Phnom Penh, KHM – in Bilder

Die Silvester-Party
  



Hier etwas lesbarer
Das Verkehrschaos zum Schluss der Party

Lecker…

Ein wenig Palast


Die Farben des Tages, angefangen beim Sonntag – wir waren an einem Freitag da, also trugen alle dunkelblau 

In den Schränken befinden sich alte Schriften, auf Palmblätter geschrieben…
Ein paar Einblicke in Phnom Penh

  

Die Uni der Künste



  
  
  

Am Fluss
  
  

Heimatgefühle ?

(beim) Unabhängigkeitsdenkmal – darauf sind die Kambodschaner besonders stolz



  


Die Strasse der Apotheken – gibt es in Vietnam auch; was nicht heissen soll, dass es anderorts in der Stadt keine Apotheken gibt… 

Wat Phnom – der Namensgeber der Stadt
  




  

  
  

Das Tuol Sleng-Genozid-Museum



  

   

Phnom Penh, KHM – Freude und Fassungslosigkeit, Emotionen pur und viel Geschichte

Phnom Penh ist eine schmutzige Stadt. Nicht im offensichtlichen Sinn (resp. nicht mehr als andere asiatische Städte auch), doch wenn man nach einem Tag in dieser Stadt zurück ins Hotel kommt und sich die Hände wäscht, wird das Wasser schwarz, richtig rabenschwarz. Das hat leider auch etwas schwierige Konsequenzen für meinen dezimierten Kleiderbestand… Könnte ein harter Monat werden! Abgesehen von dem Moment, in dem ich aus der Dusche steige, fühle ich mich eigentlich immer irgendwie schmutzig, denn selbst die frischgewaschenen Kleider wirken nicht sauber und die Hitze tut ihr übriges.

Kambodscha liegt ja bekanntlich zwischen Vietnam und Thailand, und so kommt es mir auch in etwa vor, ein Mix aus Vietnam und Thailand. Das macht auch Sinn, dieses Land war dermassen oft vom einen oder anderen Nachbarn (teilweise) besetzt, die Grenzen haben sich so oft verschoben, dass es überrascht, dass die französischen Hinterlassenschaften auch noch durchblitzen und die Kambodschaner überhaupt noch wissen, wer sie sind. 2 Dinge erinnern mich jedoch stark an Indien: die Tuk Tuks, die hier eine unglaubliche Dominanz haben. Zwar findet man diese in Thailand auch (in Vietnam nicht), aber Reisenden wird eher von deren „Gebrauch“ abgeraten, zudem ist die Stadt voll von Taxis. In Phnom Penh habe ich bis anhin gerade einmal ein einziges Taxi gesehen. Und die Bettler – heiliges Kanonenröhrchen, mit denen ist es hier echt arg, genau wie in Indien eben. Auch wenn ich mich wiederhole, Vietnam hat seine Bettler gut versorgt, aber hier wimmelt es nur so davon. Und ganz viele davon sind Kinder. Und noch mehr Kinder laufen den ganzen Tag mit ihren Kistchen herum und versuchen, irgendwelchen Ramsch an den Mann zu bringen und sie können zuweilen ganz schön aggressiv werden, wenn man ablehnt. Wer also Indien nicht aushält, sollte von einer Reise nach Kambodscha absehen.

Kambodscha ist so ein kaputtes Land. Die Armut kriecht aus allen Ritzen, sie ist einfach überbordend. Es ist mir ein Rätsel, wie die Kambodschaner einen König finanzieren können. Und haben mich bereits die Details zum Vietnam-Krieg bekümmert, bin ich hier schlichtweg fassungslos in Anbetracht der Geschichte dieses Landes der letzten 50 Jahre. Es ist ein Wunder, dass die Menschen hier überhaupt zu einem normalen Leben fähig sind, insbesondere die Menschen meines Alters oder älter müssten eigentlich alle einen kompletten Dachschaden haben. Solche Zeiten zu überleben und noch immer Mensch zu sein, erscheint mir beinahe übermenschlich.

Die Spitze des Eisberges sind natürlich die eigenen Landsleute, die Khmer Rouge. Dass man jedoch den kambodschanischen Uno-Sitz nach 1979 an Pol Pot vergeben hat, nur weil es den Amis nicht passte, dass die Vietnamesen in Kambodscha aufgeräumt haben, ist schlichtweg ein Verbrechen. Seinen verletzten Stolz – und soll mir keiner mit dem Argument des Zeitgeists des kalten Kriegs kommen, das ist nur eine billige Ausrede, letztlich geht es wie immer um Macht! – über derartige Greueltaten und Grausamkeiten zu stellen, ist nicht entschuldbar, einfach nicht. Und nach Vietnam, nur wenige Jahre später, einen erneuten Stellvertreterkrieg zu führen in Kambodscha, müsste man eigentlich als Dummheit (ich sag’s doch, nichts gelernt) bezeichnen. Doch mit Dummheit ist nur ein Teil, wenn überhaupt, begründbar, was es noch viel tragischer macht.

Wie die Europäer haben Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar über Jahrhunderte Kriege geführt, die Grenzen immer wieder neu definiert, Völker vertrieben oder unterjocht und um die Vormachtstellung in dieser Gegend gekämpft. Kambodscha könnte man wohl als den grossen Verlierer dieser Zeit bezeichnen. Wie Ungarn betrug seine Fläche einst ein Vielfaches der heutigen und darunter leidet der Stolz der Kambodschaner heute noch, wie mir scheint.  Im 19. Jh. kamen schliesslich die Kolonialherren aus Europa und diese Völker wurden komplett fremdbestimmt bis zur Unabhängigkeit irgendwann nach Ende des 2. Weltkriegs. Obwohl dem damaligen König Kambodschas die schweizer Neutralität als Vorbild vorschwebte (unter den erneut aufgeflammten Querelen zwischen Thailand und Vietnam), kam aber auch das unabhängige Kambodscha nicht zur Ruhe.  Die Bauern verehrten den König, die Mittelklasse in den Städten hielt ihn aber für zu schwach gegenüber der Korruption und war unzufrieden mit seiner „neutralen Haltung“ (oder dem entsprechenden Versuch) gegenüber Vietnam und Thailand. Er wurde 1970 weggeputscht von einer Regierung von Amerikas Gnaden. Schon vorher war das Land in den Vietnamkrieg hineingezogen worden, weil der Ho Chi Minh-Pfad des Vietcong durch Kambodscha führte und das Land daher ebenfalls von den Amerikanern bombardiert wurde (zuerst nach dem „“Ooops-Prinzip“: dumm gelaufen, war neben der Grenze, aber selbstverständlich nur ein Versehen; später unter der neuen Regierung offiziell und mit dem Segen der Regierung gegen finanzielle Unterstützung der Amerikaner). Das führte nicht nur zu vielen Toten und Verletzten, sondern auch zu einer Flucht der Landbevölkerung in die Städte und zum Anstieg der Armut. Die Khmer Rouge verbündeten sich damals mit dem König im Exil und liessen sich von Nordvietnam unterstützen und ausbilden, während das offizielle Kambodscha ein Bündnis mit den USA und Südvietnam einging. Man spricht vom ersten Bürgerkrieg. Nachdem sie die Vietcong nicht mehr brauchten, haben sich die Khmer Rouge von den Nordvietnamesen gelöst und diese aus Kambodscha vertrieben.

Als Phnom Penh im April 1975 von den Khmer Rouge eingenommen wurde, wurden diese frenetisch begrüsst. Man sah das Ende des Bürgerkriegs gekommen und feierte auch die Vertreibung der verhassten Vietnamesen und Amerikaner. Doch noch am selben Tag haben die Khmer Rouge mit der Umsetzung von Pol Pots Vision begonnen und angefangen, die Bevölkerung aus den Städten zu vertreiben. Nach 3d soll Phnom Penh vollkommen menschenleer gewesen sein – man muss sich das einmal vorstellen, eine Millionenstadt ist zur Geisterstadt geworden und ein ganzes Volk unterwegs durchs gesamte Land, hauptsächlich zu Fuss resp. spätestens, nachdem ihnen das Benzin ausgegangen war, alle, denn Tankstellen gab es keine mehr, genausowenig wie Schulen oder Krankenhäuser, Läden oder Dienstleistungsbetriebe – ein Bauernstaat braucht das nicht. Danach kamen die Hungersnot, die Vernichtung aller „Feinde“ und Pol Pots Paranoia.  In Choeung Ek (Killing Field) sprechen sie von 3 Mio. Toten, die Pol Pot geschuldet sind. Der Westen ist mit seinen Schätzungen etwas zurückhaltender, es dürften jedoch mehr als 1/4 der damaligen Bevölkerung gewesen sein und das in knapp 4j! Verstorben infolge Hunger, Krankheit, Folter oder Exekution. Exekutiert wurden die Feinde des Staates, dazu gehörten sämtliche Intellektuelle, insbesondere Lehrer (man bedenke, Pol Pot selber war einst Lehrer – erinnert ein wenig an Hitler und seine Arier, denen er selber ja absolut aus dem Gesicht geschnitten war), Angehörige der vorherigen Regierung inkl. sämtlicher Staatsangestellten, Krankenschwestern und Ärzte, Menschen, die Fremdsprachen beherrschten oder die aus anderen Gründen der Spionage für CIA oder KGB verdächtigt wurden, sowie natürlich alle, die bezichtigt wurden, gegen die Khmer Rouge zu sein. Die Vernichtung durch Hunger muss offenbar ebenfalls gewollt gewesen sein. Es sind Aussagen von Khmer Rouge-Kadern überliefert, wonach Kambodscha nur 1 Mio. Einwohner benötige (1975 hatte das Land 7 Mio. Einwohner).

