Kuala Lumpur, MYS – Von Ratten und Affen

Ein Bekannter sagte mir, Kuala Lumpur sei wie Singapur, nur viel günstiger…. Ich kann es nicht beurteilen, da ich Singapur nicht kenne und auch nicht beabsichtige, dort hin zu reisen – zu teuer!? Sicherlich ist Singapur gehobener, auf jeden Fall viel sauberer, was man so hört und eben halt luxuriöser, man nennt es ja nicht umsonst die Schweiz Asiens. Davon kann ich in Kuala Lumpur nicht wirklich viel entdecken. Vielleicht müsste man sagen, Kuala Lumpur ist wie Singapur, nur günstiger, schmutziger und noch weniger schweizerisch…. wenn sie hier auch auf das Prädikat „swiss“ stehen. Immerhin eine multikulti Gesellschaft haben sie hier auch und das noch viel offensichtlicher als in der Schweiz (nach meinem Empfinden). Was mich zudem ein wenig an Zürich erinnert hat, sind die vielen Baustellen! Kuala Lumpur scheint eine einzige riesig grosse Baustelle zu sein! Ständig braucht es Fantasie und Durchhaltevermögen, wenn man seinen Weg finden will und so manche Sehenswürdigkeit ist auch gerade in Renovation. So ist es nicht immer einfach, sich zu orientieren, die Bushaltestelle zu finden, die gerade versetzt liegt oder den Eingang, der momentan durch einen provisorischen ersetzt wurde.

Noble Appartementhäuser schiessen hier nur so aus dem Boden

Eine Monsterbaustelle zwischen KLCC und Bukit Bintang (Touriviertel)

Eine der zig Baustellen für die Erweiterung der LRT (U-Bahn)

Zu Beginn habe ich KL als extrem schmutzige Stadt kennengelernt, was sicherlich auch meinem ersten „Wohnort“ geschuldet ist (Chinatown); und vor allem als eine Stadt voller Ratten. Noch nie habe ich so oft und so viele Ratten gesehen wie hier. Eine wollte mich sogar anknabbern! Kein Scherz, wobei ich  zugeben muss, dass ich das beissende Vieh nicht wirklich gesehen habe, dass es eine Ratte war, ist von daher nur eine Annahme, doch was sollte es sonst gewesen sein. Zudem hatte ich kurz davor noch eine gesehen, meine Füsse waren dann aber zu sehr im Dunkeln und wer rechnet schon mit so etwas? Abgesehen vom ersten Schreck ist nichts weiter passiert, der „Biss“ hat nicht einmal Spuren hinterlassen. Zum Glück, ich war nicht sonderlich scharf darauf, mich schon wieder mit asiatischen Ärzten oder Spitälern auseinanderzusetzen.

Bei diesen Massen wäre es ein Leichtes gewesen, die Ratten zu fotografieren, nicht selten hätte ich auch mehr als eine oder zwei aufs gleiche Foto gebracht. Doch aus vermutlich nachvollziehbaren Gründen habe ich das gelassen – wer will denn Fotos von Ratten….? Ab und zu verirren sich die Viecher auch an Orte, an die sie definitiv nicht hingehören, wie bspw. die Lobby des Hotels oder die Toilette eines Restaurants, was schnell – wenn auch nicht immer gerechtfertigt – zu einem schmuddeligen Eindruck führt. Man darf hier wohl von einer Rattenplage sprechen, was auch kein Wunder ist, liegen die Abfälle doch grösstenteils einfach auf dem Boden. Nicht so, wie am Morgen nach dem Zürifäscht überall verteilt, sondern zusammengehäuft an Strassenecken oder in der Nähe von Strassenständen, aber halt auf dem Boden und nicht in Containern. Solche habe ich hier auch noch keine gesehen, komischerweise. Es gibt öffentliche Abfallkübel, jedoch zu wenige und je nach Ort werden diese auch regelmässig geleert, nicht aber in Chinatown, dort sind sie meist schon im Laufe des Nachmittags überfüllt, die Leerung bzw. Räumung erfolgt jedoch erst am frühen Morgen darauf und so liegt der Abfall halt stundenlang auf dem Boden herum – ein wahres Fest für die Nagetierchen.

Viel später entdeckt und interessanterweise in einer eher noblen Gegend, auf dem Weg zu meinem Hotel, gibt es eine Art „Homeless-Camp“. Tagsüber ist nichts zu erkennen, aber nachts „hausieren“ da ganze Familien und ich meine jetzt Menschen. Aber wo wir beim Thema Ratten sind, von denen gibt es hier ebenfalls viele. Man kann auch zusehen, wie sie teilweise über die schlafenden Menschen flitzen. In KL, wie auch an anderen Orten in Asien, sieht man beinahe überall vereinzelte Homeless, die in irgendeiner geschützten Ecke schlafen, grad die gedeckten Trottoirs in Malaysia bieten sich hierfür quasi direkt an. Doch diese Anballung ist wirklich aussergewöhnlich, wie ein kleiner „Slum-Ausschnitt“. Und es verwundert doch sehr, dass sich dieser „little Slum“ ausgerechnet zwischen modernen und edlen Geschäftshäusern und 4-⭐️Hotels ausgebreitet hat. Mein Hotel hat denn auch mit entsprechenden Gäste-Reviews zu kämpfen und ich mag auch nicht so recht daran glauben, dass die noblen Firmen hier (u. a. eine weltweit bekannte Beratungs- und Revisisionsgesellschaft – ausgerechnet!) auf Wohltätigkeit machen. Wäre entsprechend interessant zu wissen, welche Gründe hinter dieser Situation stehen.

Man hat das Gefühl, man sieht direkt in die Wohnungen dieser Menschen, die essen da auf dem Boden, sitzen zusammen und diskutieren, die Kinder spielen, zu späterer Stunde wird geschlafen…. grad eben so wie wir zu Hause, nur der TV fehlt (und die 4 Wände), Musik gibt es jedoch. Und es sind wirklich viele für die doch eher kleine Fläche. Sobald es dunkel wird, beginnen sie sich anzusammeln. Wenn ich dann am Mittag dort vorbeigehe, ist jedoch nichts mehr zu sehen, abgesehen von ein paar dünnen Matten, die teilweise bei den verschlossenen Eingängen (der Gebäude) hinter die Sicherheitsgitter gezwängt sind.

