habe. Doch mit Air Asia fliegt man von überall günstig nach Kuala Lumpur, ihrem Heimhafen. Und Malaysia ist bezüglich Visum ausserordentlich grosszügig, man braucht nämlich keines für die ersten 90d. Und so hat es mich – auf der Flucht vor Songkran – vom Frieden auf Erden ins Getöse und Geblinke einer asiatischen Grossstadt verschlagen…

 

Bangkok, THA – Erkunden und Begegnen

Neben viel schwitzen, beobachten von Mensch und Tier im Kanal und schlafen zur falschen Zeit, habe ich zwischendurch auch Erwähnenswertes unternommen.?

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die Hürde zu den bequemen ÖV’s zu erzwingen, die ich bei meinem ersten Bangkok-Aufenthalt so rege genutzt hatte und die bis anhin noch keinen Anschluss mit dem alten Zentrum Bangkoks erhalten durften. Ich habe mich also mit den Busfahrplänen und den verschiedenen Schiffswegen auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass viele Wege nach Rom führen. Letztlich bin ich dann aber doch wie immer zu Fuss losgezogen, was jedoch für einmal keine so gute Idee war. Es war wie immer unerlaubt heiss und in den Strassen Bangkoks, inmitten des Smogs, verstand ich zum ersten Mal, weshalb hier so viele mit einem Mundschutz unterwegs waren. Erstmals fühlte sich das Atmen unangenehm an, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass das vor allem meinem Kopf geschuldet war. Sicherlich ist diese Luft nicht sonderlich gesund, aber wirklich „spüren“ tut man das nicht, man weiss es einfach. Wirklich viel Schönes habe ich auf diesem Weg auch nicht gesehen, aber festgestellt, dass es in dieser Stadt nicht nur die „Strasse der Apotheken“ gibt, sondern dass quasi jede Gilde ihren eigenen Strassenzug zu haben scheint. Da sind die Auto- und die Töffhändler, die Garagen, die Werkstätten der Holz-, Stahl- oder ……Verarbeiter, die Buchhändler, die Silberhändler etc. Ich muss als Kunde also nur in die richtige Strasse und kann mir praktisch auf einen Schlag diverse Offerten einholen. Ganz praktisch und irgendwie langweilig, zumindest für den, der durch die Stadt geht, um sie anzusehen.

Nach einer guten Stunde hatte ich es geschafft. Ich war beim legendären MBK (Einkaufsmall) und damit bei einer der Endstationen der Skytrain angekommen. Nicht mehr viel weiter und ich wäre am Siamsquare gewesen. Darauf war mir die Lust jedoch mittlerweile vergangen, genauso wie auf die Fahrt mit den vorher genannten ÖV und ich habe mich mit dem MBK begnügt, welches, nebenbei bemerkt, eine ziemliche Enttäuschung war. Zurück ging’s mit dem Bus, was nach dem langen Marsch in der Hitze und bei bekanntem Endziel eine recht entspannte und angenehme Angelegenheit war.

Einige Male bin ich auch Richtung Norden losgezogen. Darunter war eine längere (und weniger entspannte, da ich in Sorge war, meine Station zu verpassen) Busfahrt in die Gegend, in der ich im November gewohnt hatte. Hat natürlich alles wunderbar funktioniert (immer diese unnötige Nervosität!?) und ich bin quasi vor der Tür meiner damaligen Einkaufsmall (naja, einer davon) ausgestiegen. Ein wenig nostalgisch habe ich die Mall betreten mit dem Ziel, etwas zu kaufen, das ich damals dort entdeckt hatte und seither niergends mehr in Thailand gefunden habe. Doch wie es scheint, wurde dieses Produkt über den Jahreswechsel in Thailand eliminiert…? Da will ich für einmal shoppen gehen….! Nun, es hat sich wenigstens halbwegs brauchbaren Ersatz gefunden und für die lange Busfahrt (ein wenig Sightseeing der anderen Art) hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

An einem weiteren Tag hatte ich die „Dusit-Ecke“ auf dem Programm. Wenn man so will, ein Teil der „Palastinstitutionen“, zumindest hätte das Palast-Ticket auch für die Sehenswürdigkeiten dieser Gegend gegolten. Doch ich war etwas spät dran (es war bereits späterer Nachmittag und die Öffnungszeiten bald vorbei), da ich den Nachmittag in einem neu entdeckten Café verhängt hatte (endlich wieder einmal einen richtig feinen Kaffee und einen Früchteteller zum verspäteten Frühstück!?) und die vielen Touristen-Busse beim Eingang zur Dusit-Thronhalle liessen die unangenehmen Erinnerungen an die Touristenmassen im Grand Palace wieder aufleben, so dass ich mich gegen die Besichtigung und für einen längeren Spaziergang entschieden habe. (Nebenbei, Fotografieren ausserhalb der „Dusit-Gebäude“ ist strengstens verboten, es kam sofort eine Wache angerannt, als ich mein Handy zückte.) Dabei kam ich in die Wirren eines Durcheinanders, von dem ich nicht so genau weiss, ob es ausserordentlich oder normal war. Die Situation erinnerte ein wenig ans abgesperrte Limmatquai beim Aufbau fürs Zürifäscht. Ein zur Strasse hin offenes Minizelt ans andere flankierten die Strasse und davor standen jede Menge Lastwagen, aus denen aus- oder in die zurückgeräumt (?) wurde. Meist war der „Sponsor“ klar zu erkennen. Womöglich war es also eher eine Art „Züspa“ denn ein Fest mit Gigs auf den Bühnen? Jedenfalls blieb keine andere Möglichkeit, als den Lastern entlang auf der Strasse zu gehen. Es herrschte reger Verkehr und weil die Strasse auf beiden Seiten um eine Spur verringert war (auf denen standen die Lastwagen), auch ziemlich viel Stau, was die Vehikel glücklicherweise zu langsamer Fahrt zwang. Glücklicherweise, denn es war ziemlich unangenehm, hier zu Fuss unterwegs zu sein, am Rand einer Hauptstrasse, eingequetscht zwischen Lastern und fahrendem Verkehr. Und es fand sich lange Zeit keine Ausweichmöglichkeit, denn die Strasse war verdammt lang. Eine eher unangenehme Expedition.

 

Bei einer der Thronhallen an der Dusitecke (hatte hier nicht so den Durchblick trotz Karte), bevor die Wache angerannt kam

Ein Regierungsgebäude


Danach ging es weiter am Dusit Zoo entlang Richtung Chitralada-Palast, wovon man jedoch vor lauter Bäumen so gut wie gar nichts sehen kann. Hätte mir diesen Weg also eigentlich sparen können. Nun, ist ja auch der Wohnsitz des Königs, wodurch ich diese Abgeschiedenheit gut verstehen kann. Das Gelände ist ebenso (wie beim Grand Palace) riesig. Ob es darauf ebenfalls einen Wat hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie ich letzthin gelesen habe, liess der König die Tore dieses Palasts während der Unruhen 1973 öffnen, damit die Demonstranten Schutz finden konnten vor dem Versuch der Regierung, die Aufstände gewaltsam niederzuschlagen. (Klingt ein wenig nach Peking im Juni 1989, nur dass die Chinesen dannzumal keinen Kaiser mehr hatten…) Diese Handlung des Königs hat mich überrascht und beeindruckt. Die Verehrung seines Volkes scheint wohl zurecht. Und für diejenigen, die es noch nicht wussten, er ist seit 1946 im Amt (musste das 2x lesen, dachte erst, das müsse ein Druckfehler sein) und damit der amtsälteste Regent der Welt. Und seine Ausbildung hat er übrigens in der (französischen) Schweiz genossen.

Auf einem meiner Spaziergänge wurde ich von einem Thai angequatscht, der mir unter anderem 2 Wats in der Nähe zur Besichtigung empfohlen hat – soll Glück bringen, wobei ich nicht sicher bin, ob dies nur für diesen Tag gegolten hat oder dem entsprechenden Wat zugesprochen wird. Das Gespräch dauerte länger als mir lieb war und zum Schluss ging ich weiter mit einem Stück Papier mit diversen Wegbeschreibungen (in einem Gemisch aus Thai und Englisch) inkl. einer Adresse eines Reisebüros, wo ich meinen Flug nach Chiang Mai buchen solle…. (Was ich dann aber nicht getan habe, dafür gibt es schliesslich Internet.) Den einen Buddha, so quasi den anderen Riesen-Buddha, habe ich mir einige Tage später angeschaut. Er ist allerdings nicht sonderlich schön für meinen Geschmack. Aber gross ist er, das stimmt schon. Beim Versuch, den 2. der empfohlenen Wats zu besichtigen, habe ich mich in einem Wirrwarr von engen Gässchen vertan und lief ständig im Kreis. Dabei hatte ich nicht selten das Gefühl, die „Wohnzimmer“ der dort ansässigen Thais zu durchqueren. Etwas, was mir schon oft aufgefallen ist in Asien, die Menschen dehnen Ihr Wohnen oder Arbeiten auch auf den Bereich „vor der Haustür“ aus. Sind die Gassen dann eng und nicht selten auch halbwegs überdacht, bekommt man echt das Gefühl, dass man nun mitten durch ein Zuhause geht und fühlt sich entsprechend wie ein Eindringling. Nach meinem 3. „Kreisrundgang“ und der Feststellung, dass in diesem Wat irgendetwas im Gange sein muss – es war ziemlich trubelig mit lauter Musik – habe ich schliesslich entschieden, diese Besichtigung sein zu lassen. Man muss ja nicht alles sehen…!


Gegen Ende meines Bangkokaufenthalts habe ich schliesslich die Gegend auf der anderen Seite des Flusses bei meinem Hotel genauer resp. noch einmal erkundet und dabei festgestellt, dass es sich hier ebenfalls um eine Travellergegend (so eine Art kleine Khaosan) handelt. Hier hatte es eine Menge netter, kuscheliger Lokale. Zu dumm, dass ich diese nun erst zum Schluss entdeckt hatte! War es doch gleich um die Ecke von meinem „Zuhause“, zudem ruhig und gemütlich und bot alles, was ich insbesondere zum Schreiben brauche.

Selten kam ich in einem Hotel mit so vielen anderen Gästen in Kontakt wie hier in Bangkok. Ein älteres englisches Paar, das mir die Teuerungsexplosion Australiens und Neuseelands erneut bestätigte (sind somit definitiv von meiner Reiseroute gestrichen ?); ein junges Paar aus Ungarn, das weiter nach Kambodscha wollte und mich nach Tipps gefragt hat; eine Russin, die in Deutschland lebt und perfekt deutsch spricht; ein blutjunges Paar aus England, deren Englisch ich jedoch ÜBERHAUPT nicht verstanden habe (was war ich erleichtert, als sie sich verabschiedet haben!); ein norwegischer (oder war’s dänisch?) Koch, der stundenlang von Essen sprechen konnte und mich mit seiner Leidenschaft fürs Kochen beeindruckte und – und nun werden einige meiner Leser genauso schmunzeln wie ich – ein Lehrer aus Berlin, um nur einige zu nennen. Es gab natürlich auch asiatische Gäste, doch aufgrund der Sprachbarriere fand mit ihnen kaum Kommunikation statt. Auch tummelten sich diese nur selten im Aufenthaltsraum, dazu fehlt ihnen vermutlich die Zeit, sind sie doch am nächsten Tag bereits in der nächsten Stadt.? Weiter war da auch noch ein junges deutsches Pärchen, mit denen habe ich mich jedoch ebenfalls nicht unterhalten, sondern sie nur (nicht ganz freiwillig) belauscht und mich gewundert, wie er dieses Gejammer aushält…. Das muss wohl Liebe sein ?, ich hätte sie mit Sicherheit längst zum Schweigen gebracht, es war wirklich grauenhaft, ein penetranter, gequälter nonstopp Singsang!

