Gott ist das anstrengend hier! Auf die indische Art, scheinbar jeder 2. will dir hier irgendetwas verkaufen. An meinem ersten Abend in Hue (Ankunft mit 3h Verspätung, weil der Flug derart verspätet war – resp. ich unterstelle der Airline, dass sie einfach 2 Flüge zusammengelegt hat ?) hat mich ein Mopedfahrer angequatsch und ich dachte erst, er wolle mir eine „Taxifahrt“ verkaufen – das bin ich mir soweit ja bereits gewohnt – dann dachte ich, er wolle eine Zigarette schnorren; dann meinte ich, er wolle einfach einen Zug meiner Zigarette (wohl kaum!)… schliesslich ist er von seinem Moped abgestiegen, hat sich neben mich gestellt und ein riesen Pack Marihuana aus der Tasche gezogen – da hat dann auch Alexandra verstanden! Seither scheint mir, jeder Dritte will mir hier Hasch andrehen. Darauf war ich nicht vorbereitet, das ist eine vollkommen neue Entwicklung. Ansonsten hätten wir natürlich die üblichen Dinge im Angebot, sei es eine Fahrt mit Dreirad-Velo, Moped oder Taxi, irgendwelche Sightseeing-Touren (bis nach Ha Noi oder HCMC mit dem Moped!), Essen und Getränke bis hin zu allen Arten von Souveniers. Kurz gesagt, alles, was mich nicht interessiert.
Hue könnte man kurz zusammengefasst als indisches Phuket beschreiben. Das Indische habe ich bereits erläutert, Phuket bezieht sich auf das Touristische. Auch das hatte mich ziemlich überrumpelt, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. Hue gehört zum Standardprogramm des Vietnam-Reisenden. Es bietet viele Sehenswürdigkeiten aus der Zeit vor den Franzosen, aber auch Minderheiten-Völklein in den Bergen (ja, die schaut man sich hier an…. sind ansonsten hauptsächlich im Norden zu finden und von daher eher eine der Touristenattraktionen von Ha Noi), dann natürlich die DMZ und einen Strand hat es auch noch in der Nähe – somit für jeden Geschmack etwas. Entsprechend gestaltet sich die Stadt – auf den ersten Blick – wie ein typischer Touristenort à la Ibiza. Es ist laut, weil jede Bar die andere bezüglich Musik übertreffen will. Man macht auf „Partylife“ am Abend. Dafür ist hier nicht bereits abends um 10 Uhr alles dicht (wie in Ha Noi) und so kam ich auch zu später Stunde noch zu einem Abendessen – und wieder, es hat alles seine Vorteile! ?
Letztlich haben sich diese negativen Punkte aber schnell relativiert bzw. sind einem anderen gewichen: der Kälte! Am nächsten Tag nach meiner Ankuft war davon allerdings noch nichts zu spüren. Es herrschte eitel Sonnenschein bei blauem Himmel und war sehr warm. Ich habe die Rumänen aus Ha Noi wieder getroffen und wir haben uns zusammen die Sehenswürdigkeiten in der Stadt angesehen. Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte wohl mehr gesehen, wäre ich allein losgezogen, aber es war ganz angenehm, das Sightseeing zur Abwechslung mal in Gemeinschaft zu tun. Ausserdem war es ganz spannend, was sie so alles von Rumänien erzählt haben. Ist sicherlich einzigartig, beim Besuch der Zitadelle in Hue Informationen zur rumänischen Geschichte zu erhalten! ? Die Zitadelle meint den ehemaligen Kaiserpalast – ein riesiges Gelände, das wohl noch Jahrzehnte benötigen wird, bis es wieder „vollkommen hergestellt ist“, nachdem vieles in den Kriegen zerstört wurde – wobei gemäss den Rumänen werden diese Restaurierungen niemals fertig, weil so üblich in kommunistischen Ländern…. Keine Ahnung, kann da schlecht mitreden! Finanziert werden diese Restaurationen übrigens hauptsächlich vom Ausland, teilweise von anderen Staaten, teilweise von privaten Stiftungen (habt Ihr gewusst, dass es eine Toyota Foundation gibt?), wobei ich bis anhin, abgesehen von der CityBank Foundation, noch keinen amerikanischen Namen ausmachen konnte.
Der Eingang (Mittagstor – hier übergab der letzte Kaiser seine Insignien an Ho Chi Minh 1945)