An einem Abend auf meinem Rückweg zum Hotel, so gegen 22 Uhr, war die besagte kleine Fläche komplett überfüllt mit Massen an Menschen, als ob es etwas gratis geben würde. Und tatsächlich, bei näherem Hinsehen konnte ich diverse Zahnarztstühle und Menschen mit Mundschutz erkennen. Die Situation erinnerte mich an eine Doku, die ich im Zusammenhang mit Obamacare zu den USA gesehen habe. Dort finden ähnliche Anlässe in Turnhallen statt, wo Ärzte aller Spezialisierungen aus Wohltätigkeit Patienten gratis behandeln, weil sich diese keine ärztliche Behandlung leisten können. Ich weiss es natürlich nicht genau, aber in Anbetracht der vielen Menschen an diesem Homeless-Platz nehme ich an, dass es sich dort um eine ähnliche Veranstaltung gehandelt hat. Ob es wohl derartige „Veranstaltungen“ in der Schweiz auch bald gibt, wenn sich der Normalbürger die Krankenkassenprämien nicht mehr leisten kann?

Eine scheinbar spezielle Eigenart von Malaysia sind die gedeckten Trottoirs. Entgegen anderer asiatischer Orte sind sie schon einmal nur selten mit Mopeds vollgestellt, was daran liegen mag, dass es von denen hier gar nicht (mehr?) so viele gibt. Man merkt an Vielem, dass die Malayen wirtschaftlich besser stehen als andere asiatische Länder, die Mopeds, welche vermehrt durch Autos ersetzt wurden, sind eines dieser Merkmale. Um aber auf die Trottoirs zurückzukommen, sie machen sehr oft den Eindruck eines Fortsatzes der angrenzenden Gebäude oder vielleicht müsste man sagen, beinahe alle Gebäude sind von einer Art Atrium-Allee umgeben. Ganz zu Beginn war ich mir nicht einmal sicher, ob es sich hierbei um öffentliche Wege handelt….? Das hat den Vorteil, dass man bei Regen oft geschützt ist. Andererseits sind die Böden dort meist mit Platten belegt, die sehr rutschig werden, wenn sie nass sind (was sie bei den Massen an Regen hier trotz Dach werden). So auch bereits auf Penang erlebt.

Ein freistehendes Trottoirdach (mit integrierter Bushaltestelle ?)

Und die moderne Fassung davon (ohne Bushaltestelle ?)

Sowie die genannten „Alleen“ um die Gebäude, hier in modern

und alt – meist gibt es hier auch noch ein anschliessendes ungedecktes Trottoir, daher auch meine Ungewissheit, ob der gedeckte Teil auch öffentlich ist

Neu und inklusive Windpropeller, weil es ja so heiss ist in Kuala Lumpur….

Eine erstaunlich gute Sache hier sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Zu Beginn sind sie etwas schwierig zu „entwirren“, weil sie so einige verschiedene Arten davon haben und jede einzelen besitzt auch noch verschiedene Namen (so nennt sich bspw. die red-line LRT gleichzeitig auch nach deren Endstation). Neben Bus und Zug, wie wir sie kennen, existieren auch eine Monorail-Bahn, die Komuter-Züge und die U-Bahn (auch LRT genannt), die allerdings nur selten unterirdisch verläuft und es hat ebenfalls ein Weilchen gedauert, bis ich herausgefunden hatte, dass mit dem Public Transport of Klang Valley die Stadt Kuala Lumpur (und ihre Aglos) gemeint sind…. Und wie auch in Bangkok könnten sich unsere Verkehrsbetriebe bei den hiesigen Ticketautomaten noch ein paar Scheiben abschneiden! Das Beste aber ist, die scheinen nie überfüllt zu sein! War es in Bangkok nicht gar so lustig, mit Gepäck in den ÖV unterwegs zu sein, war das hier bis anhin noch nie ein Problem!

Es gibt zudem einen Gratisbus. Eigentlich gedacht für die Touristen, wird er natürlich auch von den Einheimischen rege benutzt und der war doch des öfteren ziemlich voll gestopft. Für Busse gilt das noch oft. Es kommt mir auch so vor, als ob die Einheimischen (noch?) stark auf die Busse fixiert sind und die U-Bahn eher für Expats und Touristen erstellt wurde. Einige Strecken sind auch noch im Bau (ein Grund für die Baustelle „Kuala Lumpur“), möglicherweise gibt es die U-Bahn also noch gar nicht so lange und die Einheimischen haben sich noch nicht darauf umgestellt oder aber sie gehen einfach sehr ungern zu Fuss (die Distanzen zwischen den Bushaltestellen sind geringer als diejenigen zwischen den Bahnhöfen…. dafür ist die U-Bahn unabhängig vom Verkehrschaos).

Neben den beinahe allgegenwärtigen Ratten, finden sich an strategisch cleveren Plätzen auch Horden von Affen – man findet tatsächlich Gemeinsamkeiten zu den Menschen, denn auch die Affen sind gierig und auf Effizienz aus. Das ist mir bereits in Indien und in Kambodscha aufgefallen, sie halten sich nicht selten bei Sehenswürdigkeiten auf, da wo viele Menschen mit Geld sind, die die Affen nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern eine wahre Freude an ihnen haben und sie nur allzu gerne füttern und fotografieren. In Kambodscha waren selbst die Tuk Tuk-Fahrer darauf getrimmt und haben immer brav angehalten, wenn sich irgendwo (grösstenteils in Ankor Wat) eine Affenfamilie tummelte. In Malaysia sind sie mir erstmals in den Batu Caves begegnet. Ein Ort, an den sie auch hinpassen. Es handelt sich dabei um Kalksteinhöhlen, die mehrere Hindu-Tempel beherbergen. Sie liegen etwa 15km nördlich von Kuala Lumpur.

Bereits nach dem Verlassen des Bahnhofs Batu Caves erblickt man die riesige grüne Statue, die quasi den Anfang der Batu Caves bestimmt. Der Weg bis zum grossen Platz vor den 273 Treppenstufen, die zu den Höhlen hinaufführen, ist gesäumt von hohen Kalksteinfelsen, an denen die Affen herumturnen und zu deren Füssen ein erster Hindu-Tempel liegt, gefolgt von einem kleinen Zoo. Anschliessend öffnet sich der grosse Platz, mehr oder weniger bevölkert von Menschen und Tauben. Dieser ist umzäunt von einem weiteren Hindu-Tempel, der Treppe zu den Höhlen, Car-Parkplätzen und anschliessenden Strassen sowie an der 4. Seite ein paar Restaurants und den üblichen Ständen mit Souvenirs.