Die Gesellschaft wurde zu einer klassenlosen Gesellschaft mit 3 Klassen: den Khmer Rouge als oberste Schicht, den Basisleuten – Bauern, die bereits vor April 1975 Bauern waren – und den ehemaligen Stadtmenschen, den „17. April-Menschen“, die aufs Land vertrieben worden waren und dort zuerst unter den Basisleuten später unter der Herrschaft der Soldaten (Khmer Rouge) am meisten zu leiden hatten. Es gab weder Post noch Telekommunikation geschweige denn TV oder Radio, die Dörfer waren vollkommen abgeschnitten vom Rest der Welt, des Landes, anderen Dörfern und Freundschaften gab es zumindest unter den 3.-Klassemenschen keine mehr. Wie eine Zeitzeugin so schön sagte: alle hatten ihre Geheimnisse und aus Angst, sich zu verplappern, hat man lieber erst gar nicht mit jemandem gesprochen. Auch waren Gespräche während der Arbeit nicht geduldet, man hatte zu arbeiten. Später wurden selbst die Kinder angehalten, ihre Eltern (auch Basisleute) zu bespitzeln und zu verraten – dies mit Hilfe von speziellen Kinder-Lagern, in denen die Kinder auf Angkar (=Organisation, die neue Regierung) gedrillt wurden – Gehirnwäsche pur. Besitz war absolut verboten, jeder hatte nicht mehr als seine „Uniform“, eine Essensschüssel und Besteck. Individualität wurde komplett ausgelöscht. Alle mussten die gleiche Kleidung und die gleiche Frisur tragen, die alten Kleider wurden verbrannt, genauso wie Bücher, weiterer Besitz musste an den Angkar abgegeben werden (und verschwand entweder bei den Basisleuten, den Soldaten oder wurde zum Kauf von Waffen verwendet). Das Geld wurde abgeschafft und Tauschhandel war verboten.

Ganz Kommunismus gehörte alles allen und keiner durfte sich – theoretisch – etwas herausnehmen. Wer dabei erwischt wurde, etwas Anderes zu essen als die zugeteilten Essensrationen (oft nur eine Schüssel dünne Reissuppe pro Tag), wurde schwer bestraft. In Wahrheit wurden die Agrarerzeugnisse benötigt, um Kredite an China zurückzuzahlen und insbesondere Waffen zu kaufen, für einen Krieg gegen Vietnam und Thailand, den die Khmer Rouge immer wieder provozierten, mit dem Ziel, ehemals kambodschanische Gebiete zurückzuerobern (was ihnen letztlich zum Verhängnis wurde). Zusammen mit Misswirtschaft und Missernten der Hautpgrund für die Hungersnöte der Bevölkerung. Was für eine Folter muss es sein, den ganzen Tag als Bauer zu schuften und Nahrung zu ziehen, ganze Reis- oder Maisfelder vor der Nase zu haben, während man dabei ist zu verhungern.

Da die Khmer Rouge immer wieder vietnamesische Dörfer angegriffen und geplündert und gemordet haben, sind die Vietnamesen schliesslich im Januar 1979 in Kambodscha einmarschiert und haben die Khmer Rouge (in die Dschungel) vertrieben.  Das Elend für die Bevölkerung war damit aber noch lange nicht vorbei.  Pol Pots Terror war zwar eliminiert, Armut und Hunger jedoch blieben. Und die Kriege gingen weiter. Es folgten ein zweiter und ein dritter Bürgerkrieg – eigentliche Stellvertreterkriege zwischen USA, UdSSR und China. Erst ab dem Jahr 1998 begann sich langsam, eine Normalität zu etablieren. Es ist auch das Todesjahr Pol Pots, der zwar Jahre zuvor in Abwesenheit verurteilt worden war, doch bis zuletzt in Freiheit gelebt hat. Seine genauen Todesumstände sind unklar. Weitere Angkar-Führer sind seit 2007 in Haft und stehen heute vor Gericht. Gerade einmal einer ist geständig und hat seine Verantwortung anerkannt.

Beim Lesen über Kambodscha fühlte ich mich oft an Nordkorea erinnert. So viele „Bilder“ stimmen mit dem Wenigen überein, was ich über Nordkorea weiss oder davon gesehen habe. Und ich frage mich, ob wohl wiederum vor den Augen der gesamten Welt das Gleiche abgeht und niemand es bemerkt (nun ja „niemand es bemerkt“ ist vermutlich nicht ganz korrekt formuliert!). Die Mordmaschinerie in Nordkorea kann allerdings nicht ganz so effzient wie diejenige der Khmer Rouge sein, ansonsten würden in Nordkorea längst keine Menschen mehr leben.  Auch war Pol Pot wohl nicht ganz so dekadent wie der gute Kim Sowieso, er war den Kambodschanern noch nicht einmal bekannt während seiner Herrschaft (aus Angst vor Anschlägen ist er nie in Erscheinung getreten, das Land wurde offziell von Angkar regiert). Oder vielleicht sollte man es anders formulieren. Ohne die Vietnamesen wäre Kambodscha heute vielleicht ein zweites Nordkorea. Nach so vielen Jahren der gleichen Diktatur ist es vermutlich nicht mehr notwendig, Massen an „Staatsfeinden“ zu eliminieren, die Menschen sind nun getrimmt und parieren, das Staatsoberhaupt muss sich nicht mehr verstecken.

Ich hatte hier wohl den emotionalsten Start in einem Land seit ich losgezogen bin, die Welt zu sehen. Angekommen am Abend des 30. Dezember 2015 hatte ich zuerst kein sonderlich gutes Gefühl zu diesem Phnom Penh. Der Bus hielt an, wir sind ausgestiegen und hatten natürlich keinen Plan, wo wir waren. Auch wurden wir zugleich von Tuk Tuk-Fahrern belagert, der Kampf hatte also schon begonnen. Dann wollte ich mir Geld besorgen und bin völlig überfordert mit einer 100-Dollar-Note zurückgekommen, irritiert, dass der ATM in Kambodscha Dollars ausspukt und vor allem entsetzt über diese grosse Note. Ich weiss nicht, wie es heute ist, aber früher bist du in den Staaten kaum eine 20-Dollar-Note losgeworden – ich wusste nicht einmal, dass es Noten über 100 Dollar gibt! Und hier, wo alles nichts kostet, wie sollte ich da mit so einer Note bezahlen? Die Banken hatten bereits geschlossen, wechseln war also auch nicht. Zum Glück war ich nicht allein. Man hatte im Bus eine Chilenin neben mich gesetzt und wir haben uns von Beginn weg gut verstanden und sind dann auch gemeinsam weiter gezogen. (Das Dollar-Problem hat sich letztlich einfach gelöst, als ich im Hotel aufgefordert wurde, meinen Aufenthalt gleich im Voraus zu bezahlen. Mit Freuden habe ich dem Receptionisten dabei meine 100-Dollar-Note in die Hand gedrückt ?.)

Am nächsten Tag habe ich zuerst einmal ausgiebig ausgeschlafen, am Nachmittag die nähere Umgebung meines Hotels etwas erkundet, mich mit dem Jahreswechsel befasst und es auf jeden Fall einfach gemütlich genommen. Am Abend habe ich meine neue Freundin wieder getroffen und wir haben uns ein richtig gutes Essen genehmigt. Anschliessend – es war bereits nach 23 Uhr – haben wir uns aufgemacht zum „Pendant der Zürcher Silvesterparty“. Sie haben hier zwar keinen See, aber mehrere Flüsse. Etwas weg vom Fluss gibt es einen Park. Hier war eine riesige Bühne aufgestellt auf der geredet, gesungen und Musik gespielt wurde. Verstanden haben wir natürlich nichts, aber es war Feststimmung – und das alles bei sommerlichen Temperaturen! Die Musik war ein Gemisch bzw. eine Abfolge von Rap, Lambada, kambodschanischem Pop und zuletzt klang es schwer nach Folklore. Wir haben kaum andere Touristen gesehen und die Kambodschaner schienen auch äusserst belustigt über die zwei weissen Frauen, die sich da unter ihnen tummelten. Es gab ebenfalls ein Feuerwerk am Fluss. Davon haben wir hinter den Häusern jedoch nicht so viel gesehen. Es dauerte allerdings im besten Fall auch nur 5min. Zwischen 0.30 und 1.00 Uhr war dann bereits Schluss, was daran liegen mag, dass der 1. Januar hier lange nicht für alle ein freier Tag ist. Und so machten wir uns auf den Weg Richtung unsere Hotels oder wir versuchten es zumindest. Verkehrsmässig ist diese Stadt meist unglaublich „friedlich“. Trotz Unmengen von Tuk Tuks und Mopeds sind die Strassen nur selten verstopft. Man kann diese eigentlich immer problemlos überqueren. Die Ausnahme bestätigt die Regel und so eine Ausnahme ergab sich anschliessend an die Silvesterparty. Es ging gar nichts mehr, Verkehrschaos pur und wir als Fussgänger mittendrin. Die Asiaten sind ja Meister darin, immer noch einen Spalt, eine kleine Lücke zu finden, wo sie sich mit ihrem Tuk Tuk oder Moped durchzwängen können und genauso haben wir es auch gemacht. Wir haben uns durch einen riesen Pulk an Mopeds und Tuk Tuks durchgeschlängelt als wären es Menschen und keine fahrenden Vehikel. Es war ein riesen Spass! So etwas wäre zu Hause schlichtweg nicht möglich, jedenfalls nicht auf diese Art, weil die Motorisierten bei uns jeweils alle in die gleiche Richtung fahren. Aber hier gibt es keine Regeln, die standen alle kreuz und quer, wodurch sich die Lücken für uns ergeben haben. Man stelle sich einen 6-spurigen Highway in der Rushhour vor und mitten drin Fussgänger, die auch noch „mitspielen“ und das Chaos noch etwas grösser machen. Ich habe mich wirklich köstlich amüsiert!!! Angekommen beim Fluss war der Weg für die Fussgänger schliesslich frei und wir kamen flott vorwärts. Haben uns in der Nähe unserer Hotels noch einen Drink und eine Pizza genehmigt und sind so gegen 3 Uhr schliesslich ins Hotel. Wider erwarten war es ein wirklich gelungener Jahreswechsel! Komplett aufgedreht war natürlich noch nichts mit Schlafen. Und so wurde es eine kurze Nacht, denn bereits um 10 Uhr hiess es wieder aufstehen. Wir wollten uns die Killing Fields und den Königspalast ansehen.