Ich will jetzt hier nicht die Vergangenheit hervorkramen, aber es war für mich schon etwas Spezielles, ausgerechnet jemanden aus Berlin kennenzulernen (ursprünglich sollte meine Reise ja auch dort starten….) und dann war sein Fach auch noch Geschichte – die Gespräche waren hochspannend, interessant und natürlich relativ anstrengungslos, da in Deutsch. Dass ich dieser Begegnung so viel Raum biete, liegt jedoch an einer (oder 2) bestimmten Erkenntnis(sen). Die Sprachenvielfalt der kleinen Schweiz ist eigentlich fast immer irgendwann ein Thema, nachdem ich mich als Schweizerin geoutet habe und eine richtige Kommunikation möglich ist und als ich ihm in diesem Zusammenhang sagte, dass Hochdeutsch für uns Schweizer eine Fremdsprache ist, äusserte er die Vermutung, ob es wohl daran liege, dass die Schweizer als langsam gelten! Habt Ihr gewusst, dass die Schweizer von den Deutschen als langsam betitelt werden? Also, wir mögen ja vieles sein, aber langsam sind doch nur die Berner!

 

Bangkok, THA – Sightseeing

Da die Reise nach Bangkok meinem Fuss einen kleinen Rückschlag in seiner Genesung verpasst hatte, hielt ich mich in der ersten Zeit mit Sightseeing erst einmal zurück, nahm es gemütlich, genoss die Terrasse meines Hotels und deren Aussicht und gab meinem Fuss wieder einmal etwas Ruhe. Deshalb hatte ich an meinem ersten Sightseeing-Tag dann viel auf dem Programm und zog bereits frühmorgens los. Ich wählte bewusst einen Weg, den ich bis anhin noch nicht gegangen war und kam zuerst an einem Park vorbei, wiederum mit einem Fort, gleich am Fluss gelegen. Schmunzelnd nahm ich dabei zur Kenntnis, dass das Rauchen und Trinken in Bangkok’s Parks verboten ist…..



  

Etwas später entdeckte ich zufällig eine Art Reformhaus, welches ich fasziniert inspizierte, denn so etwas hatte ich in diesem Land nicht erwartet und wenn, dann eher im Bereich der grossen Shoppingmalls oder in einem Gebiet, wo die reicheren (Thais) residieren, aber nicht unbedingt in der Umgebung, in der ich mich befand. Die Produkte waren ausschliesslich in Thai beschriftet und ich konnte auch nichts finden, was mir irgendwie bekannt vorgekommen wäre. Mag auch daran liegen, dass die meisten Hersteller solcher Produkte keine Multikonzerne sind und sich daher auf kleinere Märkte beschränken? Umso spannender war es, sich die Thai-Version davon anzuschauen! Ausserdem fand ich es gut zu wissen, wo ich solche Produkte finden könnte bei Bedarf. (Blöd nur, dass das „Timing“ meiner Utensilien etwas quer liegt und mir die Sachen nicht dann ausgehen, wenn sie sich ideal ersetzen liessen…..?)

So ungern ich im Wasser plansche, so liebe ich es doch, in der Nähe eines Gewässers zu sein. Eigentlich war es auch mein Plan, mit einem der Speedboats (einem ÖV-Bereich in Bangkok) einen Teil meines Weges zum Palast zurückzulegen. Doch ich kam mit den Infos an der Anlegestelle nicht wirklich klar bzw. bin mir bis heute nicht sicher, ob es überhaupt eine war (für diese Art von Booten) und so entschied ich der Einfachheit halber, zu Fuss weiter zu gehen. Gemäss Karte zog sich der Weg dem Fluss entlang und ich habe diesen Spaziergang echt genossen. Der Wellengang war recht stark und wie an dieser Stelle auch schon erwähnt, könnte ich stundenlang auf das Wasser blicken und zuschauen, was sich da so tut, was gerade an diesem Ort gar nicht wenig war, denn es herrscht reger Verkehr auf diesem Fluss und der Blick aufs andere Ufer war auch ganz schön eindrücklich. Zwar sind es nicht DIE Business-Wolkenkratzer-Gebäude der Stadt, aber mir hat’s gut gefallen.

Ja, diese Brücke hat mich ungemein fasziniert… (bereits von meinem Hotelzimmer aus musste ich sie mehrfach fotografieren ?)

Wär’s nicht blau, könnte man glatt an Sydney denken

  

Immer brav dem einzigen Weg folgend, der mir zur Verfügung stand, fand ich mich plötzlich auf einem Uni-Campus wieder! Da war ich dann doch etwas unsicher, ob ich mich nicht vielleicht verlaufen hatte. Auch fühlte ich mich etwas fehl am Platz in diesem Gewusel an Studenten. Nicht nur, dass die alle halb so alt waren wie ich, meine Erinnerungen an die Uni sind nun einmal auch nicht unbedingt meine liebsten. Ich versuchte also, zielstrebig meinem Weg zu folgen und diesen Bereich raschmöglichst wieder zu verlassen, was gar nicht so einfach war, ich hatte eine wirklich grosse Uni erwischt.


  

Schliesslich änderte die Umgebung aber – gut, hatte ich mich nicht von meinem Weg abbringen lassen! – wenn ich mich auch nicht unbedingt wohler fühlte. Es erstaunt etwas, dass die nähere Umgebung des Palasts, zumindest auf der einen Seite desselben, derart schäbig ist. Ich glaube, es war teilweise eine Markthalle, eine ziemlich grosse Markthalle, die auf mich jedoch keinen wirklich einladenden Eindruck machte. Und die „Händler“ ausserhalb wirkten alles andere als freundlich. Alles in allem war die Athmosphäre nicht wirklich angenehm. Ausserdem war es unglaublich heiss! Unglaublich heiss! Einfach heiss, heiss, heiss! Ich hatte echt das Gefühl, ich laufe aus….

Als ich schliesslich die weisse Mauer des Palasts erblickte, stellte sich heraus, dass ich nicht gerade den günstigsten Weg gewählt hatte und noch viele Meter der Mauer entlang zu gehen hatte, bis ich den Eingang erreichte. Dort angekommen sah ich vor allem eines: eine riesige Masse Menschen! In sekundenschnelle hatte ich entschieden, dass heute nicht mein Tag für die Palastbesichtigung war. Diese Hitze und diese Menschenmasse waren einfach zu viel, um dafür zu bezahlen, sich da reinzuwerfen…. Ich hatte ja Zeit.

Ausserhalb der Palastmauern
Strominstallationen haben in ganz Asien etwas Faszinierendes….wobei dies noch eine harmlose Variante ist 

So bin ich einfach weiter gegangen, immer der Nase nach, ständig an der Wasserflasche und habe mich irgendwann mitten in Chinatown wieder gefunden. Es ist nichts Neues für mich, dass ich nicht so ganz verstehe, warum die Chinatowns überall auf dieser Welt als Touristenattraktion gelten und das hat sich auch hier wieder bestätigt – wohl deshalb u. a. wird es mich vermutlich nie nach China verschlagen. Auch auf die Gefahr hin, nun etwas rassistisch zu wirken, ich finde diese Gegenden einfach wenig ansprechend, nur schmuddelig und bis heute gab es für mich auch noch nie einen Grund, irgendwo länger zu verweilen, weil mich die Auslage oder das Angebot angesprochen hätten. So bin ich denn einfach kreuz und quer durch dieses Gebiet gelaufen und kann nun sagen, ich war in Bangkok’s Chinatown.

Bereits am frühen Nachmittag fühlte ich mich ziemlich fertig und dabei hatte ich kaum etwas von meiner Liste abgehakt…. Es war einfach zu heiss, obwohl ich diese Temperaturen nicht missen wollte.? Ich entschied daher, mich langsam Richtung Heimweg zu machen. Dabei erkannte ich, dass sich der Golden Mount, auch eine dieser Sehenswürdigkeiten, ganz in der Nähe meines Hotels befindet und auch noch auf meinem Weg liegt. So konnte ich doch wenigstens noch eines meiner ursprünglichen Vorhaben realisieren. Dort angekommen musste ich mich jedoch erst einmal setzen. Man könnte beinahe auf die Idee kommen, dass es allen, die dort eintreffen, geht wie mir, denn eine lange Reihe von überdachten Bänken im Wasserdampf (findet man in Asien oft: ganz feine Wasserstrahls, die entlang eines Dachs (oder zumindest sonstwie in der Höhe) versprüht werden, sofort verdampfen und dabei eine kühlende Wirkung haben) gruppieren sich um den Eingang des Golden Mounts und viele waren besetzt. Was für eine Wohltat! Dabei hatte ich die Ankündigung auf 344 Treppenstufen für den Aufstieg zum Golden Mount ständig im Blickfeld. Sind das viele Treppenstufen? Ich konnte diese Anzahl überhaupt nicht einordnen…. In St. Gallen, während meiner Uni-Zeit, hatten wir eine Zeit lang eine Wohnung im 4. (oder 5.?) Stock und diesen „Aufstieg“ empfand ich oft als ziemlich anstrengend. Das dürften jedoch einiges weniger als 344 Stufen gewesen sein…. Auch war es mit Sicherheit nicht einmal so heiss (in den Sommerferien war ich jeweils nicht in SG) wie an diesem Tag in BKK und ich auch noch einiges jünger. Ich machte mich also auf eine Art Mount Everest-Aufstieg gefasst und blieb erst einmal einfach sitzen…. und sitzen. Ehrlich Leute, ich hatte das Gefühl, ich könnte für den Rest meines Lebens einfach dort sitzen bleiben. Es war so friedlich, kühl, wohltuend. Nach einer gewissen Stärke oder Härte an Anstrengung sollte man einfach auf Automatismus bleiben und sich erst Ruhe gönnen, wenn man sie auch umfassend ausleben kann. Vermutlich nach etwa einer knappen Stunde konnte ich mich aber überwinden, wieder aufzustehen und den Golden Mount in Angriff zu nehmen.

 



  

Diese kleinen Kerle habe ich in vielen thailändischen Tempeln angetroffen – ich sollte mich einmal mit deren Bedeutung auseinandersetzen
  

Ein Unterbruch der 344 Stufen, auch hier findet sich der genannte „Kühlungsdampf“  

Ebenfalls erkennbar die Minipipistufen  

Es hat sich herausgestellt, dass es eigentlich nur die Hälfte von 344 Stufen sind, denn die Stufen sind derart klein, dass man fast unmöglich jede einzelne nehmen kann. Es ist viel angenehmer, jeweils zwei Stufen zugleich zu erklimmen. Auch kann man nicht von einem steilen Aufstieg sprechen, zumindest nehme ich an, dass es daran lag (vielleicht auch an meiner viel zu hohen Everest-Erwartung?), dass dieser Weg nicht wirklich als anstrengend bezeichnet werden kann. Da war der Kirchturm des Stephansdom zu Wien (übrigens 343 Stufen ?) viel schlimmer! Mit Sicherheit macht ein Sportler das im lockeren Sprint. Soweit bin ich nicht gegangen, aber überraschenderweise bin ich oben weder keuchend angekommen, noch hatte ich das Gefühl, ich bräuchte eine weitere Pause. Wer weiss, vielleicht wurden wir unten ja mit „heiligem“ Wasser besprüht, das zu neuer Energie verholfen hat (der Golden Mount ist Teil einer Tempelanlage). Der Ausblick oben war zudem fantastisch und eindrücklich. Sollte man gesehen haben, wenn man in Bangkok ist!

Über den Dächern von Bangkok
  
  
  
  
  

Ein Blick in das Heiligtum (der grösste Teil wird leider von Verkaufstheken eingenommen, weshalb sich nicht viel Interessantes bietet, man geht wirklich wegen der Aussicht da hinauf)

Der Start zum Abstieg (nicht die gleiche Treppe wie für den Aufstieg, was bezüglich Schuhe aus- oder anziehen für einige Verwirrung sorgt…. Alle ziehen brav ihre Schuhe aus, bevor sie den heiligen Boden betreten, um dann festzustellen, dass sie ja nicht wieder dort hinaus können, wo sie hereingekommen sind, wodurch letztlich doch alle mit Schuhen durchs Gebäude gehen ?)

Schliesslich ging es über ein Wirrwarr von unverschämt breiten Hauptstrassen (die sind für Fussgänger doch immer etwas mühsam zu überqueren, besonders während der Rushhour) über das Demokratiedenkmal zurück „nach Hause“. Dort angekommen war ich ziemlich erledigt und v. a. musste ich feststellen, dass dieser erste längere „Marsch“ doch etwas viel war für meine mittlerweile untrainierten Füsse, die fühlten sich ziemlich zerstört an. Eine wunderbare Entschuldigung für ein paar weitere ruhige Tage im Anschluss.