Ein Grossteil der gesamten Anlage ist frei zugänglich, wie es Tempel (im Gegensatz zu westlichen Kirchen) nun mal sind. Zum Schutz von Flora und Fauna dürfen die weniger hohen, sich aber über 2km erstreckenden Dark Caves nur mit Guide (und gegen Bezahlung) begangen werden. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Höhlen, wie man sich solche auch vorstellt, dunkel, feucht und voller seltener Tierarten, die allerdings nicht wirklich von mir gesehen werden mussten. Ich war nicht drin. Ich hab’s nicht so mit Hindu-Tempel und noch feuchter und müffliger musste nicht sein. Die eigentlichen Batu Caves sind ein paar wenige, aber riesige Höhlen, die allerdings nicht vollkommen geschlossen sind. Die auf den Fotos erkennbaren Lampen sind wohl hauptsächlich für nachts gedacht, denn es fällt genug Tageslicht in die Höhlen. Des weiteren führen mehrere Treppen durch diese Höhlen, so dass man auch von oberhalb derselben einen nennenswerten Ausblick hat. Am Meisten imponiert aber natürlich der Blick abgewendet von den Höhlen, am oberen Ende der 273 Stufen, von wo man über die ganze Gegend um die Caves herum blicken kann.

Welcome to Batu Caves…

Der Tempel unterhalb der Höhlen, auf dem Weg zwischen Bahnhof und Treppenaufgang

Danach folgt der Zoo

Man könnte fast meinen, es gibt mehr Fische als Wasser…. Neben den Affen und den Tauben auf dem Platz noch so eine Hordenansammlung an Tieren….

Und schliesslich der Aufgang zu den Höhlen, davor ein riesiger Platz, den es wohl vor allem am Thaipusam-Festival braucht, wenn Massen an gläubigen Hindus und Zuschauern die Batu Caves bevölkern (zum Thaipusam-Festival siehe späterer Bericht)

Links neben der Treppe der grosse Hindu-Tempel

Der Tempel von aussen

Schliesslich die Treppe mit den 273 Sufen, besetzt von Affenhorden

Innerhalb der Höhlen….

Treppe rauf, Treppe runter, Treppe rauf…. durch die verschiedenen Höhlen, die zwischendurch auch nach oben offen sind

Kleiner Tempel innerhalb der Höhle

Der Ausblick vom Eingang der Haupthöhle

Und der erwähnte grosse Platz

Der meines Erachtens grösste Hindu-Tempel hier, unterhalb der Höhlen, neben dem grossen Platz, diesmal Einblicke zum Inneren des Tempels

Auf dem Dach des Tempels

Wie schon in Little India auf Penang oder auch später in KL fühlt man sich hier in den Batu Caves nach Indien versetzt, nur schon der Geruch in diesen Tempeln…. eine ganz eigene Mischung, die meine Nase nicht sonderlich mag. Die Tempel hier sind allerdings anders als in Indien. Vielleicht liegt es daran, dass diese hier moderner sind oder vielleicht ist es auch der malayische Einfluss? Sie wirken jedenfalls eher wie eine Mischung aus buddhistischen und indischen Hindu-Tempeln.

Und schliesslich die Affen. Das müssen eine Menge „Familien“ gewesen sein, sie waren überall, riesige Horden und teilweise ziemlich frech. Die liessen sich nicht füttern, die fütterten sich selber….

Hier auf dem Weg zu den Dark Caves

Mutter und Kind

Eine weitere Affenansammlung findet sich auf dem Weg zum KL Tower – eine willkommene Pause des Aufstiegs (der KL Tower steht auf einem Hügel mitten in der Stadt)

Die Anlehnung an Steinbecks Romantitel ist bewusst, wenn auch nicht inhaltlich gedacht, obwohl man sich hier in Asien in gewissen Bereichen manchmal um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt fühlt (so gibt es bspw. so einige Parallelen zur Depression der 30er-Jahre in den USA….) und gerade die Tempel sicherlich ein passendes Symbol für die Suche oder den Traum der Menschen nach dem/vom Glück darstellen. Und auch wenn der Inhalt des Romans zeitlos ist und uns in seinen Grundzügen auch heute noch überall begegnet, so kam mir die Idee zum Titel doch in erster Linie einfach aufgrund der ständigen Konfrontation mit den genannten Tierchen. Und mir gefiel die Aussage, die sich durch den Austausch der Substantive ergibt, wobei jedem selber überlassen sei,  welche Interpretation er/sie daraus zieht….?

 

George Town (Penang), MYS – Ökologie, Religion und Fakelaki

Malaysia hat mich zu einem Starbucks-Stammgast werden lassen. Das liegt hauptsächlich an KL’s Chinatown und einer Täuschung. Die „Restaurants“ in Chinatown/KL bieten kein free wifi und so bin ich bereits dort oft auf Starbucks ausgewichen. In George Town angekommen, hab‘ ich’s wohl einfach blöd getroffen, als meine ersten 3 Gaststätten-Versuche die Frage nach free wifi ebenfalls verneinten. Ich kam zum Schluss, dass dies in Malaysia offenbar nicht so verbreitet sei. Mittlerweile weiss ich, dass das nicht unbedingt korrekt ist, doch ich habe mich an Starbucks gewöhnt, der Kaffee ist hier immer gut, die Preise – man staune als Schweizer! – günstig, wifi meist recht passabel und sie haben Aussensitzplätze, die ich der „freezing world inside“ eindeutig vorziehe. Überraschenderweise recht schnell hat sich mein Gesicht hier durchgesetzt, was dazu führte, dass meine Bestellung bereits aufgegeben wurde, wenn ich erst im Anmarsch war. Nicht selten stand mein Latte Venti schon abholbereit, bevor ich überhaupt dazu gekommen war zu bezahlen! ?