Ansonsten keine Ahnung mehr, was was war…

Restaurationsarbeiten auf vietnamesisch (am linken Seitenrand erkennbar)
Von diesen roten „Trennwänden“ und Säulengängen gibt es unzählige

Anschliessend waren wir bei der Thien Mu-Pagode (wo hinter den Gebäuden – wie im Reiseführer beschrieben – tatsächlich Mönche Fussball gespielt haben ?)
Nach der Selbstverbrennung von Thich Quang Duc (siehe Info im Foto) wurde der damalige südvietnamesische katholische Präsident Diem (ein Sadist) von den Amerikanern fallen gelassen. Er hat denn auch das Jahr 1963 nicht überlebt. Somit, wem Ehre gebührt… 
Tags darauf hat das Wetter umgeschlagen und die ersten Regengüsse gingen nieder. Noch hat sich aber auch die Sonne zwischendurch gezeigt. Dennoch, im Hinblick auf das Wetter haben es die Rumänen besser gemacht, die sind nämlich bereits wieder weiter gereist und so war ich wieder für mich. An diesem Tag habe ich eine private (!) Tour zu den Kaisergräbern gemacht. Bei zweien von dreien sprechen wir hier von riesigen Parkanlagen und hauptsächlich zerfallenen Gebäuden – also nicht gerade das ideale Ziel bei Regen. Aber nach Hue geht man ja schliesslich wegen der Kultur. Also bin ich brav durch die Anlagen gestapft und habe versucht, den Regen zu ignorieren bzw. auszublenden.
Grab von Tu Duc (Grab der Bescheidenheit) – Tu Duc hat bereits zu seinen Lebzeiten viel Zeit hier verbracht und Gedichte geschrieben. Unter seiner Regentschaft haben sich die Franzosen Vietnam einverleibt. Seine Regenstschaft war mit 36 Jahren die längste. Wirklich viel zu sehen gabe es hier jedoch nicht…


Grab von Khai Dinh (der zweitletzte Kaiser)
Lebenslauf des verstorbenen Kaisers (verfasst von seinem Sohn)
Richtig geschäftig habe ich am nächsten Tag eine weitere Tour gemacht, dieses Mal in die DMZ = Demilitarisierte Zone, ein 10km breiter Landstreifen, der Süd- und Nordvietnam unterteilt. Bereits 1945 wurde festgelegt, das Land vorerst in Nord und Süd zu trennen, wobei ich bis ahin keine Begründung dafür finden konnte. Vermutlich war es der Wunsch der Franzosen, welche nämlich im Süden verblieben sind, während die Chinesen den Norden besetzt hielten. Offiziell wollten die Franzosen nur bis 1950 bleiben, hatten jedoch nie vor, sich daran zu halten und so kam es zum französischen Krieg, welcher 1954 beendet war, zu ungunsten der Franzosen. Daraufhin wurde (an der Genfer Konferenz) die DMZ gebildet bzw. beschlossen mit dem Ziel, zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsame Wahlen abzuhalten und darauf das Land wieder zu vereinen. Als sich jedoch verdeutlichte, dass sich wohl nicht die südvietnamesische Regierung durchsetzen würde, sondern der kommunistische Ho Chi Minh aus dem Norden, wurde es den Amerikanern unwohl und sie verhinderten diese Wahlen. Die weiteren Folgen sind wohl allen bekannt.
Die DMZ war im Laufe des Krieges eine der am stärksten beeinträchtigsten Gebiete und die Menschen, die dort leben, haben bis heute unter den Folgen zu leiden. Nach wie vor befinden sich Minen im Gelände und der Boden ist noch immer stark kontaminiert von den diversen Giften, die die Amis da so versprüht haben, um quasi den Dschungel auszurotten und eine bessere Sicht zu haben. Genutzt hat es nichts, aber vieles zerstört. Mittlerweile ist die Gegend wieder recht grün, sie macht keinen wüstenartigen Eindruck (mehr), gemäss Reiseführer trügt der Schein jedoch, da nur wenige Pflanzen die Widerstandskraft haben, hier zu wachsen (keine Diversifikation) und die Bauern in ihrer Armut die Böden zu sehr schröpfen, trotz aller Versuche der Regierung nach Nachhaltigkeit. Es dürfte wohl noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Zustand von Flora und Fauna hier normalisiert, sofern überhaupt. (Das Dioxin Agent Orange hat eine Halbwertszeit von 10j.)
Für Interessierte:
http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1862
An diesem Tag hat es nur einmal geregnet (von Mitternacht bis Mitternacht), was die Szenerie noch deprimierender machte. Letztlich muss man sagen, dass sich die ganze Sache nicht wirklich gelohnt hat. Abgesehen von den Tunnels, die wirklich eindrücklich sind, sieht man nicht sonderlich viel. Der Ort eines der ehemaligen militärischen Basislager der Amerikaner (in der Nähe der China Beach) wurde als eine Art Freiluftmuseum hergerichtet. Für eine unmilitärische Person wie mich ist es jedoch schwer, sich vorzustellen, wie das damals wohl ausgesehen haben mag. Man sieht einfach ein paar Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber der Amerikaner in unzerstörtem Zustand – die jedoch nachträglich dahin geschafft wurden, da die Amerikaner bei ihrem Abzug alles zerstört haben. Ausserdem gibt es ein par Denkmäler und nette Stories, einen riesigen Friedhof mit hauptsächlich namenlosen Gräbern (Zivilisten!) und die besagten Tunnels. Durch die Tunnels gibt es eine Führung, die jedoch für Ungeübte etwas zackig durch marschiert wird. Auch ist man von den Informationen ausgeschlossen, wenn man nicht zu den vordersten im Zug gehört. Die Tunnels sind so eng und klein, dass man sie nur im Gänsemarsch begehen kann und die Führerin hatte kein Megaphon dabei. Die Beleuchtung ist zudem minimal. Für klaustrophobische Menschen ist das nichts da unten! (Und man bedenke, die Tunnel wurden nach dem Krieg vergrössert, um sie für Touristen zugänglich zu machen….) Für alle anderen bedrückend eindrücklich, insbesondere wenn man sich vorstellt, dass die Menmschen etwa 3j lang in diesen Tunnels gelebt haben! Es gibt 3 „Stockwerke“ und so gehen die Tunnels bis zu 23m in die Tiefe, insgesamt spricht man von 2.8km Länge. Zeit für Fotos blieb bei diesem Tempo leider keine. So richtig unglücklich war ich jedoch auch nicht über das Tempo. Man ist irgendwie froh, wenn man wieder draussen ist…
Denkmal am Beginn des Ho Chi Minh-Pfads
An einem der Tunnel Aus- oder Eingänge