 
Ich habe wieder angefangen zu lesen, was bereits seit einiger Zeit dazu führt, dass ich nicht mehr viel Anderes tue, bis das Buch beendet ist. Für einmal war es auch wieder eher hochstehende Literatur. „Die Interessanten“, ein hoch gelobtes Buch, das mir vor allem durch die ungemein grosse Vielfältigkeit des Vokabulars der Autorin imponiert hat. Die Geschichte an sich war ganz ok, doch wie meist, war das Ende etwas verkackt – Entschuldigung den Ausdruck, aber es beginnt mich langsam wirklich zu ärgern, dass die Autoren es heute scheinbar kaum mehr hinkriegen, ein Buch würdig zu beenden. Plötzlich muss irgendwie alles schnell, schnell gehen. Mir ist das unverständlich. Als ob ein Leser, der sich durch fast das ganze Buch durchgekämpft, -gewurstelt oder -gelesen hat, am Ende die Geduld verlieren würde. Wirklich ärgerlich, das!

In der 2. Hälfte meines Bangkok-Monats nahm ich schliesslich meinen 2. Anlauf für die Palastbesichtigung. Bewusst sorgte ich dafür, möglichst früh, bald nach dem Öffnen, dort zu sein. Machte jedoch keinen Unterschied. Ich denke, ich habe nun den ultimativen Grund gefunden, mich zukünftig vor solchen Sehenswürdigkeitsbesichtigungen zu drücken. Was ich dort erlebt habe, war der reinste Horror! Da waren soooooooooo viele Menschen (und wie ich mittlerweile weiss, ist das Normalzustand), ein unglaublich unvorstellbares Gedränge. Mittendrin hunderte von Führern mit ihren Fähnchen. Dabei ist es mir ein Rätsel, wie die es schaffen, ihre Schäfchen zusammenzuhalten und nicht zu verlieren, dafür verdienen sie meinen Respekt! Viele der Asiatinnen kamen natürlich mit Schirm, immer darauf bedacht, ihre Haut ja nicht der Sonne auszusetzen (was käumlich in erster Linie mit Krebsprophylaxe zu tun hat – statt, dass sie sich einfach entsprechend den Palastvorschriften anziehen würden), was die ganze Sache weiss Gott nicht angenehmer machte. Ganz neu ist es mir ja nicht, dass diese Sightseeing-Hotspots zu viele Menschen auf einmal anziehen (8 Mia. Menschen sind vermutlich wirklich zu viel für diese Welt). Bereits vor 10j hatte ich mir in Barcelona das eine oder andere geschenkt, weil mir die Geduld fürs Anstehen fehlte und vor 2j in Budapest habe ich beinahe alles nur von aussen betrachtet, doch diese Erfahrungen waren aus heutiger Sicht Peanuts! Bangkoks Palast entspricht einer fatalen exponentiellen Steigerung an Menschenanziehung, als gäbe es innerhalb irgendetwas gratis.?

Ich weiss nicht, ob das an der Organisation liegt oder daran, dass es in Asien noch einmal viel mehr Touristen gibt (annehmend, dass die grosse Masse an Asiaten – kostenbedingt – bis anhin eher nach Bangkok als nach Europa reist – gütiger Himmel, was steht uns da evt noch bevor, wenn deren Lebensstandard weiter steigt?) oder einfach am Palast selber, weil er mehr Touristen anzieht? Würde definitiv dafür voten, dass die Besichtigung nach Nationalitäten aufgeteilt wird, im Sinne von am Mo die Europäer, am Di die Amerikaner, von Mi bis Fr die Asiaten ….. irgendwie so. Nicht, weil ich etwas gegen andere Nationen habe, aber eine Besichtigung allein unter Europäern wäre mit Bestimmtheit angenehmer, angefangen damit, dass es jeweils doch nicht so viele Europäer gleichzeitig vor Ort hat, Schirme bei Sonnenschein normalerweise zu Hause bleiben und das Fotografieren einen deutlich tieferen Stellenwert hat.

Und kaum war man endlich drin, wurde es entgegen meiner Erwartung noch schlimmer, denn nun begannen die Fotosessions. Ich war echt etwas überfordert von der Szenerie und dem Gehabe dieser Menschen. Die haben sich gar nichts angesehen! Nein, sie sind nur vor jedem Fitzelchen stehen geblieben und haben sich damit zusammen fotografiert! So was ginge eigentlich auch mit Fotoshop! Verstehe nicht so ganz, warum sie sich das auf diese Weise antun. Aber vermutlich empfinden sie es gar nicht so schlimm wie ich, weil sie dieses Gedränge und den Platzmangel von zu Hause gewohnt sind? Auch verstehe ich absolut nicht, weshalb sie sich einem Tourguide angeschlossen haben. Was dieser erzählt hat, hat sie genauso wenig interessiert, es drehte sich alles nur um Fotos. Und das alles immer bei dieser unglaublichen Hitze! Ich kann mich nur immer wieder wiederholen, es war wirklich ein totales Horrorerlebnis und ich habe mir mehrfach überlegt, das Ganze abzubrechen und einfach zu gehen. Der Palast bzw. der Wat Phra Kaeo ist allerdings ähnlich aufgebaut wie die Ikea, nur ohne die Abkürzungen…. Vorzeitig zu gehen, hätte genauso bedeutet, den vorgegebenen „Trail“ abzulaufen (wobei das Tempo nur selten von einem selber bestimmt werden konnte…..), also konnte ich das gerade so gut auch tun beim Versuch, mir diesen Palast und den Wat Phra Kaeo anzusehen.

Grand Palace & Wat Phra Kaeo  

Nur 15 Jahre nachdem die Birmanen die alte Hauptstadt Ayutthaya zerstört hatten, machte sich Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) daran, den Ruhm des siamesischen Reiches wieder auferstehen zu lassen. Er beschloss, am 6. Mai 1782 den Grundstein zu einem neuen Palast auf dem östlichen Ufer des Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) legen zu lassen. Es wurde ein Bezirk abgesteckt, der nördlich des dort bereits vorhandenen Wat Potharam (heute Wat Phra Chetuphon, kurz: Wat Pho) und südlich des damaligen Wat Salak (heute Wat Mahathat) lag. Das östliche Flussufer war ursprünglich sehr sumpfig, so dass es zuerst entwässert werden musste. Schon zur Zeit König Taksins (Vorgänger von Rama I.) wurde dazu ein schmaler Kanal, der Khlong Lord („Strohhalm-Kanal“) gegraben. Dort, wo der neue Palast geplant war, lebte bereits eine Gemeinschaft von wohlhabenden chinesischen Kaufleuten, die wahrscheinlich den damaligen Wat Potharam unterstützten. Sie wurden freundlich „gebeten“, ihre Geschäfte umzusiedeln, und zwar in die „Gärten“, eine damals unbesiedelte Gegend vor der Stadt, die heute als „Sampeng“ bekannt ist. Dann konnten die ersten temporären Gebäude des neuen Palastes aus Holz und Blättergeflecht gebaut werden.

Am Sonntag, dem zehnten Tag des zunehmenden Mondes im Jahr des Tigers, im vierten Jahr der Dekade Chunlasakarat 1144, also im Jahre 2325 buddhistischer Zeitrechnung, morgens um 6:54 Uhr wurde eine Zeremonie der „Grundsteinlegung“ (Setzen der Stadt-Säule gegenüber dem Grand Palace) durchgeführt. Nach der Gründung des Grand Palace wurde König Phutthayotfa Chulalok am 10. Juni 2325 in einer königlichen Zeremonie offiziell zum König gekrönt. (Zitat von einem Gedenkstein vor der Stadtverwaltung in Bangkok).

König Phutthayotfa Chulalok baute im östlichen Teil seines neuen Palastes einen neuen Tempel für den Smaragd-Buddha. Er nannte diesen Tempel „Wat Phra Si Rattana Satsadaram“, auf Deutsch etwa „Der Tempel des heiligen Juwels (des Gottes) Indra“, von den Einheimischen wird er heute kurz „Wat Phra Kaeo“ genannt, also „Tempel des Smaragd-Buddha“. In einer feierlichen Zeremonie wurde der Smaragd-Buddha am 22. März 1784 von Thonburi (Nachbarsstadt (und heute Teil) von Bangkok und Hauptstadt unter König Taksin, Anm. von mir) in seinen neuen Tempel gebracht, wo er noch heute verehrt werden kann.

Das gesamte Areal war zunächst von einer stark befestigten hölzernen Palisade umgeben. Später wurde sie durch eine 1,9 km lange, hohe Backsteinmauer ersetzt, die den Palast nach außen abschirmen sollte. Die dringend benötigten Baumaterialien, wie zum Beispiel Ziegelsteine, wurden per Schiff aus dem zerstörten Palast in Ayutthaya geholt. [Wikipedia]

 

Achtung, fertig, los…..!!! Auftakt zum Wat Phra Kaeo

Realismus pur, Menschen und Schirme quetschen sich zwischen die Gebäude

Nach dem Eingang wird man als erstes auf die obere Terrasse mit den 4 Hauptmonumenten gelotst, die da wären: die goldene Chedi (Phra Siratana Chedi), eine Bibliothek für Palmschriften (Phra Mondop), das königliche Pantheon (Prasat Phra Dhepbidorn) und das Modell von Angkor Wat

 

Phra Siratana Chedi – Die Goldene Chedi ist ein Reliquienschrein, sie soll ein Bruchstück vom Brustbein des Buddha enthalten und wurde erschaffen nach dem Vorbild der drei Chedis des Wat Phra Si Sanphet in Ayutthaya. [Wikipedia]


Phra Mondop, die Bibliothek als Aufbewahrungsort für heilige Palmschriften



Das königliche Pantheon (daneben das Dach der Bibliothek)


Eines der 4 Monumente der königlichen Insignien, Denkmäler für 4 der Könige (das goldene Ding auf einem Sockel im Vordergrund)

und alle 4 Hauptmonumente auf der Terrasse zusammen (naja, mehr oder weniger…)

Phra Viharn Yod, eines der Nebengebäude, das heute offenbar hauptsächlich Aufbewahrungsort für Buddha-Bildnisse und vor allem wunderschön ist


Hor Phra Monthien Dharma, buddhistische Bibliothek, weiteres Nebengebäude

Einige der Wandmalereien in den Galerien des Kreuzganges (rund um den Wat Phra Kaeo)


Die zwei anderen goldenen Chedi zu Ehren von Vater und Mutter von Rama I.

Das bereits erwähnte Modell des Angkor Wat (ja, der in Kambodscha) – Thailands König wollte, dass sein Volk sah, was Thailand Schönes annektiert hatte

König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) ließ acht Prangs errichten. Sie wurden jeweils einem wichtigen Element des Buddhismus gewidmet. Und zwar (von Nord nach Süd): dem Buddha, dem Dhamma (der buddhistischen Lehre), dem Sangha (der Gemeinschaft der Mönche), den Bhikkhunis (den buddhistischen Nonnen), den Pacceka Buddhas (Buddhas, die zwar die Erleuchtung erlangten, die aber nicht das Dhamma predigten), den Chakravartins (universelle Weltenherrscher, die nach buddhistischen Regeln herrschen), den Bodhisattva (erleuchtete Wesen), und dem Maitreya Buddha (dem zukünftigen Buddha). [Wikipedia]

Einer der Prangs (siehe auch Fotos ausserhalb der Palastmauern)

Zwischen zwei Prangs
  

Kleiner Pavillon

  

Der Glockenturm
  

Und damit kommen wir der Hauptattraktion näher, dem Phra Ubosoth, dem Tempel des Smaragdbuddha

Im Tempelinnern ist das Fotografieren verboten, daher stammen die Fotos des Smaragdbuddhas aus dem Netz….