Die Malayen scheinen sich von der Erfindung der A/C noch nicht erholt zu haben – jedenfalls übertreiben sie es nach europäischem Empfinden masslos. Nur schon das Vorbeigehen in einigen Metern Abstand an einer Mall, deren Tür sich gerade geöffnet hat, lässt die Schweisstropfen kristallisieren! Vermutlich eine ähnliche Erfahrung, wie wenn man in Dubai eine der Skifahr-Hallen betritt… Ein deutscher Austauschstudent hat mir erzählt, dass er für die Uni immer einen Pullover dabei hatte. Er sei allerdings der Einzige gewesen! Es ist uns beiden unverständlich, dass die Malayen sich in dieser Kälte wohlfühlen. Genauso, wie es ihnen unverständlich ist, dass ich lieber draussen sitze. Sie stöhnen immer über die unerträgliche Hitze und fragen mich im Laufe meines Restaurant-Aufenthalts mehrfach, ob ich nicht doch lieber drinnen sitzen wolle. Dabei ist es gar nicht wirklich heiss, solange man nicht gerade in der prallen Sonne herumsteht! Mich zumindest nerven sogar die Wind-Ventilatoren, die auch draussen unermüdlich zum Einsatz kommen. Aus meiner Sicht auch so etwas, wo man schmerzfrei und leicht eine Menge Energie sparen könnte. Zugegebenermassen sollten wir damit allerdings zuerst bei uns anfangen, bevor wir der 2. und 3. Welt diesbezüglich Vorschriften machen! Dennoch ärgert es mich hier in Asien immer wieder masslos, wenn ein Auto (oder sogar ein Moped und hier fehlt mir das Verständnis definitiv) minutenlang einsam und allein, sprich ohne Insassen auf weiter Flur, vor sich hin motorlet. Ich nehme an, dies ist auch der Klimaanlage geschuldet, die Kühlung soll ja nicht unterbrochen werden (was bei einem Moped allerdings keine Begründung sein kann). Ich finde das nicht nur masslos übertrieben, sondern vor allem auch ziemlich nervig. Diese Beschallung ist nun wirklich nicht gerade Musik in meinen Ohren. Da kann ich doch sogar einen gewissen Sinn an den Benzinsteuern erkennen!

Malaysias Staatsreligion ist der Islam, was für mich soweit nichts Neues war. Dass hierzu allerdings quasi ein Zwang (oder ein Geburtsrecht, je nach Sichtweise) besteht, hat mich doch überrascht und vor allem auch irritiert…..:

Bis weit in die 1970er Jahre galten viele muslimische Malaien als liberal. Mit der Dakwah, einer islamischen Erweckungsbewegung, setzte jedoch eine Islamisierungswelle ein (ausgelöst durch verschiedene ethnische und soziale Konflikte), so dass Malaysia heute orthodox-islamisch ist. Die Malaien, die 50,4 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind praktisch alle Muslime. 

Nach der Verfassung des Landes sind alle ethnischen Malaien von Geburt an automatisch Muslime. Sie können keine Andersgläubigen heiraten. Ein Abfall vom Islam wird höchst ungern gesehen und ist in der Praxis nur schwer möglich. Hierzu ist zunächst ein „Borang Keluar Islam“ (Formular zum Austritt aus dem Islam) auszufüllen. Anschließend muss circa zwei Jahre bewiesen werden, dass man nicht doch noch zum Islam bekehrt werden kann, beispielsweise in „Umerziehungszentren“, wo Austrittswillige festgehalten werden. Letztlich muss ein Sharia-Gericht über den Austritt entscheiden – die in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit besteht nur theoretisch. [Wikipedia]

Deshalb gibt es auch keine schwulen Malayen…. Schwulsein ist im Islam bekanntlich nicht möglich (in Malaysia auch strafbar) und konvertieren geht auch nicht…. saublöde Pattsituation – habe dazu eine Biographie gelesen. Der arme Mann hat es mit Konvertieren versucht und ist letztlich aus seiner Heimat geflohen.

Penang ist zwar mehrheitlich chinesisch, dennoch habe ich den Muezzin hier zum ersten Mal wahrgenommen. Dabei habe ich überrascht festgestellt, dass diese nicht immer das Gleiche erzählen. Nicht, dass ich auch nur ein Wort davon verstanden hätte, aber es fällt auf, dass die Länge der Gebete sehr unterschiedlich ausfällt und damit meine ich nicht zu unterschiedlichen Tageszeiten, sondern unterschiedliche Moscheen. Neben einem der Starbucks findet sich auch eine Moschee. Wann immer sich dieser Muezzin hier meldete, es dauerte keine 5min und es war wieder still. Erst habe ich mich gefragt, ob das damit zusammenhängt, dass gleich neben dieser Moschee eine Art Marktplatz liegt, der so ab abends um 17 Uhr, wenn die Stände langsam öffnen, laut beschallt wird mit meist westlicher Musik. Doch auch wenn die Musiklautsprecher tagsüber ruhig sind, bleibt das Gebet kurz. Nebenbei erwähnt, eine wirklich kuriose Kombination, wenn der Muezzin zusammen mit Abba oder Take That spricht. Vom Hotel her hörte ich jedoch einen anderen Muezzin (zumindest kam’s von einer anderen Moschee) und das dauerte doch einiges länger. Würde mich echt interessieren, was die Unterschiede sind und worin sie sich begründen.

4-spurig und komplett leer…. (ausser in der Rushhour), ein bis zwei Spuren werden daher meist als Parkplatz für Busse genutzt


Das liebe Geld – wo auf der Welt dreht sich nicht alles darum? Vielleicht bei einigen noch ziemlich abgeschotteten indigenen Völkern…. Doch bei denen war ich ja nicht und so ist es auch nicht überraschend, dass das zentrale Thema auch auf meinen Reisen in vielen möglichen Formen zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zu Zuhause fand ich Korruption nicht nur in den Zeitungen (zwischen den Zeilen) und in der Logik des gesunden Menschenverstandes, also quasi unterschwellig, im Geheimen und versteckt, sondern auch offen und direkt, ich sass quasi in der ersten Reihe und durfte zusehen, ja sogar miterleben.

Einst bei einem Einkauf in einem Minimarkt. Ich war nicht das erste Mal da, bis anhin gab es jedoch nichts Ausserordentliches zu berichten. Doch das sollte sich ändern. Die Kassiererin begann, meine Waren auf der Kasse einzutippen, hörte jedoch plötzlich damit auf, nahm den Taschenrechner zur Hand und hielt mir diesen schliesslich hin, um mir anzudeuten, dass ich den Betrag gemäss Taschenrechner-Display zu bezahlen hätte, welcher natürlich nicht mit dem Betrag auf der Kasse übereinstimmte. Zuerst war ich ziemlich verwirrt, konnte ich mich doch bis anhin am Betrag an der Kasse orientieren, wofür brauchte es denn jetzt plötzlich einen Taschenrechner? Natürlich hatte ich registriert, dass sie nicht alles getippt hatte und der Betrag auf der Kasse damit nicht stimmte, doch die Logik dieser Vorgehensweise ging mir erst einmal komplett ab. Bis der 20er schliesslich fiel! ? Ob die Kassiererin nun aber den Eigentümer des Ladens betrogen hatte oder sie zur Familie gehörte und hier der Staat betrogen wurde oder es letztlich nur um eine Inventarkorrektur ging, weiss ich natürlich nicht. Ganz sauber war die Sache vermutlich nicht. Im Hinblick auf die Korruption der Regierung (im grossen Stil – ich habe auch malayische (Internet-)Zeitungen gelesen) und die Behandlung der (chinesischen) Minderheiten durch den Staat, konnte ich die Situation aber ganz gut mit meinem Gewissen vereinbaren und habe mit einem Schmunzeln den gewünschten Betrag bezahlt.

