Siem Reap, KHM – Alltag

Beinahe 8w habe ich letztlich in Siem Reap verbracht und dabei hat sich so etwas wie Alltag à la Zuhause ergeben. Nun ja, ein sehr komfortabler Alltag, musste ich mich doch nicht um einen Haushalt kümmern, das Reinigen übernahmen die Zimmermädchen, das Kochen die Restaurants, das Waschen der Laundryservice…. Da kann man nicht meckern! Ich konnte also den ganzen lieben langen Tag tun, was mir beliebte, bis auf die kleine Einschränkung bei der Beweglichkeit. Meine üblichen Märsche und Spaziergänge musste ich so natürlich streichen und ich konnte mich auch nicht dazu überwinden, meine Füsse durch Tuk Tuks zu ersetzen. Mich irgendwo ziellos herumfahren zu lassen, entspricht mir irgendwie nicht. Dank der unterschiedlichen Kliniken, den Besuchen der Tempel und einer späteren Bekanntschaft habe ich dennoch ein klein wenig von Siem Reap gesehen.


  

Insbesondere in meinem ersten Monat habe ich meine Zeit hauptsächlich lesend oder schreibend in meinem Lieblingslokal verbracht und zwischendurch mit Plaudereien mit dem Personal. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kommunikation mit Handy keine Marotte der heutigen Jugend ist. Während dieser Zeit sass ich eigentlich immer allein an einem Tisch und war entsprechend mit mir selber beschäftigt. Dass ich dabei mein Handy oder Tablet ständig in den Fingern hatte, scheint mir nicht abwegig (denn ich wollte ja schreiben oder lesen und meine Bücher sind auch in meinem Handy), dass dies jedoch auch bei all meinen Tischnachbarn zutraf, die mindestens zu zweit am Tisch sassen, fand ich doch eher bedenklich. Früher konnte man viele Paare beobachten, die sich die ganze Zeit anschwiegen. Die sind praktisch verschwunden oder sagen wir, es fällt nicht mehr so auf. Denn schweigen tun sie nach wie vor, aber dabei starren sie auf ein Display und erwecken damit zumindest den Anschein, sie wären einfach beschäftigt und könnten daher nicht mit ihrem Gegenüber sprechen…. Wer weiss, womöglich nehmen die Scheidungen Dank Handys ja zukünftig wieder ab, weil das sich gegenseitige Anschweigen „verschwindet“ und man sich so wieder besser vormachen kann, es wäre alles in Ordnung? So gesehen ist das womöglich keine so schlechte Entwicklung?, zumindest will ich mir kein Urteil dazu anmassen, aber der Blick „in die Runde“ im Restaurant hat mich doch etwas schockiert…. Da geht man zusammen in die Ferien und kommuniziert lieber mit dem Handy (oder via wie die Teenies?) als mit seinem Gegenüber? Ok, Ihr habt gewonnen, vermutlich ist es doch mutig, allein auf Reisen zu gehen!

Angkor hat die höchste Tempeldichte und Siem Reap vermutlich die höchste Hoteldichte…. Es ist unglaublich, wieviele Hotels, Guesthouses und Hostels sich in diesem kleinen Ort tummeln. Mir ist das zu Beginn nicht so aufgefallen, aber ich glaube, es gibt da kaum eine Strasse, in der man keine Übernachtungsmöglichkeit finden würde. Wenn man an einen Ort gehen kann, ohne sich im Voraus um ein Hotel zu kümmern, dann ist es Siem Reap! Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Übernachtungspreise extrem günstig sind. Ansonsten ist Siem Reap – ganz dem Tourismus verschrien – eher teurer als andere Orte in Kambodscha. Selber sagen kann ich es nur von Phnom Penh und annehmen darf ich es wohl von sonstigen Orten, die mit Tourismus nichts oder kaum etwas am Hut haben. Gehört habe ich es von anderen Tourismusorten, insbesondere den Strandgegenden. Doch mit guten Beziehungen zu Einheimischen liesse es sich auch in Siem Reap sehr günstig leben.

 
  
  

Ziemlich zum Beginn meiner Siem Reap-Zeit stellte ich nach dem Aufwachen fest, dass sich die A/C nicht aktivieren liess. Ein Griff nach dem Lichtschalter liess mich schliesslich schlussfolgern, dass wohl der Strom ausgefallen war. Das kann es ja in diesen Ländern geben….. Und ich nächtigte nicht in einem der teuren Hotels, wo man von einem eigenen Generator ausgehen könnte. Ist ja auch nicht unbedingt ein Problem, sofern die Akkus geladen sind und der Stromausfall nicht ewig dauert. Als ich dann jedoch unter die Dusche wollte, musste ich feststellen, dass es auch kein Wasser gab…. Das war schon weniger angenehm. Es ist echt nicht toll, sein Heim ungeduscht zu verlassen! Aber immerhin, ohne Strom keine A/C und ohne A/C dürften wohl alle verschwitzt sein… Denn kaum hatte ich das Zimmer verlassen und meinen Hotelstaff begrüsst, liess man mich auch schon wissen, dass an diesem Tag GANZ SIEM REAP weder Strom noch Wasser hatte. Da wurde offenbar irgendetwas umgestellt und dafür wurde einfach mal kurzerhand der Strom abgestellt und das Wasser gekappt…. und das mitten in der Highseason. Etwas gewöhnungsbedürftig, zumindest für uns Westler…. Aber wie gesagt, sassen ja alle im gleichen Boot. Ich nahm es in erster Linie mit Humor. Und mein Receptionist hatte Recht, da diejenigen, die an dieser Umstellung gearbeitet haben, offenbar rechtzeitig in den Feierabend wollten, kamen Strom und Wasser sogar etwas eher als angekündigt, kurz vor 17 Uhr zurück.

Und à propos Strom, einige Tage später, nachts so gegen 2 oder 3 Uhr, sass ich auf dem Balkon, räuchelte gemütlich ein Zigarettchen und genoss die kühlere Nachtluft, als es plötzlich einen enormen, wirklich enorm lauten Knall gab und sofort die gesamte Strasse stockdunkel wurde, was die sprühenden Funken bei einem der grösseren und edleren Gebäude in der Nachbarschaft (irgend so eine Art Karaoke-Schuppen für die reicheren Asiaten) noch viel besser zur Geltung brachte, ein richtiges kleines Feuerwerk! Ich dachte schon, die hätten wohl etwas zu stark auf ihren Feierabend gedrängt und irgendetwas nicht ganz sauber abgeschlossen…. Aber es dauerte keine Minute, da war der Strom wieder da. Naja, bis auf das besagte Gebäude. Da hatte es wohl einen gewaltigen Kurzschluss gegeben. Und erstaunlicherweise waren auch die Generatoren  dieses Luxusschuppens betroffen (oder sie haben keine?), denn dieses Gebäude blieb bis auf weiteres stockdunkel. Muss recht unangenehm gewesen sein für dessen Gäste, vermute ich mal. Aus meiner Perspektive war es ganz unterhaltsam (wie gesagt, Feuerwerk).

Mit Ausnahme einer (? – habe zumindest keine weitere gesehen) Hauptstrasse sind die Strassen hier furchtbar eng (und nicht selten nicht mal asphaltiert). So gab es hier öfters Stau als im grossen Phnom Penh, denn 2 Autos kommen schlichtweg nicht aneinander vorbei, was immer sofort zu einem kleinen Rückstau auf beiden Seiten führte, der sich jedoch meist auch sehr schnell wieder auflöste. Denn stand mal alles, konnten die beiden Autos aneinander vorbeizirkeln und waren sie aneinander vorbei, kam schnell alles wieder ins Rollen. Für Fussgänger ist diese Enge allerdings recht unangenehm. Trottoirs gibt es nur wenige – immerhin, hier sind sie normalerweise nicht vollgestellt, wenn’s denn welche gibt – und am Strassenrand fährt das meiste nur mit milimeter-Abstand an einem vorbei. Zum ersten Mal hier in Asien habe ich mich diesbezüglich des öfteren recht unwohl gefühlt. Erfreulicherweise haben sie es hier weniger mit dieser lästigen Huperei, dafür erschrickt man regelmässig, wenn plötzlich wieder irgendetwas wie aus dem Nichts von hinten kommend an einem  vorbeisaust. Wahrscheinlich war ich diesbezüglich auch empfindlicher, da ich ja allgemein nicht so sicher auf den Füssen stand. Jedenfalls hängt diese Erinnerung noch immer unangenehm nach.

Um den 8. Februar herum war dann Chinese New Year. Da die Kambodschaner ihr eigenes haben (im April), hatte ich nicht erwartet, dass dies ein Thema sein würde. Hatte ich meinen Vietnam-Aufenthalt doch extra darum herum geplant (denn es ist auch das Vietnamesische Neujahr, genannt TET), um solchen Festivitäten auszuweichen, hatte es mich nun doch erwischt. Allerdings konnte ich dem Ganzen letztlich doch ganz gut aus dem Weg gehen und habe eigentlich gar nicht so viel davon mitbekommen, abgesehen davon, dass die Stadt plötzlich voller Chinesen war. Denn die haben offenbar 10d Ferien zu diesem Fest. Ich weiss schon…. Fremde Kulturen und so, sollte man sich ansehen, aber ehrlich, ich hatte einfach keine Lust auf derartigen Trubel. Davon abgesehen war ich doch längst im 2016 angekommen…. immerhin habe ich gelernt, dass es offenbar mehr Neujahrfeiern gibt, als ich gewusst hatte! Das thailändische kommt nämlich auch noch…. Wobei ich mich damit noch nicht so stark auseinandergesetzt habe. Möglicherweise fällt es mit dem kambodschanischen zusammen?