Der Smaragd-Buddha sitzt auf einem vergoldeten Thron, der bereits während der Regierungszeit von König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) hergestellt wurde. König Phra Nang Klao (Rama III.) fügte unter dem Thron noch eine zusätzliche Basis ein, so dass der Smaragd-Buddha jetzt in der luftigen Höhe von 11 Metern thront. Er ist umgeben von zehn gekrönten Buddha-Statuen in der Handhaltung „den Ozean aufhaltend“. Sie wurden Mitgliedern der Chakri-Dynastie der ersten bis dritten Regierungszeit gewidmet.

 
Die Wände sind vom Boden bis an die Decke mit hervorragenden Wandgemälden bedeckt, die Szenen aus dem Leben des Buddha zeigen. Die hohen Türen mit wertvollen Perlmutter-Einlagen wurden ebenfalls in der Regierungszeit von Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) in einem Stil hergestellt, der in der alten Hauptstadt des Königreiches Ayutthaya üblich war. Die sechs Eingänge zum Ubosot werden von sechs Paaren von Bronze-Löwen im „Khmer-Bayon-Stil“ bewacht. Das erste Paar wurde auf Geheiß von König Phra Phutthayotfa Chulalok aus Angkor (Kambodscha) nach Bangkok gebracht, die anderen wurden nach dieser Vorlage kopiert. [Wikipedia]



So winzig, wie er hier scheint, ist der Smaragdbuddha auch

The Hermit Doctor (Vater der Thai-Medizin)

 

Der Große Palast war die offizielle Residenz der Könige von Siam (heute Thailand) in Bangkok vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod des Königs Ananda Mahidol (Rama VIII.) 1946 beschloss König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) die Verlegung der Residenz in den Chitralada-Palast. (Wo die Königsfamilie heute noch residiert, Anm. von mir)

Die gesamte Anlage des alten Königspalastes folgt überraschend genau dem Bauplan des kurze Zeit vorher zerstörten Wang Luang (Königspalast in Ayutthaya, der früheren Hauptstadt). Der Komplex besteht aus einem etwa 2,6 km² großen Gelände am Ostufer des Chao Phraya nahe dem Königsplatz, dem Sanam Luang. Hier sind verschiedene Bauwerke und Anlagen angeordnet, deren wichtigstes das Wat Phra Kaeo, der Tempel des Smaragd-Buddhas, ist.

Die heutigen Bauwerke auf dem Gelände sind das Ergebnis einer seit 1782 andauernden Bautätigkeit, seit dieser Zeit wurden Gebäude neu errichtet, erweitert, umgebaut, renoviert oder niedergerissen, um neuen Anlagen Platz zu machen. Die erste Phase dieser Bautätigkeit war zur Inthronisation des Königs Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) abgeschlossen; am 13. Juni 2006 wurde das neueste Gebäude eingeweiht, die Borommaratchasathit-Maholan-Thronhalle.

Der heutige Palast besteht aus vier Teilen, dem Äußeren Hof, dem Zentralen Hof, dem Inneren Hof und dem Wat Phra Kaeo, jeder der Teile war funktionell auf diejenigen zugeschnitten, die dort lebten oder arbeiteten. Der Innere Hof im nördlichen Teil des Palastes, in dem nur Frauen zugelassen waren, ist von einer hohen Mauer umgeben. An den Zugängen zu diesem Bereich standen weibliche Wachen. Der Äußere Hof liegt im südlichen Teil, hier wurden die Ministerien angesiedelt, mit denen der König häufig zu tun hatte, das Schatzamt und die königlichen Wachen.

Der Zentrale Hof ist der beeindruckendste Teil des Palastes. Dieser besteht ebenfalls aus vier Komplexen: der so genannten Ersten Gebäudegruppe, dem Komplex um den Chakri Maha Prasat, der Gruppe um den Dusit-Palast und der Gruppe um die Borom Phiman-Halle. Etwas versteckt im südlichen Teil des Zentralen Hofes liegt das Wat-Phra-Kaeo-Museum. [Wikipedia]

 

Der Übergang zum Palast

Nur ein kleiner Teil des Palasts ist zugänglich und praktisch keines der Gebäude betretbar. Die Besichtigung erfolgte daher relativ rasch und meine Kenntnisse zu den Details halten sich in Grenzen…
  

Chakri Maha Prasat Hall, Thronhalle, die heute für Staatsbankette zu Ehren ausländischer Staatsoberhäupter und den Empfang ausländischer Botschafter genutzt wird.
  


  



Dusit Maha Prasat Hall, Krönungshalle







 

 

Läge der Wat Pho nicht gleich neben dem Palastgelände, hätte ich mir den vermutlich geschenkt, ich war nach der Palastbesichtigung derart genervt und gestresst. Das wäre jedoch ein Fehler gewesen, denn wie sich herausgestellt hat, war der Tumult dort weniger gross und der Wat Pho ist es wirklich wert, ihn anzuschauen. Zwar waren die Menschenmassen beim berühmten liegenden Buddha noch gewaltig, doch auf dem restlichen Gelände des Tempels haben sich diese rasch relativiert, vermutlich auch, weil die Mehrheit der Touristen sich diesen Rest gar nicht ansieht. Dabei ist das wirklich ein schöner Tempel, der dem Auge viel zu bieten hat. Möglicherweise schafft es auch die Athmosphäre, sich hier auf die Besucher zu übertragen? Jedenfalls war die Stimmung viel angenehmer als zuvor im Palast, Ruhe legte sich über alle und nicht selten sah man einige der Besucher einfach an einem der schattigen Plätzchen sitzen und verweilen, manchmal im Gespräch, manchmal nicht einmal das. So gesehen hatte ich sicher die richtige Reihenfolge gewählt. Leider waren die berühmten Fusssohlen des liegenden Buddhas gerade in Restauration und daher eingehüllt und nicht zu betrachten. Allerdings kann ich mir vorstellen, bei einem späteren Bangkok-Besuch noch einmal hier hin zurückzukehren. Mal sehen. Im Wat Pho habe ich relativ viel Zeit verbracht. Wenn man will, gibt es wirklich viel zusehen und wie erwähnt, der Aufenthalt gestaltet sich recht angenehm und lädt zum Verweilen ein.

 

Wat Pho

Wat Pho (Thai วัดโพธิ์) ist ein Königlicher Tempel Erster Klasse, ein buddhistischer Tempel (Wat), der im Zentrum der historischen Altstadt von Bangkok liegt, unmittelbar südlich des Königspalastes. Sein offizieller Name ist Wat Phra Chettuphon Wimon Mangkhalaram Ratchaworamahawihan (วัดพระเชตุพนวิมลมังคลารามราชวรมหาวิหาร), Einheimische nennen ihn aber noch immer Wat Pho nach seinem historischen Namen Wat Photharam, welcher an das Kloster des Bodhi-Baumes in Bodhgaya erinnern soll.

Da Wat Photharam bereits in der Ayutthaya-Chronik zur Regierungszeit von Phra Petracha erwähnt wurde, dürfte er bereits im 17. Jahrhundert gegründet worden sein. Zur Gründung seiner neuen Hauptstadt Bangkok restaurierte und erweiterte König Rama I. den Tempel (das dauerte von 1789 bis 1801) und gab ihm den heutigen Namen. Auch alle weiteren Könige der Chakri-Dynastie erweiterten und restaurierten diesen Königlichen Tempel (Wat Luang). [Wikipedia]

 

 

Leider zeigt dieses Luftbild nur den kleineren, westlichen Teil der Tempelanlage, der Ubosot ist nicht aufgenommen, dafür sind die 4 Chedis und der Viharn des liegenden Buddhas (Gebäude mit dem blauen Dach) schön zu sehen (vgl. nachfolgenden Plan).

 



 

Der riesige liegende Buddha, 46m lang und 15m hoch


  
  

Teil seiner Liege ?  

Das Kopfkissen  

Fertig liegender Buddha, nun geht’s aufs Wat-Gelände

Die Bibliothek

Solche „Buddha-Alleen“ finden sich in jedem Tempel, meist mehrfach

Die 4 Chedis

König Rama IV., er regierte von 1851 bis 1868, entschied im Jahre 1853, daß eine neue Chedi im Wat Pho erbaut werden sollte. Es ist sehr schön in der Chronik von Chao Phraya Thiphakarawong beschrieben, daß sich vier Tage vor der Grundsteinlegung Mönche am geplanten Bauplatz versammelten. Sie rezitierten drei Tage lang die heiligen Sutren, damit der Bau möglichst reibungslos vonstatten ging. Und obwohl es bereits seit Tagen geregnet hatte, hörte der Regen just an dem Tag auf, der von den Astrologen als Tag der Grundsteinlegung ausersehen war. Dies wurde als gutes Zeichen angesehen.

Da der Monarch beschlossen hatte, daß die neue Chedi sich von den vorhandenen drei unterscheiden sollte, schickte er seine Baumeister zur alten Hauptstadt Ayutthaya, damit sie den Stil der Chedi von Wat Suan Luang Sopsawan studieren. Diese wurde von König Mahachakkraphat im Jahre 1548 in der Nähe des königlichen Palastes erbaut. Die Chronik von Ayutthaya berichtet, daß zu dieser Zeit die Burmesen die Hauptstadt belagerten. 

Die neue Chedi wurde schließlich größer als die drei ersten. Sie enthielt zusätzlich eine kleine Kammer, die von außen über Stufen zugänglich war. Merkwürdigerweise hat der König diesem Bauwerk keinen eigenen Namen verliehen. So wurde sie dann von den Leuten „Die Chedi von König Rama IV.“ genannt. [hdamm.de]

Die blaue Chedi

Als Ayutthaya im Jahre 1767 von den Burmesen zerstört wurde, fiel ihnen auch die sehr verehrte Buddha-Statue des Wat Sri Sanphet am Königspalast zum Opfer. Sie hatte den Namen Phra Puttha Sri Sanphet, König Ramathibodhi II. ließ sie etwa im Jahre 1500 herstellen. Die Burmesen verbrannten sie, um die fast zwei Tonnen Gold zu schmelzen, das sie bedeckte. König Rama I. transportierte die Überreste nach Bangkok, um sie dort restaurieren zu lassen. Er wollte aus den bronzenen Resten eine neue Statue gießen lassen, jedoch riet ihm der Oberste Patriarch der Buddhisten von diesem Vorhaben ab. So ließ der König auf dem Gelände von Wat Pho eine große Chedi errichten, um in ihr die Statue beizusetzen. Die Chedi wurde anschließend mit grünen Kacheln bedeckt, und der König gab ihr den Namen Phra Chedi Sri Sanphetchayadayan. [hdamm.de]

Die grüne Chedi

Alle 4 Chedis zusammen

Während der Reparaturarbeiten im Wat Pho, die zur Regierungszeit von König Rama III. von 1832 bis 1848 dauerten, wurden rechts und links von der grünen Chedi zwei neue Chedis gebaut. Diese hier liegt südlich von der grünen Chedi. Sie wurde mit gelb-orangenen Kacheln bedeckt. Sie soll die Regierungszeit von König Rama III. symbolisieren. Der König gab ihr anschließend den Namen Phra Maha Chedi Munibat Borikhan. Die nördliche (gelbe) und die mittlere (grüne) Chedi wurden auf einem quadratischen Fuß errichtet, während die südliche, die orangefarbene Chedi auf einem runden Sockel steht.

Das Vorbild für diese Dreierformation kann man noch heute im Wat Phra Sri Sanphet in Ayutthaya sehen. König Ramathibodhi II., er regierte von 1491 bis 1529, hat dort im Jahre 1492 zwei große Chedis errichtet. Die östliche war für die Asche seines Vaters vorgesehen, während die Chedi direkt daneben als Denkmal für seinen älteren Bruder, König Boromarachathirat III. erbaut wurde. Etwa 40 Jahre später wurde während der Regierungszeit von König Boromarachathirat IV. (1529-1533) die dritte Chedi westlich der zwei ersten gebaut. Hier wurden die sterblichen Überreste von König Ramathibodhi II. beigesetzt.

