Mittlerweile bin ich hier schon richtig zu Hause. Ich habe den Coop Silbern und das Glattcenter meines Stadtteils gefunden, fahre mit dem Bus, als wäre ich hier aufgewachsen und führe ein ganz alltägliches Leben (ohne heimliche Ängste), abgesehen davon, dass meine täglichen Beschäftigungen nicht unbedingt alltäglich sind. Selbst das Taxifahren hat seinen unangenehmen Mafia-Beigeschmack verloren. Die Taxifahrer sind zu anständigen Menschen mutiert, sie geben sich richtig Mühe und stellen sogar in absoluter Selbstverständlichkeit den Taxameter an, ohne dass man etwas zu sagen braucht. (Da es an der Endstation der U-Bahn nur eine Bushaltestelle für beide Richtungen gibt, komme ich nicht umhin, das letzte Stück meines Heimwegs mit dem Taxi zu überbrücken, da die Busfahrer – im Gegensatz zu den Taxifahrern – nicht kooperativer geworden sind.) Auch das „grüne-Männchen-Syndrom“ hat sich, zumindest teilweise, geklärt. Es handelt sich dabei um Mopedtaxi-Fahrer, deren starrender Blick zu eruieren versucht, ob man möglicherweise der nächste Fahrgast sein könnte. Der eine oder andere hat denn, zusätzlich zum Starren, auch schon gefragt, die meisten scheinen jedoch den Mund nicht bewegen zu können.
So liesse es sich hier wirklich gut leben. Doch leider läuft meine Zeit hier ab und dabei habe ich noch gar nicht viel von Bangkok gesehen – nun, zumindest nicht, was man sich als Tourist hier allgemein so ansieht. Die meisten der üblichen Sehenswürdigkeiten sind fernab von mir und auch von den Haltestellen von U-Bahn und Skytrain. Diese modernen Verkehrsmittel scheinen eher aufs Business ausgerichtet zu sein. So ist es ein Einfaches, damit ins Botschaftsviertel zu kommen (wogegen sich die Tempel und Paläste nur mit Bus oder Taxi erreichen lassen). Und weiss Gott, diesen Weg bin ich einige Male gefahren…. Ich und die Vietnamesische Botschaft sind kein harmonisches Team. Es liegt allerdings nicht an mir, alle Ausländer dort haben gelästert. Dennoch, sollte es mir in Vietnam nicht gefallen, könnte man wohl sagen, ich hätte es wissen müssen!
Bei meinem ersten Versuch war ich von Beginn weg etwas spät dran. Wie es halt so läuft, wenn man erst mittags aufsteht.? Bis ich dann alles zusammen hatte, was man für ein Visum braucht, war es kurz vor 4 Uhr und die Schlange vor dem Touristen-Visum-Schalter schon ziemlich lang. (Die anderen Schalter waren besetzt, allerdings ohne Kunden, dennoch, es wäre diesen Beamten nicht einmal in den Sinn gekommen, den Touristen-Schalter zu unterstützen….) Nach etwa einer halben Stunde, in der die Schlange kaum vorgerückt ist, machte mich der Typ vor mir darauf aufmerksam, dass Visa-Anträge nur bis 4 Uhr angenommen würden. Zwischen 4 und 5 Uhr sei die Zeit für die Visa-Abholung und ich müsse damit rechnen, dass ich weggewiesen würde, sofern ich überhaupt noch vor 5 Uhr beim Schalter ankommen würde (um 5 Uhr werden die Schalter erbarmungslos geschlossen, egal wie lange die Schlange davor noch ist – die Arbeitsmoral in dieser Botschaft macht noch einen ziemlich kommunistischen Eindruck…). Wo er Recht hat, zumindest ist es auch in der Botschaft derart schriftlich ausgewiesen. Das Risiko war mir daher zu hoch, hier sinnlos Zeit in den Boden zu stehen und ich bin gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Warteschlange mittlerweile so weit angewachsen war, dass sie bis ausserhalb der Botschaft reichte! Garantiert wäre ich weggewiesen worden. Das war an einem Freitag.