Leider haben wir es dann doch etwas zu gemütlich genommen oder den Zeitbedarf des Killing Field-Museums unterschätzt. Ich oder wir hatten auch nicht wirklich eine Ahnung, was uns da erwartet. Ich dachte, das sei einfach eine grüne Wiese und ein Museumsgebäude. Ein riesiger grüner Park trifft es eher, den man mit einem Audioguide abschreitet. Und es gibt viel zu hören, denn es wird einem die ganze „Geschichte“ der Khmer Rouge erzählt. Man hat bis anhin 300 solcher Killing Fields im ganzen Land gefunden. Das grösste ist das Choeung Ek, das heute eine Gedenkstätte und ein Museum ist. 450’000 Leichen hat man hier geborgen. Entdeckt wurden sie, weil der Boden durch die Verwesungsgase aufgebrochen ist. Bis heute bringt die Regenzeit noch Kleidungsfetzen und Gebeine an die Oberfläche, die regelmässig eingesammelt werden, im Aufbewahrungsort jedoch keinen Platz mehr finden. Zu Beginn der Khmer Rouge-Zeit kamen etwa 3x/Monat Lastwagen, die ihre lebende Fracht abgeliefert haben, zum Schluss kamen sie täglich und die Soldaten kamen nicht mehr nach mit dem Töten, so dass die Gefangenen Stunden in Baracken ausharren mussten, dies bei kommunistischen Gesängen aus Lautsprechern, die die Schreie übertönen sollten. Erschiessungen waren Pol Pot zu teuer (Munition kostet). Die Tötungsinstrumente sind ausgestellt – nicht unbedingt die üblichen Hilfsmittel, wie man sie kennt und einfach nur unglaublich grausam. Man weiss auch, dass lange nicht alle tot waren, als sie in der ausgehobenen Grube lagen. Zu Beginn wurde deshalb ein Gift auf die Körper verteilt. Im Laufe der Zeit ist das jedoch ebenfalls ausgegangen. Meist wurde die gesamte Familie eines „Dissidenten“ exekutiert, unabhängig vom Alter, um die „schlechte Saat“ komplett auszumerzen. Etwas vom Schlimmsten ist denn auch der „Killing Tree“, an welchem Babies zerschmettert wurden. Man stelle sich vor, wie ein nichtsahnender Mensch an diesen Baum kommt, dessen Stamm voller Blut ist und noch etwas Anderem (das sich als Gehirnmasse herausgestellt hat – ich gehe jedoch davon aus, dass ein nicht-Mediziner dies nicht erkannt hat) und sich fragt, woher das kommt und wie unglaublich der Schock gewesen sein muss, als klar wurde, wie sich das ergeben hat.

Ich könnte Euch noch so viel mehr erzählen. 4 Jahre Pol Pot beinhalten derart viele grausame Details, sie könnten ein ganzes Buch füllen (resp. tun sie auch). Er stellt Vorgänger wie Hitler oder Stalin in den Schatten und seine Effizienz vermutlich alles, was bis heute dagewesen ist (vielleicht abgesehen von Atombomben). Was meinen Verstand in solchen Fällen immer wieder übersteigt, ist die Frage, wie Menschen derart grausam sein können. Und damit meine ich nicht Pol Pot, denn er war letztlich nicht der Ausführende, „nur“ der Auftrageber (mit definitiv einer absoluten Fehlfunktion im Gehirn). Menschen zu exekutieren ist das Eine, es jedoch auf derart grausame Art und Weise zu tun, noch einmal etwas Anderes. Menschen massenhaft (dafür braucht es zig Folterknechte) zu foltern oder zuzuschauen, wie sie verhungern, muss doch einen ungemeinen Hass auf die Opfer beinhalten. Diese Ausführenden hatten mit Sicherheit nicht alle einen Knall. Viele hatten selber Angst, das erklärt mir aber noch immer nicht die brutale und grausame Vorgehensweise. Viele der Soldaten waren zudem im Kindes- oder Jugendalter und bereits seit jungen Jahren (Kriegswaisen) auf die Khmer Rouge gedrillt – womöglich hielten sie das alles für normal, weil sie es nie anders kannten? Wäre jeder von uns zu solchen Grausamkeiten fähig, wenn nur die Umstände entsprechend wären?

Was alle diese Diktatoren gemeinsam zu haben scheinen, ist die penible „Buchführung“, die ihnen letztlich nicht selten zum Verhängnis wird. Das Tuol Sleng – S21-Gefängnis wird diesbezüglich mit Ausschwitz verglichen. Sämtliche ankommenden Gefangenen wurden ausführlich registriert (die „Verbrecher-Fotos“, wie wir sie aus amerikanischen Filmen kennen, sind heute ausgestellt), sämtliche Verhöre protokolliert, obwohl diese eigentlich eine reine Farce waren. Das einzige Ziel war, Pol Pots Begründung, weshalb sein Plan nicht funktionierte, zu bestätigen. All diese Akten sind noch vorhanden, die Khmer Rouge hatten keine Zeit mehr, sie zu vernichten. Eine minimale Genugtuung für die Betroffenen, nachdem zuerst (Ende der 70er-Jahre bis längstens 1984) behauptet wurde, die gemeldeten Grausamkeiten seien nicht wahr und vollkommen übertrieben.

Der anschliessende Besuch des Palasts war aus meiner Sicht eher ein Reinfall. Einerseits war die Zeit etwas knapp, andererseits kann man gar nicht so viel besichtigen, weil das Ding noch bewohnt ist. Und das Timing war vermutlich auch nicht so ideal. Nach den Killing Fields ein derartiger Prunk verträgt sich nicht sonderlich gut. Unser Guide hat denn auch viel lieber über Beatocello gesprochen als über den König. Offensichtlich hält er von dem nicht sonderlich viel. Etwas, was sich in der Zwischenzeit bestätigte oder wiederholte. Die (gebildeteren) Kambodschaner haben weder von ihrem König noch von ihrer Regierung eine hohe Meinung. Sie sind auch überzeugt, dass bei den Wahlen getrickst wird, was mich nicht wirklich überraschen würde. Wo kommt das schon nicht vor?

Interessant fand ich jedoch, dass ein Palastangestellter derart offen über seine Antipathien spricht. In Thailand könnte es „brenzlig“ werden, wenn man etwas gegen den König sagt. Somit scheint hier doch eine gewisse Art „Redefreiheit“ vorhanden zu sein. Womöglich ja ein guter Anfang….

 

Ho Chi Minh City, VIE – By by Saigon

Mittlerweile bin ich ja eigentlich schon eine Station weiter und rückblickend verfestigt sich mein Gefühl, dass HCMC wohl nicht so meine Stadt ist. Es fehlt ihr ein wenig der vietnamesische Charme, zu viel erinnert an den Westen, auch wenn es äusserlich sehr vietnamesisch ist – eine Kombination weniger nach meinem Geschmack. Statt vieler Worte pick ich dazu die Hotelbewertungen als Bsp. heraus: Bei der ersten Hotelsuche in Vietnam (sowie auch nachfolgend) ist mir ins Auge gesprungen, dass das Hotelpersonal überall ausserordentlich gelobt wurde. Es war dermassen auffallend, dass es mich schon beinahe etwas irritiert hat, mittlerweile muss ich aber selber zugeben, dass die Betreuung effektiv aus dem Rahmen fällt, im positiven Sinne. Die Angestellten sind so bemüht und herzlich, aber doch niemals aufdringlich oder bemutternd unangenehm, ich habe so etwas noch selten in Hotels erlebt. Bei den HCMC-Hotels fiel dagegen auf, dass insbesondere das Personal mehrheitlich schlechte Bewertungen bekam, auch wenn das Hotel ansonsten gerühmt wurde und auch das kann ich unterschreiben. Sie sind auffällig bemüht darin, alles zu tun, um nicht arbeiten zu müssen. Hast du ein Anliegen, musst du dich schon lautstark bemerkbar machen – nach den zuvor gemachten Erfahrungen gleich doppelt mühsam. Auch sprechen sie kaum englisch, wobei nicht so ganz klar wird, ob sie nicht wollen oder wirklich nicht können. Eine solche Dienstleistungshaltung ist mir doch aus meiner Heimat ziemlich vertraut, passt aber so gar nicht zu den Vietnamesen, hat man seine Vietnam-Reise nicht in HCMC begonnen…. Man könnte vielleicht auch einfach sagen, der Norden Vietnams hat mich verwöhnt und im Süden musste ich mich wieder an die Normalität gewöhnen.? Und dafür muss ich ja eigentlich nicht herumreisen….

Seit ich vor ….. Jahren (es sind viele, meine französische Filmphase ist nämlich längst vorbei) den Film „Indochine“ gesehen habe, war ich auf gewisse Weise von Vietnam bzw. zumindest dessen Geschichte fasziniert. Zu einem Teil lag das bestimmt daran, dass für einmal nicht die Engländer die Kolonialherren waren – davor dachte ich, nach dem Verlust von Canada/USA hätten die Franzosen nur noch „uninteressante“ afrikanische Kolonien gehabt (Sorry, aber ich hab’s einfach nicht so mit Afrika) und war deshalb nur schon überrascht darüber, dass sich in Asien zwischen den englischen Kolonien auch noch französische getummelt haben (und wie schon angedeutet, ich hatte damals gerade eine Art „französische Phase“). Verstärkt wurde das Interesse oder die Faszination etwas später durch den Film „Platoon“. Es hat aber nie gereicht, um mich wirklich intensiv mit der Geschichte Vietnams zu beschäftigen – nun ja, damals gab es auch noch kein Internet für uns Normalsterbliche und es war noch nicht so einfach, sich schlau zu machen wie heute. Mittlerweile habe ich viel zu den letzten 100 Jahren vietnamesischer Geschichte gelesen und bin einmal mehr empört über den Westen – wehe wenn das einmal auf uns zurückkommt, dann möchte ich nicht im Westen zu Hause sein!

Nachdem ich längst beschlossen hatte, noch einmal nach Vietnam zurückzukehren und schon genug genervt war davon, mir ein Dach über dem Kopf zu organisieren, habe ich für die relativ lange Zeit, die ich in dieser Stadt verbracht habe, relativ wenig unternommen. Es gäbe ja viele Möglichkeiten, insbesondere wenn man die nähere Umgebung mit einbezieht (im letzten Blog bereits aufgezeigt), vielleicht hat mich die Qual der Wahl auch einfach etwas überfordert zusammen mit dem Energiemangel, von dem ich immer noch nicht weiss, wem oder was genau er geschuldet ist. Ich hatte ja auch eine Menge „nachzuschreiben“ (und bin bereits wieder in Verzug) und schliesslich habe ich auch die Zeit, mir immer wieder mal viel Zeit zu lassen und es einfach gemütlich zu nehmen.?