Vermutlich wollte König Rama III. in einem der wichtigsten Tempel seiner Hauptstadt ein ähnlich grandioses Monument wie in der alten Hauptstadt vorweisen können. Aus Platzgründen mußte er allerdings die Ost-West- in eine Nord-Süd-Ausrichtung abändern. Auch ließ er seinen Baumeistern freie Hand beim Baustil: während die drei Chedis in Ayutthaya deutlich sinhalesische Einflüsse zeigen, wurden die neuen Chedis im neu erfundenen „Rattanakosin-Stil“ gebaut, was man zum Beispiel an der Vorliebe für mehrfach eingekerbte Ecken sehen kann. [hdamm.de]

Die orange Chedi


(Kleine) Chedis à gogo  

Bei einer Verweiloase

Im westlichen Viharn  (die 4 Himmelsrichtungen-Viharn gruppieren sich um den Ubosot und sind durch einen Kreuzgang verbunden; in der oberen Karte sind sie anders benannt)

Die hier dargestellte Statue des Buddha, der vom Naga-König Mucalinda beschützt wird, wurde von König Rama I. im Jahre 1801 eingeweiht. Die Lopburi-Statue, die sich hier ursprünglich befand, wurde zum Wat Mahathat, nördlich des Königspalastes gebracht. Die Ikonografie erinnert an eine Episode aus dem Leben des Buddha kurz nach seiner Erleuchtung, als während eines Gewitters der meditierende Buddha von der vielköpfigen Schlange beschirmt wurde.

Es ist vielleicht noch interessant anzumerken, daß die Künstler von Sukhthai seit dem 14. Jahrhundert diese Ikonografie vermieden haben. Erste derartige Statuen wurden im sog. Lopburi-Stil gefunden, der stark von den Khmer beeinflußt war. Außerdem sollte die korrekte Handhaltung dieser Statue eigentlich die Meditations-Pose (Dhyana Mudra) sein, sie ist hier jedoch als „Überwindung des Mara“ dargestellt. [hdamm.de]




  

Im nördlichen Viharn

Für den nördlichen Viharn gab König Rama I. den Auftrag, eine neue Statue zu gießen. Er entschied sich für die Phra Phuttha Palalai-Statue, die in „europäischem Stil“ sitzend mit einem Elefanten und einem Affen dargestellt wird. Obwohl für die neue Hauptstadt natürlich jede Menge neuer Statuen erforderlich waren, ist daraus leider kein neuer Stil entstanden, sondern lediglich eine Wiederholung von vorhandenen Beispielen. So ist auch hier den Bangkok-Künstlern eine eher mittelmäßige Statue gelungen. Möglicherweise waren die original Wandmalereien eindrucksvoller, die hier das Traiphum Phra Ruang illustrierten. Diese sind wie auch in den anderen drei Viharns leider übertüncht worden. [hdamm.de]

Phra Ubosot

Der Bot wird normalerweise als das wichtigste Gebäude in einem Thai Wat angesehen. Denn nur hier kann die Upasombot- (Ordinations-) Zeremonie stattfinden. Er unterscheidet sich von den restlichen Gebäuden eines Thai Tempels nur durch die acht Bai Sema (Grenzsteine), die den heiligen Bereich markieren.

Der ursprüngliche Bot des Wat Potharam war nur ein kleines unscheinbares Gebäude, wie es in Klöstern in Nord Thailand üblich ist. Den siamesischen Quellen zufolge hatte König Rama I. ihn abgerissen und durch ein eindrucksvolleres Bauwerk ersetzt. Nach einer Bauzeit von nur zwei Jahren wurde er in einer offiziellen Zeremonie 1791 eingeweiht, zehn Jahre bevor auch der Rest des Tempels fertig gestellt war.

Während der Bauzeit des Bot hatte der König den ehrgeizigen Plan, hunderte von Buddha Statuen aus zerstörten und aufgegebenen Klöstern im ganzen Land einzusammeln und in Bangkok an spezielle Tempel zu verteilen. Rama I. soll angeblich 1.250 Statuen aus Bronze, Messing und Nak „gerettet“ haben. Die meisten der Statuen sollen vom 14. bis zum 17. Jahrhundert hergestellt worden sein. Wat Pho wurde besonders geehrt, da er 689 von ihnen eine neue Heimat gab. (siehe die Buddha-Alleen, Anm. von mir)

Nach einer offiziellen Chronik soll eine Ayutthaya-Statue, die im Wat Phasicharoen in Thonburi verehrt wurde, über den Fluß transportiert worden sein, um im neuen Bot als Hauptfigur eingesetzt zu werden. Eben diese Buddha-Figur wurde bereits von König Taksin aus dem Wat Salasina (heute Wat Khukasan in Ayutthaya) in seine provisorische Hauptstadt, dem heutigen Thonburi, gebracht. Diese Nak-Figur sitzt in der Meditations-Pose. In der Einweihungs-Zeremonie wurde ihr der Name Phra Phutta Thewa Patimongkon („die Repräsentation des Buddha, von den Göttern hergestellt“) gegeben. 

Später in der Regierungszeit von König Rama IV. wurden im Sockel der großen Statue die sterblichen Überreste von König Rama I. beigesetzt. [hdamm.de]
  

Im südlichen Viharn

König Rama I. fühlte sich verpflichtet, aus den von den Burmesen im Jahre 1767 zerstörten Klöstern Zentral-Siams die erhalten gebliebenen Buddha-Statuen in seine neue Hauptstadt bringen zu lassen, um sie hier in würdevoller Umgebung wieder aufzustellen.

Eine Nachbildung des berühmten Phra Phuttha Chinarat aus Phitsanuloke wurde im Jahre 1801 im südlichen Viharn eingeweiht. Für die fünf knienden Jünger wurden neue Statuen gegossen. Diese Gruppe im Sukhothai-Stil wird Phra Prot Pancha Wakkhi genannt („Buddha zu den fünf ersten Jüngern predigend“). Wäre die Ikonografie korrekt, müßte die große Statue eigentlich die Dhammacakra Mudra darstellen, das Ingangsetzen des Rades der Lehre.

Obwohl es durchaus üblich ist, in den Sockel von wichtigen Statuen Reliquien einzubauen, wurde diese Statue hier besonders bevorzugt. Im Sockel der großen Figur wurden elf Reliquien eingesetzt, die extra aus der zerstörten Hauptstadt Ayutthaya hierher gebracht wurden. Zusätzlich wurden sechzig weitere Reliquien eingeschlossen, die kurz vorher in der Stadt Nan in Nordsiam entdeckt wurden. In den Sockel der fünf Jünger wurden verschiedene Reliquien von Arahats in Kristall-Urnen beigesetzt. Auch hier illustrierten Wandmalereien die dargestellte Episode. [hdamm.de]


 

Ich bin schliesslich auch den Rückweg vom Wat Pho wieder zu Fuss gegangen, obwohl ich mir nach dem Palast-Besuch noch sicher war, mich zum Schluss von einem Tuk Tuk nach Hause fahren zu lassen. Doch die wohltuende Ruhe und / oder Energie des Tempels hatten meinen Ärger und die Erschöpfung verfliegen lassen.

Zum Schluss noch ein wenig Ärger oder den Zeigefinger: ich war immer wieder ungemein überrascht, wieviele der Besucher nicht den Respekt und den Anstand aufbringen, sich gemäss den Regeln eines buddhistischen Tempels anzukleiden. Grosse, viel besichtigte Institutionen haben sich darauf eingestellt und zwingen die (oft halbnackten) Besucher in entsprechende Mäntelchen, doch bei vielen Tempeln fehlt vermutlich das Finanzielle dafür und die Anweisungen sind nur schriftlich angebracht und werden dreist übersehen und nicht beachtet. Da möcht ich doch gerne dran erinnern: der Kontinent nennt sich Asien und nicht Victoria’s Secrets-Laufsteg und es ist ein Märchen, dass lange Kleidung heisser ist als keine Kleidung! Allgemein find ich es tragisch, wie viele Menschen in ihrem Urlaub ihre Machtbedürfnisse ausleben müssen und sich wie kleine Diktatoren aufführen – die missachteten Kleiderregeln sind diesbezüglich noch ein harmloses Beispiel. Das stimmt traurig und ist auch ziemlich beschämend!

 

Bangkok, THA – Zurück

Ich tat mich lange Zeit schwer mit der Entscheidung, ob ich von Kambodscha zurück nach Vietnam oder zurück nach Thailand gehen soll. Von Kambodscha aus boten sich beide an und ich wollte auch in beide irgendwann noch einmal zurück. In Vietnam hatte ich das Mekong-Delta und Hoi An ausgelassen, in Thailand wollte ich mir Bangkok noch genauer ansehen, nachdem mir beim letzten Besuch das Vietnam-Visa einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, was das anbelangte und ich wollte auch unbedingt noch nach Chiang Mai. Eine Einreise über Land ohne Visum berechtigt uns Schweizer nur zu einem Aufenthalt von 15d in Thailand. Fliegen von Siem Reap aus kam aber nicht in Frage, die Flüge sind einfach zu teuer. Letztlich entschied ich mich dennoch für Thailand, weil der Weg nach Vietnam der gleichen Route entsprochen hätte, die ich bereits hinter mir hatte, weiter war und somit länger gedauert hätte und weil das 2-Monatsvisum für Thailand einiges günstiger war als das einmonatige für Vietnam.

Bangkok lässt sich von Siem Reap recht gut mit Bus erreichen, zumindest vermittelt sich dieser Eindruck. Der erste Teil bis zur Grenze entsprach denn auch einer üblichen Busfahrt in einem älteren Bus. War somit ganz ok, abgesehen davon, dass man mich viel zu früh abgeholt hat (vor der vereinbarten Zeit, wollte mich gerade zum Frühstück hinsetzen), der Bus dann aber verspätet abgefahren ist und während der kommenden halben Stunde auch noch alle 5min wieder angehalten hat, um weitere Fahrgäste aufzuladen. Das war soweit ein eher mühsamer Start.

Da die thailändische Botschaft meinen Pass verspätet zurückgeschickt hatte, hatte ich mein Kambodscha-Visum um 3d überzogen. Das sollte jedoch eigentlich kein Problem sein, man hatte einfach zwischen $5 (offizieller Tarif) und $8 (manchmal eingeforderter Tarif) pro überzogenem Tag zu bezahlen. Ich hatte Glück und habe einen anständigen Grenzbeamten erwischt, denn er verlangte von mir $15. Allerdings gab er mir zum Schluss meinen Pass nicht zurück, ohne Erklärung, nur mit dem Kommentar, ich solle draussen warten. Wenn das so weitergeht, werde ich am Ende ein Buch mit meinen Erfahrungen mit Botschaftsangestellten und Grenzbeamten füllen können… Zwar war ich dieses Mal nicht so wirklich besorgt, aber irgendwie ist es einfach nie ein gutes Gefühl, wenn man seinen Pass nicht in den eigenen Händen hat. Und meine Busbekanntschaften reagierten ziemlich entsetzt, als ich ihnen sagte, ich könne noch nicht weiter, weil ich meinen Pass nicht zurückbekommen hätte – vermeintlich routiniertere Traveler als ich schienen mit so etwas keine Erfahrung zu haben. War ich doch zu naiv? Wie auch immer, ich hatte ja gar keine Wahl. Was will man schon machen, wenn einem die Grenzbeamten den Pass nicht zurückgeben? Ein Theater in der falschen Sprache? Ich bezweifle, dass dies den Vorgang beschleunigt hätte. Es widerstrebt mir zudem, diesen kleinen Machtmenschen auch noch zu bestätigen, dass sie Macht haben. Also wird halt einfach einmal gewartet.