Zwei (chinesische) Kältewellen habe ich in Siem Reap durchgestanden! ? Da erreichten mich aus der Schweiz ständig Nachrichten, von wegen, es sei viel zu warm und der Winter wolle so gar nicht kommen und mir sind fast die Füsse abgefroren! Klimawandel? Gemäss Donald Trump ja nur Geschwätz. Ich weiss, er ist’s nicht wert, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt, aber es sieht so langsam danach aus, als würden wir darum nicht herumkommen. Und nachdem ein europäisches Land nach dem anderen die Populisten in den Himmel hebt und mit tragisch vielen Wählerstimmen beschenkt, müssen wir uns wohl eingestehen, dass die Zeiten, in denen wir die Amerikaner für ihre Dummheit belächelt haben, vorbei sind. Wollen wir dabei aber den kleinen Lichtblick nicht vergessen. Angefangen bei der hohen Stimmbeteiligung vom 28. Februar, die mir endlich bestätigt hat, was ich schon lange behauptet habe: die Mehrheit der Schweizer ist nicht dumm, nur frevlerisch faul und soweit es das Autofahren anbelangt, unverschämt bequem – von wegen Sicherheit! Was für ein scheinheiliges Argument! Wer ausser den ferienhungrigen Europäern und den Transportunternehmen braucht denn einen Strassentunnel durch den Gotthard, wo wir doch demnächst diesen bombastischen Zugtunnel haben? Schweizer, Ihr seid bescheuert. Jammert über die Kosten der vielen Flüchtlinge und werft Mia. aus dem Fenster, damit ihr die Emmissionen von ganz Europa tragen dürft, gratuliere!! Aber ist ja nichts Neues, dass wir das Thema Umweltschutz der nächsten Generation überlassen. Und damit hätte ich den Kreis eigentlich geschlossen, muss aber doch noch erwähnen, dass der 2. Lichtblick vom 28. der Oscar für den männlichen Hauptdarsteller war – endlich! ? Ach so, ja und das DSI-Ergebnis natürlich, wobei ich das eigentlich nicht anders erwartet hatte. Allerdings habe ich erst im März – und das mit einem ziemlich starken Lachanfall – festgestellt, dass die ja gar nicht durchsetzen sollte, wovon ich die ganze Zeit ausgegangen war…..!!? Naja, bin ja hier schon etwas in der Pampa bezüglich schweizer Politik, das Abstimmungscouvert hat mich natürlich nie erreicht und in den Medien war immer nur die Rede vom Durchsetzen und gar nicht so genau, was denn eigentlich durchzusetzen sei und welche SVP-Initiative ist denn ständig Thema? Natürlich die mit der begrenzten Einwanderung und die Schwierigkeit mit den Bilateralen….diese Ausschaffungssache hatte ich gar nicht mehr auf dem Radar! Wär ja auch kein Thema mehr, wenn wir die bösen Ausländer erst gar nicht mehr reinlassen würden…?

 

Kältewelle ist natürlich ein grosses Wort. Es war nicht kalt im schweizerischen Wintersinne, aber es wurde nachts zeitweilen ganz schön kühl und auf jeden Fall kühler, als man hier darauf eingestellt wäre. So während ein, zwei Nächten hätte ich nichts dagegen gehabt, ein wenig heizen zu können. Und ich war ganz froh, als mein Fuss wieder in die Sneakers passte, kalte Füsse sind einfach etwas Unangenehmes!

Zu Beginn meines letzten Drittels in Siem Reap machte schliesslich die Nachricht eines grusligen Mordfalles die Runde. Offenbar war in einem Hotelzimmer eine Frau ohne Kopf aufgefunden worden…. Ich glaube, die meisten Touristen haben davon nichts mitbekommen, aber unter den Kambodschanern war es ein heisses Thema. Ich habe Fotos gesehen, bin aber bis heute nicht überzeugt, dass das Ganze wirklich wahr ist. Googeln hat zumindest nichts ergeben. Was allerdings nicht unbedingt etwas heissen muss. Was interessiert sich die westliche Welt schon für so etwas, so lange es nicht eine westliche Touristin war? Und die Khmer-Nachrichten kann ich natürlich nicht lesen. Auffallend war auch, dass mich die Security-Leute von Hotels auf meinem nächtlichen Heimweg plötzlich ständig gefragt haben, wo ich hin müsse und wie weit es noch sei. Da dies neu war – und ich war ja nun doch schon eine Weile da und diesen Weg etliche Male nach Hause gegangen – lässt sich daraus wohl deuten, dass viele Einheimische der Meinung waren, dass dieser Vorfall Realität sei. Ich weiss es nicht. Es wäre zumindest  nicht der erste solche Fall in dieser Gegend (und damit meine ich einen grösseren Umkreis als nur gerade Siem Reap, länderübergreiffend).

 

  

Schliesslich sollte ich der Pubstreet wohl auch noch ein paar Zeilen widmen, ist sie doch neben den Tempeln DER Touristenmagnet in Siem Reap. Mein Fall war sie nicht so. Nachmittags geht’s, aber nachts ist es einfach nur laut. Wie es der Name sagt, reiht sich eine Bar (oder eben Pub) an die nächste und davor, am Strassenrand, stehen nachmittags die kleinen rollenden Wägelchen, die einem Fruchtdrinks mixen und die nachts von den Wagen mit den starken Alkoholika abgelöst werden. In etwa vermutlich vergleichbar mit den Ausgangsmeilen in den Touristenorten am Mittelmeer, nur das Meer fehlt. Dafür haben sie hier die Bettler, was jetzt nicht zynisch gemeint ist. Im Gegensatz zu Phnom Penh findet man hier nur wenige und eben eigentlich fast nur in der Pubstreet. Wie mir eine alte „Siem Reap-Häsin“ erzählt hat, war das vor ein paar Jahren noch ganz anders. Doch diese Bettler bzw. die ganzen armen Kambodschaner sind irgendwie aus Siem Reap verschwunden und keiner der Westler weiss, wo sie geblieben sind. Offensichtlich wurden sie umgesiedelt  und vermutungsweise so weit weg, dass sich der Weg nach Siem Reap nicht mehr lohnt.

Dabei kommt mir eine Erinnerung an einen jungen Mann ohne Beine und ohne Unterarme (die Vermienung der Khmer Rouge lässt grüssen), der an einer Ecke höckelte, an der wir vorbei gingen. Dieser Kambodschaner hat uns gegrüsst und hatte dabei ein derartiges Strahlen im Gesicht, dass wir nach 5min umgedreht sind, um ihm eine kleine Spende zu geben. Diese unglaubliche Freude, die dieser junge Mann ausgestrahlt hat, hat uns derart beeindruckt, dass es uns noch eine Weile beschäftigt hat. Wer von uns wäre wohl bei diesem Schicksal so lebensfroh? Ich hätte ihn zu gerne fotografiert, um diesen Augenblick festzuhalten. Allerdings bezweifle ich, dass ich ihm hätte klar machen können, weshalb ich dieses Foto wollte. Womöglich hätte es ihn auch so nicht gestört, aber es erschien mir dann doch nicht richtig, einen Krüpel zu fotografieren….und bei meinen Fotografierkünsten wäre es vielleicht auch gar nicht richtig rübergekommen. Diese strahlenden Augen kann ich noch immer vor mir sehen, wirklich unglaublich beeindruckend! Wie in Vietnam gibt es auch in Kambodscha viele solch versehrte Menschen. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Kambodscha in den Vietnam-Krieg hineingezogen worden war. Es gibt auch in diesem Land Agent Orange-Opfer. Noch schlimmer sind jedoch die Auswirkungen der Khmer Rouge, welche viele Bereiche des Landes vermient haben (bspw. auch das Tempel-Gelände von Angkor musste zuerst einmal von Mienen frei geräumt werden). Heute verstehe ich eine Princess Diana oder eine Angelina Jolie, die sich so stark machen/gemacht haben, für die Mienenräumung und entsprechende Verbote. Mienen sind eine derart heimtückische und miese Kriegswaffe, die leider bis weit in die Friedenszeiten nachwirken…. Ich weiss nicht, aber ich glaube, den wenigsten Kriegsparteien geht es darum, für die Khmer Rouge war es aber gerade das Ziel, das Khmer-Volk noch möglichst lange zu schädigen und zu dezimieren. Und damit bin ich von einer ausserordentlichen Freude wieder zu einem deprimierenden Thema abgeschwenkt…. Das war eigentlich nicht mein Ziel. Beenden wir diesen Absatz mit der Erinnerung an die strahlenden Augen und diese unglaubliche Lebensfreude…..