Gegen Ende des Jahres und meines Aufenthalts in HCMC habe ich mir dann aber doch noch die beiden Dinge angeschaut, die ich eigentlich schon ganz am Anfang machen wollte:

das Kriegsrelikte-Museum (früher: Museum der amerikanischen und chinesischen Kriegsverbrechen – sagt eigentlich alles, oder?)  Es hat mich denn auch ziemlich überrascht, dass Eltern hier mit ihren kleinen Kindern aufgekreuzt sind. Natürlich darf ich nicht davon ausgehen, dass alle sich im Voraus informieren, aber irgendwoher wird man doch wissen, was man sich anschauen will, oder nicht? Nun, die Vietnamesen sind doch so schlau und haben vorgesorgt, es gibt einen betreuten Spielraum, in dem man seine Kinder abgeben kann. Viele haben sich jedoch die Ausstellung angeschaut und werden wohl noch einige Zeit davon träumen, selbst wenn sie die Erklärungen noch nicht lesen können. Es geht wirklich unter die Haut. Etwas schade ist, dass es eine einseitige Sache ist, denn die Verbrechen des Vietcong sind nicht erwähnt und auch wenn ich immer weniger (sofern denn weniger überhaupt noch geht) von den Amerikanern halte, wird nicht alles falsch sein, was sie in ihrer filmischen Aufarbeitung so zeigen. Zumal man ihnen doch zu Gute halten kann, dass sie mit der Zeit objektiver geworden sind.

Neben Bildern und Relikten aus dem Krieg selber, gibt es auch eine grosse Ausstellung zu den Kriegsfolgen – Stichwort Agent Orange – und ein weiterer Raum ist den Kriegsreportern gewidmet, von denen viele nicht überlebt haben. Einige sind bis heute verschollen, darunter sogar ein Schweizer und man vermutet, dass sie in Kambodscha den Khmer Rouge zum Opfer gefallen sind (einige dieser Reporter wurden unter den Opfern der Killing Fields identifiziert oder sind in den Aufzeichnungen der Khmer Rouge wieder aufgetaucht).

Ich habe hier nur zurückhaltend Fotos gemacht – wer will solche Bilder schon bei sich verewigen? Insbesondere die Agent Orange-Opfer, die mir die Erinnerungen an Mengeles Versuchslabors hochkommen liessen, habe ich komplett weggelassen. Sie wirken schon beinahe wie Fotomontagen, auch wenn ich mir sicher bin, dass es keine sind. Ich weiss nicht, ob es eine richtige oder eine pietätlose Aktion wäre, diese Bilder weiter zu tragen. Übrigens sind auch Nachkommen der amerikanischen GI’s davon betroffen. Der Grund, weshalb den amerikanischen Kriegsveteranen von amerikanischen Gerichten Entschädigungen zugesprochen wurden – seltsamerweise finden die gleichen Gerichte aber immer wieder Begründungen, warum die zuvor erwähnten Begründungen für die vietnamesischen Opfer nicht gelten…. Soll mir einer die Logik der Justiz erklären! Kein Wunder, hatte ich in Jus immer so schlechte Noten.

Vor und nach Agent Orange








Der Wiedervereinigungspalast, früher Unabhängigkeitspalast und ehemaliger (Wohn-)Sitz der südvietnamesischen Regierung. Die Durchbrechung dessen Tore Ende April 1975 gilt als Symbol für das Ende des Krieges zwischen Nord- und Südvietnam (damals hatten sich die Amerikaner bereits aus dem Krieg zurückgezogen – und siehe da, sie haben nichts gelernt, machen die gleichen Fehler immer und immer wieder, wenn es auch damals nicht zu einer ISIS geführt und den Westen damit nicht (so ganz) tangiert hat. Aber wenn man aus seinen Fehlern nicht lernt, wird es halt meist jedes Mal ein bisschen schlimmer….)

An meinem Besichtigungstag fand gerade ein Kongress statt im Palast. Dies war jedoch kein Hinderungsgrund, die Touristen nicht einzulassen. Wir hätten uns denn wunderbar unter die Teilnehmer mischen und uns genüsslich am Bankett verköstigen können – eine etwas verwirrende Erfahrung. Vor allem auch deshalb, weil es zu Beginn recht schwierig war, seinen Weg durch das Gewusel zu finden. Die meisten Treppen schienen abgesperrt und ich hatte mich bereits gefragt, ob man wohl wirklich nur den Eingangsbereich des Palasts besichtigen könne. in den versteckten Seitenbereichen haben sich dann aber doch noch Treppen nach oben gefunden.

Die Blumen beim Eingang standen im Zusammenhang mit dem erwähnten Anlass (was ich jedoch erst später herausgefunden habe)

Das symbolträchtige Eingangstor 

Von vorn
Von hinten
Die linke Seite


Das Innere, unter anderem ein Kino, ein Spielzimmer, eine Bibliothek, Representationsräume (davon einen eigenen nur für die Empfänge von Botschaftern)….. Insgesamt etwa 100 Räume, von denen jedoch nur ein kleiner Teil besichtigt werden kann


Der Botschafterraum

Das Kino (unschwer zu erkennen)

Das Spielzimmer

Die Aussicht

Ohne Worte….

Definitiv die schönere Elefantenvariante…

…und noch etwas Info


Leider waren einige Bereiche des Palasts aufgrund von Restaurierungen nicht zugänglich. Diese sollten bis zum 28.12.2015 andauern – ich war am 29.12. da ? und musste schmunzeln. Womöglich haben die Rumänen wirklich Recht oder man hatte sich vielleicht in der Jahreszahl vertan? Nun, es ist wohl etwas gar kleinlich, in einem Tag Verspätung einen Fehler zu sehen, geärgert hat es mich trotzdem, dass ich ausgerechnet den Bunker nicht besichtigen konnte. Sie hätten die Zeitangaben doch einfach weglassen können….

Man könnte also tatsächlich zum Schluss kommen, dass mein Timing für Saigon das Falsche und es vermutlich die richtige Entscheidung war, meinen Vietnam-Aufenthalt etwas abzukürzen bzw. dieses „kostbare“ Visum nicht voll und ganz auszunutzen. Der Tag nach dem Besuch im Palast war mein Abreisetag. Den 30.12.2015 habe ich somit grösstenteils in einem Bus verbracht, der nicht so ganz den Anpreisungen im Internet entsprach. Es gab weder eine Toilette noch wifi an Bord und das Gefährt war relativ alt, die Fahrt jedoch teurer als bei der Konkurrenz…. So kann’s einem gehen, wenn man nicht bereit ist, morgens zwischen 6 und 7 Uhr loszufahren! Ich muss allerdings erwähnen, dass die Toiletten praktisch bei allen Busfahrten hier nicht genutzt werden dürfen (des Gestanks wegen) und es dafür regelmässige Stopps gibt – eine absolut akzeptable Alternative. Und wifi habe ich auch nicht wirklich vermisst, da ich den grössten Teil der Fahrt verschlafen habe. Genervt hat mich denn auch nur, dass ich für diesen „Luxus“ bezahlt habe. Allgemein komme ich immer mehr zum Schluss, dass die billigste Variante auch die ökonomiste ist. Da kannst du nicht Gefahr laufen, für etwas zu bezahlen, das du dann doch nicht erhältst, das Minimum wird immer geboten, Preis-/Leistungsverhältnis korrekt, Erwartungen erfüllt. Wieder etwas gelernt….

 

Ho Chi Minh City, VIE – Weihnachten

Die kommunistischen Vietnamesen sind Meister darin, viele Religionen miteinander zu verbinden oder zumindest nebeneinander zu akzeptieren – so gesehen könnten wohl viele noch etwas von den Vietnamesen lernen! Es gibt auch eine christliche Minderheit in Vietnam, doch die meisten Vietnamesen „feiern“ Weihnachten wohl eher so, wie es bei uns mittlerweile üblich ist: Weihnachtsschmuck, Santa Clauses und vor allem Geschenke verteilen. Mit dem Unterschied, dass es hier ganz normale Arbeits- oder Schultage sind. Einer meiner „Konversationspartner“ hat mir erzählt, dass er am 25. Prüfungen an der Uni hat…. Da würde ich unser Weihnachten dann doch vorziehen! Auch wenn ich das Gefühl habe, dass seit diesem sinnlos unnötigen Schaltjahr im Jahr 2000 (was macht das schon, wenn sich die Zeit verschiebt, so langsam, wie das vonstatten geht, merkt das sowieso keiner und das Wetter hat sich e längst verschoben!) die Weihnachtstage zu oft auf ein Wochenende fallen.? Aber zumindest das ist in diesem Jahr ziemlich egal.

 
Für mich hat sich Weihnachten in diesem Jahr fast weihnachtlicher gestaltet als zu Hause, weil ich weniger ausweichen konnte. Wenn ich mich recht erinnere, wurden ab dem 22.12. die üblichen Partysongs bspw. von Queen, Abba, Bee Gees oder wie sie alle heissen aus den Lautsprechern der diversen Bars und Restaurants abgelöst von ebenfalls westlichen Weihnachtssongs. Es war grad etwa so, wie wenn man zu Hause das Radio angestellt hätte. Wobei die verschiedenen Songs nicht immer in der Originalversion daherkamen (oder vielleicht sollte ich sagen, in der mir bekannten Version). Am 24.12. waren auch einige „Samichläuse“ unterwegs (vietnamesische zur Unterhaltung der Gäste in den Restaurants und westliche Touristen, deren Grund für die Verkleidung mir unklar geblieben ist). Überhaupt scheint der 24. hier der Haupt-Weihnachtstag zu sein, denn bereits am 25. war nicht mehr so viel von Weihnachten zu spüren. Zwar war die Musik noch immer auf Weihnachten eingestellt, aber „merry X-mas“ hat man höchstens noch von ein paar Westlern gehört und die roten Verkleidungen mit den weissen Bärten waren verschwunden. Der Weihnachtsschmuck ist noch immer da, die Musik wurde jedoch in der Zwischenzeit durch unerträgliches Techno ausgetauscht…. vermutlich ist man bereits dabei, sich auf den Silvester einzustimmen. Was bin ich doch in diesem Jahr froh, wenn endlich Januar ist!

Ich habe den Kommunismus doch noch gefunden

Die rote Notre Dame von Saigon (natürlich ein Relikt der Franzosen)
  
  

Zu Ehren der hl. Maria
Danksagungsplaketten an die hl. Maria (innerhalb der Notre Dame)




Ein wenig Saigon….
  


  

Das Rathaus von Saigon (hier fand sich – wie man unschwer erkennen kann – auch das kommunistische Werbeplakat)

  

Und schliesslich….. Weihnachten in Saigon

  
  

 

Ho Chi Minh City, VIE – gequält

Kleiner Einschub als allgemeine Info: Ihr habt ja keine Ahnung, wie obermühsam es ist, Fotos hier reinzukriegen! ?  Ich könnte nun ein Crowdfunding starten, um mir eine akzeptable Bearbeitungssoftware zu besorgen (diese Gratissoftware ist echt kacke – ob die gekauften allerdings besser sind….?), stattdessen sag ich einfach: Ihr könnt mich alle mal! Wenn Ihr Bilder wollt, fahrt selber hin oder geht googeln….