Am Montag startete ich somit meinen 2. Versuch. Es gab an diesem Nachmittag keine Warteschlange, allerdings auch keinen Beamten hinter dem Schalter…. Er war bei meinem Eintreffen verschwunden und hat sich ziemlich lange Zeit gelassen mit dem Wiederkommen. Und wiederum, die anderen Beamten fühlten sich nicht zuständig. Die Einreichung des Antrags verlief schliesslich relativ rasch, wenn auch unerfreulich in dem Sinn, dass ich einerseits erfahren habe, dass man von Thailand aus nur 30d-Visa erhält und ich andererseits den Mund beinahe nicht mehr zugekriegt habe, als man mir den Preis für das Visum nannte – CHF 75 für ein einfaches (single entry) 30d-Visum! Das ist mehr als mein Flug von Bangkok nach Hanoi gekostet hat – was zugegebenermassen daran liegt, dass mit den Flugpreisen etwas nicht stimmt. Dennoch, das sind Schweizer Preise (ein 3-Monats-Visum mit mehrfach-Eintritt hätte mich zu Hause CHF 110 gekostet und weit weniger Nerven)!!
An meinem letzten Tag (vor Abreise) in Bangkok durfte ich das Visum abholen. Im Hinblick auf meine Erfahrungen vom Freitag und der ellenlangen „Abholschlange“ bin ich bewusst zu früh hingegangen in der Hoffnung, sie würden mir das Visum auch bereits vor 4 Uhr aushändigen. Die Botschaft war wiederum leer bei meinem Eintreffen und tatsächlich war der Beamte bereit, mich zu bedienen. Er hat den ersten Schweizer Pass aus dem Körbchen genommen, dann den 2. und schliesslich den 3. – keiner war meiner. Darauf ist er für 10min (ich habe auf die Uhr geschaut!) verschwunden, kam mit leeren Händen zurück und meinte, ich solle Platz nehmen und hat den nächsten Visumabholer bedient, der mittlerweile eingetroffen war. Wunderbar! Ich setz mich doch da nicht einfach hin und warte darauf, dass sich dieser Beamte vielleicht irgendwann vor 5 Uhr an mich erinnert! Ganz besonders, sollte es ab 4 Uhr wieder zu und her gehen wie am vergangenen Freitag. Ich musste Thailand am nächsten Tag verlassen und die hatten meinen Pass! Ich war leicht panisch…
So entschied ich, mich einfach in der inzwischen entstandenen Warteschlange wieder anzustellen in der Hoffnung, dass mein Pass inkl. Visum ab 4 Uhr vorhanden sein würde. Etwa 10 min nach 4 Uhr war ich erneut an der Reihe und der Beamte hat mich sofort erkannt (wow!) und sich dann doch erbarmt, mich aufzuklären. Mein Visum war offenbar noch in Bearbeitung. Ich würde es jedoch auf jeden Fall noch vor 5 Uhr erhalten und ich solle mich nun hinsetzen und warten. Tja, er war offensichtlich am längeren Hebel…. Also habe ich mich brav hingesetzt und mich in meinem Mantra geübt: „Alles wird gut!“
Zum Glück war nur wenig los auf dieser Botschaft an diesem Tag und so war der Beamte immer wieder mal ohne Kundschaft und fand sich meinem vermutlich immer ängstlicher werdenden Blick gegenüber. Er ist denn auch jedes Mal verschwunden, worauf ich mir eingebildet habe, dass er nach meinem „Visa-Prozess“ schaut. Etwa 20min vor 5 Uhr wurde ich schliesslich erlöst. Ich erhielt meinen Pass mit Visum mit den korrekten Daten und schwebte sicher 50cm über dem Boden aus der Botschaft hinaus.
Das Botschaftsviertel ist nahe am District Siam gelegen, dem mit den vielen grossen Shopping-Malls. Bereits nach meinem ersten Botschaftsbesuch bin ich anschliessend – etwas ungeplant – dort gelandet. Ich bin einfach aufs Geratewohl zu Fuss losmarschiert und habe mich relativ rasch in einer dieser Malls wieder gefunden. Daraus wieder hinauszufinden, war allerdings eine eher schwierige Aufgabe…. Diese Malls sind wirklich riesig, total unübersichtlich und beherbergen neben allen möglichen uns bekannten und unbekannten Foodketten hauptsächlich Luxuslabels. Somit nicht wirklich mein Ding, aber immerhin, eine der Touristenattraktionen hatte ich abgehakt. Beim Siam-Square gibt es eine hochgelegene Passage für die Fussgänger, die etwas Ausblick bietet…
Fragt mich nicht, was für eine Prozession dies hier ist…. aber es hat für ein klein wenig Aufruhr gesorgt (und mich an Indien erinnert)

Moped-racing in Bangkok….