Es heisst, dass die Strasse, in der ich gewohnt und meist auch gelebt habe, die zukünftige Pubstreet sein soll. Einige clevere (?) Investoren bauen darauf und so finden sich eben auch in der noch engen Sok San Rd bereits das eine oder andere Touristen-Ungetüm, sprich riesige Lokale im westlichen Stil. Kurz vor meiner Abreise hat die Polizei sämtliche Namensschilder der Lokale am Strassenrand entfernen „lassen“ – was vorerst einmal zu mehr Dunkelheit und damit nicht gerade zu mehr Komfort geführt hat (diese Schilder sind alle beleuchtet und zu 98% dienen sie gleichzeitig einer Bierwerbung, es hat denn auch eine Weile gedauert, bis ich diese auch als Namensschilder erkannt hatte). Dies weil die Strasse verbreitert werden soll. Mögen also zutreffen, diese Zukunftsvoraussagen oder lässt einfach darauf schliessen, dass die potenten Investoren genug geschmiert haben. Schade, mir hat es ganz gut gefallen, wie es war. Die Strasse bietet alles, was man braucht, Unterkünfte, Restaurants, Läden für den täglichen Bedarf, diverse kleine Streetfood-Stände und vor allem dennoch viel Ruhe. Sollte es denn einst so trubelig zu und her gehen, wie in der heutigen Pubstreet, werde ich wohl „umsiedeln“ und mir ein neues Plätzchen suchen müssen.

Neben den üblichen Katzen, Hunden, Geckos und Moskitos, welche alle in Massen vertreten sind, habe ich auch überraschend viele Frösche angetroffen in Siem Reap. Wobei ich erwähnen sollte, dass ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich Frösche sind oder allenfalls eine andere derartige Spezies, denn sie waren nicht grün, sondern braun, aber von der Grösse her und abgesehen von der Farbe sahen sie aus wie das, was wir Frosch nennen. Es schien ein wenig, als hätte jedes Lokal und jedes Hotel seinen eigenen „Hausfrosch“. Allerdings waren sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt und ob es denn immer wieder der gleiche Frosch war, weiss ich natürlich auch nicht. Doch fast immer, wenn ich irgendwo sass und mich umgeschaut habe, konnte ich am Boden einen entdecken. Und dabei waren eigentlich gar keine Gewässer in der Nähe – also vielleicht doch keine Frösche? Wie auch immer, erstaunlich mutige kleine Kerle sind sie jedenfalls. Habe ich es doch noch nie erlebt, dass ein Frosch oder froschähnliches Wesen um meine Füsse herum gejumpt ist.

In der zweiten Hälfte meines Aufenthalts in Siem Reap hatte ich derart viele Kontakte geknüpft, dass ich kaum noch alleine an meinem Tisch sass. So manches Mal war das gewollt, allerdings nicht immer. Dabei kam ich in den Clinch, auf mein Lieblingslokal oder aufs Alleinsein zu verzichten. Das ist wohl der Nachteil, wenn man zum Stammgast wird in einem Lokal, das noch weitere Stammgäste hat, die einem jedoch nicht besonders zusagen. Sich da zu separieren, ohne zu brüskieren, ist gar nicht so einfach. Dadurch habe ich eine Weile lang ganz schön viel oder zumindest nach meinem Geschmack zu viel Zeit verschwendet. Letzlich war es jedoch eine gute Schulung. Menschen, die nicht zuhören können oder nur hören, was sie hören wollen, muss man vermutlich einfach mal brüskieren, wenn man etwas erreichen will. Jedenfalls habe ich es gegen das Ende hin auch wieder hingekriegt, in meinem Lokal Zeit mit mir selber zu verbringen.

 

Ho Chi Minh City, VIE – gequält

Kleiner Einschub als allgemeine Info: Ihr habt ja keine Ahnung, wie obermühsam es ist, Fotos hier reinzukriegen! ?  Ich könnte nun ein Crowdfunding starten, um mir eine akzeptable Bearbeitungssoftware zu besorgen (diese Gratissoftware ist echt kacke – ob die gekauften allerdings besser sind….?), stattdessen sag ich einfach: Ihr könnt mich alle mal! Wenn Ihr Bilder wollt, fahrt selber hin oder geht googeln….

 
Die erste halbe Stunde Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel war überwältigend! Es war bereits dunkel und überall hat’s nur so geblinkt und geleuchtet von all den Werbetafeln, so richtig westliches Grossstadtflair. Daneben brausten Massen an Mopeds an einem vorbei, viele besetzt mit 4 Personen, zwei halben und zwei Elternteilen (wie ich zumindest annehme). Grosszügig beladene Mopeds hatte ich schon viele gesehen, seit ich asiatischen Boden betreten habe, jedoch noch nie mit so vielen Personen. Auch an einer Marie Curie-Schule sind wir vorbeigekommen, worüber ich zuerst etwas verwundert war, bis mir einfiel, dass es hier ja einst französisch war. Habe ich in Ha Noi grosse breite Highways nur im „Niemandsland“ gesehen, finden sich diese in HCMC auch mitten in der Stadt, wie wir es von Grossstädten bspw. in den USA gewohnt sind.

So hatte ich denn zu Beginn das Gefühl, im Westen gelandet zu sein. Bei der Ankunft im Hotel wurde ich jedoch rasch nach Vietnam zurück katapultiert. Sofort erkannte man wieder diese unglaublich schmalen Häuser (hat etwas mit den Steuern zu tun, dass die Häuser in Vietnam sehr schmal, nach hinten, weg von der Strasse, sehr lang und mittlerweile teilweise auch sehr hoch gebaut sind – der Grund, weshalb viele Hotelzimmer hier keine Fenster haben, da sich ein Haus ans andere reiht und so nur ganz wenig Hauswand überhaupt Platz für ein Fenster lässt, nämlich die zur Strasse und diejenige hinten hinaus). Ein weiteres „Indiz“ für westlich: der Boden ist offenbar noch teurer als in Ha Noi, die Hotelzimmer kosten nämlich mehr und sind kleiner. So ein kleines Kabäuschen wie hier, hatte ich bis jetzt noch keines und so viel bezahlt habe ich auch noch nicht.?  Und es ist wiederum laut, sehr laut. Nun, ich bin mitten im Backpacker-Viertel gelandet, da darf man sich wohl nicht wundern.

Hungrig bin ich gleich nach dem Einchecken los und in der Umgebung herumgeschweift, um mich bald darauf an einem ansprechenden Plätzchen niederzulassen. Und da habe ich eine Premiere erlebt: so ziemlich alles, was ich bestellen wollte (von der Karte wohlverstanden!), war gerade ausgegangen… Und obwohl ich aus einer Eingebung heraus zuerst gefragt hatte, ob man auch essen könne, musste ich dann erfahren, dass sie gerade kein Essen servieren, weil sie z. Zt. zu wenig Personal haben. Ich solle es doch in einer Woche wieder versuchen…. Der Geschäftsführer hat sich dann jedoch meiner erbarmt und mir eine Pho von irgend einem Stand in der Umgebung gebracht und eine Wasserflasche hat sich schliesslich auch noch aufgetrieben. Nach einer knappen Stunde befand ich mich dann seit langem wieder einmal in einer mir von zu Hause bekannten Situation: ich war der letzte Gast.

Ich weiss nicht, ob es an diesem Fehlstart lag oder an den bevorstehenden Weihnachtstagen, die mir ebenfalls das Leben schwer zu machen schienen (schwierig, kurzfristig eine vernünftige Unterkunft zu finden!) oder einfach an dieser Stadt, jedenfalls hat sich mein Enthusiasmus zu HCMC relativ schnell gelegt. Mir fehlt hier jegliche Energie und vor dem Mittag ist an Aufstehen schon gar nicht zu denken – nicht unbedingt etwas Neues für mich, aber in den letzten Wochen kam ich doch mit weniger Schlaf aus – womöglich liege ich auch einfach auf einer Wasserader ?. Zudem kann ich mich überhaupt nicht entscheiden, was ich will und was ich soll und überhaupt und verbringe Stunden damit, mich mit Informationen zu füttern und nach Unterkünften für die nächsten Tage zu suchen. Soll ich an einen Strand in Mui Ne oder Vung Tau ausweichen, ins Mekong-Delta gehen, in HCMC bleiben, nach Kuala Lumpur oder Phnom Penh abdüsen…..???

Ich weiss echt nicht, was die Vietnamesen mit ihren Böden haben. Bereits in Ha Noi ist mir aufgefallen, dass sie ständig damit beschäftigt sind, ihre Trottoirs zu wischen. Im Hinblick darauf, dass dies ja ihr Essplatz ist, konnte ich das noch irgendwie nachvollziehen. Nachdem ich jedoch mittlerweile weiss, wie „ergiebig“ dieses Reinemachen ist, kann ich darüber nur noch den Kopf schütteln. Und in den Restaurants hier artet dies schon beinahe in Belästigung aus. Ständig putzt irgendjemand um einen herum den Boden (nun nass) und es wird keine Rücksicht darauf genommen, wenn ein Gast „im Weg sitzt“ – da kann dich schon ‚mal ein herumschwingender Ellbogen boxen. Es grenzt auch an ein Wunder, dass mein Rucksack (der auf dem Boden steht) nicht auch „gereinigt“ wurde und meine Füsse bis anhin trocken geblieben sind. Sauber ist es dennoch nicht…. Total verschwendete Energie!