 
Die erste halbe Stunde Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel war überwältigend! Es war bereits dunkel und überall hat’s nur so geblinkt und geleuchtet von all den Werbetafeln, so richtig westliches Grossstadtflair. Daneben brausten Massen an Mopeds an einem vorbei, viele besetzt mit 4 Personen, zwei halben und zwei Elternteilen (wie ich zumindest annehme). Grosszügig beladene Mopeds hatte ich schon viele gesehen, seit ich asiatischen Boden betreten habe, jedoch noch nie mit so vielen Personen. Auch an einer Marie Curie-Schule sind wir vorbeigekommen, worüber ich zuerst etwas verwundert war, bis mir einfiel, dass es hier ja einst französisch war. Habe ich in Ha Noi grosse breite Highways nur im „Niemandsland“ gesehen, finden sich diese in HCMC auch mitten in der Stadt, wie wir es von Grossstädten bspw. in den USA gewohnt sind.

So hatte ich denn zu Beginn das Gefühl, im Westen gelandet zu sein. Bei der Ankunft im Hotel wurde ich jedoch rasch nach Vietnam zurück katapultiert. Sofort erkannte man wieder diese unglaublich schmalen Häuser (hat etwas mit den Steuern zu tun, dass die Häuser in Vietnam sehr schmal, nach hinten, weg von der Strasse, sehr lang und mittlerweile teilweise auch sehr hoch gebaut sind – der Grund, weshalb viele Hotelzimmer hier keine Fenster haben, da sich ein Haus ans andere reiht und so nur ganz wenig Hauswand überhaupt Platz für ein Fenster lässt, nämlich die zur Strasse und diejenige hinten hinaus). Ein weiteres „Indiz“ für westlich: der Boden ist offenbar noch teurer als in Ha Noi, die Hotelzimmer kosten nämlich mehr und sind kleiner. So ein kleines Kabäuschen wie hier, hatte ich bis jetzt noch keines und so viel bezahlt habe ich auch noch nicht.?  Und es ist wiederum laut, sehr laut. Nun, ich bin mitten im Backpacker-Viertel gelandet, da darf man sich wohl nicht wundern.

Hungrig bin ich gleich nach dem Einchecken los und in der Umgebung herumgeschweift, um mich bald darauf an einem ansprechenden Plätzchen niederzulassen. Und da habe ich eine Premiere erlebt: so ziemlich alles, was ich bestellen wollte (von der Karte wohlverstanden!), war gerade ausgegangen… Und obwohl ich aus einer Eingebung heraus zuerst gefragt hatte, ob man auch essen könne, musste ich dann erfahren, dass sie gerade kein Essen servieren, weil sie z. Zt. zu wenig Personal haben. Ich solle es doch in einer Woche wieder versuchen…. Der Geschäftsführer hat sich dann jedoch meiner erbarmt und mir eine Pho von irgend einem Stand in der Umgebung gebracht und eine Wasserflasche hat sich schliesslich auch noch aufgetrieben. Nach einer knappen Stunde befand ich mich dann seit langem wieder einmal in einer mir von zu Hause bekannten Situation: ich war der letzte Gast.

Ich weiss nicht, ob es an diesem Fehlstart lag oder an den bevorstehenden Weihnachtstagen, die mir ebenfalls das Leben schwer zu machen schienen (schwierig, kurzfristig eine vernünftige Unterkunft zu finden!) oder einfach an dieser Stadt, jedenfalls hat sich mein Enthusiasmus zu HCMC relativ schnell gelegt. Mir fehlt hier jegliche Energie und vor dem Mittag ist an Aufstehen schon gar nicht zu denken – nicht unbedingt etwas Neues für mich, aber in den letzten Wochen kam ich doch mit weniger Schlaf aus – womöglich liege ich auch einfach auf einer Wasserader ?. Zudem kann ich mich überhaupt nicht entscheiden, was ich will und was ich soll und überhaupt und verbringe Stunden damit, mich mit Informationen zu füttern und nach Unterkünften für die nächsten Tage zu suchen. Soll ich an einen Strand in Mui Ne oder Vung Tau ausweichen, ins Mekong-Delta gehen, in HCMC bleiben, nach Kuala Lumpur oder Phnom Penh abdüsen…..???

Ich weiss echt nicht, was die Vietnamesen mit ihren Böden haben. Bereits in Ha Noi ist mir aufgefallen, dass sie ständig damit beschäftigt sind, ihre Trottoirs zu wischen. Im Hinblick darauf, dass dies ja ihr Essplatz ist, konnte ich das noch irgendwie nachvollziehen. Nachdem ich jedoch mittlerweile weiss, wie „ergiebig“ dieses Reinemachen ist, kann ich darüber nur noch den Kopf schütteln. Und in den Restaurants hier artet dies schon beinahe in Belästigung aus. Ständig putzt irgendjemand um einen herum den Boden (nun nass) und es wird keine Rücksicht darauf genommen, wenn ein Gast „im Weg sitzt“ – da kann dich schon ‚mal ein herumschwingender Ellbogen boxen. Es grenzt auch an ein Wunder, dass mein Rucksack (der auf dem Boden steht) nicht auch „gereinigt“ wurde und meine Füsse bis anhin trocken geblieben sind. Sauber ist es dennoch nicht…. Total verschwendete Energie!

Ein Novum in Vietnam (für mich) sind die Bettler. Nur selten im klassischen Sinn, wie man sie in Indien an jeder Strassenecke trifft, meistens verkaufen sie irgendetwas (Lose?). Dabei handelt es sich vermutlich um Kriegsversehrte resp. (im Hinblick auf das Alter) „Agent Orange-Betroffene“ (auf gut deutsch „Krüppel“). Eine weitere Variante sind Mütter mit Babies oder behinderten Kindern im Rollstuhl oder Kinder, die etwas verkaufen oder Feuerspucker-Darbietungen geben. Sitzt man am Rand zur Strasse in einem Café, wird man zudem alle 5min von irgendeinem Händler (inkl. der zuvor genannten Bettler) angesprochen. Dabei zeigen sie eine unheimliche Ausdauer. Derselbe Verkäufer kann im Laufe eines Nachmittags 15x an dir vorbeigehen und dich immer wieder aufs Neue fragen – es könnte ja sein, ich hätte meine Meinung geändert. Soweit es Zigaretten anbelangt, ist dieser „delivery-Service“ ja ganz bequem, habe sogar bereits meine „Stammdealerin“ ?  (und mittlerweile herausgefunden, dass sie im Laden günstiger sind, doch beim Preis von $1 pro Schachtel ist das ziemlich egal ?). Und auch hier (oder vermutlich gerade hier), bist du als Raucherin automatisch eine potentielle Kifferin. Sobald der Zigaretten-Deal über die Bühne ist, folgt immer auch noch die Frage nach Marihuana, immer. In Ha Noi waren die Händler nicht so aufdringlich. Niemals wurde ich in einem Restaurant angesprochen, nur auf der Strasse und nie von Kindern.

Ebenfalls etwas überraschend ist für mich, dass die Englischkenntnisse des Personals im Tourismusbereich hier ziemlich lausig sind. Im Vergleich zu Ha Noi gleich null und dabei hätte ich es genau umgekehrt erwartet. So musst du schon ‚mal damit rechnen, dass du etwas Anderes serviert bekommst als du bestellt hast…. Wohl auch wieder ein Zeichen für mehr „Westen“ bzw. mehr Wohlstand. Die besser Qualifizierten haben hier vermutlich bessere Möglichkeiten als den Tourismus – bei uns ist es ja mittlerweile auch keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das Gastgewerbepersonal deutsch spricht… Hier sprechen sie zumindest noch die Landessprache (jedenfalls nehme ich das an).?

Als ich kürzlich – unglaublich, nun erklingt gerade Manu Chao aus den Lautsprechern!! ? – zwei Traveler belauscht habe und die eine dem anderen bestätigte, Ha Noi sei ziemlich ähnlich wie HCMC, hätte ich beinahe entrüstet widersprochen. Wenn ich’s mir aber genau überlege, liegt das wohl im Auge des Betrachters – natürlich ist es hier genauso vietnamesisch wie in Ha Noi. Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob meine Ablehnung gegen diese Stadt an mir (meiner momentanen Stimmung) oder wirklich an der Stadt liegt und will das vorerst auch noch offen lassen. Das Urteil wird erst gefällt, wenn ich ausserhalb der Weihachtszeit noch einmal hier war. Womöglich habe ich auch einfach meinen ersten Reisekoller und das gute Saigon kann gar nichts dafür.

 

Hue, VIE – die ehemalige Hauptstadt (1802 – 1945)

Gott ist das anstrengend hier! Auf die indische Art, scheinbar jeder 2. will dir hier irgendetwas verkaufen. An meinem ersten Abend in Hue (Ankunft mit 3h Verspätung, weil der Flug derart verspätet war – resp. ich unterstelle der Airline, dass sie einfach 2 Flüge zusammengelegt hat ?) hat mich ein Mopedfahrer angequatsch und ich dachte erst, er wolle mir eine „Taxifahrt“ verkaufen – das bin ich mir soweit ja bereits gewohnt – dann dachte ich, er wolle eine Zigarette schnorren; dann meinte ich, er wolle einfach einen Zug meiner Zigarette (wohl kaum!)… schliesslich ist er von seinem Moped abgestiegen, hat sich neben mich gestellt und ein riesen Pack Marihuana aus der Tasche gezogen – da hat dann auch Alexandra verstanden! Seither scheint mir, jeder Dritte will mir hier Hasch andrehen. Darauf war ich nicht vorbereitet, das ist eine vollkommen neue Entwicklung. Ansonsten hätten wir natürlich die üblichen Dinge im Angebot, sei es eine Fahrt mit Dreirad-Velo, Moped oder Taxi, irgendwelche Sightseeing-Touren (bis nach Ha Noi oder HCMC mit dem Moped!), Essen und Getränke bis hin zu allen Arten von Souveniers. Kurz gesagt, alles, was mich nicht interessiert.