Weniger schmunzelnd, eher mit Empörung habe ich einen staatlichen „Kontrollbesuch“ in meinem Hotel  zur Kenntnis genommen. Ich war gerade an der Reception und plauderte ein wenig mit der Angestellten, als 2 komplett verhüllte (naja, fast, das Gesicht war frei) Damen eintrafen. Die Kleidung tut natürlich nichts zur Sache, liess mich allerdings darauf schliessen, dass es zwei malayische (da eben muslimische) Frauen waren. Sie sprachen kurz mit meiner Gesprächspartnerin auf Bahasa, was ich natürlich nicht verstand und gingen danach in den Lift. Die Receptionistin erklärte mir darauf, dass die beiden von einer staatlichen Behörde seien und das Hotel kontrollieren würden. Dann nahm sie zwei kleine Couverts zur Hand, in der Grösse von Geldscheinen und zu meinem Amusement wunderschön verziert – am liebsten hätte ich diese fotografiert! – und gab mir zu verstehen, dass die zwei Staatsangestellten hierfür vorbeigekommen seien. Die Kontrolle dauerte denn auch nicht lange, keine 5min und die zwei standen wieder an der Reception. Wechselten noch ein paar Worte mit der Receptionistin, nahmen die beiden Couverts entgegen, nickten mir freundlich zu und waren wieder weg.

Zelebrierung Fakelaki! Hatte ich das nun also auch einmal erlebt. Am meisten fasziniert hat mich ja, dass da nichts Verstecktes war, keine Scham, keine Heimlichkeiten, das lief ab, wie das Normalste der Welt, ganz selbstbewusst und in vollster Selbstverständlichkeit. Ich unterstelle, dass hierbei auch die Einstellung zur Minderheit mit hineinspielt. Die Chinesen sind in Malaysia ja nur Menschen 2. Klasse, geduldet und haben dankbar dafür zu sein, dass sie ihre Geschäfte in Penang so erfolgreich betreiben können, da ist es nur recht, wenn die Privilegierten davon auch etwas abbekommen. Allerdings weiss ich natürlich nicht, wie es in malayischen Hotels abläuft. Ich weiss noch nicht einmal, ob es solche überhaupt gibt. Die Receptionistin hat nur über die chinesischen Betriebe gesprochen und es war viel Emotion in diesem Gespräch enthalten. Dieser (bei Westlern) noch weit verbreitete Glaube des friedlichen Mit- und Nebeneinanders der Kulturen in Malaysia ist nicht mehr wirklich. Vermutlich geht es hier eher um eine verhasste Abhängigkeit. Was wäre die Schweiz ohne die Ausländer, die die Arbeiten erledigen, die der Schweizer nicht (mehr) tun will? Wo wäre Malaysia ohne die arbeitswütigen Chinesen und ohne deren Investitionen? „Alle Menschen sind gleich“ dürfte in der Malayischen Verfassung nicht verbürgt sein oder dann ist sie ebenso theoretisch wie die Religionsfreiheit.

Ich liess mir natürlich noch weitere Details zur Behördenkontrolle erläutern und erfuhr, dass der Kontrollgang per Mail angekündigt wird. Die Mail beinhaltet auch gleich den erwarteten „Fakilaki-Betrag“, damit es auch ja keine Missverständnisse gibt (diese Schriftlichkeit hat mich doch überrascht). Was ich nicht verstanden habe, ist, wieviele solcher Kontrollen es pro Jahr gibt und ob es unterschiedliche Behörden gibt, die kontrollieren. Auch habe ich nicht nach dem Betrag gefragt, der abgeliefert werden muss.

Ausblick bei Nacht

 

George Town (Penang), MYS – Streetart

 

Je nach Qualität der Wand dahinter und dem Stand der Sonne, sind leider nicht alle Texte zu entziffern – manchmal auch kaum, wenn man direkt davor steht…

Schaukeln sind echt, Kinder gemalt

Auch hier, Basketball und Korb sind echt, die Kinder gemalt

Ein kunstvolles Bänkli

Ein Kunstbaum…..



Der Stuhl ist echt, die Fensterchen auch ?, der Junge ist gemalt

Bruce Lee (bald verschwunden….)



George Town (Penang), MYS – Kleiner Reiseführer

Malaysia war für mich ursprünglich eigentlich nur ein „Visum-Anker“, mehr als Kuala Lumpur und die Petronas Towers wollte ich hier gar nicht sehen, dieses Land hatte ich einfach nicht auf meinem Plan, abgesehen von den guten Flugverbindungen und den unkomplizierten Einreisebestimmungen. Doch wenn man erst einmal in einem Land angekommen ist, „fliegen“ einem die möglichen Destinationen irgendwie nur so zu und so waren Penang, Langkawi und Malakka bereits einige Wochen zuvor in Kuala Lumpur ein Thema… So bin ich von Phuket aus nach Penang geflogen in das beschauliche Städtchen George Town, UNESCO Weltkulturerbe-Stadt, ein Wohlfühlort wie Chiang Mai.

Ursprünglich wollte ich hier etwa 10d bleiben, bis ich herausgefunden hatte, dass im Juni Ferien sind in Malaysia und die Reisemöglichkeiten damit ziemlich überstrapaziert. Dies hat mich denn auch dazu veranlasst, Langkawi fallen zu lassen (was will ich auch an einem zollfreien Ort, gross einkaufen war für mich sowieso nicht angesagt) und ich habe mich schliesslich gleich für einen Monat in Penang niedergelassen, vor allem zum Schreiben. Das hat den Nachteil, dass es schwierig wird, wieder zu gehen, zumindest für mich, die keine Hummeln im Arsch hat und nicht ständig irgend etwas gehen muss. Man wird mit dem Ort vertraut, schafft sich seine Gewohnheiten und Rituale und ist irgendwann richtig eingelebt und fast ein wenig „zu Hause“. Letztlich habe ich lange und immer wieder überlegt, doch noch einmal zu verlängern, selbst als ich den Flug nach KL bereits gebucht hatte (CHF 12 Flugpreis würden sich verschmerzen lassen!). Ich hab’s letztlich gelassen, nur um es, in KL angekommen, zu bereuen….