Ein Novum in Vietnam (für mich) sind die Bettler. Nur selten im klassischen Sinn, wie man sie in Indien an jeder Strassenecke trifft, meistens verkaufen sie irgendetwas (Lose?). Dabei handelt es sich vermutlich um Kriegsversehrte resp. (im Hinblick auf das Alter) „Agent Orange-Betroffene“ (auf gut deutsch „Krüppel“). Eine weitere Variante sind Mütter mit Babies oder behinderten Kindern im Rollstuhl oder Kinder, die etwas verkaufen oder Feuerspucker-Darbietungen geben. Sitzt man am Rand zur Strasse in einem Café, wird man zudem alle 5min von irgendeinem Händler (inkl. der zuvor genannten Bettler) angesprochen. Dabei zeigen sie eine unheimliche Ausdauer. Derselbe Verkäufer kann im Laufe eines Nachmittags 15x an dir vorbeigehen und dich immer wieder aufs Neue fragen – es könnte ja sein, ich hätte meine Meinung geändert. Soweit es Zigaretten anbelangt, ist dieser „delivery-Service“ ja ganz bequem, habe sogar bereits meine „Stammdealerin“ ?  (und mittlerweile herausgefunden, dass sie im Laden günstiger sind, doch beim Preis von $1 pro Schachtel ist das ziemlich egal ?). Und auch hier (oder vermutlich gerade hier), bist du als Raucherin automatisch eine potentielle Kifferin. Sobald der Zigaretten-Deal über die Bühne ist, folgt immer auch noch die Frage nach Marihuana, immer. In Ha Noi waren die Händler nicht so aufdringlich. Niemals wurde ich in einem Restaurant angesprochen, nur auf der Strasse und nie von Kindern.

Ebenfalls etwas überraschend ist für mich, dass die Englischkenntnisse des Personals im Tourismusbereich hier ziemlich lausig sind. Im Vergleich zu Ha Noi gleich null und dabei hätte ich es genau umgekehrt erwartet. So musst du schon ‚mal damit rechnen, dass du etwas Anderes serviert bekommst als du bestellt hast…. Wohl auch wieder ein Zeichen für mehr „Westen“ bzw. mehr Wohlstand. Die besser Qualifizierten haben hier vermutlich bessere Möglichkeiten als den Tourismus – bei uns ist es ja mittlerweile auch keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das Gastgewerbepersonal deutsch spricht… Hier sprechen sie zumindest noch die Landessprache (jedenfalls nehme ich das an).?

Als ich kürzlich – unglaublich, nun erklingt gerade Manu Chao aus den Lautsprechern!! ? – zwei Traveler belauscht habe und die eine dem anderen bestätigte, Ha Noi sei ziemlich ähnlich wie HCMC, hätte ich beinahe entrüstet widersprochen. Wenn ich’s mir aber genau überlege, liegt das wohl im Auge des Betrachters – natürlich ist es hier genauso vietnamesisch wie in Ha Noi. Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob meine Ablehnung gegen diese Stadt an mir (meiner momentanen Stimmung) oder wirklich an der Stadt liegt und will das vorerst auch noch offen lassen. Das Urteil wird erst gefällt, wenn ich ausserhalb der Weihachtszeit noch einmal hier war. Womöglich habe ich auch einfach meinen ersten Reisekoller und das gute Saigon kann gar nichts dafür.

 

Bangkok, THA – Ich und die Botschaft und weitere Stationen

Mittlerweile bin ich hier schon richtig zu Hause. Ich habe den Coop Silbern und das Glattcenter meines Stadtteils gefunden, fahre mit dem Bus, als wäre ich hier aufgewachsen und führe ein ganz alltägliches Leben (ohne heimliche Ängste), abgesehen davon, dass meine täglichen Beschäftigungen nicht unbedingt alltäglich sind. Selbst das Taxifahren hat seinen unangenehmen Mafia-Beigeschmack verloren. Die Taxifahrer sind zu anständigen Menschen mutiert, sie geben sich richtig Mühe und stellen sogar in absoluter Selbstverständlichkeit den Taxameter an, ohne dass man etwas zu sagen braucht. (Da es an der Endstation der U-Bahn nur eine Bushaltestelle für beide Richtungen gibt, komme ich nicht umhin, das letzte Stück meines Heimwegs mit dem Taxi zu überbrücken, da die Busfahrer – im Gegensatz zu den Taxifahrern – nicht kooperativer geworden sind.) Auch das „grüne-Männchen-Syndrom“ hat sich, zumindest teilweise, geklärt. Es handelt sich dabei um Mopedtaxi-Fahrer, deren starrender Blick zu eruieren versucht, ob man möglicherweise der nächste Fahrgast sein könnte. Der eine oder andere hat denn, zusätzlich zum Starren, auch schon gefragt, die meisten scheinen jedoch den Mund nicht bewegen zu können.

So liesse es sich hier wirklich gut leben. Doch leider läuft meine Zeit hier ab und dabei habe ich noch gar nicht viel von Bangkok gesehen – nun, zumindest nicht, was man sich als Tourist hier allgemein so ansieht. Die meisten der üblichen Sehenswürdigkeiten sind fernab von mir und auch von den Haltestellen von U-Bahn und Skytrain. Diese modernen Verkehrsmittel scheinen eher aufs Business ausgerichtet zu sein. So ist es ein Einfaches, damit ins Botschaftsviertel zu kommen (wogegen sich die Tempel und Paläste nur mit Bus oder Taxi erreichen lassen). Und weiss Gott, diesen Weg bin ich einige Male gefahren…. Ich und die Vietnamesische Botschaft sind kein harmonisches Team. Es liegt allerdings nicht an mir, alle Ausländer dort haben gelästert. Dennoch, sollte es mir in Vietnam nicht gefallen, könnte man wohl sagen, ich hätte es wissen müssen!

Bei meinem ersten Versuch war ich von Beginn weg etwas spät dran. Wie es halt so läuft, wenn man erst mittags aufsteht.? Bis ich dann alles zusammen hatte, was man für ein Visum braucht, war es kurz vor 4 Uhr und die Schlange vor dem Touristen-Visum-Schalter schon ziemlich lang. (Die anderen Schalter waren besetzt, allerdings ohne Kunden, dennoch, es wäre diesen Beamten nicht einmal in den Sinn gekommen, den Touristen-Schalter zu unterstützen….) Nach etwa einer halben Stunde, in der die Schlange kaum vorgerückt ist, machte mich der Typ vor mir darauf aufmerksam, dass Visa-Anträge nur bis 4 Uhr angenommen würden. Zwischen 4 und 5 Uhr sei die Zeit für die Visa-Abholung und ich müsse damit rechnen, dass ich weggewiesen würde, sofern ich überhaupt noch vor 5 Uhr beim Schalter ankommen würde (um 5 Uhr werden die Schalter erbarmungslos geschlossen, egal wie lange die Schlange davor noch ist – die Arbeitsmoral in dieser Botschaft macht noch einen ziemlich kommunistischen Eindruck…). Wo er Recht hat, zumindest ist es auch in der Botschaft derart schriftlich ausgewiesen. Das Risiko war mir daher zu hoch, hier sinnlos Zeit in den Boden zu stehen und ich bin gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Warteschlange mittlerweile so weit angewachsen war, dass sie bis ausserhalb der Botschaft reichte! Garantiert wäre ich weggewiesen worden. Das war an einem Freitag.

Am Montag startete ich somit meinen 2. Versuch. Es gab an diesem Nachmittag keine Warteschlange, allerdings auch keinen Beamten hinter dem Schalter…. Er war bei meinem Eintreffen verschwunden und hat sich ziemlich lange Zeit gelassen mit dem Wiederkommen. Und wiederum, die anderen Beamten fühlten sich nicht zuständig. Die Einreichung des Antrags verlief schliesslich relativ rasch, wenn auch unerfreulich in dem Sinn, dass ich einerseits erfahren habe, dass man von Thailand aus nur 30d-Visa erhält und ich andererseits den Mund beinahe nicht mehr zugekriegt habe, als man mir den Preis für das Visum nannte – CHF 75 für ein einfaches (single entry) 30d-Visum! Das ist mehr als mein Flug von Bangkok nach Hanoi gekostet hat – was zugegebenermassen daran liegt, dass mit den Flugpreisen etwas nicht stimmt. Dennoch, das sind Schweizer Preise (ein 3-Monats-Visum mit mehrfach-Eintritt hätte mich zu Hause CHF 110 gekostet und weit weniger Nerven)!!