…. eine rote Ampel, an welcher sich die Mopedfahrer vorne zusammenballen 
Am Samstag gab ich mir schliesslich eine weitere Touristen-Attraktion: den Chatuchak Weekend Market. Ein Markt mit über 15’000 (!) Ständen, der ganz nahe bei meiner Unterkunft liegt. Die Vorstellung von so einem riesigen Markt fand ich faszinierend. Dort angekommen fühlte ich mich jedoch ziemlich rasch ziemlich überfordert. Auch habe ich mir dort vermutlich einen Sonnenstich geholt (ich hab’s noch immer nicht geschafft, mir eine Kopfbedeckung zu beschaffen….). Jedenfalls hatte ich nach 2h ziemlich starke Kopfschmerzen und wollte nur noch nach Hause. Ich hatte versucht – bei dieser riesigen Auswahl – mich auf Schals und Schmuck zu konzentrieren. Doch beides war nicht nach meinem Geschmack. Auch die Thais stehen offenbar (wie die Inder) eher auf Goldschmuck. So oder so, es sah alles ziemlich nach Ramsch aus. Und die Schals waren mir durchs Band viel zu kurz, ganz abgesehen davon, dass die Sujets auch sehr zu wünschen übrig liessen. Unbrauchbar!
Tagsdarauf folgte ich dem Rat meines Hosts und ging in die nahe gelegene local Mall – das Glattzentrum von Bang Sue! ? Neben den allgegenwärtigen Restaurantketten à la Starbucks, Häagen Dazs und wie sie alle heissen, gab es nur wenige mir bekannte Labels, aber es war offensichtlich ein Ort für die Mittelschicht und damit in einer sympathischen Preisklasse. Auch entspricht die Grösse effektiv etwa dem Glatt und ist entsprechend viel übersichtlicher als diejenigen Einkaufszentren am Siam Square. Natürlich habe ich nichts gekauft – an meiner Shopping-Aversion wird sich vermutlich nie mehr etwas ändern. Aber ich wusste nun, wo ich hätte hingehen können, wenn ich etwas gebraucht hätte.
Doch dafür war es noch zu früh (zugegeben, die Sache mit der Kopfbedeckung, aber die lasse ich mich finden und nicht umgekehrt, das hat keinen Zweck). Noch war ich mit allem ausgestattet und mit noch viel mehr. Bereits kurz nach meiner Ankunft in Bangkok hatte ich meinen Rucksack komplett ausgeräumt und zusammengesammelt, was wieder zurück nach Hause konnte. Mengenmässig war das überraschend viel, bezogen aufs Gewicht leider nicht so sehr! ?
An meinem freien Botschaftstag habe ich mich mit meinen 2 vollen Säcken aufgemacht zu einem Postoffice. Auch das hat sich als nicht ganz so einfach herausgestellt. Ich wusste zwar ungefähr, wo eines war, doch finde das mal, wenn du keinen blassen Schimmer hast, wie die Post von Thailand aussieht! Ist sie gelb wie bei uns? Rot? Blau? Grün….? Nach viel Herumfragen habe ich das Miniding schliesslich entdeckt (rot ist die Farbe der thailändischen Post)! Und schon kamen die nächsten Schwierigkeiten: Flüssigkeiten können nicht verschickt werden. Nicht, dass ich volle Wasserflaschen hatte heimsenden wollen, weil deren Wasser hier so gut ist…. Hier gilt noch schnell mal etwas als flüssig, wenn es nicht eine steinharte feste Konsistenz hat. Nach einer schier endlosen Inspektion, bei der etwa ein Viertel meiner Habe zurückgewiesen worden war, hat sich herausgestellt, dass per Schiffsversand Flüssigkeiten doch annehmbar sind…. Wer hat denn von Airmail gesprochen? Es eilt ja weiss Gott nicht! Also alles zurück auf Anfang. Als ich das Postamt schliesslich wieder verlassen habe, hatte ich ein Paket mit 3kg Gewicht zum Preis von CHF 30 verschickt, welches nun etwa 3 Monate unterwegs sein wird – sollte das Paket nicht ankommen, weiss ich doch zumindest, dass die 3 nicht meine Glückszahl ist! ?
Ja, ich habe noch nicht wirklich viel von Bangkok gesehen, musste mich erst einleben und so einiges organisieren. Nun wäre ich bereit für entsprechende Streifzüge, doch die Abreise steht vor der Tür. Ich habe jedoch vor, wieder zu kommen und nachzuholen, was ich bis anhin verpasst habe.