Als die meisten meiner Bus-Gruppe längst weiter Richtung Thailand gezogen waren, gab mir ein Beamter zu verstehen, ihm zu folgen. Er hatte einen Schweizer Pass in der Hand (ist echt ein Vorteil, dass unsere Pässe so eine leuchtende und einzigartige Farbe haben, ich weiss das mittlerweile zu schätzen!). Dann wurde ich wieder – ausserhalb eines anderen Gebäudes – angewiesen zu warten, konnte jedoch sehen, dass er Kopien von mutmasslich meinem Pass machte. Danach ging er zurück ins ursprüngliche Gebäude, wiederum mit mir im Schlepptau, soweit es mir denn erlaubt war mitzugehen. Nach weiteren 5-10min kam er schliesslich wieder heraus und hat mir meinen Pass kommentarlos in die Hand gedrückt. Ich erhielt natürlich keine Quittung oder irgendwelche weiteren Unterlagen, wer weiss also, ob das ganze Prozedere wirklich Sinn machte. Wobei ich hierzu vielleicht erwähnen sollte, dass ich noch niergends derart registriert worden war wie in Kambodscha. Als einziges Land (bisher) haben die alle 10 meiner Fingerabdrücke eingescannt (ja, so modern sind sie doch schon in Kambodscha) und die wurden sowohl beim Eintritt ins Land als nun auch beim Verlassen registriert. Nicht zu vergessen, ich war in Kambodscha nie an einem Flughafen, das waren jeweils Ländergrenzzölle, die abgesehen vom Scanning der Fingerabdrücke keinen wirklich fortschrittlichen Eindruck gemacht haben.

Der Grenzübergang Kambodscha-Thailand ist für jemanden, der weder dem Khmer noch dem Thai mächtig ist, nicht gerade sehr „benutzerfreundlich“. Es war von der Logik her zwar klar, in welche Richtung ich weiter zu ziehen hatte, aber absolut nicht, wie weit. Da befinden sich so viele Gebäude und viele sehen nach Behörde aus und die Strasse dazwischen hat etwas von einem Highway. Hätte ich nicht gewusst, dass ich mich an einer Grenze befinde, ich hätte diesen Ort nicht als eine solche erkannt (unsere Grenzen sehen bzw. sahen irgendwie anders aus). Als ich schliesslich einen der nach Beamten aussehenden Männer nach dem „Arrival“ fragte, wurde ich prompt zurückgeschickt, nur um dann festzustellen, dass man mich zur Einreise nach Kambodscha dirigiert hatte. Also wieder umgedreht und einfach einmal weiter gegangen. Schliesslich erkannte ich die Thai-Immigration, die netterweise für Thais im Erdgeschoss und für Ausländer im ersten Stock ist, natürlich ohne Lift (ich habe ja noch nie verstanden, warum die Schweizer am Zürcher Flughafen nicht bevorzugt behandelt werden, alle anderen Länder bringen es zustande, ihre Bürger zu bevorzugen). Oben in der Schlange angekommen, stellte ich fest, dass ich das Immigration-Formular übersehen hatte, ohne welches gar nichts ging. Natürlich gab es diese nicht mehr in der Schalterhalle. Ich musste zurück, die Treppe runter bis zum Anfang des Gebäudekomplexes (den ich erst da als Anfang erkannt habe)! Zum Glück erbot sich jemand aus meinem Bus, auf mein Gepäck zu achten, damit ich dieses nicht mitschleppen musste und das Formular somit mit einem kleinen Sprint relativ rasch besorgen konnte. Während dem Anstehen hatte ich dann genügend Zeit, es auszufüllen, wenn auch nicht sonderlich leserlich, doch das scheint mir nie ein Problem zu sein. Danach verlief alles relativ zügig und ohne weitere Probleme. Noch im kambodschanischen Bus war ich markiert worden (ein Sticker auf der Brust) und wurde so vom neuen Busfahrer erkannt, angesprochen und zum neuen Bus, nun ein Minivan, geführt. Und hier machte sich meine fehlende Erfahrung bemerkbar, habe ich nämlich letztlich den absolut engsten Sitz ganz hinten erwischt. Es war nicht möglich, meinen Handgepäck-Rucksack zu meinen Füssen zu stellen, da war kein Platz ganz abgesehen davon, dass er sich zwischen mir und der Sitzlehne des Vordermannes auch gar nicht hätte dazwischenquetschen lassen. So musste ich den Rucksack auf meinem Schoss platzieren. Die Beine fühlten sich ohne diesen schon ziemlich eingequetscht und als wir nach 2h einen Unterbruch hatten, hatten wir alle, die wir hinten sassen, das Gefühl, kein Gefühl mehr in den Beinen zu haben. Ausserdem ist der Fahrer gerast ohne Rücksicht auf irgendetwas. Nicht selten hat es uns in die Höhe geworfen, wenn er wieder mal über eine Delle drübergerast ist, die vermutlich dazu da gewesen wäre, die Fahrer zu langsamer Fahrt zu bewegen. Und  öfter als ich an 2 Händen hätte abzählen können, musste er auch eine Vollbremsung machen, weil sein Überholmanöver nicht aufging. Vermutlich hatten alle Insassen einen guten Schutzengel, der konzentriert und nonstopp gearbeitet hat. Zumindest erscheint es mir nicht selbstverständlich, dass diese Fahrt ohne Zwischenfälle und unfallfrei verlief. Angst hatte ich jedoch keine. Die fahren hier ja alle so und ich war viel zu sehr mit meiner unbequemen Situation beschäftigt. Auch konnte ich nicht wirklich nach draussen sehen, was vermutlich auch ein Vorteil war, in gewisser Weise hatte man den Bezug zur Realität verloren, flog seinem Ziel entgegen und wartete nur auf den Augenblick, in dem man wieder aussteigen konnte. Nach dem erwähnten Unterbruch, der etwas Heilsames hatte, bin ich zum Glück und trotz der widrigen Umstände eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als wir am Ziel angekommen waren!

Ausblick von meinem „Penthouse-Hotelzimmer“

  

Gleich vis-à-vis von meinem Hotel gibt es einen ziemlich grossen Tempel


Dort habe ich ohne gross zu überlegen ein Tuk Tuk gechartert. Ich wusste, dass das Hotel nicht weit sein konnte und habe den Fahrer in Anbetracht dessen, dass er ziemlich Mühe hatte, das Hotel zu finden und deshalb etwa 10min zusätzlich in der Gegend herumgekurvt ist (armer Kerl!) auf einen wirklich guten Preis heruntergehandelt. Normalerweise ist an der Hauptstrasse ein Wegweiser fürs Hotel aufgestellt, nicht jedoch bei meiner Ankunft, was das Finden recht erschwert. Dafür ist es sehr ruhig gelegen und das mitten in Bangkok. Wirklich ein fantastisches Hotel, das ich nur weiterempfehlen kann. Es stellt den Gästen einen „livingroom“ mit grosser Terrasse (auf welcher ich viele Stunden mit Schreiben verbracht habe) und diversen gratis-Getränken und -Snacks zur Verfügung. Ausserdem hat jedes Zimmer einen eigenen kleinen Balkon und wenn dieser zum Kanal hinaus geht, ist die Aussicht fast besser als TV. Der Kanal ist, so unglaublich das klingt in Anbetracht der Reinheit bzw. eben Verschmutztheit dieses Gewässers – glaubt mir, keiner von uns würde sich freiwillig da hinein begeben! – voller Fische. Sie machen nicht gerade Sprünge wie ein Delphin, aber ständig ploppt es irgendwo an der Wasseroberfläche, wenn ein Fisch nach oben kommt und seinen Kopf herausstreckt. Ich habe denn auch regelmässig Fischer einen Fisch rausziehen sehen, was mir den Appetit auf Fischgetier gründlich vermiest hat. Die Vorstellung, es würde einer dieser Fische auf meinem Teller landen, ist nicht sonderlich appetitanregend. Und 2x habe ich „Goldwäscher“ beobachtet. Einer davon hatte eine Art Schale dabei, mit welcher er die gleichen Bewegungen vollzog, wie ich es bei Goldwäscher schon gesehen hatte, wenn ich auch bezweifle, dass er effektiv Gold im wirklichen Sinne erwartete. Beim 2. Mal war gleich eine ganze Familie im Fluss auf der Suche nach was auch immer. Auf die Distanz konnte ich leider nicht sehen, was die „Goldgräber“ da alles aus dem Fluss gezogen haben, doch es ging jedenfalls keiner mit leeren Händen Heim. Der Vater dieser Familie hat auch versucht, die Miniausgabe des riesen Geckos (siehe nachfolgend) mit einem Stein zu erschlagen, vermutlich für das Abendessen? Er war aber zu langsam bzw. der „Gecko“ war schneller.



  

Einer der Rama-Boulevards

Ein altes Fort (kann mich leider nicht mehr an die Details erinnern ?)

Wiederum das Fort, im Hintergrund der Golden Mount

Bezüglich Kreiselverzierungen sind die Thailänder etwas pompöser als wir

Ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes hat mir ein anderer Gast erzählt, sie hätte einen Alligator im Fluss erblickt. Gibt es Alligatoren in Thailand, in einer riesen Stadt wie Bangkok? Irgendwie konnte ich mir das nicht so ganz vorstellen, muss aber zugeben, dass ich botanisch nicht so wirklich bewandert bin. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals hätte ein solches Viech gute Möglichkeiten gehabt, ans Ufer und damit unter die Menschen zu kommen und auch die Tatsache, dass einige Thais furchtlos in dieses Gewässer hinabstiegen, liess mich doch eher am Vorhandensein von Alligatoren zweifeln. Etwa in meiner 3. Woche konnte ich schliesslich sehen, was sie gemeint hatte. Es gab einen Grossen und einen Kleinen und sie hatten tatsächlich Beinchen und Füsse, die an einen Alligator erinnerten. Ich würde diese Tiere jedoch eher als Echsen bezeichnen. Sie haben einen Kopf wie eine Schlange inkl. der züngelnden Zunge und sehen einem Gecko ziemlich ähnlich, ausser, dass sie halt massiv grösser sind als Geckos und damit alles niedliche verloren haben. Sie sind für meinen Geschmack sogar ziemlich ecklig. Und der Grosse war echt gross, von Kopf bis Schwanz sicher 2m lang wenn nicht sogar länger, ein kleines thailändisches Nessi-Monster und aus der sicheren Entfernung meines Balkons oder der Terrasse auch genauso faszinierend.

Der Kleine beim Eintauchen ins Wasser

Der Grosse an Land  

und beim Wasserbad


Wer findet ihn? ?
  

Für die Verlängerung meines Aufenthalts in diesem Hotel musste ich umziehen und wurde hierfür in den 6. Stock verfrachtet. Nun war alles etwas grösser, das Zimmer, das Bett, das Bad und sogar der Balkon. Dennoch fühlte ich mich dort oben nicht so wohl und war froh, als ich wieder nach unten ziehen konnte. Obwohl es zu Beginn – überraschend! – ganz schön tückisch war, in einem schmalen Bett zu schlafen. Ich hätte das ja nie gedacht, aber es wäre mir mehr als einmal fast passiert, dass ich mich aus dem Bett gerollt hätte beim Umdrehen….

Bei der City Hall, diese Kolonne an gleichen Fahrzeugen hat mich fasziniert

Die City Hall persönlich  

Ein Tempel neben der City Hall

  

Während der ersten Tage zurück in Bangkok war ich vor allem, wenn überhaupt, in der Umgebung des Hotels unterwegs. Dabei war ich auch auf der anderen Seite des Kanals, allerdings, rückblickend, ein wenig an der falschen Ecke, so dass ich die wirklich guten Plätze dort leider erst gegen Ende meines Bangkokaufenthalts entdeckt habe. Dafür habe ich das Democracy Monument gesehen (immer wieder, um genau zu sein) und verschiedene Wege zur Khaosan Road gefunden (alle Wege führen zur Khaosan….). Die Khaosan selber ist der Horror, obwohl ich dort endlich brauchbare T-Shirts gefunden habe, wofür ich noch immer dankbar bin (denn meine mitgebrachten waren so langsam wirklich reif für den Abfalleimer).