An meinem letzten Tag (vor Abreise) in Bangkok durfte ich das Visum abholen. Im Hinblick auf meine Erfahrungen vom Freitag und der ellenlangen „Abholschlange“ bin ich bewusst zu früh hingegangen in der Hoffnung, sie würden mir das Visum auch bereits vor 4 Uhr aushändigen. Die Botschaft war wiederum leer bei meinem Eintreffen und tatsächlich war der Beamte bereit, mich zu bedienen. Er hat den ersten Schweizer Pass aus dem Körbchen genommen, dann den 2. und schliesslich den 3. – keiner war meiner. Darauf ist er für 10min (ich habe auf die Uhr geschaut!) verschwunden, kam mit leeren Händen zurück und meinte, ich solle Platz nehmen und hat den nächsten Visumabholer bedient, der mittlerweile eingetroffen war. Wunderbar! Ich setz mich doch da nicht einfach hin und warte darauf, dass sich dieser Beamte vielleicht irgendwann vor 5 Uhr an mich erinnert! Ganz besonders, sollte es ab 4 Uhr wieder zu und her gehen wie am vergangenen Freitag. Ich musste Thailand am nächsten Tag verlassen und die hatten meinen Pass! Ich war leicht panisch…

So entschied ich, mich einfach in der inzwischen entstandenen Warteschlange wieder anzustellen in der Hoffnung, dass mein Pass inkl. Visum ab 4 Uhr vorhanden sein würde. Etwa 10 min nach 4 Uhr war ich erneut an der Reihe und der Beamte hat mich sofort erkannt (wow!) und sich dann doch erbarmt, mich aufzuklären. Mein Visum war offenbar noch in Bearbeitung. Ich würde es jedoch auf jeden Fall noch vor 5 Uhr erhalten und ich solle mich nun hinsetzen und warten. Tja, er war offensichtlich am längeren Hebel…. Also habe ich mich brav hingesetzt und mich in meinem Mantra geübt: „Alles wird gut!“

Zum Glück war nur wenig los auf dieser Botschaft an diesem Tag und so war der Beamte immer wieder mal ohne Kundschaft und fand sich meinem vermutlich immer ängstlicher werdenden Blick gegenüber. Er ist denn auch jedes Mal verschwunden, worauf ich mir eingebildet habe, dass er nach meinem „Visa-Prozess“ schaut. Etwa 20min vor 5 Uhr wurde ich schliesslich erlöst. Ich erhielt meinen Pass mit Visum mit den korrekten Daten und schwebte sicher 50cm über dem Boden aus der Botschaft hinaus.

Das Botschaftsviertel ist nahe am District Siam gelegen, dem mit den vielen grossen Shopping-Malls. Bereits nach meinem ersten Botschaftsbesuch bin ich anschliessend – etwas ungeplant – dort gelandet. Ich bin einfach aufs Geratewohl zu Fuss losmarschiert und habe mich relativ rasch in einer dieser Malls wieder gefunden. Daraus wieder hinauszufinden, war allerdings eine eher schwierige Aufgabe…. Diese Malls sind wirklich riesig, total unübersichtlich und beherbergen neben allen möglichen uns bekannten und unbekannten Foodketten hauptsächlich Luxuslabels. Somit nicht wirklich mein Ding, aber immerhin, eine der Touristenattraktionen hatte ich abgehakt. Beim Siam-Square gibt es eine hochgelegene Passage für die Fussgänger, die etwas Ausblick bietet…

Fragt mich nicht, was für eine Prozession dies hier ist…. aber es hat für ein klein wenig Aufruhr gesorgt (und mich an Indien erinnert)

Moped-racing in Bangkok….
…. eine rote Ampel, an welcher sich die Mopedfahrer vorne zusammenballen  

 

Am Samstag gab ich mir schliesslich eine weitere Touristen-Attraktion: den Chatuchak Weekend Market. Ein Markt mit über 15’000 (!) Ständen, der ganz nahe bei meiner Unterkunft liegt. Die Vorstellung von so einem riesigen Markt fand ich faszinierend. Dort angekommen fühlte ich mich jedoch ziemlich rasch ziemlich überfordert. Auch habe ich mir dort vermutlich einen Sonnenstich geholt (ich hab’s noch immer nicht geschafft, mir eine Kopfbedeckung zu beschaffen….). Jedenfalls hatte ich nach 2h ziemlich starke Kopfschmerzen und wollte nur noch nach Hause. Ich hatte versucht – bei dieser riesigen Auswahl – mich auf Schals und Schmuck zu konzentrieren. Doch beides war nicht nach meinem Geschmack. Auch die Thais stehen offenbar (wie die Inder) eher auf Goldschmuck. So oder so, es sah alles ziemlich nach Ramsch aus. Und die Schals waren mir durchs Band viel zu kurz, ganz abgesehen davon, dass die Sujets auch sehr zu wünschen übrig liessen. Unbrauchbar!

Tagsdarauf folgte ich dem Rat meines Hosts und ging in die nahe gelegene local Mall – das Glattzentrum von Bang Sue! ?  Neben den allgegenwärtigen Restaurantketten à la Starbucks, Häagen Dazs und wie sie alle heissen, gab es nur wenige mir bekannte Labels, aber es war offensichtlich ein Ort für die Mittelschicht und damit in einer sympathischen Preisklasse. Auch entspricht die Grösse effektiv etwa dem Glatt und ist entsprechend viel übersichtlicher als diejenigen Einkaufszentren am Siam Square. Natürlich habe ich nichts gekauft – an meiner Shopping-Aversion wird sich vermutlich nie mehr etwas ändern. Aber ich wusste nun, wo ich hätte hingehen können, wenn ich etwas gebraucht hätte.

Doch dafür war es noch zu früh (zugegeben, die Sache mit der Kopfbedeckung, aber die lasse ich mich finden und nicht umgekehrt, das hat keinen Zweck). Noch war ich mit allem ausgestattet und mit noch viel mehr. Bereits kurz nach meiner Ankunft in Bangkok hatte ich meinen Rucksack komplett ausgeräumt und zusammengesammelt, was wieder zurück nach Hause konnte. Mengenmässig war das überraschend viel, bezogen aufs Gewicht leider nicht so sehr! ?

An meinem freien Botschaftstag habe ich mich mit meinen 2 vollen Säcken aufgemacht zu einem Postoffice. Auch das hat sich als nicht ganz so einfach herausgestellt. Ich wusste zwar ungefähr, wo eines war, doch finde das mal, wenn du keinen blassen Schimmer hast, wie die Post von Thailand aussieht! Ist sie gelb wie bei uns? Rot? Blau? Grün….? Nach viel Herumfragen habe ich das Miniding schliesslich entdeckt (rot ist die Farbe der thailändischen Post)! Und schon kamen die nächsten Schwierigkeiten: Flüssigkeiten können nicht verschickt werden. Nicht, dass ich volle Wasserflaschen hatte heimsenden wollen, weil deren Wasser hier so gut ist…. Hier gilt noch schnell mal etwas als flüssig, wenn es nicht eine steinharte feste Konsistenz hat. Nach einer schier endlosen Inspektion, bei der etwa ein Viertel meiner Habe zurückgewiesen worden war, hat sich herausgestellt, dass per Schiffsversand Flüssigkeiten doch annehmbar sind…. Wer hat denn von Airmail gesprochen? Es eilt ja weiss Gott nicht! Also alles zurück auf Anfang. Als ich das Postamt schliesslich wieder verlassen habe, hatte ich ein Paket mit 3kg Gewicht zum Preis von CHF 30 verschickt, welches nun etwa 3 Monate unterwegs sein wird – sollte das Paket nicht ankommen, weiss ich doch zumindest, dass die 3 nicht meine Glückszahl ist! ?

Ja, ich habe noch nicht wirklich viel von Bangkok gesehen, musste mich erst einleben und so einiges organisieren. Nun wäre ich bereit für entsprechende Streifzüge, doch die Abreise steht vor der Tür. Ich habe jedoch vor, wieder zu kommen und nachzuholen, was ich bis anhin verpasst habe.

 

Bangkok, THA – Pass auf, was Du dir wünschst…

….. es könnte in Erfüllung gehen!

Für Bangkok habe ich meinen ersten Airbnb-Versuch gewagt und eine richtig tolle Bleibe erwischt. So toll, dass ich beinahe Gefahr laufe, mich wie zu Hause zu verhalten und mich einzuigeln. Es ist ein schmuckes kleines 2-Zimmer-Appartment mit Balkon zu einem unschlagbaren Preis (bei diesen Konditionen könnte ich meine Auszeit noch ewig ausdehnen ?). Die Kochecke ist zwar sehr klein, aber selbst das passt bekanntlich wunderbar zu mir ?. Und die Einkaufsmöglichkeiten (ein täglicher Markt (!) sowie ein 7/11) liegen gleich um die Ecke – so einen Luxus hatte ich nicht einmal zu Hause! Wäre da nicht diese Visa-Sache, ich weiss, ehrlich gesagt, nicht, ob ich bis jetzt überhaupt mehr von Bangkok gesehen hätte als die Aussicht von meinem Balkon….

Kleine Villa neben abgefuckten, teilweise baufälligen Hütten…. (und in der Strasse gegenüber findet man Anwesen, die an die US-Botschaft erinnern)

Die leider noch nicht fertig gestellte neue Strecke des Skytrain…. wie einfach wäre es, die Haltestelle auch gleich neben der Haustür zu haben…  

 

Soweit also eigentlich alles wunderbar und doch habe ich die ersten Tage hier in Bangkok meine erste kleine Krise geschoben. Das hatte sicher mehrere Gründe, vor allem aber war sie stark geprägt von der Situation, in die ich da geraten bin. Die Sache ist nämlich die, ich bin mitten in einer Aglo von Bangkok gelandet. Und da können die Reiseführer noch so schreiben, dass in Bangkok fast jeder Thai englisch spricht, hier trifft das nicht zu. Selbst die Produkte im Laden sind hier ausschliesslich auf Thai angeschrieben. Meine Patong-Aversion hat zurückgeschlagen! Nun hab‘ ich also den Salat….. ?