Hue könnte man kurz zusammengefasst als indisches Phuket beschreiben. Das Indische habe ich bereits erläutert, Phuket bezieht sich auf das Touristische. Auch das hatte mich ziemlich überrumpelt, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. Hue gehört zum Standardprogramm des Vietnam-Reisenden. Es bietet viele Sehenswürdigkeiten aus der Zeit vor den Franzosen, aber auch Minderheiten-Völklein in den Bergen (ja, die schaut man sich hier an…. sind ansonsten hauptsächlich im Norden zu finden und von daher eher eine der Touristenattraktionen von Ha Noi), dann natürlich die DMZ und einen Strand hat es auch noch in der Nähe – somit für jeden Geschmack etwas. Entsprechend gestaltet sich die Stadt – auf den ersten Blick – wie ein typischer Touristenort à la Ibiza. Es ist laut, weil jede Bar die andere bezüglich Musik übertreffen will. Man macht auf „Partylife“ am Abend. Dafür ist hier nicht bereits abends um 10 Uhr alles dicht (wie in Ha Noi) und so kam ich auch zu später Stunde noch zu einem Abendessen – und wieder, es hat alles seine Vorteile! ?

Letztlich haben sich diese negativen Punkte aber schnell relativiert bzw. sind einem anderen gewichen: der Kälte! Am nächsten Tag nach meiner Ankuft war davon allerdings noch nichts zu spüren. Es herrschte eitel Sonnenschein bei blauem Himmel und war sehr warm. Ich habe die Rumänen aus Ha Noi wieder getroffen und wir haben uns zusammen die Sehenswürdigkeiten in der Stadt angesehen. Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte wohl mehr gesehen, wäre ich allein losgezogen, aber es war ganz angenehm, das Sightseeing zur Abwechslung mal in Gemeinschaft zu tun. Ausserdem war es ganz spannend, was sie so alles von Rumänien erzählt haben. Ist sicherlich einzigartig, beim Besuch der Zitadelle in Hue Informationen zur rumänischen Geschichte zu erhalten! ?  Die Zitadelle meint den ehemaligen Kaiserpalast – ein riesiges Gelände, das wohl noch Jahrzehnte benötigen wird, bis es wieder „vollkommen hergestellt ist“, nachdem vieles in den Kriegen zerstört wurde – wobei gemäss den Rumänen werden diese Restaurierungen niemals fertig, weil so üblich in kommunistischen Ländern…. Keine Ahnung, kann da schlecht mitreden! Finanziert werden diese Restaurationen übrigens hauptsächlich vom Ausland, teilweise von anderen Staaten, teilweise von privaten Stiftungen (habt Ihr gewusst, dass es eine Toyota Foundation gibt?), wobei ich bis anhin, abgesehen von der CityBank Foundation, noch keinen amerikanischen Namen ausmachen konnte.

Vis-à-vis des Eingangs

Der Eingang  (Mittagstor – hier übergab der letzte Kaiser seine Insignien an Ho Chi Minh 1945)

Ansonsten keine Ahnung mehr, was was war…

 


 


Restaurationsarbeiten auf vietnamesisch (am linken Seitenrand erkennbar)

Von diesen roten „Trennwänden“ und Säulengängen gibt es unzählige

Anschliessend waren wir bei der Thien Mu-Pagode (wo hinter den Gebäuden – wie im Reiseführer beschrieben – tatsächlich Mönche Fussball gespielt haben ?)

 

 



 

Nach der Selbstverbrennung von Thich Quang Duc (siehe Info im Foto) wurde der damalige südvietnamesische katholische Präsident Diem (ein Sadist) von den Amerikanern fallen gelassen. Er hat denn auch das Jahr 1963 nicht überlebt. Somit, wem Ehre gebührt… 

Tags darauf hat das Wetter umgeschlagen und die ersten Regengüsse gingen nieder. Noch hat sich aber auch die Sonne zwischendurch gezeigt. Dennoch, im Hinblick auf das Wetter haben es die Rumänen besser gemacht, die sind nämlich bereits wieder weiter gereist und so war ich wieder für mich. An diesem Tag habe ich eine private (!) Tour zu den Kaisergräbern gemacht. Bei zweien von dreien sprechen wir hier von riesigen Parkanlagen und hauptsächlich zerfallenen Gebäuden – also nicht gerade das ideale Ziel bei Regen. Aber nach Hue geht man ja schliesslich wegen der Kultur. Also bin ich brav durch die Anlagen gestapft und habe versucht, den Regen zu ignorieren bzw. auszublenden.

Grab von Tu Duc (Grab der Bescheidenheit) – Tu Duc hat bereits zu seinen Lebzeiten viel Zeit hier verbracht und Gedichte geschrieben. Unter seiner Regentschaft haben sich die Franzosen Vietnam einverleibt. Seine Regenstschaft war mit 36 Jahren die längste. Wirklich viel zu sehen gabe es hier jedoch nicht…

Die erwähnte Insel im See     

So wäre es einst gewesen….

Grab von Khai Dinh (der zweitletzte Kaiser)


Lebenslauf des verstorbenen Kaisers (verfasst von seinem Sohn)

Das effektive Mausoleum

 

….und sein Inneres

…..hier liegt der Erhabene 

 







 

Richtig geschäftig habe ich am nächsten Tag eine weitere Tour gemacht, dieses Mal in die DMZ = Demilitarisierte Zone, ein 10km breiter Landstreifen, der Süd- und Nordvietnam unterteilt. Bereits 1945 wurde festgelegt, das Land vorerst in Nord und Süd zu trennen, wobei ich bis ahin keine Begründung dafür finden konnte. Vermutlich war es der Wunsch der Franzosen, welche nämlich im Süden verblieben sind, während die Chinesen den Norden besetzt hielten. Offiziell wollten die Franzosen nur bis 1950 bleiben, hatten jedoch nie vor, sich daran zu halten und so kam es zum französischen Krieg, welcher 1954 beendet war, zu ungunsten der Franzosen. Daraufhin wurde (an der Genfer Konferenz) die DMZ gebildet bzw. beschlossen mit dem Ziel, zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsame Wahlen abzuhalten und darauf das Land wieder zu vereinen. Als sich jedoch verdeutlichte, dass sich wohl nicht die südvietnamesische Regierung durchsetzen würde, sondern der kommunistische Ho Chi Minh aus dem Norden, wurde es den Amerikanern unwohl und sie verhinderten diese Wahlen. Die weiteren Folgen sind wohl allen bekannt.

Die DMZ war im Laufe des Krieges eine der am stärksten beeinträchtigsten Gebiete und die Menschen, die dort leben, haben bis heute unter den Folgen zu leiden. Nach wie vor befinden sich Minen im Gelände und der Boden ist noch immer stark kontaminiert von den diversen Giften, die die Amis da so versprüht haben, um quasi den Dschungel auszurotten und eine bessere Sicht zu haben. Genutzt hat es nichts, aber vieles zerstört. Mittlerweile ist die Gegend wieder recht grün, sie macht keinen wüstenartigen Eindruck (mehr), gemäss Reiseführer trügt der Schein jedoch, da nur wenige Pflanzen die Widerstandskraft haben, hier zu wachsen (keine Diversifikation) und die Bauern in ihrer Armut die Böden zu sehr schröpfen, trotz aller Versuche der Regierung nach Nachhaltigkeit. Es dürfte wohl noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Zustand von Flora und Fauna hier normalisiert, sofern überhaupt. (Das Dioxin Agent Orange hat eine Halbwertszeit von 10j.)

Für Interessierte:

http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1862

An diesem Tag hat es nur einmal geregnet (von Mitternacht bis Mitternacht), was die Szenerie noch deprimierender machte. Letztlich muss man sagen, dass sich die ganze Sache nicht wirklich gelohnt hat. Abgesehen von den Tunnels, die wirklich eindrücklich sind, sieht man nicht sonderlich viel. Der Ort eines der ehemaligen militärischen Basislager der Amerikaner (in der Nähe der China Beach) wurde als eine Art Freiluftmuseum hergerichtet. Für eine unmilitärische Person wie mich ist es jedoch schwer, sich vorzustellen, wie das damals wohl ausgesehen haben mag. Man sieht einfach ein paar Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber der Amerikaner in unzerstörtem Zustand – die jedoch nachträglich dahin geschafft wurden, da die Amerikaner bei ihrem Abzug alles zerstört haben. Ausserdem gibt es ein par Denkmäler und nette Stories, einen riesigen Friedhof mit hauptsächlich namenlosen Gräbern (Zivilisten!) und die besagten Tunnels. Durch die Tunnels gibt es eine Führung, die jedoch für Ungeübte etwas zackig durch marschiert wird. Auch ist man von den Informationen ausgeschlossen, wenn man nicht zu den vordersten im Zug gehört. Die Tunnels sind so eng und klein, dass man sie nur im Gänsemarsch begehen kann und die Führerin hatte kein Megaphon dabei. Die Beleuchtung ist zudem minimal. Für klaustrophobische Menschen ist das nichts da unten! (Und man bedenke, die Tunnel wurden nach dem Krieg vergrössert, um sie für Touristen zugänglich zu machen….) Für alle anderen bedrückend eindrücklich, insbesondere wenn man sich vorstellt, dass die Menmschen etwa 3j lang in diesen Tunnels gelebt haben! Es gibt 3 „Stockwerke“ und so gehen die Tunnels bis zu 23m in die Tiefe, insgesamt spricht man von 2.8km Länge. Zeit für Fotos blieb bei diesem Tempo leider keine. So richtig unglücklich war ich jedoch auch nicht über das Tempo. Man ist irgendwie froh, wenn man wieder draussen ist…

Das Freiluftmuseum

Denkmal am Beginn des Ho Chi Minh-Pfads

An einem der Tunnel Aus- oder Eingänge

 



 

Da ich keine Lust hatte, 3x hintereinander früh aufzustehen, hatte ich bereits nach dem 2. Tag entschieden, meine Zeit in Hue um einen weiteren Tag zu verlängern. Als ich an meinem Ruhetag (nach den Sightseeing-Tagen) – an dem es noch immer in Strömen geregnet hat und mittlerweile auch ziemlich kühl geworden war – erfuhr, dass das Wetter an meinem nächsten Ziel, Hoi An, genauso gruselig sein soll, habe ich nach kurzem Überlegen entschieden, umzudisponieren, habe meinen Aufenthalt kurzerhand noch einmal um einen Tag verlängert und diesen Tag genutzt, um meine Reise nach Ho Chi Minh City zu organisieren.