Beim Democracy Monument
  

Das Democracy Monument – wenn man so will, ein riesen Kreisel mitten in einem der grossen Rama-Boulevards

Eine alte, gezeichnete Karte von Bangkok – hat mir einfach gefallen

Und das Demokratie-Denkmal bei Nacht

  

Ebenfalls zu Beginn meiner erneuten Bangkok-Zeit habe ich liebgewonnene Bekannte wieder getroffen, die ich in Siem Reap kennengelernt hatte. Zwei „alte Bangkok-Hasen“ auf dem Weg zurück in die Heimat, die mir ein paar gute Tipps gegeben und mir den Start in BKK vereinfacht haben. Wenn ich allein unterwegs bin, vermisse ich meist nichts, aber wenn man jemanden trifft, den man kennt (und mag – nicht zu vergessen!), ist das doch immer wieder schön (und) emotional! Ausserdem finde ich es mittlerweile toll, wenn ich wieder mal (zumindest halbwegs) meine Sprache sprechen kann! Dass deutsch für uns Schweizer doch eigentlich eine Fremdsprache ist, wurde mir nämlich mittlerweile nur zu deutlich. So war Bangkok in diesen 2d in Begleitung eher nebensächlich, es war die Zeit des Gesprächs und des Zusammensitzens (und damit fast ein kleines Stück Heimat ?). Diese beiden Tage waren wunderbar – Danke Euch! – und ich habe es doch recht bedauert, dass sie nicht noch etwas länger bleiben konnten. Nebenbei, ein genialer Nebeneffekt des Reisens ist, dass man das Gefühl bekommt, es gäbe beinahe nur Menschen mit den „richtigen“ (sprich meinen ?) Werten und Einstellungen! Logisch, die Kapitalisten residieren woanders und laufen mir nicht über den Weg (ausser in den Schlagzeilen natürlich) und die gehirngewaschten Vaterlandsliebhaber bleiben gleich ganz zu Hause….

Als ich wieder allein war, wurde mir erstmals bewusst, dass die thailändische Gastronomie eigentlich so gar nicht nach meinem Geschmack ist, sie hat so was Mc Donaldsartiges. Damit meine ich natürlich nicht das Essen, obwohl man die vielen kleinen Garküchen am Strassenrand schon irgendwie als „Fastfood“ im Sinne des Wortes (und eben nicht im Sinne von Junkfood, was ja oft synonym verwendet wird) bezeichnen kann. Nein, es ist die Einrichtung, die zumindest mich an Fastfoodketten erinnert im Sinne  von „bleib ja nicht zu lange sitzen“! Also wirklich gemütlich nach meinem Geschmack ist in Thailand nur schwer zu finden. Und als Heimatlose ist das nicht so von Vorteil. Umso wichtiger wird dann das Hotel! Und hier hatte ich ja soweit immer Glück in Thailand!

Und das ist sie, die berühmte, schreckliche Khaosan Rd, die man mal gesehen haben muss, damit hat es sich dann aber auch
  

 

Bangkok, THA – Ich und die Botschaft und weitere Stationen

Mittlerweile bin ich hier schon richtig zu Hause. Ich habe den Coop Silbern und das Glattcenter meines Stadtteils gefunden, fahre mit dem Bus, als wäre ich hier aufgewachsen und führe ein ganz alltägliches Leben (ohne heimliche Ängste), abgesehen davon, dass meine täglichen Beschäftigungen nicht unbedingt alltäglich sind. Selbst das Taxifahren hat seinen unangenehmen Mafia-Beigeschmack verloren. Die Taxifahrer sind zu anständigen Menschen mutiert, sie geben sich richtig Mühe und stellen sogar in absoluter Selbstverständlichkeit den Taxameter an, ohne dass man etwas zu sagen braucht. (Da es an der Endstation der U-Bahn nur eine Bushaltestelle für beide Richtungen gibt, komme ich nicht umhin, das letzte Stück meines Heimwegs mit dem Taxi zu überbrücken, da die Busfahrer – im Gegensatz zu den Taxifahrern – nicht kooperativer geworden sind.) Auch das „grüne-Männchen-Syndrom“ hat sich, zumindest teilweise, geklärt. Es handelt sich dabei um Mopedtaxi-Fahrer, deren starrender Blick zu eruieren versucht, ob man möglicherweise der nächste Fahrgast sein könnte. Der eine oder andere hat denn, zusätzlich zum Starren, auch schon gefragt, die meisten scheinen jedoch den Mund nicht bewegen zu können.

So liesse es sich hier wirklich gut leben. Doch leider läuft meine Zeit hier ab und dabei habe ich noch gar nicht viel von Bangkok gesehen – nun, zumindest nicht, was man sich als Tourist hier allgemein so ansieht. Die meisten der üblichen Sehenswürdigkeiten sind fernab von mir und auch von den Haltestellen von U-Bahn und Skytrain. Diese modernen Verkehrsmittel scheinen eher aufs Business ausgerichtet zu sein. So ist es ein Einfaches, damit ins Botschaftsviertel zu kommen (wogegen sich die Tempel und Paläste nur mit Bus oder Taxi erreichen lassen). Und weiss Gott, diesen Weg bin ich einige Male gefahren…. Ich und die Vietnamesische Botschaft sind kein harmonisches Team. Es liegt allerdings nicht an mir, alle Ausländer dort haben gelästert. Dennoch, sollte es mir in Vietnam nicht gefallen, könnte man wohl sagen, ich hätte es wissen müssen!

Bei meinem ersten Versuch war ich von Beginn weg etwas spät dran. Wie es halt so läuft, wenn man erst mittags aufsteht.? Bis ich dann alles zusammen hatte, was man für ein Visum braucht, war es kurz vor 4 Uhr und die Schlange vor dem Touristen-Visum-Schalter schon ziemlich lang. (Die anderen Schalter waren besetzt, allerdings ohne Kunden, dennoch, es wäre diesen Beamten nicht einmal in den Sinn gekommen, den Touristen-Schalter zu unterstützen….) Nach etwa einer halben Stunde, in der die Schlange kaum vorgerückt ist, machte mich der Typ vor mir darauf aufmerksam, dass Visa-Anträge nur bis 4 Uhr angenommen würden. Zwischen 4 und 5 Uhr sei die Zeit für die Visa-Abholung und ich müsse damit rechnen, dass ich weggewiesen würde, sofern ich überhaupt noch vor 5 Uhr beim Schalter ankommen würde (um 5 Uhr werden die Schalter erbarmungslos geschlossen, egal wie lange die Schlange davor noch ist – die Arbeitsmoral in dieser Botschaft macht noch einen ziemlich kommunistischen Eindruck…). Wo er Recht hat, zumindest ist es auch in der Botschaft derart schriftlich ausgewiesen. Das Risiko war mir daher zu hoch, hier sinnlos Zeit in den Boden zu stehen und ich bin gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Warteschlange mittlerweile so weit angewachsen war, dass sie bis ausserhalb der Botschaft reichte! Garantiert wäre ich weggewiesen worden. Das war an einem Freitag.

Am Montag startete ich somit meinen 2. Versuch. Es gab an diesem Nachmittag keine Warteschlange, allerdings auch keinen Beamten hinter dem Schalter…. Er war bei meinem Eintreffen verschwunden und hat sich ziemlich lange Zeit gelassen mit dem Wiederkommen. Und wiederum, die anderen Beamten fühlten sich nicht zuständig. Die Einreichung des Antrags verlief schliesslich relativ rasch, wenn auch unerfreulich in dem Sinn, dass ich einerseits erfahren habe, dass man von Thailand aus nur 30d-Visa erhält und ich andererseits den Mund beinahe nicht mehr zugekriegt habe, als man mir den Preis für das Visum nannte – CHF 75 für ein einfaches (single entry) 30d-Visum! Das ist mehr als mein Flug von Bangkok nach Hanoi gekostet hat – was zugegebenermassen daran liegt, dass mit den Flugpreisen etwas nicht stimmt. Dennoch, das sind Schweizer Preise (ein 3-Monats-Visum mit mehrfach-Eintritt hätte mich zu Hause CHF 110 gekostet und weit weniger Nerven)!!

An meinem letzten Tag (vor Abreise) in Bangkok durfte ich das Visum abholen. Im Hinblick auf meine Erfahrungen vom Freitag und der ellenlangen „Abholschlange“ bin ich bewusst zu früh hingegangen in der Hoffnung, sie würden mir das Visum auch bereits vor 4 Uhr aushändigen. Die Botschaft war wiederum leer bei meinem Eintreffen und tatsächlich war der Beamte bereit, mich zu bedienen. Er hat den ersten Schweizer Pass aus dem Körbchen genommen, dann den 2. und schliesslich den 3. – keiner war meiner. Darauf ist er für 10min (ich habe auf die Uhr geschaut!) verschwunden, kam mit leeren Händen zurück und meinte, ich solle Platz nehmen und hat den nächsten Visumabholer bedient, der mittlerweile eingetroffen war. Wunderbar! Ich setz mich doch da nicht einfach hin und warte darauf, dass sich dieser Beamte vielleicht irgendwann vor 5 Uhr an mich erinnert! Ganz besonders, sollte es ab 4 Uhr wieder zu und her gehen wie am vergangenen Freitag. Ich musste Thailand am nächsten Tag verlassen und die hatten meinen Pass! Ich war leicht panisch…

So entschied ich, mich einfach in der inzwischen entstandenen Warteschlange wieder anzustellen in der Hoffnung, dass mein Pass inkl. Visum ab 4 Uhr vorhanden sein würde. Etwa 10 min nach 4 Uhr war ich erneut an der Reihe und der Beamte hat mich sofort erkannt (wow!) und sich dann doch erbarmt, mich aufzuklären. Mein Visum war offenbar noch in Bearbeitung. Ich würde es jedoch auf jeden Fall noch vor 5 Uhr erhalten und ich solle mich nun hinsetzen und warten. Tja, er war offensichtlich am längeren Hebel…. Also habe ich mich brav hingesetzt und mich in meinem Mantra geübt: „Alles wird gut!“

Zum Glück war nur wenig los auf dieser Botschaft an diesem Tag und so war der Beamte immer wieder mal ohne Kundschaft und fand sich meinem vermutlich immer ängstlicher werdenden Blick gegenüber. Er ist denn auch jedes Mal verschwunden, worauf ich mir eingebildet habe, dass er nach meinem „Visa-Prozess“ schaut. Etwa 20min vor 5 Uhr wurde ich schliesslich erlöst. Ich erhielt meinen Pass mit Visum mit den korrekten Daten und schwebte sicher 50cm über dem Boden aus der Botschaft hinaus.

Das Botschaftsviertel ist nahe am District Siam gelegen, dem mit den vielen grossen Shopping-Malls. Bereits nach meinem ersten Botschaftsbesuch bin ich anschliessend – etwas ungeplant – dort gelandet. Ich bin einfach aufs Geratewohl zu Fuss losmarschiert und habe mich relativ rasch in einer dieser Malls wieder gefunden. Daraus wieder hinauszufinden, war allerdings eine eher schwierige Aufgabe…. Diese Malls sind wirklich riesig, total unübersichtlich und beherbergen neben allen möglichen uns bekannten und unbekannten Foodketten hauptsächlich Luxuslabels. Somit nicht wirklich mein Ding, aber immerhin, eine der Touristenattraktionen hatte ich abgehakt. Beim Siam-Square gibt es eine hochgelegene Passage für die Fussgänger, die etwas Ausblick bietet…

Fragt mich nicht, was für eine Prozession dies hier ist…. aber es hat für ein klein wenig Aufruhr gesorgt (und mich an Indien erinnert)

Moped-racing in Bangkok….
…. eine rote Ampel, an welcher sich die Mopedfahrer vorne zusammenballen  

 

Am Samstag gab ich mir schliesslich eine weitere Touristen-Attraktion: den Chatuchak Weekend Market. Ein Markt mit über 15’000 (!) Ständen, der ganz nahe bei meiner Unterkunft liegt. Die Vorstellung von so einem riesigen Markt fand ich faszinierend. Dort angekommen fühlte ich mich jedoch ziemlich rasch ziemlich überfordert. Auch habe ich mir dort vermutlich einen Sonnenstich geholt (ich hab’s noch immer nicht geschafft, mir eine Kopfbedeckung zu beschaffen….). Jedenfalls hatte ich nach 2h ziemlich starke Kopfschmerzen und wollte nur noch nach Hause. Ich hatte versucht – bei dieser riesigen Auswahl – mich auf Schals und Schmuck zu konzentrieren. Doch beides war nicht nach meinem Geschmack. Auch die Thais stehen offenbar (wie die Inder) eher auf Goldschmuck. So oder so, es sah alles ziemlich nach Ramsch aus. Und die Schals waren mir durchs Band viel zu kurz, ganz abgesehen davon, dass die Sujets auch sehr zu wünschen übrig liessen. Unbrauchbar!