Bis zu meiner Ankunft am Flughafen von Bangkok verlief meine Reise wiederum reibungslos. Und wo die Reiseführer Recht haben: die Taxifahrer am Bangkok-Flughafen sind eine verdammte Mafia! Man hatte mir deshalb geraten, in den Departure-Bereich zu gehen und sich dort ein Taxi zu schnapppen. Doch mit dieser Idee war ich nicht allein und die Taxifahrer haben offenbar schnell gelernt. Durchs Band haben sie den doppelten Preis des maximal zulässigen verlangt und selbstverständlich war bei allen der Meter defekt…. Immerhin sind sie konsequente, gut vernetzte oder abgesprochene Halsabschneider. Komplett verarschen liess ich mich dieses Mal nicht, zu viel bezahlt habe ich dennoch, da ich der Streitereien müde wurde und endlich „nach Hause“ wollte. (Auch bezweifle ich mittlerweile, dass ich je von diesem Flughafen weggekommen wäre, wenn ich auf dem korrekten Preis bestanden hätte.)
Da das wifi-Passwort in meiner Unterkunft auf mich wartete, ich von meinem schweizer Handy weiss Gott nicht telefonieren wollte und hier, wie gesagt, keiner englisch spricht, hat es effektiv 20min gedauert, bis ich endlich den Schlüssel zu meinem Appartment gefunden hatte und damit sicher sein konnte, am korrekten Ort gelandet zu sein. Zum Glück war das Appartment eine positive Überraschung, ansonsten hätte es mir vermutlich ausgehängt.

Warum genau kann ich nicht sagen – vielleicht weil es einfach immer einfacher ist, den einfacheren Weg zu gehen ? (in diesem Fall in meinem cosy Appartment zu bleiben) – jedenfalls hat es mich am nächsten Tag unheimlich Überwindung gekostet, meine Wohnung zu verlassen. Zum ersten Mal auf meiner Reise habe ich mich allein gefühlt und mir gewünscht, irgendjemand würde mich an die Hand nehmen und mitziehen. Ich habe den Vorteil von Hotels erkannt: man ist in gewisser Weise unter seines Gleichen, aber doch allein, aber auf eine gute Art allein – hier bin ich einfach nur allein. Diese Airbnb-Sache ist vielleicht nicht der ideale Start für einen neuen fremden Ort. Ich werde hier in Bereichen gefordert, in denen ich unselbständig bin und das ist eine ganz schöne Herausforderung. Andererseits ist der Sprung ins eiskalte Wasser natürlich der effizienteste….

Die Vernunft hat schliesslich geholfen. Bekanntlich ändert sich meist nichts, wenn man nichts unternimmt. Und ich weiss sehr wohl, dass es unglaublich schnell geht, bis einem ein fremder Ort vertrauter wird, wenn man sich ihm denn stellt. Und so habe ich mich letztlich doch aufgerafft und einfach einmal die nähere Umgebung abgegrast. Dabei bin ich einigen Menschen begegnet, die mich angestarrt haben, als wäre ich ein grünes Männchen. Es will mir nich so ganz in den Kopf, dass das nur an meiner weissen Hautfarbe gelegen hat…. Doch dieses Rätsel habe ich noch nicht gelöst (und werde ich wohl auch nicht mehr).

Am Abend desselben Tages erhielt ich dann noch Besuch….. Plötzlich wanderte da doch eine Kakerlake über meinen Wohnzimmerboden – die Dinger sind riesig hier! ?  Umso überraschter bin ich von mir, dass es mich nicht sogleich in die weitentfernteste Ecke katapultiert hat. Nach einem kurzen Schreckmoment hab‘ ich das Vieh doch tatsächlich gekillt. Das Abkratzen vom Boden musste jedoch warten, der Ekel war zu gross. Vor allem jedoch hat es mir die Nacht versaut. In jedem Geräusch und in jedem Fleck im Augenwinkel habe ich eine weitere Artgenossin vermutet, einschlafen war ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Eine Spinne auf dem Balkon ist eine Sache, aber die Viecher IN der Wohnung – das geht gar nicht! Eine meiner heimlichen Ängste in Verbindung mit dieser Reise. Denn natürlich ist mir sehr wohl bewusst, dass ein solches Zusammentreffen nicht ungewöhnlich ist. Und wiederum, was hätte ich für eine helfende Hand gegeben in diesen Stunden!

Die nächste Hürde war das Busfahren. Ohne Bus komme ich von hier nicht weg. Natürlich gäbe es noch die Taxi-Variante, aber nach meinen ersten Taxi-Erfahrungen in Bangkok war mir nicht sonderlich danach, davon abgesehen will ich mir das auch nicht regelmässig leisten. Die Bushaltestelle liegt genau vor der Haustür und die Zahlen sind in Thai ja zum Glück gleich wie bei uns. Damit hat es sich dann aber mit den Annehmlichkeiten. Ich mag es allgemein nicht, wenn ich in unbekanntem Gebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln herumfahren muss. In Europa sind wir uns aber gewohnt, dass der Kurs mit den jeweiligen Haltestellen überall aufgezeichnet ist und man sich schlimmstenfalls die Haltestellen abzählen kann. Das kannst Du hier natürlich komplett vergessen.  Die Haltestellen sind meist nur sehr schwer zu erkennen und schon gar nicht, wenn der Bus daran vorbeirauscht. Pläne zu den Buslinien kennen die hier nicht. Und auf die Hilfe vom Personal kann man nicht zählen, die wollen gar nicht verstehen. Nicht einmal das so oft beschriebene ständige Lächeln im Gesicht findet man hier. So sass ich denn bei meiner ersten Fahrt wie auf heissen Kohlen…. Zum Glück gibt es wenigstens nette andere Fahrgäste, die einem helfen, auch wenn oder vielleicht gerade deshalb, diese leicht angetrunken sind.

Mittlerweile habe ich das Busfahren gut im Griff und muss immer wieder mal schmunzeln. Nicht selten fährt man gratis, weil einfach keiner kommt, der einem ein Ticket verkauft oder weil man kein Thai spricht. Auch kann es schon einmal vorkommen, dass der Busfahrer irgendwo kurz anhält, aussteigt und sich irgendetwas besorgt. Nicht selten fährt der Bus auch mit offenen Türen, wogegen die „amerikanische Haftpflicht-Art-und-Weise“ bei der U-Bahn oder dem Skytrain wie ein Hohn wirkt, wenn sie einem bei jeder Haltestelle auf den kleinen „Gap“ zwischen den beiden Türen aufmerksam machen (Situation analog dem Zug zum Terminal E im Zürcher Flughafen, Türen am Zug und am Perron) – der Spalt ist wirklich nicht der Rede wert!

Tja, so habe ich also bekommen, was ich mir gewünscht habe. Und wie so oft, wollte ich es gar nicht mehr, als ich es hatte… ? Doch ich habe die Situation gemeistert, die Krise überwunden und nun verläuft meine Welt schon fast wieder in geordneten Bahnen!

Khao Lak, THA – immer noch

Thailand führt weiter, was die ALU begonnen hat: wenn das so weiter geht, werde ich wirklich noch zur IT-Spezialistin! Was ich hier schon alles gelernt habe… aber natürlich ist es wiederum mein Bruder, der die ganzen Lösungen findet. Irgendwann wird er mir eine Rechnung stellen und ich kann’s ihm nicht einmal verübeln! Nun bin ich bereits im 2. Hotel, in dem wifi nicht funktioniert bzw. mit IOS irgendwie nicht kompatibel ist – Hallo Apple, würdet ihr gefälligst für ein entsprechendes Update sorgen!! ? Ich fühle mich leicht amputiert. Längst hätte ich weiter bloggen wollen – war nicht möglich; meine weitere Reise hatte ich planen und organisieren wollen – war nicht möglich; um einige noch nachwirkende Probleme aus der Zeit vor meiner Abreise hatte ich mich kümmern wollen – schwierig. Und Internet-Cafés scheint es in der Zeit von wifi nicht mehr zu geben. Zumindest habe ich in Khao Lak noch keines gesehen – wenn man bedenkt, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass diese an jeder Ecke aus dem Boden geschossen sind und nun scheinen sie bereits wieder verschwunden zu sein. Verrücktes Tempo!

Nun, ich bin immer noch in Khao Lak. Man könnte wohl sagen, ich habe mich mit der Situation arrangiert, dies vor allem aus Bequemlichkeit. Ich habe entschieden, mich in Bangkok eines Teils meines Gepäcks zu entledigen. Bis dahin werde ich es nicht mehr übertreiben mit dem Reisen…. Auch habe ich hier mittlerweile so meine Plätzchen gefunden, an denen es sich aushalten lässt. Zudem hat es der Handy-Kopfhörer nun endlich – nach all diesen Jahren – geschafft, zu meinem ständigen Begleiter zu werden. Was nebenbei erwähnt zu einer völlig unerwarteten Nostalgie führt! Seit Jahren habe ich mich nur noch von der Musik im Radio berieseln lassen und wir wissen ja, wie eintönig diese heutzutage ist. Nun plötzlich längst vergessene Songs in den Ohren zu haben, lässt mich regelmässig wieder in die damit verbundene Zeit zurückgleiten….? Wer erinnert sich noch an „Scharlachrot“, Baby Jail, „Strani Amori“, „One night stand“, Dire Straits, „Under pressure“, Subzonic, „Hier kommt Alex“, „I don’t like mondays“, Supertramp, „Runaway“….. (die Liste ist endlos)?