Zumindest in Ost-Malaysia gehen die Regenmassen im Juni zurück und tatsächlich, bis auf eine Ausnahme, habe ich hier bis anhin kaum Regen gesehen. Hoffentlich hält sich das noch eine Weile. Denn wenn es hier regnet, weisst du echt nicht mehr, ob du dich nun besser schwimmend oder gehend fortbewegst. In KL hat es an meinem Abreisetag auch etwa 3h ziemlich kräftig geschüttet, doch hier wollte es gar nicht mehr aufhören. Nach 6h Dauer-Sturzbächen vom Himmel und langsam auf Mitternacht zugehend, habe ich das Warten auf das Ende des Regens aufgegeben und mich halt durch die Fluten auf den Heimweg gemacht. Trotz Regenschutz und Schirm war ich schon lange nicht mehr so nass. Und der Inhalt meines Rucksacks ist beinahe darin herumgeschwommen. Ausserdem sind die Gehwege hier denkbar schlecht bei Regen, zumindest für Schuhe ohne Profil. Dennoch war ich dankbar, hatte ich nicht meine Sneakers an, da ich trotz grösstenteils überdachter (glitschiger) „Trottoirs“ die meiste Zeit durch knöchelhohes Wasser gewatet bin. Das war jetzt nicht unbedingt eine erstrebenswerte Erfahrung! Zumal die Wege, wie erwähnt, sehr rutschig waren und ich mich fortbewegt habe, als würde ich auf rohen Eiern gehen.

Die Altstadt von George Town wurde in ihrer ursprünglichen Bauweise belassen. Und dieser Teil ist erstaunlich gross. Manche (wenigen) Gebäude vermitteln auch den Eindruck, als seien sie seit ihrer Entstehung nicht mehr saniert worden (was wohl nicht ganz stimmen kann ?), doch viele sind ordentlich herausgeputzt. Man merkt, George Town ist keine arme Stadt. Da wird der UNESCO-Titel nicht ganz unschuldig dran sein. Kommt dazu, dass Penang auch ein Badeferienort ist, nicht nur für die Malayen. Vor allem aber wird das der Industrie und den Chinesen geschuldet sein. Vermutlich waren es damals vor allem die reichen Chinesen, die auswandern (fliehen?) konnten und die Chinesen sind ja ein sehr tüchtiges Volk, da wird gearbeitet bis zum Umfallen. Auch haben es die Behörden Penangs geschafft, viele grosse Konzerne nach Penang zu holen. Es wird hier viel fabriziert, speziell für die Technologie- und Telekommunikationsbranche. Vermutlich kamen diese einst, als das Preisniveau Malaysias noch tiefer war als heute. Dass sie noch immer hier sind, hat mich etwas überrascht. Sicherlich sind die Kosten noch immer tiefer als in der westlichen Welt, aber die Nachbarländer würden noch viel tiefere Kosten bieten. Und zumindest der Malaye ist nicht unbedingt das, was man ein Arbeitstier nennt… In den Hotels (in KL) sind die Angestellten alles mögliche, nur keine Malayen, diese gelten als faul und werden daher nur sehr ungern eingestellt.

Besonders auffallend sind die Verzierungen an den Gebäuden. Kaum eines, egal in welchem Zustand, hat keine. Und wie so oft in Asien gestalten sich die Stadt bzw. die Gebäude ungemein farbenfroh. Es ist wirklich eine Pracht, hier durch die Strassen zu schlendern! Auch diese Altstadt (wie Chiang Mai) ist recht ruhig und friedlich. Der Verkehr hält sich in Grenzen, viele Strassen sind zwar doppelspurig, aber trotzdem Einbahnen, was vermutlich dem hiesigen „System“ geschuldet ist. Es braucht 2 Spuren, damit Autos, Fahrradfahrer und Fussgänger aneinander vorbeikommen zwischen den Häuserzeilen und den meist beidseitig geparkten Autos. Ampeln gibt es nur wenige (in der Altstadt) und noch weniger für Fussgänger und wenn, schalten diese vermutlich nur 3x pro Tag auf grün…. Aber das ist auch gar nicht notwendig, denn die Strassen sind hier entweder leer oder komplett verstopft. In beiden Situationen ist es ein Leichtes, als Fussgänger die Strassen zu überqueren.

Eine dieser farbigen Häuserzeilen

Weniger farbige Häuserzeile ? und doch auch imposant auf ihre Art

Wenn ich nicht irre, die ehemalige Feuerwache

Nein, ich war nicht drin, aber der Name klingt interessant für ein Museum

Und hier die etwas abgefucktere Variante von Gebäuden

Einfach ein wunderschönes Gebäude – da geht einem doch die Sonne auf…

Eine Spezialität (eine der Sehenswürdigkeiten) George Towns ist die Streetart, die einem hier wirklich überall begegnet. Es gibt sogar extra Strassenkarten dafür. Einerseits handelt es sich dabei um Malereien an Häuserwänden oder auch auf den Strassen, andererseits und vor allem aber um Stahlkonstruktionen, die sich oft mit einem Augenzwinkern gewissen Lebenssituationen oder verschiedenen Berufen widmen. Es macht die Stadtbesichtigung denn auch wirklich abwechslungsreicher, besonders, wenn man ohne die zugehörige Karte unterwegs ist und damit immer wieder mal überraschend auf ein solches Kunstwerk trifft. Ich habe es auch schon geschafft, daran vorbeizugehen, doch meist wird man aufmerksam, weil fast immer jemand dran herumsteht und am Fotografieren ist. Und ich muss sagen, sie sind grösstenteils nach meinem Geschmack.

Neben der Streetart und der gesamten (Alt-)Stadt an sich, gibt es auch hier wieder viele Tempel, Kirchen und Moscheen zu besichtigen. Vorherrschend sind hier – etwas überraschend für Malaysia – die chinesischen Tempel, aber es finden sich auch nicht-chinesisch-buddhistische, natürlich eine Menge Moscheen und – und das ist neu, aber normal für Malaysia – hinduistische. Ganz in der Nähe meines Hotels befindet sich „Little India“ und wirklich hat man in diesen paar wenigen Strassenzügen das Gefühl, als sei man nach Indien versetzt. Angefangen bei der Musik, die einem in den Ohren dröhnt, über die – ganz typisch Indien – enorme Auslage an DVD’s, hauptsächlich natürlich aus Bollywood bis hin zu den farbenfrohen Stoffen und Saris, die einem an jeder Ecke entgegenleuchten, in der Auslage oder von Inderinnen getragen. Man vergisst hier, dass man eigentlich gar nicht in Indien ist.