Auch wenn es nicht so klingen mag, ich habe mich recht wohl gefühlt in Hue und mich sogar gefragt, ob ich nicht noch etwas länger hätte bleiben sollen. Hier war das beste Hotelpersonal, das ich bis anhin hatte und es gab unheimlich gute Restaurants. Es wäre ein idealer Ort gewesen, um mit meinem Blog wieder àjour zu kommen. Womöglich lag es am Regen, jedenfalls hat sich das Indische im Laufe der Woche gelegt und so blieb eigentlich nur die Kälte, die an meinen Nerven zerrte. Denn die Restaurants sind alle offen (als wäre es das ganze Jahr über 30 Grad) und nach 2-3h in der nassen Kälte sitzend, ist man doch ziemlich durchgefroren. Ausserdem hatte mein Hotelzimmer den Nachteil, dass das Badezimmer an einer Aussenwand lag. Durch den Ventilator gab es einen direkten „Frischluftzugang“ und die Heizung erwärmte natürlich nur das Zimmer, nicht aber das Bad, wodurch dasselbe im Laufe der Zeit zu einer Tiefkühltruhe wurde. Und das Zwiebelsystem hilft beim Duschen nun einmal nicht….

 
Hue von oben



 

Ha Noi, VIE – ein erstes Fazit zu Vietnam

War ich die ersten Tage in administrativen Angelegenheiten und ansonsten eher ziellos in der Stadt unterwegs, habe ich mich gegen Ende meiner Zeit in Ha Noi etwas zusammengerissen und mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten mehr ‚reingezogen. Dabei durfte das Hoa Lo-Prison natürlich nicht fehlen – irgendetwas Makabres muss immer sein ?. Ein Grossteil dieses Monstrums hatte allerdings bereits vor Jahren einem Geschäftshaus weichen müssen, heute steht nur noch ein kleiner Teil davon und so verhält es sich auch mit der „Museumsausstellung“. Resp. man könnte auch sagen, meine Erwartungen waren einfach falsch. Es geht in der Ausstellung hauptsächlich um die beiden Kriege (den französischen und den amerikanischen, nicht die beiden Weltkriege) und nur zu einem ganz kleinen Teil um das Gefängnis selber – ist ja auch schwierig, wenn nichts mehr davon steht. Und die „Gefängnisstories“ wiederum beinhalten hauptsächlich eine Aufzählung all der späteren hohen Regierungstiere in Vietnam, welche in diesem Gefängnis dahinvegetierten und dabei NIEMALS ihre kommunistische Überzeugung verloren haben – und gemäss der erhaltenen Informationen erscheint es mir doch recht überraschend, dass diese überhaupt überlebt haben. Erinnert ein wenig an Ausschwitz-Birkenau. Auf jeden Fall wird deutlich, dass die französischen Kolonialherren (Erbauer des Gefängnisses) die Einheimischen auch als „Untermenschen“ betrachtet haben. Allerdings war das ja wohl normal für das Gebaren von Kolonialherren und daher ist es heute auch kein Thema mehr….(oder liegt vielleicht daran, dass wir unsere Sichtweise noch immer nicht geändert haben, nur unser Verhalten ist etwas Menschlicher geworden?)  Schmunzeln musste ich hingegen bei der Ausstellung zur Zeit des amerikanischen Krieges, als die amerikanischen Soldaten dort eingesperrt wurden. Fotos von Weihnachtsfeiern und wie die Soldaten friedlich und vergnügt zusammensitzen und Brettspiele oder Karten spielen…. Passt nicht so ganz zu den Bildern, die wir aus den amerikanischen Filmen kennen ? – Propaganda überall!

Der originalgetreue Eingang des Gefängnisses

Weiter war ich im Literaturtempel. Die Bezeichnung Tempel ist etwas irreführend, da es eigentlich eine Universität (die erste von Ha Noi) für die höheren Söhne der damaligen Zeit war, gegründet von einem der Könige im 11. Jh.  Mit der Verlegung der Hauptstadt nach Hue 1807 verlor die Ausbildungsstätte ihren Status. Die letzten Prüfungen wurden 1915 abgelegt. Aufgrund der darauffolgenden Kriege (und entsprechenden Bombardements vor allem durch die Amerikaner) steht heute nicht mehr viel von den ursprünglichen Gebäuden, praktisch alles open-air. Doch obwohl mitten in der Stadt gelegen, ist es unheimlich ruhig und friedlich innerhalb dieser Mauern, trotz der vielen Touristen. Es ist denn auch nach wie vor eine Gebetsstätte für Konfuzius‘ Anhänger. Und so erinnert es – aus westlicher Sicht? – doch stark an einem Tempel.

Das Alumni-Verzeichnis  

Konfuzius ist der Grösste

 

Ach ja, die Vietnamesen lieben Karaoke und Federball. Beides trifft man regelmässig und besonders die Federballspieler meist an den unmöglichsten Orten an – die Vietnamesen können überall Federball spielen! Es ist beinahe ein Wunder, dass sie es nicht auch noch mitten auf einer Strassenkreuzung tun. Erinnert mich ein wenig an meine Kindheit, es gab da ‚mal so eine Phase, da waren wir (offenbar) auch vietnamesisch drauf….?  Kaffee lieben sie auch, allerdings geht es eher in Richtung türkischer Kaffee als den unsrigen. Und vietnamesischer Kaffee mit Milch ist normalerweise mit Kondensmilch. Oder anders gesagt, wenn du ihn erhältst, willst du zuerst reklammieren, weil du denkst, die Milch sei vergessen gegangen. Wenn du dann im Kaffee herumrührst, bereust du es ziemlich schnell, weil er dadurch zu einer unglaublich süssen gelartigen Melasse wird…. nicht wirklich zu empfehlen. Was die Franzosen den Vietnamesen Gutes hinterlassen haben, ist das Brot. Im Gegensatz zu Thailand oder Indien findet sich hier nicht nur Toastbrot, sondern an jeder Ecke wunderbare Baguetts sowie auch Pains au Chocolat und jede Menge Quiches. Und schliesslich – erwähnt als Tribut an eine gute Freundin ? – sind sie grosse Kunstfreunde, Galerien gibt es zu tausenden in Ha Noi.

 

 

Der Stadtsee, Hoan Kiem-Lake, dient scheinbar als eine Art Freiluftsprachschule. Als ich mich dort aufhielt, wurde ich ständig angesprochen, ob ich Zeit hätte. In der Annahme, man wolle mir etwas verkaufen, habe ich natürlich erst einmal verneint. Aber dann kam ein kleines Mädchen, hat sich einfach neben mich gesetzt und angefangen, mir 1’000 Fragen auf englisch zu stellen. Ich bin sicher, sie hat kaum eine meiner Antworten verstanden. Aber ich vermute, darum ging es ihr auch gar nicht, sie wollte einfach etwas Konversation üben. Auch sie hat von Federball erzählt, natürlich von Weihnachten, worauf sie sich freut, weil sie dann Geschenke erhält und sie steht auf Taylor Swift ? (wie könnte es anders sein!). Später hat sie noch ihre Mutter dazugeholt, welche sich auf der anderen Seite neben mich gesetzt hat und da – so eng eingepackt zwischen den beiden Frauen – war ich mir dann nicht mehr so sicher, ob ich mich noch wohl fühlen soll oder nicht, wo das wohl enden würde. Sie haben sich jedoch bald darauf verabschiedet und als ich mich das nächste Mal an diesem See auf die Frage, ob ich Zeit hätte, eingelassen habe, ging es wiederum nur darum, englisch zu sprechen. Wie angedeutet, man kann es nicht wirklich Gespräch nennen, du wirst einfach befragt, woher du kommst, wohin du gehst, wie dir Vietnam gefällt natürlich, welche Farbe du magst, welche Musik, welchen Sport etc. Die Schweiz ist den Vietnamesen in Ha Noi übrigens vollkommen unbekannt, sofern der jeweilige Vietnamese nicht im Tourismus arbeitet. Interessanterweise wollen sie auch Frankreich nicht kennen…. wenn’s um Europa geht, fragen sie sogleich nach den UK. Etwas Anderes scheint in Europa nicht existent.

Ich war hier noch in keinem, von aussen stehen die hiesigen Einkaufszentren den unsrigen jedoch in nichts nach. Auch bekommt man eigentlich alles, was man sucht. Vielleicht nicht mit dem gleichen Markennamen wie zu Hause und manchmal dauert es auch ein wenig, bis man erkennt – wie es halt so sein kann im Ausland – aber letztlich ist alles da. So tue ich mich denn etwas schwer, den Kommunismus zu „finden“. Das bestätigen auch andere Westler und selbst den Vietnamesen fällt es schwer, „ihren Kommunismus“ zu erklären. Wirtschaftlich ist hier alles möglich, wie es scheint. Längst nicht mehr alle Betriebe sind staatlich, im Gegenteil, diese sind vermutlich sogar mittlerweile in der Minderheit. Übrig geblieben scheint nur das Einparteiensystem und die Überlegenheit der Regierungsmitglieder, wie es mir von China her bekannt ist. Sie scheinen den Chinesen denn auch nahe, nur mit dem Aufbegehren gegen die Regierung liegen sie noch etwas zurück. Doch die jungen Vietnamesen beginnen sich gegen die Unterdrückung im Sinne des Gehorsams zu wehren. Interessant daran ist, dass der Staat sich in gewisser Weise selber „zerfleischt“. So schicken sie die Jungen auf Kosten des Staates zum Studieren ins Ausland und genau diese Rückkehrer sind es, die sich dem Gehorsam nicht länger unterwerfen wollen. Es wird interessant sein, die Entwicklung dieser Gesellschaft in den nächsten 10j zu verfolgen! Eine Vietnamesin Ende 20 hat mir erzählt, sie wolle keinen Vietnamesen zum Mann. Denn in Vietnam müsse man die Eltern und Schwiegereltern respektieren, egal ob man sie leiden könne oder nicht (ähnlich zu Indien ziehen Frauen nach der Heirat in den Haushalt der Schwiegereltern – wär auch nicht mein Ding ?). Welche weiteren Gründe den Wunsch nach einem Mann aus dem Westen verstärken, lassen wir nun einmal dahingestellt. Ich finde, die Aussage zeigt sehr schön die Konflikte, die in einer sich zu schnell verändernden und stark von aussen (dem Westen) beeinflussten Gesellschaft entstehen. Wenn sich die Frauen weigern, in den Haushalt der Schwiegermutter einzuziehen, weil sie sich dort unterordnen müssen, geht das System nicht mehr auf (Altersvorsorge!). Dass es dazu Alternativen gibt, hat das neue Denken bewirkt, Dank sei dem Tourismus, der Globalisierung, dem Internet (soweit ich feststellen kann, blockt die vietnamesische Regierung bis anhin nichts im Internet).