Man hat mich bereits darauf aufmerksam gemacht und es ist mir auch selber schon aufgefallen, dass die Fotos fehlen – sollte wohl nicht sein in einem Reiseblog ? Fotografieren ist jedoch etwas, was nicht wirklich „zu mir gehört“, es kommt mir schlichtweg schon gar nicht in den Sinn, dass ich doch mal ein Foto machen könnte…. Nun, ich werde mich bemühen und versuchen, mich zu bessern, doch versprechen will ich nichts, mein Ding ist das Schreiben, nicht das Illustrieren.

Der Hotelmanager meines vorherigen Hotels wollte mich unbedingt an eine tolle Beach bringen. Zuerst habe ich mich gesträubt, weil ich mit derjenigen hier, wo ich bin, ganz zufrieden bin. Sie ist zwar wahrlich klein und nicht sonderlich spektakulär, aber meine Ansprüche erfüllt sie voll und ganz. Ich kann sowieso nicht so viel mit Sandstränden anfangen – dieser verflixte Sand, klebt sofort überall und geht nicht mehr weg. Dann nimmt man ihn mit ins Hotelzimmer und sogleich hat man ihn im Bad, im Bett, im Gepäck, einfach überall und das für ewig…. Was mir hier gefällt, ist die Stärke des Ozeans. Ich hab’s nicht so mit Tümpeln à la Mittelmeer. Ein Ozean muss kraftvoll, gewaltig und zerstörerisch sein, dann kann ich ihm stundenlang zuschauen. Das hat eine gewisse Magie, eine Faszination, die eine starke Anziehungskraft auf mich ausübt. Und so klein der Strand hier ist, die Wellen haben Power…. ein wundervolles Schauspiel!!

Aber zurück zur White Sand Beach. Wie erwähnt, der Hotelmanager wollte mich unbedingt da hin fahren und so habe ich irgendwann nachgegeben. Kann ja nicht schaden, seinen Umkreis etwas zu erweitern. Und wahrlich, er hatte nicht zu viel versprochen! Ein riesiger – zum Anschauen – traumhafter Strand und fast keine anderen Menschen!!! Das ist mir ein wenig ein Rätsel, noch überall, wo ich bis anhin war, war der Strand fast menschenleer. Wo sind nur all die Touristen, die mir auf den Strassen ständig über den Weg laufen? Ob es denen geht wie mir und sie mögen auch keine Sandstrände? Ich dachte eigentlich, ich sei diesbezüglich eher etwas „abnormal“…. Nun, womöglich liegt es auch einfach an meinem Tagesrhythmus. Bis ich komme, sind die möglicherweise bereits wieder zurück im Hotelzimmer und kurieren ihren Sonnenbrand oder bereiten sich auf den Abend vor. Den ganzen Tag am Strand herumzuliegen, ist in der Zeit von Ozonlöchern und Hautkrebs womöglich nicht mehr „en vogue“. Mir soll es Recht sein.

Ist schon cool, seinen eigenen Privatstrand zu haben….

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mein eigener Strand

….. allerdings fehlt dem Ozean hier wiederum etwas die Kraft, um meinen Ansprüchen vollends zu genügen. ? Und die vielen Fussabdrücke stammen selbstverständlich nicht alle von mir. Es müssen also bereits vor mir Menschen hier gewesen sein….

Ich wurde ziemlich auf Höhe der Mitte des Strandes ausgeladen und so habe ich meinen Füssen ein Bad gegönnt und bin erst einmal die eine Seite des Strandes entlang gegangen. Nach einer Rast und nicht ganz zufriedenstellenden Betrachtungsstudien des Meeres (wie gesagt, zu wenig Kraft!), ging’s den Weg zurück und zur anderen Seite. Wiederum am Ende angekommen, hat es angefangen zu regnen…. Und so wurde ich doch nass bis auf die Haut auch ohne ein eigentliches Bad im Meer. Während des Spazierganges hat mich das nicht gestört. Doch zurück unter einem Dach, als ich bzw. die Stoffe um mich herum an mir heruntergetrieft sind, wurde es doch etwas ungemütlich….? Dennoch, der Ausflug hat sich gelohnt!

 

Khao Lak, THA – Little Switzerland!

Heilige Scheisse!!! Das ging ja abwärts wie am Schnürchen….. Nach einem langgezogenen Abschied ging es per Taxi nach Phuket Town zum Bus-Terminal, wo man sogleich in Empfang genommen wird mit der Frage, wohin man will und mit der gegebenen Antwort an den richtigen Schalter geführt wird. Ticket gekauft und eine viertel Stunde später fuhr der Bus auch schon ab. Es hiess, bis Khao Lak dauere es etwa 2.5 bis 3h, doch nach 2h hiess mich des Fahrers Helferlein bereits aussteigen – das ging ja zack! Und dann wurde ich so richtig abgezockt! Es ist wohl kein Geheimnis, dass Touristen immer zu viel bezahlen und eigentlich habe ich damit nicht einmal so ein grosses Problem. Die westlichen Länder haben die 3. Welt über Jahrzehnte abgezockt und tun es in einer absoluten Selbstverständlichkeit nach wie vor, da ist es vermutlich nur korrekt, wenn sie sich das heute irgendwie (teilweise) wieder zurückholen. Aber in diesem Fall wäre es einfach nur Anstand gewesen, wenn der Taxifahrer darauf hingewiesen hätte, dass ich auch auf meinen Füssen über die Strasse gehen kann…. Er war dann immerhin noch so anständig und hat mich für mein Geld auch noch etwas herumgefahren… So sind wir etwa 5min gefahren, statt 5min gelaufen. Heute kann ich die Bushaltestelle bzw. den Taxistand vom Hotel aus sehen, bei der Ankunt im Hotel ist mir dieser Tatbestand jedoch nicht aufgefallen. Auch muss ich zugeben, ohne Hilfe hätte ich das Hotel wohl nie gefunden, obwohl ich beinahe davor gestanden bin. Die Front an der Strasse macht so keinen hotelartigen Eindruck und das eigentliche Hotel ist zurückversetzt hinter Gebäuden, so dass auch alle Fotos, die ich im Voraus vom Hotel gesehen hatte, nichts geholfen hätten. So nehm ich’s denn mit Humor und habe gelernt, dass man hellhörig werden sollte, wenn der Taxipreis unheimlich tief ist….?

Nach der reibungslosen Reise und der Freude, schnell und unkompliziert angekommen zu sein, drückte das Hotelzimmer dann doch etwas auf die Stimmung. Ich bin verwöhnt nach den letzten Tagen! Das Zimmer wäre voll i. O., neu, sauber, schön, alles, was es braucht, aber irgendwie so eng und klein. Ich hatte gleich das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Daran sollte ich mich aber vermutlich gewöhnen. In Bangkok wird es vermutlich noch enger. Jedenfalls bin ich dann schnell wieder abgezogen, an den Markt, auf den mich der Hotelmanager beim Einchecken hingewiesen hatte. Und da ist meine Stimmung endgültig in den Keller gesackt (die Sache mit dem Taxi hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert, dafür habe ich noch einen weiteren Tag gebracht). Ich bin an einem Markt in Thailand und es wird NUR DEUTSCH GESPROCHEN!!! Alle möglichen Dialekte unserer 3 Länder, aber eben halt nur deutsch rund um mich herum. Und sooooo viele Schilder in deutscher Sprache! Ich dachte echt, ich bin im falschen Film! Getopt worden wäre das nur noch, wenn mich einer der Verkäufer auch noch auf deutsch angesprochen hätte – vermutlich hätte ich dann die Flucht ergriffen!

Wie man doch aneinander vorbeireden kann, ohne es zu merken. Khao Lak wurde mir in den höchsten Tönen angepriesen und ich find’s einfach nur grauenhaft. Jedes Gespräch am Nachbartisch versteht man, aus dem Radio spricht Marcel Koller im Radio Vorarlberg und das Special of the month ist „Züri Gschnätzleds“ ???  Eine Woche früher war ich genau davor noch geflohen und nun bin ich mitten drin gelandet! Was für eine Sauerei!!!

Eigentlich ist der Schweizer doch nicht so „ballungslustig“. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass es irgendwo auf der Welt ein little Switzerland gibt, gebildet von den damals geflüchteten…. pardon, ausgewanderten Schweizern, analog den little Italys oder Chinatowns – eigentlich schade irgendwie, wäre doch noch spannend, sich heute in NY eine derartige „Sehenswürdigkeit“ anzuschauen. ? Aber der Schweizer ist dazu viel zu anpassungssüchtig. Oder war es zumindest früher einmal. Heute scheint er sich tatsächlich pudelwohl zu fühlen unter seinesgleichen und sich alles Bekannte und Vertraute von zu Hause mitzunehmen, damit er auch ja auf nichts verzichten muss.

Ja, der erste Abend hier lag einige Stockwerke tiefer als der Morgen des gleichen Tages. Aber der Vorteil ist, wenn man ganz unten angekommen ist, kann es nur noch aufwärts gehen….?