 

Kapitan Keling Moschee, älteste Moschee George Towns – an der kommt man nicht vorbei in George Towns Altstadt, an irgendeiner Ecke davon kommt man immer wieder heraus, sie ist es aber auch wert, wunderschön oder?


Einer der tausend chinesischen Tempel

Der imposante Eingang des Tempels (vgl. Fotos oben)


Nicht alle chinesischen Tempel sind derart „eingeschlossen“ und befinden sich in einer Art Atrium, meist stehen sie nur etwas nach hinten versetzt zur Strasse (und der Vorplatz wird nicht selten als Parkplatz genutzt, siehe unten)

Dieser grüne Tempel hat mich ungemein fasziniert, einerseits wirkt er eher wie ein Wohnhaus, andererseits ist die eine Ecke davon ganz typisch Tempel

Und hier haben wir einen ungemein monströsen Tempel-Bau, mit gepflegtem englischen Rasen (sehr ungewöhnlich!) und eingeschlossen wie eine Villa – vermutlich ein neuerer Kongsi (siehe unteres Foto)

Kuan Yin Temple – Goddess of Mercy-Temple, einer der ältesten Tao-Tempel in Penang (1801)

Little India

Der Sri Mariamman Tempel – damit wir die Hindus auch noch berücksichtigt haben

Das Kapitan Sowieso ist eines der bekanntesten indischen Restaurants in Penang – der Service soll allerdings recht lausig sein….

 

Und dann gibt es noch die Jetty’s, die komischerweise in vielen Reiseführern unerwähnt bleiben. Wenn man so will, eine Art Wohnsiedlung, die auf dem Wasser, entlang dem Ufer gebaut sind. Sie wurden ursprünglich von chinesischen Siedlern zum Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, pro Jetty ein Clan. Noch immer leben Chinesen dort, ob die Clanzugehörigkeit jedoch noch immer ein Bestandteil ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Insbesondere ein Jetty ist sehr touristenfreundlich und auf Besichtigung ausgelegt und entsprechend voller kleiner Shops, die grösstenteils Ramsch verkaufen. Alle Jetty’s scheinen am Eingang, wohl noch auf dem Festland, einen kleinen Tempel zu haben. Da diese Menschen auf dem Wasser wohnen, zahlen sie offenbar bis heute keine Steuern. Vermutlich auch deshalb dauerte es bis zum Ende der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts, dass diese Siedlungen Anschluss an die „modernen Technologien“ (Strom, Wasser) erhielten. Heute scheinen das, wenn auch kleine, doch ansonsten ganz ansprechende, gemütliche Heime zu sein. Es sieht weitgehend gepflegt, sauber und nach in gutem Zustand aus, was nicht unbedingt überall in George Town gilt.

Hauptsteg eines Jetty’s – jeder Hauseingang hat seinen eigenen kleinen Gartenzaun davor; da wir hier nicht beim „Touristen-Jetty“ sind, war ich etwas zurückhaltend mit Fotografieren, beim anderen war’s dann aber kaum möglich, da überdacht, viel enger und voller Menschen (und auch gar nicht so schön ?)

Am Ende des Stegs, Blick auf die See

Das Ende eines anderen Jetty

Am Ende des „Touristen-Jetty“ lädt eine grüne Oase zum Verweilen

Einer der Jetty-Tempel beim Eingang

 

Schliesslich MUSS ich noch das Edelweiss erwähnen, ein schweizer Restaurant, aber so ein richtiges. Das Prädikat „swiss“ scheint in Malaysia einen hohen Stellenwert zu haben, in KL gibt es unzählige Hotels und Geschäfte, in deren Namen sich irgendwo „swiss“ findet, wirklich viel „swiss“ konnte ich dabei jedoch meist nicht erkennen. Doch dieses Restaurant wird von einem Schweizer und seiner einheimischen Frau geführt. Der TA liegt aus, wenn natürlich nur die internationale Ausgabe, die nur aus einem Bund besteht und eigentlich von vorgestern ist. Doch es hat etwas, auf Penang in einer gemütlichen „Beiz“ zu sitzen und den Tagi zu lesen, selbst wenn man das meiste bereits online vor einigen Tagen gelesen hat, irgendwie ein kleines Stück Heimat. Es wird Schweizerdeutsch gesprochen, auch das ganz angenehm und nicht zu vergessen die Speisekarte! Richtig leckere Rösti, Riz Casimir, Wurstkäsesalat und – natürlich – Fondue! Dieses habe ich mir geschenkt, mir hat es vor allem die Rösti angetan. Doch mit Amusement habe ich so einige asiatische Gäste beim Fondueessen beobachtet, sind es die Asiaten doch gewohnt, mehrere „Menues“ zu bestellen und diese in der Mitte des Tisches zu platzieren und jeder nimmt von jedem. So platzierte sich neben dem Fondue für zwei auch noch ein riesiger Teller mit Bratwurst, Sauce und Beilage. Es ist nicht ganz so schlimm wie es klingt, denn auch hier scheint mir die Fondue-Portion für zwei, grad wie in den Zürcher Restaurants, recht klein bemessen (was ich hier allerdings besser nachvollziehen kann als zu Hause!). Auch tun sich die Asiaten etwas schwer mit dem Fondue-Konzept. Der Gastgeber hat mir erzählt, dass sie alles mögliche ins Fondue reinschmeissen, wo man doch eigentlich gar nichts reinschmeissen sollte….?

Vermutlich zeichnet mich dies nun nicht gerade positiv aus, doch ich tu mich je länger je schwerer mit dem Essen in Asien. Es ist mir schleierhaft, was alle mit diesem „leckeren“ Essen haben, meins ist es nicht. Ich fürchte, wenn, dann bitte europäisiertes asiatisches Essen! Ich war so enttäuscht von meiner Tom Kha Gai in Thailand. Ich liebe diese Suppe eigentlich, doch hier werfen sie irgend welches seltsames Gemüse rein, das SEHR hölzern ist und eine Menge Sellerieartiges, dessen Geschmack ich auch zu Hause nicht ausstehen kann – einfach widerlich! Und das ist nur ein Beispiel zu meinen negativen Erfahrungen bezüglich Essensversuchen hier. Es erging mir ja bereits in Indien so. Bevor ich dort war, liebte ich indisches Essen, doch die indische Variante davon war so gar nicht nach meinem Geschmack und das lag nicht nur an der in Asien und Indien üblichen „Komplettverwertung“ eines Tieres. Offensichtlich bin ich bezüglich Nahrungsaufnahme ein totaler schweizer Bünzli! Deshalb war es ungemein wohltuend, endlich wieder einmal etwas richtig Gutes essen zu können!