Tagsdarauf folgte ich dem Rat meines Hosts und ging in die nahe gelegene local Mall – das Glattzentrum von Bang Sue! ?  Neben den allgegenwärtigen Restaurantketten à la Starbucks, Häagen Dazs und wie sie alle heissen, gab es nur wenige mir bekannte Labels, aber es war offensichtlich ein Ort für die Mittelschicht und damit in einer sympathischen Preisklasse. Auch entspricht die Grösse effektiv etwa dem Glatt und ist entsprechend viel übersichtlicher als diejenigen Einkaufszentren am Siam Square. Natürlich habe ich nichts gekauft – an meiner Shopping-Aversion wird sich vermutlich nie mehr etwas ändern. Aber ich wusste nun, wo ich hätte hingehen können, wenn ich etwas gebraucht hätte.

Doch dafür war es noch zu früh (zugegeben, die Sache mit der Kopfbedeckung, aber die lasse ich mich finden und nicht umgekehrt, das hat keinen Zweck). Noch war ich mit allem ausgestattet und mit noch viel mehr. Bereits kurz nach meiner Ankunft in Bangkok hatte ich meinen Rucksack komplett ausgeräumt und zusammengesammelt, was wieder zurück nach Hause konnte. Mengenmässig war das überraschend viel, bezogen aufs Gewicht leider nicht so sehr! ?

An meinem freien Botschaftstag habe ich mich mit meinen 2 vollen Säcken aufgemacht zu einem Postoffice. Auch das hat sich als nicht ganz so einfach herausgestellt. Ich wusste zwar ungefähr, wo eines war, doch finde das mal, wenn du keinen blassen Schimmer hast, wie die Post von Thailand aussieht! Ist sie gelb wie bei uns? Rot? Blau? Grün….? Nach viel Herumfragen habe ich das Miniding schliesslich entdeckt (rot ist die Farbe der thailändischen Post)! Und schon kamen die nächsten Schwierigkeiten: Flüssigkeiten können nicht verschickt werden. Nicht, dass ich volle Wasserflaschen hatte heimsenden wollen, weil deren Wasser hier so gut ist…. Hier gilt noch schnell mal etwas als flüssig, wenn es nicht eine steinharte feste Konsistenz hat. Nach einer schier endlosen Inspektion, bei der etwa ein Viertel meiner Habe zurückgewiesen worden war, hat sich herausgestellt, dass per Schiffsversand Flüssigkeiten doch annehmbar sind…. Wer hat denn von Airmail gesprochen? Es eilt ja weiss Gott nicht! Also alles zurück auf Anfang. Als ich das Postamt schliesslich wieder verlassen habe, hatte ich ein Paket mit 3kg Gewicht zum Preis von CHF 30 verschickt, welches nun etwa 3 Monate unterwegs sein wird – sollte das Paket nicht ankommen, weiss ich doch zumindest, dass die 3 nicht meine Glückszahl ist! ?

Ja, ich habe noch nicht wirklich viel von Bangkok gesehen, musste mich erst einleben und so einiges organisieren. Nun wäre ich bereit für entsprechende Streifzüge, doch die Abreise steht vor der Tür. Ich habe jedoch vor, wieder zu kommen und nachzuholen, was ich bis anhin verpasst habe.

 

Bangkok, THA – Pass auf, was Du dir wünschst…

….. es könnte in Erfüllung gehen!

Für Bangkok habe ich meinen ersten Airbnb-Versuch gewagt und eine richtig tolle Bleibe erwischt. So toll, dass ich beinahe Gefahr laufe, mich wie zu Hause zu verhalten und mich einzuigeln. Es ist ein schmuckes kleines 2-Zimmer-Appartment mit Balkon zu einem unschlagbaren Preis (bei diesen Konditionen könnte ich meine Auszeit noch ewig ausdehnen ?). Die Kochecke ist zwar sehr klein, aber selbst das passt bekanntlich wunderbar zu mir ?. Und die Einkaufsmöglichkeiten (ein täglicher Markt (!) sowie ein 7/11) liegen gleich um die Ecke – so einen Luxus hatte ich nicht einmal zu Hause! Wäre da nicht diese Visa-Sache, ich weiss, ehrlich gesagt, nicht, ob ich bis jetzt überhaupt mehr von Bangkok gesehen hätte als die Aussicht von meinem Balkon….

Kleine Villa neben abgefuckten, teilweise baufälligen Hütten…. (und in der Strasse gegenüber findet man Anwesen, die an die US-Botschaft erinnern)

Die leider noch nicht fertig gestellte neue Strecke des Skytrain…. wie einfach wäre es, die Haltestelle auch gleich neben der Haustür zu haben…  

 

Soweit also eigentlich alles wunderbar und doch habe ich die ersten Tage hier in Bangkok meine erste kleine Krise geschoben. Das hatte sicher mehrere Gründe, vor allem aber war sie stark geprägt von der Situation, in die ich da geraten bin. Die Sache ist nämlich die, ich bin mitten in einer Aglo von Bangkok gelandet. Und da können die Reiseführer noch so schreiben, dass in Bangkok fast jeder Thai englisch spricht, hier trifft das nicht zu. Selbst die Produkte im Laden sind hier ausschliesslich auf Thai angeschrieben. Meine Patong-Aversion hat zurückgeschlagen! Nun hab‘ ich also den Salat….. ?

Bis zu meiner Ankunft am Flughafen von Bangkok verlief meine Reise wiederum reibungslos. Und wo die Reiseführer Recht haben: die Taxifahrer am Bangkok-Flughafen sind eine verdammte Mafia! Man hatte mir deshalb geraten, in den Departure-Bereich zu gehen und sich dort ein Taxi zu schnapppen. Doch mit dieser Idee war ich nicht allein und die Taxifahrer haben offenbar schnell gelernt. Durchs Band haben sie den doppelten Preis des maximal zulässigen verlangt und selbstverständlich war bei allen der Meter defekt…. Immerhin sind sie konsequente, gut vernetzte oder abgesprochene Halsabschneider. Komplett verarschen liess ich mich dieses Mal nicht, zu viel bezahlt habe ich dennoch, da ich der Streitereien müde wurde und endlich „nach Hause“ wollte. (Auch bezweifle ich mittlerweile, dass ich je von diesem Flughafen weggekommen wäre, wenn ich auf dem korrekten Preis bestanden hätte.)
Da das wifi-Passwort in meiner Unterkunft auf mich wartete, ich von meinem schweizer Handy weiss Gott nicht telefonieren wollte und hier, wie gesagt, keiner englisch spricht, hat es effektiv 20min gedauert, bis ich endlich den Schlüssel zu meinem Appartment gefunden hatte und damit sicher sein konnte, am korrekten Ort gelandet zu sein. Zum Glück war das Appartment eine positive Überraschung, ansonsten hätte es mir vermutlich ausgehängt.

Warum genau kann ich nicht sagen – vielleicht weil es einfach immer einfacher ist, den einfacheren Weg zu gehen ? (in diesem Fall in meinem cosy Appartment zu bleiben) – jedenfalls hat es mich am nächsten Tag unheimlich Überwindung gekostet, meine Wohnung zu verlassen. Zum ersten Mal auf meiner Reise habe ich mich allein gefühlt und mir gewünscht, irgendjemand würde mich an die Hand nehmen und mitziehen. Ich habe den Vorteil von Hotels erkannt: man ist in gewisser Weise unter seines Gleichen, aber doch allein, aber auf eine gute Art allein – hier bin ich einfach nur allein. Diese Airbnb-Sache ist vielleicht nicht der ideale Start für einen neuen fremden Ort. Ich werde hier in Bereichen gefordert, in denen ich unselbständig bin und das ist eine ganz schöne Herausforderung. Andererseits ist der Sprung ins eiskalte Wasser natürlich der effizienteste….

Die Vernunft hat schliesslich geholfen. Bekanntlich ändert sich meist nichts, wenn man nichts unternimmt. Und ich weiss sehr wohl, dass es unglaublich schnell geht, bis einem ein fremder Ort vertrauter wird, wenn man sich ihm denn stellt. Und so habe ich mich letztlich doch aufgerafft und einfach einmal die nähere Umgebung abgegrast. Dabei bin ich einigen Menschen begegnet, die mich angestarrt haben, als wäre ich ein grünes Männchen. Es will mir nich so ganz in den Kopf, dass das nur an meiner weissen Hautfarbe gelegen hat…. Doch dieses Rätsel habe ich noch nicht gelöst (und werde ich wohl auch nicht mehr).

Am Abend desselben Tages erhielt ich dann noch Besuch….. Plötzlich wanderte da doch eine Kakerlake über meinen Wohnzimmerboden – die Dinger sind riesig hier! ?  Umso überraschter bin ich von mir, dass es mich nicht sogleich in die weitentfernteste Ecke katapultiert hat. Nach einem kurzen Schreckmoment hab‘ ich das Vieh doch tatsächlich gekillt. Das Abkratzen vom Boden musste jedoch warten, der Ekel war zu gross. Vor allem jedoch hat es mir die Nacht versaut. In jedem Geräusch und in jedem Fleck im Augenwinkel habe ich eine weitere Artgenossin vermutet, einschlafen war ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Eine Spinne auf dem Balkon ist eine Sache, aber die Viecher IN der Wohnung – das geht gar nicht! Eine meiner heimlichen Ängste in Verbindung mit dieser Reise. Denn natürlich ist mir sehr wohl bewusst, dass ein solches Zusammentreffen nicht ungewöhnlich ist. Und wiederum, was hätte ich für eine helfende Hand gegeben in diesen Stunden!

Die nächste Hürde war das Busfahren. Ohne Bus komme ich von hier nicht weg. Natürlich gäbe es noch die Taxi-Variante, aber nach meinen ersten Taxi-Erfahrungen in Bangkok war mir nicht sonderlich danach, davon abgesehen will ich mir das auch nicht regelmässig leisten. Die Bushaltestelle liegt genau vor der Haustür und die Zahlen sind in Thai ja zum Glück gleich wie bei uns. Damit hat es sich dann aber mit den Annehmlichkeiten. Ich mag es allgemein nicht, wenn ich in unbekanntem Gebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln herumfahren muss. In Europa sind wir uns aber gewohnt, dass der Kurs mit den jeweiligen Haltestellen überall aufgezeichnet ist und man sich schlimmstenfalls die Haltestellen abzählen kann. Das kannst Du hier natürlich komplett vergessen.  Die Haltestellen sind meist nur sehr schwer zu erkennen und schon gar nicht, wenn der Bus daran vorbeirauscht. Pläne zu den Buslinien kennen die hier nicht. Und auf die Hilfe vom Personal kann man nicht zählen, die wollen gar nicht verstehen. Nicht einmal das so oft beschriebene ständige Lächeln im Gesicht findet man hier. So sass ich denn bei meiner ersten Fahrt wie auf heissen Kohlen…. Zum Glück gibt es wenigstens nette andere Fahrgäste, die einem helfen, auch wenn oder vielleicht gerade deshalb, diese leicht angetrunken sind.

Mittlerweile habe ich das Busfahren gut im Griff und muss immer wieder mal schmunzeln. Nicht selten fährt man gratis, weil einfach keiner kommt, der einem ein Ticket verkauft oder weil man kein Thai spricht. Auch kann es schon einmal vorkommen, dass der Busfahrer irgendwo kurz anhält, aussteigt und sich irgendetwas besorgt. Nicht selten fährt der Bus auch mit offenen Türen, wogegen die „amerikanische Haftpflicht-Art-und-Weise“ bei der U-Bahn oder dem Skytrain wie ein Hohn wirkt, wenn sie einem bei jeder Haltestelle auf den kleinen „Gap“ zwischen den beiden Türen aufmerksam machen (Situation analog dem Zug zum Terminal E im Zürcher Flughafen, Türen am Zug und am Perron) – der Spalt ist wirklich nicht der Rede wert!

Tja, so habe ich also bekommen, was ich mir gewünscht habe. Und wie so oft, wollte ich es gar nicht mehr, als ich es hatte… ? Doch ich habe die Situation gemeistert, die Krise überwunden und nun verläuft meine Welt schon fast wieder in geordneten Bahnen!