 

Phuket, THA – Abschied

Gestern war es soweit, meine Zeit in Kamala ging zu Ende. Es war eine Vernunftentscheidung, die natürlich bereits einige Tage vorher gefallen war. Und wie beim Friseur-Termin hielt ich das damals für eine gute Sache. Als der Zeitpunkt dann aber gekommen war, war die Überzeugung nicht mehr so stark. Einerseits deshalb, weil es einfach verdammt einfach gewesen wäre, noch länger am bekannten Ort zu bleiben, andererseits war es aber auch die letzten Tage noch etwas perfekter geworden und ich ahnte bereits, dass der neue Schritt eher abwärts führen würde, noch besser geht ja fast nicht mehr!

Angefangen hat es damit, dass die Klimaanlage in meinem Zimmer ausgefallen ist und sich nicht so einfach reparieren liess. Und ich muss gestehen, so ganz ohne Klimaanlage wird es auf Dauer doch etwas ungemütlich…. Ich wurde deshalb umquartiert in eine Suite. Vorerst nur für eine Nacht. Das war nicht sooo toll, da ich natürlich nur das Notwendigste gezügelt habe und mich zu Beginn nicht voll und ganz auf das neue Heim einlassen wollte – zweigeteilt auf 2 Zimmer ist nicht so das Wahre. Am nächsten Tag hatte ich jedoch erfahren, dass sich die Reparatur wohl doch länger hinziehen wird und ich deshalb bis zum Ende meines Aufenthalts in dieser Suite bleiben durfte. Nun hatte ich auch noch Zugang zu einer ziemlich perfekten Küche, was das fehlende Restaurant eliminierte. In diesem Zimmer hätte es sich wirklich perfekt leben lassen. Der einzige Nachteil, ich war nun „über den Wolken“ und damit ziemlich abgeschieden von allen anderen. Und ich musste mir meine private Terrasse zeitweise mit einer riesigen Spinne teilen – wir haben uns nicht angefreundet, aber letztlich geduldet, da sie sich anständigerweise auf ihre Ecke beschränkt hat.

Sie war wohl mit ein Grund, dass ich nun mehr Zeit im allgemeinen Bereich verbracht habe, sie und die moderne Kaffeemaschine, die dort zur allgemeinen Verfügung stand und einen wirklich exzellenten Kaffee macht. Zu dieser Zeit habe ich dann auch plötzlich ganz viel Kontakt zu den anderen Gästen geknüpft. Ich mag dieses Timing nicht hinterfragen, ob es nun an den neuen Gästen, an mir oder an beidem lag, ist eigentlich egal. Auf jeden Fall wurde es dadurch lebendiger, lustiger, unterhaltsamer.

Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so viel französisch gesprochen habe wie die letzten Tage und dies, obwohl mir zuerst einmal immer nur die englischen Worte eingefallen sind…. relativ anstrengendes Unterfangen, aber eben auch lustig. Der grösste Witz dabei ist, dass ausgerechnet ich letztlich zur Übersetzerin für alle wurde. Das französische Paar konnte kaum englisch, die Hotelbesitzerin und das deutsche Paar wiederum kein französisch…. Trotz meinem Spass am Spiel mit der deutschen Sprache hatte ich mich eigentlich immer für sprachlich ziemlich unbegabt gehalten. Dass nun ausgerechnet ich in die Bresche gesprungen bin, ist daher ein ganz neuer Zug an mir. Nun, wer hat vor meiner Abreise nicht gesagt, es werde ein Trip zu mir selber ?, was nun aber bestimmt nicht bedeuten soll, dass ich mich zukünftig, nach meiner Rückkehr, als Simultan-Übersetzerin sehe! Wir wollen’s mal nicht übertreiben, meine Französischkenntnisse sind nach wie vor grauenhaft.

Am letzten Abend wurde ich dann auch noch bekocht von meinen Gastgebern. Ich muss gestehen, dass ich so etwas – im Hinblick auf meine Verdauung – unter normalen Umständen hier nie gegessen hätte (bekocht trifft es nicht ganz), doch ich konnte unmöglich ablehnen! So habe ich mir gesagt, dass etwas, das mit so vielen positiven Gefühlen daherkommt, nicht zu negativen Auswirkungen führen kann und meinen Magen mit dem gefüllt, was mir geboten wurde. Mal sehen, was dabei herauskommt… Bis anhin rebelliert noch nichts. ?

Ich gebe zu, dass ich mich in diesen Tagen immer wieder mal gefragt habe, ob ich beim Erhalt der Rechnung wohl mein blaues Wunder erleben würde, nach all diesen Extradiensten, die mir zuteil geworden sind – so war es dann auch, allerdings „upside down“. Mich hat’s beinahe vom Stuhl gehauen, als mir die Hoteleignerin die Rechnung unter die Nase gehalten hat!!! Da war nur der Zimmerpreis enthalten, kein Frühstück, kein Shuttle-Service, keine Minibar…..!! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Wie geht man denn mit so einer Situation um?

Wenn’s am Schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Ich glaube, das habe ich ziemlich gut getroffen….?

 

Phuket, Thailand – der Anfang

Ich hätte eher schreiben sollen. Mittlerweile hat sich bereits so etwas wie Alltag eingestellt…. mal sehen, was die Erinnerungen zum „Anfang“ noch hergeben.

Der Start sollte – nachdem es mittlerweile Herbst geworden war und Berlin genauso ungemütlich wie Zürich – Thailand sein. Wo genau hat der Flugpreis entschieden und so bin ich in Phuket gelandet. Die Ankunft war in etwa so unangenehm wie damals in Indien. Einerseits hatte ich 20h Reise hinter mir – und das nach einer bereits kurzen Nacht, Packen ist einfach wirklich nicht mein Ding! – und war entsprechend müde, vor allem aber wurde es beim Verlassen des Fingerdocks verdammt schnell verdammt unangenehm feuchtwarm und ich noch immer eingepackt in zwei Jacken. Und dann die Immigration! Kurzes Déjà-Vu an die USA, ellenlange Schlangen. Allerdings haben die thailändischen Beamten ein Lächeln auf dem Gesicht und versuchen die Situation aufzulockern mit ihren Sprüchen – Déjà-Vu damit rasch wieder vorbei!

Endlich im Taxi hatte ich noch eine stündige Fahrt vor mir und obwohl früher Abend, war es natürlich bereits stockdunkel. Also nach wie vor keinen Plan was wie wo ich da gelandet bin. Das Hotelzimmer war schliesslich der erste Aufsteller: grosszügig, neu, hell, SEHR SAUBER (der Preis hätte das alles nicht unbedingt vermuten lassen – da lob ich mir die Bewertungen von Booking.com!) und mit einem eigenen Balkon, auf dem man rauchen darf. 🙂 Nach einem kleinen Kampf mit meinem Rucksack bzw. dem Finden der notwendigen Utensilien darin, bin ich schliesslich ins Bett gefallen, für meine Verhältnisse ungemein früh, egal nach welcher Zeit.

Am nächsten Tag durfte ich dann feststellen, dass die Verpflegung etwas schwierig werden würde. Das Hotel hat kein Restaurant und auch keinen Shop um die Ecke und der Weg in den nächsten Ort ist ohne eigenes Verkehrsmittel etwas schwierig. Dafür habe ich die Vorteile des Alleinreisens erkannt 🙂 Einerseits sind die Menschen davon mächtig beeindruckt, vor allem aber wird man von allen Seiten bemuttert. So hat mich an diesem ersten Tag quasi ein chinesisches Paar „adoptiert“ (Taxi-Dienst) und seither haben die Hotelbetreiber diesen „Job“ übernommen. So erhalte ich mein Frühstück nachmittags um 2 – kann nicht sagen, dass ich Jetlag-Probleme habe, im Gegenteil, bin bereits wieder in meinem normalen Schlafrhythmus! – werde jederzeit chauffiert (ohne Kostenfolgen), man hat mir sogar angeboten, für mich einzukaufen und als das Housekeeping heut vergessen hat, die üblichen 2 Wasserflaschen aufzufüllen, habe ich auf meine Nachfrage gleich 9 derselben erhalten – verdursten werde ich hier definitiv nicht!

Tags darauf hatte der Serien-Junkie dann seinen Schock. VPN wollte nicht, wie es sollte und ich war noch nicht bereit, soweit loszulassen! Wieso auch, abgesehen vom Klima hatte sich ja kaum etwas geändert – so kommt’s mir zumindest vor. Dass mein Heim auf ein Zimmer geschrumpft ist und ich ständig englisch spreche, fällt kaum auf. Doch wozu hat man einen IT-Spezialisten in der Familie? Dank Dir mein Bruderherz! Auch wenn davon einige vielleicht nicht so begeistert sind, Du hast mein Heimweh eliminiert. 🙂

Fühle mich entsprechend wie zu Hause wohlig eingepackt in Watte und das auch noch bei knapp 30 Grad… Mal sehen, wann ich mich der ersten Herausforderung zu stellen habe. Mit Kamala Beach habe ich es zudem nicht schlecht getroffen. Der Ort ist relativ klein, der Strand meist leer, wie auch (noch?) die Restaurants und die Händler massiv weniger aggressiv als in Indien. So habe ich meinen Aufenthalt von ursprünglich 3 geplanten Nächten verlängert und werde noch ein paar Tage hier bleiben…. Grad forcieren muss ich die Herausforderungen ja schliesslich auch nicht. Mit Sicherheit kommen die ganz von alleine früher oder später und sei es nur, dass ich mich von „meinen Adoptiveltern“ irgendwann eingeengt fühle….