Nicht wirklich eine malayische, aber für mich recht spezielle persönliche Erfahrung: nach über 25j war ich wieder einmal in einem H&M – scheinbar einer der wenigen Orte, die Shirts verkaufen ohne einen blöden Spruch oder irgend so einem komischen Bild auf der Brust! Ich weiss, ich wiederhole mich, aber ich find’s einfach unfassbar, dass solche so schwer zu finden sind! Wer will denn angeschrieben oder markiert heumwandern? Ich weiss nicht, ob’s an der Herrenabteilung lag, aber ich musste nicht einmal nach einem XXL suchen…. oder gilt das mit den unnatürlichen Minischnitten im H&M nur für BH’s? (Nun ja, möglicherweise ja auch einfach nur ein Relikt aus vergangenen Zeiten, wie gesagt, 25j H&M-Abstinenz.) Wie auch immer, ich habe wieder etwas anzuziehen! ? Vermutlich werden diese T-Shirts zwar kaum lange halten, gerade bei den hiesigen Wäschereien, doch ich habe auch nicht viel bezahlt.

Nach meinem Erfolg mit den T-Shirts bin ich wieder einmal shoppen gegangen – es hat sich aber nichts geändert, ich find’s noch immer unerträglich. Bin denn auch nicht weiter fündig geworden, abgesehen von meinem Shampoo, das ich hier ebenfalls entdecken konnte und das genauso viel kostet wie in der Schweiz (soviel zur überteuerten und hochpreisigen Schweiz!). Aufgefallen ist mir, dass in der neusten Mall hier in George Town mehr Schönheitssalons zu finden sind als Läden oder Restaurants. Neben normalen Friseuren bieten auch Haarspezialisten (nur Pflege) ihre Dienste an, genauso wie diverse Arten von Kosmetikerinnen (Stichwort Gewichtsverlust und Straffen des Körpers ohne Sport). Es scheint, dass die Malayen die Einkaufszentren noch mehr zur „Freizeitbeschäftigung“ umfunktioniert haben als es bei uns der Fall ist (nebenbei, viele Malls in Asien beinhalten auch noch ein Kino). Allerdings muss man auch sagen, dass hier gleich 3 Malls nebeneinander stehen. Und auch wenn Pizza Hut und Starbucks gleich in allen 3 vertreten sind, so kann ich mir vorstellen, dass Verkaufsläden daran dann doch kein Interesse haben und irgendwie muss man die Malls ja füllen.

Offenbar haben die Chinesen ihre eigene Verwaltung, scheint aber letztlich derjenigen von Penang zu unterstehen

Kleines Käfermeeting

Vermutlich ein Überbleibsel der englischen Kolonialherren, der Speaker’s Square

Daneben befinden sich die alte Town Hall und City Hall (aus der engl. Kolonialzeit), die zweite wird noch immer vom Stadtrat genutzt

Hinter den Bäumen schliesst die Uferpromenade an, links stehen die beiden Halls und irgendwo auf diesem Platz befindet sich der Speaker’s Square (oder womöglich IST dieser gesamte Platz der Speaker’s Square?)

An der / Ausblick von der Uferpromenade beim Speaker’s Square

Und noch ein Relikt der englischen Besatzer, der Queen Victoria Memorial Clock Tower, ein Kreisel der besonderen Art (zu ihrem 60. Thronjubiläum erbaut – die englischen Königinnen hatten schon immer einen langen Regierungsatem)

Ein chinesischer Schwarzenbach…

Der Iceball – eine spezielle Erfrischung

Keluar ist Bahasa und bedeutet Ausgang

Fort Cornwallis, hier gingen die Briten einst an Land (Ende 18. Jh.), heute ist es ein Museum mit Freilichtbühne; Bilder kann ich nur von aussen bieten

Der Leuchtturm des Forts

Die Wirtin des Edelweiss‘ hat mich eines Abends darauf aufmerksam gemacht, dass das berühmte Khoo Kongsi Tag der offenen Tür hätte und so konnte ich davon auch noch einen gratis-Blick erhaschen. Es war allerdings kurz vor Schluss.

Khoo Kongsi ist eines der ältesten chinesischen Clanhäuser in Penang und das grösste in Malaysia (Khoo = Familienname, Kongsi = Clanhaus). Die Khoos stammten aus der chinesischen Provinz Hokkien und waren ein reicher Händler-Clan, der China bereits im 16. Jh. verliess und sich im späten 18. Jh. in Penang niederliess. Um 1835 herum war der Clan gross genug, dass der Bau eines Clanhauses möglich wurde. Das Kongsi wurde derart imposant und opulent, dass zeitweise befürchtet wurde, der Kaiser von China könnte sich kompromittiert fühlen. Als ein Grossteil der Gebäude 1894 niederbrannte, sah man dies als Bestätigung. Der Wiederaufbau (und heutige Version) fiel denn auch kleiner aus und wurde 1906 fertiggestellt. Das ursprüngliche Kongsi ähnelte einem Miniatur-Dorf mit eigener Selbstverwaltung sowie Bildungs-, Finanz-, Wohlfahrts-und Sozialverbänden. Während des 2. Weltkriegs wurde das Kongsi zu einem Grossteil durch japanische Bombardierungen zerstört, später jedoch restauriert und wieder aufgebaut, wenn es auch seine Bedeutung im Laufe des letzten Jahrhunderts längst verloren hatte und heute vor allem als Touristenattraktion dient.

Im Innern dominiert ein grosser Platz, der umringt ist von einem 3-stöckigen Tempel, einer Bühne (auf der auch heute noch Vorstellungen gegeben werden) und einem Verbindungshaus für die Clanmitglieder. Weiter beinhaltet der Komplex Wohnhäuser für die Clanmitglieder, wobei ich nicht weiss, ob diese auch heute noch bewohnt sind oder nur als Museum dienen.

Und damit schliesse ich meinen kleinen Reiseführer ab…