Da ich keine Lust hatte, 3x hintereinander früh aufzustehen, hatte ich bereits nach dem 2. Tag entschieden, meine Zeit in Hue um einen weiteren Tag zu verlängern. Als ich an meinem Ruhetag (nach den Sightseeing-Tagen) – an dem es noch immer in Strömen geregnet hat und mittlerweile auch ziemlich kühl geworden war – erfuhr, dass das Wetter an meinem nächsten Ziel, Hoi An, genauso gruselig sein soll, habe ich nach kurzem Überlegen entschieden, umzudisponieren, habe meinen Aufenthalt kurzerhand noch einmal um einen Tag verlängert und diesen Tag genutzt, um meine Reise nach Ho Chi Minh City zu organisieren.
Auch wenn es nicht so klingen mag, ich habe mich recht wohl gefühlt in Hue und mich sogar gefragt, ob ich nicht noch etwas länger hätte bleiben sollen. Hier war das beste Hotelpersonal, das ich bis anhin hatte und es gab unheimlich gute Restaurants. Es wäre ein idealer Ort gewesen, um mit meinem Blog wieder àjour zu kommen. Womöglich lag es am Regen, jedenfalls hat sich das Indische im Laufe der Woche gelegt und so blieb eigentlich nur die Kälte, die an meinen Nerven zerrte. Denn die Restaurants sind alle offen (als wäre es das ganze Jahr über 30 Grad) und nach 2-3h in der nassen Kälte sitzend, ist man doch ziemlich durchgefroren. Ausserdem hatte mein Hotelzimmer den Nachteil, dass das Badezimmer an einer Aussenwand lag. Durch den Ventilator gab es einen direkten „Frischluftzugang“ und die Heizung erwärmte natürlich nur das Zimmer, nicht aber das Bad, wodurch dasselbe im Laufe der Zeit zu einer Tiefkühltruhe wurde. Und das Zwiebelsystem hilft beim Duschen nun einmal nicht….












