Aber eigentlich war ich ja beim Einkaufen. In der Altstadt von Ha Noi gibt es keinen Platz für Einkaufszentren – man spricht vom Goldenen Slum, die Menschen wollen nicht wegziehen (u. a. wegen der Wertsteigerung) und zusätzlich zieht es immer mehr Menschen dorthin, der Platz lässt sich aber nicht ausdehnen und so haben die Bodenpreise denn auch schon beinahe Schweizer Niveau erreicht! (Und wieder, wo ist hier der Kommunismus, da gehörte der Boden doch eigentlich dem Staat?) Und so herrschen in Ha Noi noch die Strassenzeilen vor, in denen sich ein Geschäft ans nächste drängt, zudem gibt es mehrere Markthallen (vergleichbar mit Covent Garden).

Alltag

Hier musste ich an Samira denken (auch wenn sie da mittlerweile wohl nicht mehr reinpasst und diese Kleidchen sicherlich genauso schrecklich findet wie ich) ?

Der Nachtmarkt am Wochenende (abgesperrt und theoretisch nur für Fussgänger, aber Mopeds kommen überall durch) 


Katzen gibt es hier jede Menge, mehr als Hunde. Oft gehört eine zum Restaurant. In meinem Lieblingscafé hatten sie eine noch ganz junge. Mit der habe ich mich im Laufe der Zeit angefreundet und zum Schluss sass sie sogar auf meinem Schoss, während ich gebloggt habe und hat friedlich vor sich hingeschnurrt. Wie es Katzen jedoch so an sich haben, sie hat mir meine Jeans zerlöchert…. Zu meinem Elend wird es diese Hose wohl kaum bis zum Ende meiner Reise machen. Das liegt in erster Linie sicher an den hiesigen Waschmaschinen/Tumblern, die Katzenkrallen waren jedoch nicht gerade förderlich.?

Mittlerweile habe ich auch herausgefunden, weshalb man die Vietnamesen so schlecht versteht: sie sprechen das „S“ nicht. Wenn du also wieder einmal nicht verstehst, versuch an den passenden Stellen ein S reinzupacken und oft ergibt die Aussage dann einen Sinn, was bspw. wie „fööt“ klingt, meint nach meiner Erfahrung „first“ ?  (Standardfrage der Vietnamesen, ob man das erste Mal in Vietnam ist).

Trotz mehrfacher Versuche gelingt es mir nicht wirklich, in Worte zu fassen, was mir an Ha Noi denn so gefällt, warum ich mich hier so wohl fühle. Wobei dies wohl das Stichwort ist: ich fühle mich hier einfach wohl. Es ist ein bisschen wie Schuhe kaufen, ein Blick aufs Regal genügt, um zu wissen, ob es sich lohnt, hier etwas anzuprobieren oder ob man das Geschäft gleich wieder verlassen kann (meine Mutter kann aus meinen Kindertagen davon ein Liedchen singen ?). So ähnlich verhält es sich bei mir auch bei Orten, einmal kurz „durchschnuppern“ genügt, um zu wissen, ob man sich hier niederlassen wollte oder doch lieber bald wieder weiterziehen will. Wieviel davon korrekte Intuition und wieviel falsches Vorurteil ist, sei einmal dahin gestellt. Ist ja vermutlich auch gar nicht so wichtig, da ein endgültiges Niederlassen sowieso nicht zur Debatte steht ?. Ein Grund für die Faszination liegt sicherlich in der Diskrepanz zwischen dieser gewissen Ruhe und dem für Asien üblichen lautstarken Chaos – zwei Gegensätze, die sich hier auf wunderbare Weise verbinden oder auch nebenher gehen, mal so, mal so. Die Menschen sind oft erst einmal zurückhaltend – das absolute Gegenteil vom Amerikaner, der gleich nach 5min. dein bester Freund ist. Doch wenn sie entschieden haben, sich zu öffnen, können sie unglaublich herzlich sein. Und manchmal auch überraschend fürsorglich, so hat mich eine alte Dame beim Überqueren der Strasse auch schon einfach an der Hand genommen und mich über die Strasse geführt. Sie sind auch recht „touchy“, Berührungsängste sollte man hier keine haben. Eine Umarmung zum Abschied ist nicht selten – natürlich nur von Frauen (wobei das an mir bzw. meinem Geschlecht liegt, unser Guide bei der Ha Long-Tour ging bei den männlichen Teilnehmern genauso auf brüderliche Tuchfühlung).

Ha Noi, wenn Du keinen Winter kennen würdest, wärst Du vermutlich mein Favorit…!?

 

Ha Long Bay, VIE – Eines der 7 neuen Welt-Naturwunder

Ich dachte mir, wenn du schon in der Nähe bist… Doch einmal mehr konnte mich die Natur nicht so beeindrucken. Vielleicht lag es am Wetter, das nicht sonderlich ideal war oder am riesigen Touristenandrang. Erst gab’s ständig Stau unter den Schiffen und später ist man sich gegenseitig auf den Füssen herumgetreten, weil alle Schiffe gleichzeitig anlegten. Von einem Vergnügen kann soweit keine Rede sein.

Ich weiss ja, dass diese Touristenattraktionen nicht so mein Ding sind. Sie sind eine Massenabfertigung, das gilt leider auch hier. Ich bin mir daher nicht so sicher, ob die Unesco der Ha Long Bay einen Gefallen getan hat mit dieser Erhebung zum Weltwunder. Die Fischer dort finden diesen „Traffic“ mit Sicherheit nicht sonderlich toll und es würde mich nicht wundern, wenn deren Lebensalltag und damit -unterhalt früher oder später zugrunde gehen. Andererseits profitiert das Land natürlich im Bereich Tourismus enorm. Und nach allem, was es Dank dem Westen in den letzten 150j durchgemacht hat, mag das eine Art Wiedergutmachung sein (insbesondere, da die betroffenen Mächte ihre Verantwortung nicht übernehmen). Nur ob dieser Schuss letztlich nicht nach hinten losgeht?

Ich hatte eine 1-Tages-Tour gewählt (zum Glück nur einen Tag!), die ich relativ lange vor mir hergeschoben habe, weil sie bereits morgens um 8 Uhr losging und weil ich auch auf besseres Wetter hoffte. Sie begann mit einer 3.5 stündigen Bus-Fahrt, die uns ein wirklich guter Guide versüsste. Sein Humor war erstklassig, die Infos interessant (und korrekt – ich für meinen Teil hatte das Meiste bereits in meinem Travelguide gelesen ?) und er hat auch nicht die ganze Zeit gequasselt, sondern uns immer wieder Zeit für uns gelassen – sein Englisch war top, nur die Betonung für meine Ohren etwas schräg. Allgemein finde ich es recht schwierig, die Vietnamesen zu verstehen, wenn sie englisch sprechen und ich habe den Verdacht, es geht ihnen umgekehrt ebenso.?  Nach der Busfahrt ging’s direkt aufs Boot, wo wir einen ausgiebigen Lunch geniessen durften. Darauf kam der Kajak-Trip in irgendeine Grotte, den ich mir jedoch geschenkt habe, Wasser und so, ausserdem hätte es extra gekostet und das war’s mir echt nicht wert (und ich glaube, das war’s auch wirklich nicht, demnach zu urteilen, was die anderen danach berichteten). Anschliessend weiterfahrt zum „Klettern“ – so wurde es zumindest angekündigt. Es ging wiederum in eine Grotte, die jedoch tatsächlich etwas höher gelegen war und deren Namen ich bereits wieder vergessen habe. Der Abstieg zum Schluss gestaltete sich denn auch etwas heikel bei diesen Menschenmassen. Danach ging’s mit dem Schiff zurück zur ursprünglichen Anlegestelle. Der gesamte Bootstripp dauerte 5h, davon etwa eine Stunde Mittagessen und die 2 Breaks in die Grotten, die ebenfalls je etwa eine Stunde dauerten. Wirklich viel war da somit nicht mit Schiffahren. Mir hätte es besser gefallen, die gesamten 5h einfach zwischen diesen Felsen rumzuschippern. Aber dafür hätte ich vermutlich selber ein Boot chartern müssen. Zum Schluss war natürlich wieder Busfahren angesagt, den gleichen Weg 3.5h zurück. Überraschenderweise wurde ich als letzte abgesetzt (andere Reihenfolge als am Morgen), so dass ich zum Ende gar noch in den Genuss einer kurzen Privatfahrt kam, wenn man so will. ?

Das Beste an der ganzen Sache scheinen mir die Teilnehmer und der Mix meiner Truppe gewesen zu sein. Wir waren 16 Personen aus USA, Rumänien, Japan, Thailand, Singapur und Korea – eine für mich eher spezielle oder sagen wir ungewohnte Zusammensetzung – und haben uns ziemlich gut verstanden. Besonders bei der Rückfahrt war eine gute, ausgelassene Stimmung im Bus, es wurde viel gelacht. Und ich kam so wieder einmal zu einem Austausch mit anderen Reisenden. Das hat tatsächlich etwas für sich… ?  Die Rumänen werde ich vermutlich an meiner nächsten Station wieder treffen. Insofern war die ganze Sache ok. Ich kann nun sagen, ich war dort…. ?

Einmal mehr muss ich allerdings feststellen, dass Reisen – so richtig Reisen – ins Geld geht. Das geht so nicht ewig weiter. Ein weiteres Argument dafür, mich niederzulassen statt herumzureisen. In Vietnam bleibe ich jedoch bei meinen Plänen – vermutlich wird Vietnam damit zum teuersten Pflaster für mich (abgesehen von Vancouver und San Francisco natürlich). Danach werde ich günstig dahindarben, damit ich nicht zu früh nach Hause muss… ? Scheinbar entwickle ich etwas verfrüht den Altersgeiz ?, auf jeden Fall ist mir noch nicht nach heimkommen und danach, ins normale Leben zurückzukehren. Aber nach noch nicht einmal 2 Monaten ist dies wohl auch akzeptabel.

Bilder zur Ha Long Bay solltet Ihr euch lieber im Netz anschauen, da findet Ihr bestimmt die besseren – vermutlich aber keine, die den Massenandrang zeigen (wobei ich diesbezüglich auch ziemlich zurückhaltend war, wer will denn Schiffs- und Menschenmassen fotografieren….!)

Das Bild täuscht, hier hatten eine ganze Reihe an (weissen) Schiffen angelegt



Zum Schluss noch ein wenig Kitsch aus der Grotte…